Willow
Ich saß auf meinem Bett, versunken in Gedanken, und mir schossen mehrere Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Es war schon Wochen her, seit ich bei Jason und Ruby eingezogen war, und sie waren freundlich und verständnisvoll gewesen und hatten nie in meiner Vergangenheit herumgeschnüffelt. Aber ich wusste, dass ich nicht für immer hier bleiben konnte. Ich brauchte einen Plan, einen Weg, um weiterzukommen.
Gerade als ich in meinen Gedanken versunken war, spürte ich einen Klaps auf meinem Rücken. Ich drehte mich um und sah Ruby vor mir stehen, Besorgnis in ihrem Gesicht.
„Willow, was ist los? Du bist schon eine Weile in Gedanken versunken, und ich habe versucht, deine Aufmerksamkeit zu erregen“, sagte Ruby mit sanfter Stimme.
Ich seufzte tief und entschuldigte mich: „Es tut mir leid, Ruby. Ich habe nur viel um die Ohren.“
Ruby setzte sich neben mich, ihre Augen voller Freundlichkeit. „Du kannst mir alles erzählen, Willow. Mir ist aufgefallen, wie still du bist, seit du hier eingezogen bist. Ich wollte mich nicht einmischen, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich für dich da bin.“
Ich zögerte, unsicher, ob ich mich Ruby öffnen sollte. Aber etwas an ihrem sanften Wesen beruhigte mich. Ich holte tief Luft und begann, ihr alles zu erzählen – von den Drillingen, davon, ihre Gefährtin zu sein, von der Ablehnung.
Ruby hörte aufmerksam zu, ihr Gesichtsausdruck wechselte von Schock zu Wut. „Diese Bastarde!“, rief sie aus, als ich fertig war. „Wie konnten sie dir das antun?“
Ich zuckte mit den Schultern und verspürte eine Mischung aus verschiedenen Emotionen. „Ich weiß es nicht. Ich dachte, wir hätten eine Verbindung, aber ich habe mich wohl getäuscht.“
Ruby legte ihren Arm um mich und zog mich an sich. „Du hast dich nicht getäuscht, Willow. Du verdienst etwas viel Besseres als diese Drillinge. Sie sind Idioten, dass sie dich abgelehnt haben.“
Ich spürte einen Kloß im Hals, als Rubys Worte mich trösteten. Vielleicht, nur vielleicht, könnte ich das hinter mir lassen und wieder glücklich werden.
„Danke, Ruby. Allein schon darüber zu reden, hilft mir ein bisschen“, sagte ich und lächelte schwach.
Ruby lächelte zurück. „Jederzeit, Willow. Wir sind für dich da und werden dich unterstützen, egal was passiert.“
„Deine Unterstützung und Hilfe in den letzten Wochen haben mir sehr geholfen, ich weiß das wirklich zu schätzen“, murmelte ich und sah Ruby an. „Ich sollte bald gehen“, sagte ich und versuchte, stark zu klingen. „Ich möchte mich nicht aufdrängen.“
Rubys Gesichtsausdruck wurde besorgt. „Wohin willst du gehen, Willow? Du kannst nicht einfach ohne Plan gehen.“
Ich zögerte, unsicher, wie ich antworten sollte. Ich hatte keinen Ort, an den ich gehen konnte, keine Familie, an die ich mich wenden konnte. Der Gedanke, wieder allein zu sein, erfüllte mich mit Angst.
Ruby schien meine Angst zu spüren. „Du musst nicht gehen, Willow. Du kannst hier bei uns bleiben. Das Haus ist groß genug für uns alle.“
Ich war überrascht von ihrem Angebot. „Wirklich? Ihr würdet mich hierbleiben lassen?“
Ruby nickte. „Natürlich. Wir freuen uns, dass du hier bist. Du störst uns überhaupt nicht.“
Ich war von Dankbarkeit überwältigt. „Danke, Ruby. Vielen Dank.“
Ruby lächelte. „Das ist doch selbstverständlich. Sag mir, hast du die Highschool abgeschlossen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe sie nicht abgeschlossen.“
Ruby wurde nachdenklich. „Nun, du kannst dich an meiner Schule einschreiben. Du kannst mit einem Studiendarlehen anfangen, und wir helfen dir mit dem Rest.“
Ich konnte kaum glauben, was ich da hörte. Eine Chance, die Schule zu beenden, neu anzufangen. Ich verspürte einen Anflug von Hoffnung.
