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Die Aas-Königin

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Hier in Oakhaven bin ich als der „Heilige Aussätzige“ bekannt. Zu Lebzeiten war ich der Sündenfresser, der die Lasten der Sterbenden trug, indem ich sie berührte und die Sünden aufnahm, die sie zu Lebzeiten begangen hatten, damit das Dorf frei war und ihr Blut schwarz in meinem eigenen floss. Ich sollte auf dem Töpferfeld sterben, doch hier bin ich nun, vor Lord Valerius, dem Hohen Ewigen, von Gallow-Glass Manor. Lord Valerius begehrt nicht mein Fleisch, sondern will die Qual verschlingen, die ich in mir trage. Doch bin ich in dieser ewigen Dunkelheit sein Gast, ein Gefangener oder die Waffe, von der er hofft, dass sie sein Knochenreich endgültig zerschmettern wird?

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Kapitel Eins: Das Gewicht kalter Sünden
Zunächst hatten die Toten, wie so vieles, was noch kommen sollte, keinen Geschmack. Sie waren wie die feuchte Luft eines Kellers, stickig und schwer, voller Verwesung. Ich stand auf dem Friedhof von Oakhaven, meine Knie drückten durch mein dünnes Trauerkleid und schmerzten, die frostgehärtete Erde fühlte sich kalt auf meiner Haut an. Vor mir lag Thomas Miller – die Dorfbewohner nannten ihn einen Heiligen, und seine kalte Stirn ruhte nun unter meinen zitternden Händen. „Atme ein“, flüsterte der Älteste hinter mir. Seine Stimme zitterte vor Ehrfurcht und Abscheu. „Nimm den Makel auf dich, Elara. Bewahre uns vor der Verunreinigung.“ Ich schloss die Augen und holte scharf und unregelmäßig Luft. Die Stille des Friedhofs zerbrach, als ein psychischer Schrei durch meinen Schädel riss und die Sünde in Thomas’ Brust mein Mark traf wie flüssiges Blei. Der Dorfheilige war nicht immer ein Heiliger gewesen; vor vierzig Jahren hatte er seinen kleinen Bruder in die Mühlenwerke gestoßen und dann zugesehen, wie die Zahnräder blutrot liefen. Mein Atem stockte, als hätte ich heiße Asche eingeatmet. Das Sündenmal brannte ein gezacktes violettes Muster auf mein Schlüsselbein und grub sich wie Krallen in mein Fleisch, während die schwarze Tinte seiner Sünde in meinen Blutkreislauf floss, mein Blut in Schlamm verwandelte und mein Herz zu einem langsamen, zähflüssigen Pochen machte. Meine Augen blieben geschlossen, bis sich die Vision endlich aus meinem Geist löschte. Sie flogen auf, und die Welt sah einen Hauch dunkler aus – wie immer nach einer Mahlzeit. „Es ist vollbracht“, krächzte ich, meine Stimme klang kratzig, als würden Steine aneinander reiben. Ich stand auf und schwankte, während sich die „Last“ tiefer in meine Knochen bohrte. Der Älteste trat zurück, seinen heiligen Anhänger fest in der Hand umklammert. Er dankte mir nicht. Niemand dankt jemals dem Mädchen, das ihren Dreck wegmacht. „In deine Hütte, Sündenfresserin. Und du sprichst mit keiner lebenden Seele, bis der Mond untergegangen ist.“ Ich nickte und wandte mich von den versammelten Dorfbewohnern ab, in Richtung Wald. Mein bodenlanges schwarzes Haar peitschte um mich herum wie ein Leichentuch. Ich war einundzwanzig und fühlte mich jahrhundertealt. Doch als ich mich den Dorftoren näherte, veränderte sich die Luft. Der Geruch von Holzrauch und Herbstlaub wurde von etwas Metallischem abgelöst, etwas Uraltem und Unbekanntem – dem Geruch von Ozon und feinem Staub. Eine leise Vibration hallte vom Boden herauf und ließ das Sündenmal auf meiner Brust mit einem eindringlichen, warnenden Leuchten summen. Und dann, aus dem wirbelnden Abendnebel, kam es. Es war kein Karren aus dem Dorf, sondern eine Kutsche aus etwas, das wie schwarzes Glas aussah, mit einem versilberten Rand anstelle von Speichen, die geräuschlos und ohne Pferd über das Kopfsteinpflaster rollte und genau drei Schritte von mir entfernt zum Stehen kam. Die Dorfältesten beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung, ihre Gesichter waren blass; dies war nicht der festgelegte, alle zehn Jahre stattfindende Lotteriezyklus. Dies war ein sofortiger, gezielter Schlag. Die Tür der schwarzen Glaskutsche glitt mit einem Seufzer entweichender Kälte auf, und auf dem Sitz, einer Lache aus blutrotem Samt, lag ein Umschlag. Ich spürte die Blicke jedes einzelnen Dorfbewohners auf meinem Rücken, der Menschen, die mich benutzten, fürchteten und hassten; ich konnte mir die mageren Summen vorstellen, für die man mich kaufen und verkaufen würde. Dennoch streckte sich meine vernarbte, schlanke Hand aus und nahm das Pergament. Es war so kalt, dass meine Finger brannten. Ich brach das Siegel – ein Wappen, das einen zerbrochenen Spiegel zeigte – und vier Worte, gedruckt in Tinte, die unverkennbar nach meinem eigenen Blut roch, begrüßten mich: „Ich erinnere mich an deinen Namen.“ Ein Schatten fiel über die Kutsche. Ich blickte auf, und die untergehende Sonne ging nicht so sehr unter, als dass sie aus dem Dasein verblasste. Der Himmel verfärbte sich von hellgelb zu einem tiefen, violett-schwarzen Ton. „Elara“, hauchte der Älteste, ein Zittern aus Schrecken und Ehrfurcht in seiner Stimme. „Der Hohe Ewige … Er hat die Zehntabgabe umgangen. Er hat die Aas-Königin herbeigerufen.“ Ich schrie nicht, und ich versuchte nicht zu fliehen. Ich blickte in den tintenschwarzen, leeren Raum, der die Kutsche war, und spürte, wie eine wilde, unbändige Erleichterung in meiner Brust aufblühte. Wenn ich schon ein Monster sein musste, dann sollte ich vielleicht in einem Palast aus Knochen leben. Ich trat in die Kutsche, und die Tür schloss sich zischend, mich in Stille einhüllend – jene Stille, in der das rasende Pochen der Sünden in meinem Blut endlich zu hören war. Die Reise nach Gallow-Glass hatte begonnen.

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