Kapitel 5

1200 Words
Suna POV: 15 Minuten sitze ich hier schon und schwelge in Erinnerungen. Ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat, auf einmal über alles, was mir in den letzten Monaten und Jahren passiert ist, nachzudenken, aber ich tue es. Ob das jetzt eine gute Idee ist weiß ich nicht, aber ich habe diese Gedanken schon viel zu lange verschoben. 'Klopf,Klopf' "Suna, bist du da?" Tae's Stimme ertönt hinter der Tür. War ja klar, dass bald jemand hochkommen würde. Egal. Wenn ich ruhig bin, merken sie bestimmt nicht, dass ich da bin. Die Türklinke bewegt sich. Zum Glück ist sie verschlossen, ich habe gerade echt keinen Nerv dafür. "Suna, ich weiß, dass du da bist. Wieso verschließt du die Tür? Ist alles okay bei dir?" nun höre ich auch die anderen, die offensichtlich mitbekommen haben, was los ist. "Suna? Lass uns doch rein, sonst machen wir uns noch sorgen" höre ich nun Jins bittende Stimme. Gott, wieso verstehen die nicht, dass ich gerade einfach meine Ruhe brauche? Wieso würde ich sonst meine Tür verschließen? "Es ist alles in Ordnung, ihr könnt wieder gehen" okay, das klang nicht so überzeugend, wie ich es mir gedacht hatte. Aber hey! Niemand zwingt sie dazu, vor meiner Tür zu stehen. " mach doch bitte die Tür auf. Wenn du uns sagst, was los ist, können wir dir bestimmt helfen." "mir helfen? Namjoon, du verstehst nicht. Ihr könnt mir nicht helfen, also lasst mich einfach mal in Ruhe und verschwindet!" Ich wollte sie wirklich nicht so anfahren, aber ich habe die letzten Jahre immer gewusst, alleine mit meinen Problemen klar zu kommen, da würde ich ganz sicher nicht anfangen, auf einmal auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, die ganz sicher nicht annähernd mit solchen Problemen zu tun hatten. Sie leben doch ihren Traum, werden von allen geliebt und können sich bestimmt nicht mal vorstellen, wie es ist, gedemütigt, beleidigt und gebrochen zu werden und dann auch noch seine Eltern zu verlieren. Wie gerne würde Ich jetzt in den Armen meiner Mutter liegen und mir von ihr zuflüstern lassen, dass alles okay sein wird. Aber das kann sie nicht. Nie wieder, denn sie hat mich verlassen. Tränen, die ich zuvor gut zurückhalten konnte, bahnten sich den Weg meine Wangen hinter, um schließlich auf meinem Schreibtisch zu landen. 20 Minuten, in denen ich still vor mich hin weine, vergehen, bis mal wieder ein Klopfen ertönt. "Suna, ich bin es" Jungkook? Oh nein. Der einzige, bei dem ich schwach werde. War ja klar, dass sie den golden Maknae vorschicken. "ich weiß nicht, was los ist, aber bitte rede mit mir. Lass mich dir helfen. Ich werde hier so lange sitzen, bis du mich reinlässt" ein kratzendes Geräusch ist zu hören. Offensichtlich hat er es sich an der Tür bequem gemacht. Man, der meint das wirklich ernst. Okay, vielleicht wird er wieder verschwinden, wenn ich ihn kurz reinlasse. Ich stehe also auf, drehe den Schlüssel im Schloss um, woraufhin ein leises Klacken ertönt und setze mich dann wieder auf mein Bett. Natürlich mit dem Rücken zur Tür. Er würde bestimmt schnell wieder gehen, wenn er sieht, dass es mir 'gut' geht. Keine Sekunde später öffnet sich die Tür, die kurz drauf wieder verschlossen wird. Oh nein, er hat abgeschlossen. Ich dachte er geht gleicht wieder. "Dann bist du also der beste, den sie schicken konnten, was?" sage ich, nachdem er neben mir Platz genommen hat, ohne meinen Blick von meinen Händen zu lösen. Ich spüre seinen stechenden Blick auf mir, der mich nur noch nervöser macht. " niemand hat mich geschickt. Ich bin hier, weil ich mir Sorgen um dich