Kapitel 4

4296 Words
Tamala fand Hudson an diesem Abend ausgestreckt in ihrem Bett, als sie mit ihren Kämpfen fertig war. Sie hatte heute verdammt hart gekämpft. Wollte diesen Mann nicht in ihrem Zimmer, geschweige denn in ihrem Bett. Sie wusste, warum er hier war, was er vorhatte – er würde das halb geformte Band gegen sie ausnutzen. Wie er so grausam sein konnte, wusste sie nicht, aber es war ihr klar, was er wollte – er lag völlig nackt mitten in ihrem Bett. „Ich würde nicht weglaufen, Tamala, ich bin schneller auf den Beinen, als du es je sein wirst.“ Er grinste sie frech an. Sie wusste, dass es stimmte, sie konnte ihm nicht davonlaufen, nicht, wenn er einen Wolf hatte und sie keinen vollständig ausgebildeten. Seine Worte waren eine Drohung, seine Art ihr zu sagen, dass es kein Entkommen gab – wenn sie versuchte zu fliehen, würde er sie einfach wieder hierher zurückzerren. Niemand würde sich kümmern, sie war wolflos und für sie alle wertlos. Sie zog sich zum Duschen zurück, hatte heute ein Dutzend Kämpfe hinter sich, war die Letzte aus ihrem Rudel, die kämpfte, keiner von ihnen war geblieben, um zuzusehen, es war ihnen egal, ob sie gewann oder verlor. Sie war müde und morgen würde sie gegen die drei verbliebenen Krieger antreten. Nicht nur, dass sie sich draußen behauptet hatte, sie hatte auch alle ihre Gegner besiegt. Der Alpha, der ihre Kämpfe leitete, war jedes Mal überrascht, wenn sie gewann, hatte ihr nach dem letzten Kampf gesagt: „Du bist erstaunlich, Tamala.“ „Ich bin wertlos, das meinst du.“ erwiderte sie kühl und wandte sich dann von ihm ab. Morgen war der Tag, an dem entschieden würde, welches Rudel den besten Krieger hatte. Sie war die Einzige, die vom Funkelnden Mond Rudel übrig war. Alle anderen hatten heute verloren, sogar Hudson. Sie hatte ihn direkt vom Mattenrand geklatscht und genoss es, seine Niederlage zu sehen, wie ein anderer ihm eins auswischte. Er hatte sie wütend angestarrt und war davonmarschiert. Sie fand ihn dicht an sie gedrängt unter der Dusche. „Du warst heute grausam zu mir.“ knurrte er. „So wie du es jeden Tag zu mir bist, seit meine Wölfin nicht auftauchte. Und so wie du es jetzt sein wirst, vermute ich.“ „Richtig, ich werde dich die ganze Nacht hassen.“ murmelte er, kurz bevor seine Lippen ihre Markierung berührten und seine Hände anfingen, über ihren Körper zu gleiten. Sie schloss die Augen, als ihr dummer Körper seinen Berührungen nachgab. Er wusste genauso gut wie sie, dass es kein Nein gab – sie konnte es nicht aussprechen. Ein dummer Teil von ihr sehnte sich nach seiner Berührung, egal wie sehr sie diesen Teil von sich hasste, ein anderer Teil genoss es. Nur ihr Verstand hasste ihn noch, wie es schien. Ihr Körper wollte ihn, sehnte sich nach ihm. Sie weigerte sich, vor l**t zu schreien, biss alles nieder, hielt es mit aller Kraft zurück, was ihn frustrierte. Er biss ihr in die Schulter, um sie zum Schreien zu bringen, egal ob vor Schmerz oder l**t, schien es. Sie biss alles nieder, auch Stunden später, als er sie im Bett nahm, war sie dankbar, dass er sie umgedreht hatte und sie von hinten nahm, als Tränen in ihren Augen brannten, als die l**t durch ihren Körper raste, sie würde kommen und wusste es, konnte es nicht zurückhalten, keuchte, als sie spürte, wie seine Krallen ihre Haut durchdrangen, biss den Schmerzensschrei nieder, konnte aber den Orgasmus nicht stoppen. Dann war er fertig, legte sich neben sie ins Bett, Tamala vergrub ihr Gesicht im Kissen und zwang sich, nicht zu weinen, nicht zu schluchzen. Sie wollte diesen Mann nicht, konnte ihm aber nicht nein sagen. Mit jedem Tag, an dem der Vollmond näher rückte, wurde das Verlangen nach ihm stärker und auch das Kribbeln auf ihrer Haut. Es war stärker als gestern. Sie spürte, wie er aus dem Bett stieg, konnte sogar seine Augen auf sich spüren. „Ich werde dich jede Nacht hassen, Tamala, bis der Vollmond kommt. Dann werde ich dich ablehnen, bevor ich dich verbanne.“ „Ich werde es gerne annehmen.