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Die Geschichte von uns

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Ava glaubte einst an eine Welt, die ihre Träume widerspiegelte – lebendig, offen und voller Möglichkeiten. Sie malte, sie lachte, sie wagte zu hoffen. Doch drei Jahre emotionalen Missbrauchs, Verrats und Unsichtbarkeit haben ihr die andere Seite der Medaille gezeigt. Einst eine Frau, deren Ehrgeiz hell brannte, bewegt sie sich nun bewusst durch das Leben und macht sich selbst kleiner, um in Räume zu passen, die sich sicher, aber unerfüllend anfühlen.Grace, ihre beste Freundin und standhafte Fürsprecherin, weigert sich, Ava vollständig verschwinden zu lassen. Sie ermutigt sie, ehrenamtlich in einer Buchhandlung zu arbeiten – einem kleinen Zufluchtsort, in dem Fremde einen Raum und unausgesprochene Geschichten teilen.Als vergangene Wunden auf gegenwärtige Hoffnung treffen, muss Ava eine Entscheidung treffen: Wird sie sich erneut in Sicherheit zurückziehen, oder wird sie es wagen zu lieben, ohne sich selbst zu verlieren?

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Avas zerbrochene Welt
Kapitel Eins: Ava stolperte aus dem Café, blinzelte die Tränen weg, die sich nicht länger verstecken wollten. Der kalte Wind brannte auf ihren Wangen, doch er war nichts im Vergleich zu dem Schmerz, der sich tief in ihrer Brust festkrallte. Sie wusste nicht einmal, wohin sie ging, nur weg, weg von Ethans Stimme, weg von dem Lachen, das einst ihr eigenes gewesen war, nun aber wie Spott über ihre Persönlichkeit hallte. Weg von allem, was sie daran erinnerte, wer sie gewesen war, bevor sie unsichtbar wurde. Ihr Handy vibrierte. Eine Nachricht von Ethan: „DU HAST MICH SCHON WIEDER BLOßGESTELLT, AVA. WAGE ES NICHT, JEMALS UNANGEMELDET IN MEINEM BÜRO ZU ERSCHEINEN.“ Sie schluckte schwer. Mit zitternden Fingern löschte sie die Nachricht, bevor ihr Herz erneut zerbrechen konnte. Überraschenderweise war das nichts Neues. Sie hatte schon Hunderte solcher Nachrichten gelöscht. „Du wirst unsere Welt niemals verstehen.“ „Du wirst nie dazugehören.“ Jedes Wort war wie ein Hammer, der auf ihr Selbstvertrauen einschlug, bis es zu Staub zerfiel. Als sie schließlich ihre kleine Wohnung erreichte, konnte sie ihre Schluchzer kaum noch zurückhalten. Die Wände waren dünn, das Licht gedämpft, und das alte Sofa hing in der Mitte durch aber es war ihr Zuhause, ihr einziger Zufluchtsort. Sie setzte sich auf den Boden, zog die Knie an sich und flüsterte Gebete zu einem Gott, von dem sie nicht einmal wusste, ob er noch zuhört. „Wie bin ich nur zu dieser Version meiner selbst geworden?“, flüsterte sie in den leeren Raum. Einmal hatte Ava Träume gehabt Malen, Reisen, Geschichten schreiben, die andere inspirieren würden. Doch Ethans Welt hatte sie vollständig verschlungen. Er hatte ihr beigebracht, mit Angst zu sprechen, sich auf eine bestimmte Weise zu kleiden, sich für ihre bloße Existenz zu entschuldigen. Und sie hatte gehorcht, im Glauben, Liebe bedeute Opfer. Erst in der Nacht, als seine Mutter zu ihr sagte: „Menschen wie du sollten ihren Platz kennen“, begann etwas in ihr zu sterben. Sie lag stundenlang da, während die Stille schwer auf ihrer Brust lastete, bis ihr Handy erneut vibrierte. Diesmal war es ihre beste Freundin Grace: „Ava, du musst aufhören, dich zu verstecken, und mir morgen im Gemeindebuchladen helfen. Das wird dir guttun.“ Ava lächelte leise, zögerte jedoch, während sie auf die Nachricht starrte. Sie wollte Nein sagen, sich wieder in ihren Schutzpanzer zurückziehen. Aber vielleicht nur vielleicht hatte Grace recht. Sich zu verstecken würde ihr nicht helfen. Am nächsten Morgen wachte Ava noch immer niedergeschlagen auf, machte sich jedoch auf den Weg zum Buchladen, der nach alten Seiten und frischem Kaffee roch. Sonnenlicht fiel durch die großen Glasfenster und landete auf Reihen vergessener Romane. Grace war bereits dabei, Bücher zu ordnen, als Ava hereinkam – eingehüllt in einen grauen Schal und mit dem sanftesten Lächeln, zu dem sie fähig war. „Du bist gekommen!