RIAN
Mein Gegensprechanlage summt. „Rian?“
„Ja, Bella“, antworte ich und tippe auf meinem Computer.
„Torvald ist da.“
Ich drücke Enter. Das heißt, sie ist hier.
„Schick sie rein.“ Ich richte meine Krawatte, fahre mir durch die Haare. Es klopft an der Tür. „Herein.“
Die Tür öffnet sich, und Torvald tritt ein, ein breites Lächeln im Gesicht. „Hallo, Rian.“
„Hi.“ Ich stehe auf, und mein Blick wandert über ihn hinweg zu Vianne. Sie trägt ein enges, marineblaues Kleid. Ihr blondes Haar fällt in weichen Locken, hinter einem Ohr zurückgesteckt.
Ihre Augen treffen meine, und sie schenkt mir ein sanftes Lächeln.
Mein Magen verkrampft sich.
„Hi“, sagt sie und lächelt etwas verlegen.
„Hallo.“ Ich stecke die Hände in die Taschen und versuche, den begeisterten Ausdruck in meinem Gesicht zu verbergen.
Gott verdammt, sie ist schön.
Ich deute nervös auf die Stühle. „Bitte, setzen Sie sich.“ Sie setzen sich beide, und Vianne schlägt die Beine übereinander. Ich sehe kurz auf ihre Oberschenkelmuskeln, dann reiße ich die Augen hoch zu ihrem Gesicht.
Stopp.
Ich ordne die Papiere auf meinem Schreibtisch, um mich abzulenken. Diese Frau macht mich fertig.
„Was ist das Problem?“ fragt Torvald, während er seinen Laptop auspackt.
Ich sehe zu ihm auf.
Du bist mein Problem. Geh raus, damit ich Vianne auf meinem Schreibtisch… nein. Konzentration.
„Reulf hat ein paar Probleme, und ich muss ihn in eine private Einrichtung bringen“, sage ich schließlich.
„Welche Art von Problemen?“
„Substanzmissbrauch.“
Torvald kneift die Nasenwurzel. „Meinst du das ernst?“
„Ich wünschte, ich könnte es nicht. Er kommt high zur Arbeit.“
Torvald schließt die Augen. „Seit wann?“
„Seit ein paar Wochen. Es eskaliert, und ich weiß nicht, wie lange ich das noch vertuschen kann. Das Personal fängt an, es zu bemerken.“
„Verdammt noch mal“, knurrt Torvald. „Warum wurde mir das nicht früher gesagt? Ist es nicht meine Aufgabe, Krisen zu managen?“
„Es ist keine Krise.“ Ich starre ihn an. Dieser Mann treibt mich manchmal in den Wahnsinn. „Ich muss nicht hören, wie du deine Position erläuterst, Torvald. Ich sage es dir jetzt.“
„Ich wollte nur sagen—“
„Nicht“, unterbreche ich scharf.
Mein Blick gleitet zu Vianne, die mich von der anderen Seite des Schreibtischs beobachtet.
Ich kann die elektrische Spannung zwischen uns nicht leugnen.
Sie rückt ein Stück zur Seite, und ein kleiner Hauch ihres Spitzen-BHs lugt durch das Kleid. Ich spanne den Kiefer, damit ich nicht hinunterschaue.
Wie zur Hölle kann ein Mann da nicht hinschauen wollen?
„Wie schlimm ist es?“ fragt Torvald.
„Schlimm“, antworte ich. „Ich weiß nicht, was ich mit ihm machen soll. In acht Wochen sind Wahlen, und ab Montag startet die Kampagne, und ich habe einen Bundeskanzler mit einem ernsthaften Drogenproblem.“
„Verdammt.“
Vianne nimmt ihren Stift und steckt die Spitze in den Mund. Ich senke den Blick auf ihre Lippen. Verdammt, ich spüre die Spannung in mir, nur beim Anblick. Scheiße. Die Frau bringt mich um den Verstand. Wie soll ich hier überhaupt arbeiten?
Du hasst sie, erinnerst du dich?
Ich konzentriere mich wieder auf meine Arbeit.
„Ich weiß noch nicht genau, wie wir mit seiner Abwesenheit umgehen sollen, aber ich brauche, dass Sie eine Einrichtung finden und ihn einweisen, damit er Hilfe bekommt. Hoffentlich ist er in ein oder zwei Wochen wieder fit, und wir können weitermachen.“ Ich sortiere die Papiere auf meinem Schreibtisch. Ich will mich keine Sekunde länger von Vianne ablenken lassen.
Verdammt, diese Frau treibt mich in den Wahnsinn. Ich muss aufstehen, bevor ich noch anfange, sie anzustarren.
„Das wäre fürs Erste alles. Ich habe noch ein anderes Meeting. Entschuldigung.“ Ich stehe auf und gehe hastig zur Tür. Vianne runzelt die Stirn, ich erwidere den Blick.
Richtig so, verschwinde aus meinem Büro, du Verführerin. Ich weiß, was du vorhast – und es wird nicht funktionieren.