“ erwiderte sie gefühllos, würde ihm niemals zeigen, wie sehr er ihr jetzt weh tat. Niemand wollte von seinem Gefährten abgelehnt werden, nicht einmal, wenn man ihn nicht wollte – es war ein Schmerz, der so schlimm war, dass man daran sterben konnte. Sie hörte, wie er sich anzog und das Zimmer verließ, spürte die Tränen ins Kissen brennen. Es war so grausam von ihm, ihren Körper und ihr halb ausgebildetes Band für seine eigenen kranken, verdrehten Bedürfnisse zu benutzen, obwohl er wusste, dass er sie ohnehin ablehnen würde. Es war das Grausamste, was man einem anderen seiner Art antun konnte. Sie lag da in ihrem Bett, Tränen brannten in ihren Augen, aber sie gab keinen Laut von sich, würde ihm niemals die Genugtuung geben zu wissen, dass es sie innerlich tötete, dieses schreckliche Ding zwischen ihnen, kein einziges Schluchzen entfuhr ihr, stille Tränen des Schmerzes und der Qual, nicht nur emotional, sondern auch körperlich. Er hatte sich heute Nacht nicht darum gekümmert, ihr weh zu tun. ‚Nie wieder, Suki. Ich werde das nicht noch einmal zulassen.‘ Sie war nicht die Einzige, die Schmerzen hatte, ihre Wölfin Suki litt ebenfalls. Sie war noch nicht einmal vollständig ausgebildet und wusste doch schon, wer ihr Gefährte war und dass er sie ablehnen würde; er hatte es gerade so klar wie der Tag gesagt. Er wusste es, hatte es gewusst, als er das erste Mal in dieses Zimmer gekommen war. Sie stand auf und duschte, um seinen Geruch von sich abzuwaschen, konnte aber nicht viel gegen die Wunden tun. Suki konnte sie noch nicht heilen. Es gab auch keinen Erste-Hilfe-Kasten hier. Sie zog ihren einzigen sauberen Kampfdobok an, ihren dunkelblauen Dobok, und verließ das Hotel. Es war mitten in der Nacht und niemand würde sich kümmern, wenn ein wolfloses Mädchen herumlief oder gar verschwand. Sie machte sich zu Fuß auf den Weg zurück zur Arena und wanderte darin umher, betrachtete die Matten, die alle sauber geschrubbt und bereit für den letzten Kampf am Morgen waren. Ihr Kampf gegen drei andere, ein Gruppenkampf zum Finale. Sie wusste schon, dass sie sich alle zusammentun würden, um sie zuerst auszuschalten, bevor sie sich dann gegenseitig bekämpften, um den ersten Platz zu erreichen. Es war ihr mittlerweile egal. Sie wollte einfach nur weg von all diesen hasserfüllten, ehrlosen Wölfen, die sie immer noch beschimpften, obwohl sie gegen mindestens einen aus jedem Rudel hier gekämpft und alle besiegt hatte. Sie sahen sie trotzdem nicht als eine der Ihren, würden es nie tun. Sie würde in einem Ort wie diesem immer von allen abgelehnt werden. Tamala saß in der ersten Reihe der Sektion ihres Rudels, als alle für den letzten Kampf hereinströmten. Sie hatte nicht viel geschlafen, nur ein paar Stunden hier in der Arena, vielleicht drei, wenn sie Glück hatte. Ihr Körper schmerzte und sie hatte Schmerzen, nicht dass es jemanden interessieren würde, also verbarg sie es vor allen, zeigte es niemandem. Sie war hungrig, hatte auch kein Frühstück gegessen, konnte sich nicht aufraffen. Es würde ihr nichts bringen. Sie wusste, dass Hudson direkt hinter ihr saß, spürte, wie er gegen ihren Stuhl trat. „Du solltest das für das Rudel gewinnen.“ sagte er trocken. Tamala reagierte nicht, war bereits verletzt, heilte nicht wie sie und er hatte letzte Nacht noch Salz in ihre Wunden gestreut. Spürte, wie er eine Minute später erneut ihren Stuhl trat, noch härter als beim ersten Mal. „Tamala, du solltest das gewinnen.“ knurrte er. Ihre Augen lösten sich nicht von den Matten, sie musste gewinnen, weil er nutzlos war und selbst verloren hatte. Sie hatten alle verloren. Nur sie, das schändlichste Mitglied ihres Rudels, hatte es ins Finale geschafft. Das war es, der letzte Tag. Sie würden nach diesem Kampf zum Rudel zurückkehren, 5 Tage bis zum Vollmond, 5 Tage, in denen dieser Mistkerl hinter ihr her war, um mit ihr zu machen, was er wollte, bevor er sie ablehnte und verbannte. ‚Suki, du wirst dich nicht verwandeln, wenn der Mond untergeht.‘ sagte sie ihrer Wölfin und meinte es ernst. ‚Es wird uns wehtun, Mala.