“, rief Grace aus und eilte herbei, um sie zu umarmen. Ava nickte, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich brauchte … einen Tapetenwechsel.“ Grace musterte ihr Gesicht, bemerkte die leichte Schwellung um ihre Augen, entschied sich jedoch, nicht nachzufragen. „Nun, frischer als Bücher und Kaffee geht es kaum. Also bist du hier genau richtig – alles dank mir.“ Ava lachte leise, diesmal etwas länger. Gerade als sie nach einem Stapel Romane griff, öffnete sich die Tür, und ein großer Mann trat ein. Sein marineblauer Mantel streifte den hölzernen Türrahmen, während er die Tür für eine ältere Frau hinter sich aufhielt. Es lag etwas in seinem Lächeln – ruhig, warm und vollkommen entwaffnend. „Guten Morgen“, begrüßte er sie. Seine Stimme war tief, aber freundlich. Grace winkte. „Willkommen! Suchen Sie etwas Bestimmtes?“ „Nicht wirklich“, sagte er, sein Blick glitt kurz zu Ava. „Ich versuche nur, dem Lärm draußen zu entkommen.“ Ava sah auf, und ihre Blicke trafen sich. Seine Augen waren grau – ruhig, suchend. Für einen Moment erstarrte sie, unsicher, was sie tun sollte. Er nahm ein Buch aus dem Regal: Die Kunst, neu zu werden. „Hast du das schon gelesen?“, fragte er. Ava schüttelte den Kopf. „Nein, aber der Titel klingt … hoffnungsvoll“, murmelte sie. „Das ist er“, sagte er und blätterte durch die Seiten. „Es geht darum, sich selbst wieder aufzubauen, nachdem alles zusammengebrochen ist.“ Ihr Atem stockte. „Funktioniert es?“, fragte sie leise. Er lächelte wieder – dieses sanfte, wissende Lächeln. „Das hängt davon ab, wie sehr man neu anfangen will.“ Grace entschuldigte sich, um einen Anruf entgegenzunehmen, und ließ die beiden allein. Der Mann sah Ava erneut an. „Ich bin übrigens Liam.“ „Ava.“ „Ava“, wiederholte er langsam, als würde er den Namen ausprobieren. „Freut mich. Arbeitest du hier?“ „Nicht wirklich“, sagte sie. „Ich helfe nur aus.“ Er nickte und blätterte weiter. „Du wirkst wie jemand, der zwischen den Zeilen liest.“ Sie legte den Kopf schief. „Wie meinst du das?“ „Menschen, die verletzt wurden, lesen anders. Sie lesen nicht nur Worte – sie fühlen sie.“ Ava schluckte. „Du klingst, als wärst du auch verletzt worden.“ Er lachte leise, sein Blick wurde fern. „Vielleicht. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.“ Zum ersten Mal seit Monaten spürte sie etwas Warmes in sich aufsteigen – etwas, das weder Schmerz noch Liebe war, zumindest noch nicht. Es war das Gefühl, mit einem Fremden offen sprechen zu können, ohne sich fremd zu fühlen. Und es machte ihr Angst, weil sie nicht wusste, wie sie es annehmen sollte. Als Liam schließlich ging, drehte er sich an der Tür noch einmal um. „Du solltest das Buch lesen. Seite 87 – das ist mein Lieblingsteil.“ Ava nickte gleichgültig, doch kaum war er die Straße hinunter verschwunden, schlug sie das Buch auf. Seite 87: „Manchmal rettet dich nicht die richtige Person. Manchmal erinnert sie dich nur daran, dass du selbst all die Stärke und Fähigkeit besitzt, dich zu retten.“ Tränen füllten ihre Augen – zum ersten Mal waren es keine Tränen des Schmerzes, sondern der Befreiung. In dieser Nacht saß Ava am Fenster, die Lichter der Stadt funkelten unter ihr wie kleine Wunder. Sie flüsterte in die Dunkelheit: „Vielleicht … vielleicht fängt es hier wieder an.“ Sie wusste nicht, dass Liam kein gewöhnlicher Fremder war, sondern einer der jüngsten CEOs der Stadt derselben Firma, die einst ihr Praktikum abgelehnt hatte, weil sie „nicht in ihr Image passte“. Das Leben begann leise, ihre Geschichte neu zu schreiben – Zufall für Zufall. Irgendwo zwischen Zerbrochenheit und Hoffnung hatte Ava ihren ersten Schritt getan, um wieder ganz zu werden.

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