Jungkook POV:
Mittlerweile ist es schon sehr spät. Kurz nach halb 1 morgens um genau zu sein. Aber ich kann einfach nicht schlafen. Zu viele Gedanken und Gefühle schwirren in meinem Kopf herum und halten mich vom schlafen ab. Ich weiß, dass zumindest Tae auch noch wach ist, denn wir haben bis eben noch gemeinsam gezockt. Eigentlich wollte ich ja mit ihm über Suna sprechen, aber ich wusste einfach nicht, wie ich das Gespräch anfangen sollte "hey Tae, mal so ganz nebenbei, ich hab mich in deine kleine Schwester verliebt und will sie nach einem Date fragen"? So ganz sicher nicht.
Er ist mein bester Freund und ich bin mir eigentlich auch sicher, dass er mir seinen Segen dafür geben würde, aber.... ach, ich weiß auch nicht. Ich weiß doch nicht mal, ob sie meine Gefühle überhaupt erwidert. Vielleicht sieht sie mich ja nur als den besten Freund ihres großen Bruders. Aish, drauf sage ich zu mir selbst und erhebe mich von meinem Bett. Ich geh jetzt rüber zu Tae und rede mit ihm. So schwer kann das ja nicht sein.
"Tae, bist du noch wach?" frage ich leise, als ich seine Tür öffne. "Klar. Komm rein, Jungkook" er klopf mit seiner Hand auf sein Bett, worauf ich mich dann setze und stumm meine Hände mustere. "Also, du wolltest mit mir reden?" unterbricht er die Stille und sieht mich fragend an. "Ja, ich- ich weiß nur nicht, wie ich anfangen soll" gebe ich von mir und beiße auf meine Unterlippe, was ein Reflex ist, wenn ich nervös bin. "Hey, kookie. Was ist los? Alles in Ordnung ?" brüderlich legt er seine Hand auf meine Schulter und ich atme tief durch. " nein- also doch, schon aber- ach, es ist kompliziert" er sieht mich verwirrt an "was ist kompliziert?" "Ich."
Okay, Augen zu und durch "ich habe mich in Suna verliebt" gebe ich fast flüsternd von mir, doch ich weiß, dass er es gehört hat, denn er zieht überrascht die Luft ein. Ich senke meinen Blick wieder und warte gespannt auf seine Antwort, die jedoch nicht kommt. Nach einigen Sekunden schaue ich dann doch fragend auf und erblicke einen Tae, der mich grinsend ansieht, was mich nur noch mehr verwirrt. "Wieso grinst du so?"
Frage ich ihn also, worauf sein typisches Kastengrinsen nur noch größer wird, falls das überhaupt möglich ist. "Ich wusste es" sagt er nun. "Du wusstest es?" gebe ich nervös von mir. Meine Hände fangen an zu schwitzen. "Klar wusste ich es. Jeder hier wusste es. Denkt ihr, wir merken nicht, wie ihr euch anseht, oder eher versucht, euch nicht anzusehen?" lachend klopft er mir auf die Schulter. War es wirklich so offensichtlich?
Aber warte. Was meinte er mit ihr ? "Warte, Tae. Was meinst du mit ihr ? Sieht Suna mich... etwa auch an?" "oh man, ihr habt ja echt keine Ahnung" seufzend lehnt er sich zurück und wäre ich jetzt nicht so nervös, dann würde ich mich jetzt über Taes rätselhafte Antworten aufregen.
"Tae, willst du mir damit sagen , dass- dass Suna vielleicht auch, also, dass sie vielleicht auch-" "auf dich steht? Ja, da bin ich mir sicher" beendet er meinen Satz, was in mir ein Gefühlschaos entstehen lässt. Mein Herz fängt an zu rasen und den Schweiß, der sich auf meinen Handflächen ausbreitet, wische ich an meiner Jogginghose ab. "Jungkook, sieh mich an." nervös tue ich, was mein bester Freund sagt und blicke in seine Haselnuss braunen Augen. Genau die selben Augen, wie Suna.