mache. Und die anderen auch" "ich brauche einfach nur Zeit zum nachdenken. Das ist alles" "worüber musst du nachdenken?" fragt er ruhig. Will er das jetzt wirklich durchziehen? Ich atme kurz aus. Wo soll ich anfangen ? "Über alles. Alles, was mir in den letzten Monaten passiert ist. Der Umzug, meine Eltern, das alles hier. Auch über meine Freundinnen" sage ich am Ende leise. "Über deine Freundinnen? Aber das ist doch etwas gutes." er hat Recht und trotzdem hat er keine Ahnung. "du verstehst das nicht" sage ich und seufze aus. Wie könnte er auch? Er würde es niemals nachvollziehen können. "Dann erklär es mir. Hilf mir, dich zu verstehen. Rede mit mir. Bitte" Er klingt wirklich so, als würde es ihn interessieren. Vielleicht habe ich endlich eine Person gefunden, mit der ich reden kann. Jemanden, der mich versteht und mir hilft. "Ich kannte sowas nicht. Freundschaft." fange ich an zu erzählen. Jungkook guckt mich verwirrt an: "wie meinst du das? Du hattest doch in Deutschland auch Freundinnen." "Ich habe gelogen. So jemand wie ich hatte keine Freunde. Die Streberin der Schule, der Außenseiter, das Mobbingopfer" traurig lache ich auf, als ich daran denke, was sie mich immer genannt haben. "Ich war doch ein niemand. Das hässliche Mädchen, das jeder ausgelacht und beleidigt hat. Der Liebling aller Lehrer und Freak in den Augen anderer." " Suna ,ich-ich weiß nicht was ich sagen soll" "du musst nichts sagen. Das alles liegt hinter mir und trotzdem lässt es mich nicht los. Diese, diese Wut, diese Wut auf die Leute, auf mich selbst, weil ich nie etwas gegen sie gesagt habe. Ich wurde gedemütigt, belogen und verletzt." als ich merke, dass Tränen aus meinen Augen treten, stehe ich auf und laufe auf die andere Seite meines Zimmers. Jungkook muss mich jetzt nicht auch noch weinen sehen. Ich habe sowieso schon zu viel gesagt. Was er jetzt nur von mir denkt? Gott, ich hätte einfach meinen Mund halten sollen. "Suna sieh mich an" höre ich Jungkooks Stimme sagen. Oh nein, ich denke garnicht daran mich umzudrehen. Plötzlich spüre ich zwei warme Hände, die mich sanft an den Schultern umdrehen, doch mein Blick ist starr auf den Boden gerichtet, den ich durch den Tränenschleier vor meinen Augen kaum noch sehen kann. "Verdammt, Suna" sagt Jungkook verzweifelt und drückt mein Kinn mit seinem Zeigefinger hoch, wodurch ich gezwungen bin in seine Haselnuss braunen Augen zu gucken. "Wieso hast du denn nie etwas gesagt?" fragt er leise und streicht mit seinen Daumen meine Tränen aus meinem Gesicht, was mir an meinem ganzen Körper eine Gänsehaut verpasst. Das bringt jedoch ziemlich wenig, da die Tränen wie ein Wasserfall aus meinen Augen laufen. Kurzerhand greift er nach meinem Arm und zieht mich in eine feste Umarmung. Er legt seine Arme um mich und ich verstecke mein von Tränen überzogenes Gesicht in seiner Brust. Ich denke das brauchte ich jetzt. Jemanden, bei dem ich mich einfach mal ausheulen kann. Ein Schluchzen entfährt mir und ich halte mich enger an ihm fest. All diese Gefühle, die ich so lange verdrängt habe, kommen wieder hoch. "I-ich w-wusste nicht, d-dass es n-noch so weh t-tut" "alles wird gut. Ich bin jetzt bei dir und ich werde auf dich aufpassen. Versprochen" mit diesen Worten streicht er mir beruhigend über den Rücken und redet mir gut zu. So stehen wir noch einige Minuten in meinem Zimmer. Ich in seinen Armen und er, der mich beschützenden festhält. Das kribbelnde Gefühl, das sich dabei in mir bemerkbar macht, ignoriere ich gekonnt. ———————————————
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD