Kapitel 1: Zerschmetterte Wünsche
Ella Brown stand vor ihrem bodenlangen Spiegel, ein sanftes Lächeln spielte auf ihren Lippen, als sie das Kleid anprobierte, das sie morgen an ihrem großen Tag tragen sollte.
Sie starrte auf ihr Spiegelbild. Die zarte Spitze des Kleides schmiegte sich perfekt an ihre Kurven, trotz des Stoffs, den sie darunter trug. Der Stoff ihres Kleides schimmerte im schwachen Licht ihres Schlafzimmers.
Sie drehte sich glücklich im Kreis. Morgen war endlich da, es war der Tag, von dem sie ihr ganzes Leben lang geträumt hatte. Um Mitternacht würde sie achtzehn werden, endlich ihren Wolf erwecken und die Bindung mit ihrem Verlobten, Alpha Kevin Taylor, vollenden. Der Gedanke ließ einen Schauer der Aufregung über ihren Rücken laufen. Morgen Nacht würde sie seine Gefährtin sein, offiziell zur Luna des Silver Moon Packs erklärt werden.
Sie strich mit ihren Fingern den Ausschnitt des Kleides entlang und stellte sich vor, wie Kevins Hände ihre ersetzten. Sie neigte den Kopf, als sie sich vorstellte, wie seine Lippen ihre Haut streiften, während er ihr Versprechen der Ewigkeit zuflüsterte. Ihr Körper prickelte bei dem Gedanken an ihn—stark, mächtig und ihr.
„Nur noch ein paar Stunden“, flüsterte sie ihrem Spiegelbild zu, ihre Wangen röteten sich, als Fantasien über ihre Zukunft in ihrem Kopf wirbelten.
Sie zog das Kleid aus und hängte es vorsichtig in ihren Kleiderschrank. Ihre Finger glitten noch einmal darüber.
Ihre Tagträume wurden plötzlich von einem gedämpften Geräusch aus der Nähe unterbrochen—einem tiefen, verruchten Stöhnen.
Ella runzelte die Stirn, ihre Brauen zogen sich zusammen, während sie angestrengt lauschte. Sie trat vom Kleiderschrank weg und ging zur Tür, die Geräusche wurden klarer. Sie konnte die atemlosen Keuchlaute hören, die feuchten, intimen Geräusche zweier ineinander verschlungener Menschen—ihr Magen krampfte sofort vor Angst zusammen.
Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust. „Es… es kann nicht sein…“
Langsam näherte sie sich der Tür und presste ihr Ohr dagegen. Ihr Magen drehte sich schmerzhaft um, als sie die Stimme erkannte—es war ihr Kevin. Sie erkannte seine tiefen, vertrauten Lustlaute. Und die Stimme der Frau… nein… nein, das konnte nicht sie sein.
Mit zitternden Händen drehte Ella langsam und leise den Türknauf und schlüpfte in den Flur. Sie folgte den Geräuschen, ihre Schritte langsam, während die Angst in ihrer Brust wuchs. Die Geräusche kamen aus dem Gästezimmer—ihre Hände flogen zu ihrem Mund, als sie sich hinter der Tür duckte und durch den kleinen Spalt spähte. Ihr Puls raste, ihr Verstand weigerte sich zu glauben, was ihre Augen sahen.
Kevin stand mit dem Rücken zu ihr, er war oberkörperfrei, sein muskulöser Körper spannte sich, während er eine Frau fest gegen sich hielt, seine Hände umfassten ihre nackte Taille. Seine Lippen glitten an ihrem Hals entlang, was die Frau leise stöhnen ließ, ihre Finger verstrickt in seinem Haar.
Aber es war nicht irgendeine Frau. Sofort füllten sich Ellas Augen mit Tränen, als ihr Herz in viele Stücke zersprang. Es war Sandra—ihre Stiefschwester, das Mädchen, mit dem sie aufgewachsen war, diejenige, die sie liebte und vertraute.
Wie konnte das passieren?
Sandra, deren Körper gerötet und entblößt war, klammerte sich an Kevin, ihre Hüften rieben sich gegen seine in einer Weise, die Ella schlecht werden ließ.
„Kevin…“ hauchte Sandra atemlos, ihren Körper gegen seinen drückend. „Du bist so nah… so perfekt.“
„Ich weiß, Baby“, knurrte Kevin, seine Hände glitten tiefer, seine Stimme voller Verlangen, während er sie härter packte, als könne er nicht genug bekommen.
„Wir sollten das nicht hier tun“, kicherte Sandra leise, ihre Stimme sexy. Keine Spur von Reue darin.
Kevin grinste unbekümmert. „Ella wird es nicht herausfinden. Sie ist viel zu beschäftigt damit, ihre perfekte kleine Feier für morgen zu planen.“
Ellas Herz zerbrach in diesem Moment vollständig. Jede Freude, die sie vor wenigen Minuten noch gefühlt hatte, wurde ihr brutal entrissen. „Wie konnte er? Mit Sandra?“
Tränen stiegen ihr erneut in die Augen, doch die Wut flammte heißer auf, als ihre Stöhnen lauter wurden, völlig unwissend über ihre Anwesenheit.
Ellas Herz zerbrach. Eine heiß brennende Wut durchströmte sie, vermischt mit dem herzzerreißenden Verrat. Sie fühlte, wie sich ihre Welt drehte, und bevor sie sich stoppen konnte, stieß sie die Tür mit einem lauten Knall auf.
„Was zur Hölle macht ihr da?!“ schrie sie.
Ihre Stimme zerriss die erhitzte Szene im Raum, Kevin und Sandra erstarrten mitten in der Bewegung. Ihre Körper trennten sich hastig, und Kevin drehte sich um, seine Augen weiteten sich schockiert, als er Ellas flammenden Blick traf.
„Ella…?“ Kevins Stimme stockte, aber er fing sich schnell, richtete seine Haltung auf, als wäre er nicht gerade in der demütigendsten Weise beim Fremdgehen erwischt worden.
Ellas Brust hob und senkte sich heftig, ihr ganzer Körper zitterte vor Emotionen. „Was… ist das?“ verlangte sie, ihre Stimme brach. „Mit ihr?“
Sandra hatte die Dreistigkeit, ein Laken an ihre Brust zu pressen, als würde plötzlich Scham sie ereilen. „Ella, es ist nicht das, wonach es aussieht—“
Oh, diese berühmte Zeile.
„Oh, verschone mich damit!“ fauchte Ella, ihre Stimme scharf genug, um die Spannung in der Luft zu durchschneiden. „Was genau ist es dann, Sandra? Denn von hier aus sieht es so aus, als wärst du gerade dabei gewesen, meinen Verlobten zu f**ken.“
Sandra trat vor, Schuldgefühle wie eine perfekt sitzende Maske auf ihrem Gesicht. „Ich wollte nicht, dass das passiert, Ella. Es ist einfach… passiert. Es tut mir so leid.“
Ella schnaubte, ihre Hände ballten sich zu Fäusten, ihre Nägel gruben sich in ihre Handflächen. „Sorry? Du bist sorry? Nach allem, was ich für dich getan habe, tust du mir das an?“
Kevins leises, amüsiertes Lachen unterbrach das Gespräch und jagte Ella eine kalte Welle durch den Körper. Sie wandte sich ihm zu, ihre Augen verengten sich, als er langsam auf sie zuging, völlig unbeeindruckt von der Situation.
„Es ist genau das, was du denkst, Ella.“ Seine Stimme war lässig, als würde er über Abendessen sprechen. Keine Spur von Reue. „Sandra ist meine Gefährtin.“
Ella blinzelte, die Worte trafen sie wie ein Schlag in den Magen. „W-Was?“
Er griff nach Sandra, zog sie schamlos zurück in seine Arme. „Ich habe meine vorherbestimmte Gefährtin gefunden, Ella“, sagte er kalt. „Und es ist Sandra.“
Für einen Moment fühlte Ella, wie die Welt aus ihrer Achse geriet. Ihre Sicht verschwamm vor Tränen, Unglaube packte sie, während sie den Mann anstarrte, den sie zu kennen glaubte. „Du… du machst Witze“, flüsterte sie kaum hörbar. „Bitte sag mir einfach, dass du scherzt. Wir haben nie darüber gesprochen, eine andere Gefährtin zu finden, du hast mich bereits ausgewählt, um deine Gefährtin und Luna zu sein—mich.“
Kevins Ausdruck verhärtete sich sofort, sein Mund verzog sich zu einem grausamen Lächeln. „Ich habe meine wahre Gefährtin gefunden, Ella. Und du bist es nicht—es ist Sandra. Sie ist diejenige, die ich morgen als meine Luna ankündigen werde.“
Das Blut wich aus Ellas Gesicht, ihre Knie wurden weich, als sie ihn ungläubig anstarrte. Dies sollte die glücklichste Nacht ihres Lebens sein, die Nacht vor ihrer Verlobung. Wie konnte alles so falsch laufen?
„Kevin…“ Ihre Stimme zitterte, kaum ein Flüstern. „Du kannst nicht ernst sein.“
Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Doch. Du hättest es morgen erfahren sollen, aber ich schätze, jetzt ist es genauso gut.“ Sein Blick wurde weich, als er Sandra ansah, die weiterhin die Rolle der reuigen Verführerin spielte. „Sie ist meine Gefährtin. Die Bindung ist unbestreitbar.“
„Unbestreitbar?“ Ella lachte bitter, ihr Herz brach mit jedem Atemzug mehr. „Und was ist mit mir? Was war ich? Nur ein Platzhalter, bis du deine ‚wahre Gefährtin‘ gefunden hast?“
Sandra trat mit falscher Reue auf sie zu und streckte eine Hand aus. „Ella, ich schwöre, ich wollte dir nie wehtun—“
„Fass mich nicht an!“ schnappte Ella und wich zurück. „Du hast schon genug getan.“
Kevins Geduld schwand, er rollte die Schultern. „Ella, so sind die Dinge. Du wirst irgendwann deinen wahren Gefährten finden, und dann wirst du es verstehen.“
Ellas Tränen flossen endlich, aber ihre Wut brannte stärker. „Verstehen? Du denkst, ich werde diesen Verrat jemals verstehen?“ Sie schüttelte fassungslos den Kopf. „Du warst mein Ein und Alles, Kevin. Morgen sollte unser Tag sein. Du hast mir eine Zukunft versprochen—“
„Und jetzt gehört sie ihr“, sagte Kevin kalt und schnitt ihr das Wort ab. Er zog Sandra erneut sanft in seine Arme. „Sandra wird meine Luna sein, nicht du.“
Einen Moment lang war der Raum still, nur das Geräusch von Ellas brechendem Herz erfüllte die Luft, während sie die zwei Menschen anstarrte, die sie einst liebte.
Ihre Augen, einst voller Hoffnung und Liebe für den Mann vor ihr, brannten nun vor Schmerz und Zorn. Sie trat einen Schritt zurück, ihr Körper zitterte von Kopf bis Fuß. „Ich hoffe, ihr beide verrottet in der Hölle!“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und rannte. Sie sah nicht zurück, als sie aus dem Zimmer, die Treppe hinunter und hinaus in die Nacht floh. Die kühle Luft brannte auf ihren Wangen und vermischte sich mit den heißen Tränen, die nicht aufhören wollten zu fließen.
Sie wusste nicht, wohin sie rannte, nur dass sie weg musste. Weg von Kevin, von Sandra, von dem Verrat, der sie zu verschlingen drohte.