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Beide Professoren gehören mir

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Blurb

Julian berührt sie, während sie ihm leise, süße Worte ins Ohr stöhnt. Sie genießt jede seiner Berührungen und tut trotzdem so, als würde sie sich dagegen wehren.

„Sag mir noch einmal, dass ich aufhören soll“, flüstert er an ihrer Haut. „Und diesmal meine es ernst.“

Doch das kann sie nicht. Sie hat längst vergessen, warum sie es beim ersten Mal überhaupt gesagt hat. Und schon bald wird sie etwas noch viel Wichtigeres vergessen: dass der Mann im Türrahmen sie beobachtet – und nicht vorhat, wieder zu gehen.

Sienna Marlowe hat sich ihren Platz hart erkämpft. Ein Stipendium, als Erste in ihrer Familie an einer Universität, nichts geschenkt bekommen. Jetzt trennt sie nur noch eine einzige lange Nacht davon, alles zu verlieren, wofür sie so hart gearbeitet hat.

Dr. Julian Crewe ist ihr Betreuer. Kühl, brillant und so beherrscht, dass er sie nicht einmal berührt, obwohl sie ihm so nahe steht, dass sie seinen Atem spüren kann. Jeden Donnerstag nach Mitternacht unterrichtet er sie, ohne jemals eine Grenze zu überschreiten. Bis er es doch tut.

Dr. Marcus Reeve ist Julians Rivale. Dreist, gefährlich und mit einem Blick auf sie gerichtet, als wüsste er längst, wie sie schmeckt. Er droht nicht damit, ihr Geheimnis aufzudecken. Er fragt, ob er ein Teil davon sein darf.

Zwei Professoren. Eine Studentin. Keiner der beiden Männer weiß, wie man teilt. Bis sie es ihnen beibringt.

Und jemand am Institut führt Buch über alles.

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Schon wieder Donnerstag
Die Uhr an der Wand von Dr. Julian Crewes Büro war irgendwann im Oktober stehen geblieben, ohne dass es jemand bemerkt hatte. Sienna war es in ihrer zweiten Woche aufgefallen, als ihre Treffen längst regelmäßig bis nach Mitternacht dauerten. Sechs Wochen später brauchte sie die Uhr nicht mehr. Stattdessen las sie den Raum. Und heute Abend hatte sich das Gebäude um sie herum bereits geleert. Sie saß auf seinem Sofa, den Entwurf ihres Methodikkapitels auf dem Schoß, die Schuhe ausgezogen. Irgendwann in der dritten Woche hatte sie aufgehört, so zu tun, als würde sie zu einer vernünftigen Uhrzeit nach Hause gehen. Julian saß an seinem Schreibtisch, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Mit einem roten Stift machte er langsame, bedachte Korrekturen auf einem Stapel Hausarbeiten, den er seit fast einer Stunde ignorierte. Seit elf Minuten hatte keiner von ihnen ein Wort gesagt. „Dein Übergang auf Seite vier übernimmt zu viel“, sagte er, ohne aufzusehen. Sienna blinzelte auf ihren Bildschirm. „Welcher Übergang?“ „Der von der Literaturübersicht zur Methodik. Du verlangst von einem einzigen Absatz, dass er die ganze Last eines Kapitels trägt.“ Er blätterte um. „Teil ihn auf und gib der Methodik einen eigenen Einstieg.“ Sie tippte sich eine Notiz. Dann gähnte sie und versuchte, es zu verbergen. Ohne Erfolg. „Du bist müde.“ „Mir geht's gut.“ „Du sitzt um Mitternacht ohne Schuhe auf meinem Sofa.“ Er sah noch immer nicht auf, aber sein Stift hatte aufgehört, sich zu bewegen. „Dir geht es nicht gut. Du hast es dir bequem gemacht, und das ist noch schlimmer.“ Sie lachte, ein wenig überrascht von seiner Bemerkung. Für einen Moment sah er zu ihr hinüber, bevor er sich wieder seinen Arbeiten zuwandte. Das war das Besondere an Dr. Crewe. Er sah sie nie länger als einen Augenblick an. Sie hatte drei Wochen gebraucht, um zu begreifen, dass genau das der Punkt war. --- Seit dem Frühjahr war er ihr Betreuer. Damals hatte sie nach einem Semester voller vager Rückmeldungen und ausgefallener Besprechungen um einen Wechsel gebeten. Julian Crewe hatte einen Ruf. Anspruchsvoll, distanziert, einer von diesen Professoren, deren Sprechstunden offiziell zwar offen waren, sich aber eher wie ein Vorstellungsgespräch anfühlten. Er hatte ihren Antrag ohne Kommentar angenommen, ihr eine Leseliste in die Hand gedrückt und ihr gesagt, dass sie sich donnerstags um sieben bei ihm sehen würden. Er war immer professionell geblieben. Bis auf die Momente, in denen seine Finger ihr Handgelenk streiften, wenn er sich über ihre Arbeit beugte. Und bis auf die Tatsache, dass er sie irgendwann nicht mehr aufforderte, um zehn Uhr zu gehen. --- „Lies mir den ersten Absatz vor“, sagte er. „Aus welchem Abschnitt?“ „Aus der Methodik. Ich möchte hören, wie er sich laut anhört.“ Sie richtete sich auf, zog die Füße unter sich und begann zu lesen. Es war ein guter Absatz, das wusste sie. Doch etwa in der Mitte bemerkte sie, wie sich ihre Stimme veränderte, wie sie an den Rändern weicher wurde. Plötzlich wurde ihr klar, dass sie nicht einfach nur laut las. Sie las für ihn. Sie führte ihm den Text vor, weil sie wollte, dass er ihn gut fand. Als sie fertig war, sah er sie an. Sein Blick hielt drei Sekunden. Lang genug, dass sie sie zählen konnte. Dann senkte er die Augen wieder auf seine Unterlagen. „Besser. Lies ihn morgen noch einmal, dann wirst du hören, wo er sich zieht.“ Sienna klappte ihren Laptop zu. „Dr. Crewe.“ „Julian.“ Er sagte es, ohne aufzusehen. „Wir sind längst über den Punkt hinaus, an dem du mich Dr. Crewe nennen musst.“ „Julian.“ Der Name fühlte sich seltsam in ihrem Mund an, schwerer, als er sein sollte. „Warum machst du das?“ „Was genau?“ „Mich ansehen, als wolltest du etwas sagen, und es dann doch nicht tun.“ Sein Stift hielt inne. Für einen Moment war es still im Büro. Er legte den Stift hin, sorgfältig parallel zur Schreibtischkante. Dann sah er sie an. „Sienna.“ „Ja?“ „Geh nach Hause.“ Es klang nicht wie eine Abfuhr. Nicht einmal unfreundlich. Aber da war etwas zwischen den Worten, etwas, das er nicht aussprach. Sie stand auf, sammelte ihre Sachen ein und blieb an der Tür noch einmal stehen. „Gleiche Zeit nächste Woche?“ „Ja.“ Sie blickte zurück. Er hatte sich nicht bewegt. Er sah sie noch immer an, und diesmal wandte er den Blick nicht ab. „Gute Nacht, Julian.“ „Gute Nacht, Sienna.“ Sie schloss die Tür hinter sich und blieb lange im leeren Flur stehen. Ihr Herz raste. --- Sie schaffte es nicht einmal bis zum Aufzug, bevor sie ihn sah. Den Mann aus dem zweiten Stock. Denjenigen, dem sie jeden Donnerstag über den Weg lief. Denjenigen, der sein Büro immer genau in dem Moment zu verlassen schien, in dem auch sie ihres verließ. Dunkle Augen, ein schnelles Lächeln und Unterarme, die sie für einen kurzen Moment vergessen ließen, worüber sie gerade nachgedacht hatte. Dr. Marcus Reeve. Nach ihrer dritten zufälligen Begegnung hatte sie seinen Namen recherchiert. Julians ehemaliger Schützling, inzwischen sein Kollege. Ein paar Jahre jünger als Julian. Charmant auf eine Art, die Julian völlig fremd war. Heute Abend lehnte er mit einem Kaffeebecher an der Wand neben den Aufzügen. Sein Gesichtsausdruck war geduldig, wie der eines Mannes, der schon eine Weile gewartet hatte. „Lange Nacht“, sagte er. „Wie immer.“ Sie drückte auf den Aufzugknopf. „Das macht er gern.“ Marcus stieß sich von der Wand ab und ging neben ihr her. „Er hält die Leute bis nach Mitternacht fest, glaubt, das Gebäude sei leer, und denkt, niemand würde es bemerken.“ Sienna warf ihm einen Blick zu. „Und du? Bemerkst du es?“ „Was genau?“ Er lächelte langsam. Es war die Art von Lächeln, die ganz genau wusste, was sie anrichtete. „Mir fällt es seit September auf.“ Die Aufzugtüren öffneten sich. Keiner von ihnen bewegte sich. „Gute Nacht, Dr. Reeve“, sagte sie. „Marcus.“ Er sprach ihren Namen so aus, als hätte er nur darauf gewartet, dass sie ihn endlich benutzte. Sie trat in den Aufzug und drückte auf den Knopf für das Erdgeschoss. Die Türen glitten zu und schlossen sein Lächeln aus. Erst als sie in ihrem Auto saß, der Motor lief und die Heizung aufgedreht war, bemerkte sie, dass ihre Hände zitterten. --- Sie blieb lange auf dem Parkplatz sitzen. Nicht wegen Marcus. Sondern wegen dem, was er gesagt hatte. Sie hatte sich eingeredet, dass alles rein beruflich war. Doch die ganze Zeit über hatte jemand zugesehen. In Gedanken spielte sie die Szene noch einmal durch. Sie berührte ihr Handgelenk und stellte sich Julians Finger auf ihrer Haut vor. Sie wollte mehr. Sie fuhr nach Hause. Irgendwo zwischen dem Parkplatz und ihrer Wohnung wurde ihr klar, dass sie ganz sicher etwas tun würde, das sie nicht mehr rückgängig machen konnte.

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