„Wirklich? Das würdest du für mich tun?“
Ruby nickte. „Natürlich. Wir wollen dir helfen, wieder auf die Beine zu kommen.“
Ich dankte ihr erneut und spürte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. Noch nie zuvor hatte ich solche Freundlichkeit von Fremden erfahren.
„Danke, Ruby. Danke für alles.“
„Oh, bitte tu nicht so, als wäre es etwas Großes“, scherzte sie und lachte leise.
„Es ist etwas Großes, Ruby. Du weißt nicht, was das für mich bedeutet und dass ich es nicht bereuen muss, die Meute verlassen zu haben, trotz all der Demütigungen, die ich erlitten habe.“
Sie atmete tief aus und hielt meine Hände. „Ich verstehe dich vollkommen, Willow. Ich habe das Gleiche durchgemacht, als ich meine Eltern verloren habe. Ich fühlte mich verloren und dachte, es gäbe keinen Weg mehr nach vorne, bis ich Jason traf, der mir wieder auf die Beine half. Zum Glück haben meine Eltern mir dieses große Haus hinterlassen. Wenn Jason so gütig war, mich in meinen dunkelsten Tagen zu verstehen, warum sollte ich das dann nicht auch mit dir tun? Ich kann nicht lügen, ich liebe es, dass du hier bist. Durch dich fühle ich mich zu Hause.“
Ich lächelte und konnte nicht verhindern, dass mir eine Träne über die Wange rollte. Ich zog sie in eine Umarmung und sie kicherte. Sie legte ihre Arme um mich und seufzte wunderschön.
*
Ich betrat das Klassenzimmer und fühlte mich erfüllt. Ich hätte nie gedacht, dass ich wieder zur Schule gehen könnte, aber dank Rubys Hilfe war ich endlich wieder auf dem richtigen Weg. Das Darlehen, das sie für mich gesichert hatten, war meine Rettung gewesen, und ich war entschlossen, das Beste daraus zu machen.
Ich nahm meinen Platz ein und bemerkte, dass Ruby mir von der anderen Seite des Raumes zulächelte. Ich lächelte zurück und war dankbar für ihre Unterstützung. Sie hatte mich auf jedem Schritt meines Weges begleitet und mich ermutigt, weiterzumachen, auch wenn alles unmöglich schien.
Sie setzte sich neben mich, aber als der Unterricht begann, bekam ich ein seltsames Gefühl. Mir schwindelte und meine Sicht verschwamm. Ich versuchte, mich auf die Worte der Lehrerin zu konzentrieren, aber sie schienen aus der Ferne zu kommen.
„Willow, geht es dir gut?“, flüsterte Ruby und tippte mir auf die Schulter. „Du starrst schon eine Weile vor dich hin.“
Ich räusperte mich schnell, um meine Verwirrung zu verbergen. „Mir geht es gut, Ruby. Ich bin nur ein bisschen abgelenkt.“
„Okay“, murmelte sie, und wir hörten weiter dem Lehrer zu. Ich versuchte mich so gut es ging zu konzentrieren, auch wenn es mir schwerfiel, und als der Unterricht endlich vorbei war, atmete ich tief durch.
„Lass uns in die Kantine gehen“, murmelte sie, und ich nickte.
Wir gingen weiter, doch plötzlich wurden meine Beine zu schwer, um mich zu tragen. Ich versuchte, mich zu bewegen, aber ich konnte nicht und meine Beine gaben nach. Ich spürte, wie ich fiel, und dann wurde alles schwarz.
Als ich wieder zu mir kam, sah ich Rubys besorgtes Gesicht über mir. „Willow, oh mein Gott, was ist passiert? Du bist gerade zusammengebrochen!“
Ich versuchte mich aufzurichten, aber eine Welle von Schwindel überkam mich und zwang mich zurück. „Ich ... ich weiß es nicht“, stammelte ich. „Mir wurde einfach plötzlich ganz schwindelig.“
Rubys Gesichtsausdruck wurde ernst. „Wir müssen dich zur Krankenstation bringen. Sofort.“
Ich nickte schwach und versuchte immer noch zu begreifen, was gerade passiert war. Was war mit mir los?
Während wir zur Krankenstation gingen, hielt Ruby mich fest am Arm und stützte mich. „Glaubst du, es ist Stress?“, fragte sie mit besorgter Miene.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich habe mich gut gefühlt, nur ein bisschen überfordert mit den Schularbeiten.“
Die Krankenschwester untersuchte mich, stellte mir Fragen und maß meinen Puls. Ihr Gesichtsausdruck wurde ernst. „Willow, ich glaube, wir müssen ein paar Tests machen. Ich muss sichergehen“, sagte sie, und ich drehte mich zu Ruby um. Ich konnte nur nicken.
Mein Herz raste, als die Krankenschwester mir Blut abnahm und weg ging. Ich fragte mich, ob ich eine tödliche Krankheit hatte. Ruby streichelte mir sanft über das Haar, als sie merkte, wie besorgt ich war. „Alles wird gut, Willow. Atme einfach tief durch.“ Ihre beruhigenden Worte konnten meine Angst jedoch kaum lindern.
Nach einer Weile kam die Krankenschwester mit einem mitfühlenden Lächeln und einer Mappe in der Hand zurück. Ich spürte, wie mir das Adrenalin in die Adern schoss, und setzte mich sofort hin. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich, und sie presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, bevor sie mir das Ergebnis überreichte.
„Willow, die Testergebnisse zeigen, dass Sie ... schwanger sind“, murmelte sie.
Meine Welt brach zusammen. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand in den Magen geboxt. Schwanger? Wie konnte das sein? Ich dachte an jene schicksalhafte Nacht zurück, als ich herausfand, dass ich mit den Drillingen gepaart war. Jetzt ergab alles einen Sinn. Ich schnappte nach Luft und Tränen brachen wie ein Dammbruch hervor.
Rubys Arme umschlangen mich. „Shh, es ist okay. Wir werden das durchstehen.“
Die Krankenschwester nickte. „Ich denke, es ist das Beste, wenn Sie nach Hause gehen und diese Nachricht verarbeiten. Wir können später über die Optionen sprechen.“
Ich nickte benommen und versuchte immer noch, die Situation zu begreifen. Ruby sammelte unsere Taschen ein, und wir verließen schweigend die Schule.
*
Eine Woche verging, und ich kämpfte darum, mich mit meiner neuen Realität abzufinden. Ich aß kaum etwas, und Tränen wurden zu meinem ständigen Begleiter. Das war nicht das Leben, das ich mir vorgestellt hatte. Wie konnte ich schwanger sein? Ich war so verloren in ihrer Berührung, dass ich nicht erkannte, was das für mich bedeuten könnte.
Eines Abends konfrontierten mich Ruby und Jason damit, wie ich mich allein gelassen hatte. Ich weigerte mich, zum Unterricht zu gehen. „Willow, du musst dir überlegen, was du tun willst“, sagte Ruby sanft. „Du kannst dich nicht weiter davor drücken.“
Jason fügte hinzu: „Ja, es ist jetzt eine Woche her. Du musst eine Entscheidung treffen.“
Ich holte tief Luft und ließ meine Schultern sinken. „Ich habe beschlossen, das Baby zu behalten.“
Ruby riss die Augen auf. „Bist du dir sicher? Hast du dir das gut überlegt?“
Ich nickte. „Ich weiß, dass es nicht ideal ist, aber ich bringe es nicht übers Herz, ... du weißt schon. Und zum Glück machen wir bald unseren Abschluss. Niemand wird es herausfinden. Ich werde das Kind zur Welt bringen und mich an der Uni bewerben. Ich werde das schon hinbekommen.“
Jason runzelte die Stirn. „Das wird nicht einfach, Willow. Du gehst noch zur Highschool.“
Ich wusste, dass er Recht hatte, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass dieses Baby so sein sollte, wie es war. Ich kann mein eigenes Kind nicht töten, mein Kind im Stich lassen, nachdem ich selbst im Stich gelassen worden bin, also schüttelte ich schnell den Kopf. „Ich werde eine Lösung finden. Ich muss.“