Kapitel 1
„Eleanor, hab keine Angst. Es ist nur ein kleiner Eingriff. Es wird bald alles wieder gut sein.“
„Der Zustand deiner Schwester verschlechtert sich. Nur dein Herz ist die perfekte Übereinstimmung. Bitte, rette sie.“
„Ich weiß, dass du gelitten hast, aber jetzt bist du die Einzige, die sie retten kann. Du warst mir gegenüber immer gehorsam. Hilf ihr, hilf uns.“
Die Stimme an ihrem Ohr war sanft und charmant, doch sie ließ einen erschauern. Eleanor Hampton lag auf dem kalten, harten Bett. Da ihr Mund zugeklebt war, konnte sie den eleganten Mann vor sich nur starr ansehen.
Sie wollte ablehnen! Sie wollte sich befreien!
Doch ihr Körper, dem man ein Anästhetikum gespritzt hatte, konnte keinerlei Kraft aufbringen. Sie schüttelte verzweifelt den Kopf und betete, dass der Mann vor ihr nicht so grausam sein würde.
Würde sie überhaupt noch leben, wenn man ihr das Herz entnahm? Wenn sie ihnen half, wer würde dann ihr helfen?
Um Catherina Hampton zu retten – ihre jüngere Schwester, die an einem Herzfehler litt –, wurde sie lediglich als Ersatzteillager für ein Herz betrachtet. Sollte es bei Catherina Komplikationen geben, würde Eleanor sofort ihr Herz spenden müssen!
Aber warum? Zählte ihr Leben denn nicht? Auch sie wollte leben, und sie hatte das Recht dazu!
Es war, als sähe er das Flehen und die Verzweiflung in ihren Augen gar nicht. Ohne Zögern verabreichte er ihr eine weitere Injektion.
„Sei ein gutes Mädchen. Wenn du erst einmal schläfst, ist es vorbei.“
Danach ging er, ohne sich noch einmal umzusehen. Angesichts der Apparaturen vor ihr und des allgegenwärtigen Geruchs nach Desinfektionsmitteln war klar, dass sie sich im Keller eines Privatkrankenhauses befand.
Eine Träne rann aus Eleanors Augenwinkel.
Wann hat er das alles für mich vorbereitet? Ich kann niemand anderem die Schuld geben, dass ich in diesen Zustand geraten bin. Ich kann nur mir selbst die Schuld geben, weil ich blind war und diesem Mann vertraut habe – dem Mann, den ich einst so tief geliebt habe.
Sie erinnerte sich noch genau daran, wie er sagte, dass er sie liebe und sie beschützen würde. Er würde niemals zulassen, dass die Familie Hampton ihr wehtat. Doch kaum drehte er sich um, tauschte er ihr Leben gegen das von Catherina ein.
Sie war hier gefangen, ohne Sonnenlicht. Sie konnte nur zusehen, wie sie auf dem Operationstisch lag und den Schmerz spüren, wie ihr das Herz aus der Brust gerissen wurde.
Es stellte sich heraus, dass seine Liebe eine Lüge war. Sein sogenannter Schutz war nur ein Mittel, um sie in seine Falle zu locken. Wenn er sie wirklich geliebt hätte, wie hätte er dann bereit sein können, ihr Leben gegen das einer anderen Frau einzutauschen?
Ihre Augenlider waren schwer, und sie stand kurz davor, einzuschlafen. Sie merkte, dass das Medikament zu wirken begann. Bevor sie in völlige Dunkelheit versank, hörte sie ein leises Gespräch an der Tür. Es mussten Patrick Hopkin und der Arzt sein.
„Mr. Hopkin, Catherina ist bereit. Sollen wir jetzt anfangen?“
„Fangen wir an.“
„Was sollen wir nach der Operation mit dem Keller machen?“
„Zündet ihn an. Es ist zwecklos für Catherina, hier zu bleiben. Hinterlasst keine Beweise.“
„Jawohl.“
... Man sagt, dass nach dem Tod eines Menschen seine Seele erhalten bleibt. Als Eleanor wieder erwachte, stellte sie fest, dass alles um sie herum in Flammen stand. Beim Anblick des großen Lochs in ihrer Brust röteten sich Eleanors Augen.
Patrick Hopkin...
Patrick Hopkin!
Wenn es ein nächstes Leben gibt, werde ich dich und Catherina diesen knochenmarkdurchdringenden Schmerz spüren lassen. Ich werde dich mit deinem Blut bezahlen lassen!
Plötzlich hörte sie eilige Schritte. Jemand rief beschwörend ihren Spitznamen.
„Er, Er...“
Die Stimme war tief und vertraut. Eleanor blickte in die Richtung des Geräusches. Inmitten des lodernden Feuers kam ein Mann auf sie zu. Seine große, aufrechte Gestalt strahlte eine stolze und unnachgiebige Aura aus, die unerschütterlich schien. Die Augen des Mannes waren gerötet und er war außer Atem, als käme er gerade von einem weit entfernten Ort. Eleanors Pupillen zogen sich plötzlich zusammen.
Robert... Robert!
Wie konnte er das sein?!
Es hieß, Robert sei reinen Herzens und ließe keine Frauen an sich heran, doch niemand wusste, dass er nur für Eleanor tiefe Gefühle hegte. Er war zweifellos ein vom Schicksal begünstigter Sohn des Himmels, doch er war stets nur ihr allein hinterhergejagt.
Doch wie hätte sie damals jemand anderen sehen können, als sie sich so sehr auf Patrick fixiert hatte?
Sie hatte sogar Angst gehabt, dass Patrick sie missverstehen könnte, weshalb sie Robert absichtlich viele verletzende Worte an den Kopf geworfen hatte... Und ausgerechnet jetzt, in diesem Moment zwischen Leben und Tod, stürmte er herein, um sie zu retten – ohne Rücksicht auf seine eigene Sicherheit.