"Du machst dir viel zu viele Gedanken. Geh einfach zu ihr und frag sie, ob sie mit Dir ausgehen will, oder einfach nur eine dvd auf deinem riesigen Gamer-Bildschirm" grinsend sieht er mich an und auch ich kann mir ein Lächeln nicht unterdrücken. Aber was ist, wenn, wenn sie mich nur als den besten Freund ihres Bruders sieht? Oder noch schlimmer. Was ist, wenn sie mich schon als eine Art Bruder sieht. Oder-" "Jungkook!" unterbricht er mich in meinem verzweifelten Vortrag.
"Wie willst du dir sicher sein, dass sie nicht genau das selbe für dich empfindet, wenn du nicht mit ihr redest? Ich kenne meine Schwester und ich kenne das Funkeln in ihren Augen, wenn sie etwas glücklich macht. Und auch, wenn das in letzter Zeit selten vorkam," bedrückt sieht er kurz auf seine Hände "so weiß ich ganz sicher, dass dieses Funkeln ihre Augen erreicht, wenn sie dich ansieht."
" glaubst du das wirklich?" frage ich ihn noch ein letztes Mal "würde ich es dir sonst sagen?" "Danke, Tae" sage ich, bevor ich ihn in eine brüderliche Umarmung ziehe. "Glaubst du, sie ist noch wach?" mittlerweile ist es 10 nach ein Uhr morgens, doch an Schlaf ist bei mir noch nicht zu denken. "Ich weiß nicht, aber ich war vorherging im Flur, da war noch Licht in ihrem Zimmer." sagt er schulterzuckend und sieht mich aufmunternd an.
"Geh hin und frag sie, ob ihr morgen Abend zusammen einen Film anschauen wollt. Wie könnte sie dazu nein sagen?" lächelnd zwinkert er mir zu und mit neuer Motivation verlasse ich sein Zimmer. "Was soll schon passieren?" flüstere ich mir selbst Mut zu " ich werde sie einfach fragen" an ihrer Zimmertür angekommen klopfe ich kurz und betrete es dann zögerlich, da kein herein ertönt.
Als ich jedoch sehe, weshalb sie nicht geantwortet hat, bleibe ich schmunzelnd stehen.
Sie ist doch tatsächlich an ihrem Schreibtisch eingeschlafen und das auch noch mit Licht an. Sie muss wohl sehr erschöpft sein. Genau so war es bei mir auch damals. Vor gut 1 1/2 Jahren um genau zu sein. Du hängst bis spät in die Nacht an deinen Schulaufgaben und bist dann so erschöpft, dass du von der einen auf die andere Sekunde einfach einschläfst.
Darauf bedacht sie nicht aufzuwecken, laufe ich leise auf sie zu und werfe einen Blick auf die Blätter, die sich unter ihren Armen befinden. Mehrere Textzeilen mit dem Titel Stay. Sieht so aus, als hätte sie einen Song geschrieben. Oh, wie gerne ich ihn jetzt lesen würde, doch das steht mir nicht zu. Sie hat den Text geschrieben und ich habe nicht das Recht dazu, einfach so in ihre Privatsphäre einzugreifen.
Ich wende meinen Blick also von den Texten ab und schaue stattdessen Suna an, die friedlich vor sich hin döst. Sie ist wirklich wunderschön. Vorsichtig lege ich ihre Arme um meinen Nacken und hebe sie dann hoch, woraufhin sie wohl unbewusst ihre Beine um meinen Oberkörper schlingt.
Kurz bleibe ich stehen. Mein Herz rast schon wieder. Das Gefühl, ihr so no zu sein, macht mich glücklich und wirft mich total aus der Bahn. Ich spüre ihren Atem an meinem Nacken, was mir eine Gänsehaut vom Feinsten verpasst. Wie kann dieses Mädchen unbewusst so einen Einfluss auf meinen Körper haben?
An ihrem Bett angekommen löse ich ihre Beine und Arme von mir und Decke sie zu, nachdem ich die sachte hinlege. Wie aus Reflex legt sich meine Hand an ihre Wange und streicht diese zart auf und ab. Das könnte ich den ganzen Tag und die ganze Nacht lang tun.