‘ ‚Ja, das wird es, aber er wird uns niemals gehen lassen, wenn er dich sieht, und das weißt du.‘ Ihre Wölfin schwieg. Es war nichts, was ein Wolf sich wünscht, seinen Gefährten abzulehnen, aber er hatte ihr bereits gesagt, dass er es tun würde. Tamala war damit einverstanden, sie wollte es sogar. Er würde nichts anderes sein als grausam zu ihr, zu ihnen, und sie würde niemals dem Rudel entkommen. Wenn Alpha Glenn jemals herausfände, dass sie eine Wölfin hatte, würde er sie niemals zulassen, seinen Sohn abzulehnen. Nicht, wenn sie ihre beste Kämpferin war; mit einer Wölfin wäre sie eine mächtige Luna. Sie alle wollten das für das Rudel – eine Krieger-Luna, die ihm starke, mächtige Erben gebärt, etwas, das sie niemals wollte. Sie wollte dieses Rudel seit Jahren verlassen und wusste jetzt wirklich, dass hier nichts mehr für sie und ihre Wölfin war. Sie spürte seinen Atem in ihrem Nacken. „Du wirst tun, was dir gesagt wird, und das für das Rudel gewinnen.“ Endlich wandte sie ihm ihren Blick zu. „Wirklich? Und wenn nicht?“ Sie sah hinter ihn, zu denen, die hinter ihm standen. Sie konnte Jet direkt ansehen. Oh, er wusste, was sie war, sie erkannte es, als er zurückblickte. Deshalb die Warnung neulich. Schade, dass sie nicht darauf gehört hatte. Sie stand auf und sah sie alle an, seine Einheit. Wahrscheinlich wusste nur Jet die Wahrheit. „Nun, ich glaube, ihr alle habt mir gesagt, ich soll hier sterben.“ erklärte sie laut und deutlich, damit es alle hören konnten. „Vielleicht werde ich das tun, was das Rudel wirklich will.“ „Tamala.“ Hudsons warnender Ton. Sie sah ihm direkt in die Augen. „Ich glaube, du hast gesagt, es wäre nicht einmal die Mühe wert, meinen Körper zurückzubringen, ich wäre wertlos, oder? Ein wertloses, wolfloses Stück Dreck, das du gern zurücklassen würdest.“ „Du wirst das gewinnen, Tamala.“ „Werde ich?“ Sie fixierte ihn mit einem starren Blick. „Ich denke, wir werden sehen, ob ich die Energie dafür habe. Ich bin ehrlich gesagt müde.“ Und sie war müde, müde vom ganzen Rudel, wollte mehr als alles andere raus, und der Tod würde das auch bringen. Ihr Name wurde vom Schiedsrichter gerufen, und sie wandte sich vom Rudel ab. Das war es. Tamala würde heute sterben, und Mala würde geboren werden. Stark und unzerbrechlich würde Mala sein. Sie öffnete ihren Gürtel und zog das Oberteil ihres Gi aus und zeigte allen hier die Wunden, die sie erlitten hatte, nicht nur vom Kampf, obwohl es mehr als nur ein paar blaue Flecken davon gab. Nein, sie zeigte ihnen, was Hudson ihr angetan hatte, die Bissspuren an ihrem Körper, die Kratzer auf ihrem Rücken und die Einstiche an ihren Seiten und Schultern. Sie heilte nicht wie sie. Er war letzte Nacht wütend auf sie geworden, weil sie nicht für ihn geschrien hatte, wie er es wollte, hatte sie gekratzt und gebissen, um sie zu bestrafen und zu versuchen, sie zum Schreien zu bringen. Alle ihre Wunden waren für alle sichtbar. Die Grausamkeit ihres Rudellebens. ‚Was machst du?‘ Hudsons Stimme schoss durch den Gedankenlink zu ihr, klang wütend. „Ich heile nicht wie ihr alle.“ sagte sie laut. „Wolflos, Verletzungen können mich töten.“ ‚Tamala.‘ Wieder Hudsons wütende Stimme, eine volle Warnung über den Gedankenlink. Es war ihr egal, sie antwortete ihm nicht. Tamala würde heute sterben, und Mala würde geboren werden. Stärker und unzerbrechlich würde Mala sein. Sie sah, wie ihre drei Gegner sie ansahen, hörte, wie einer von ihnen amüsiert schnaubte. „Kann wohl keine Wölfe verkraften, was?“ Sie ignorierte ihn. Heute war ihr Tag, ihr Tag zu sterben, und sie würde auf ihre Weise gehen. Heute würde sie nicht kämpfen, heute würde sie jeden Schlag einstecken, den sie abbekommen konnte, und heute würde sie stärker daraus hervorgehen, würde nach Hause gehen und in einem Leichensack sein, oder hier zurückgelassen werden, von allen unerwünscht, wer weiß. Oder sie würde die nächsten 5 verdammten Tage im Krankenhaus des Rudels verbringen, wo Hudson sie nicht anfassen konnte. Heute würde sie sich selbst Verletzungen zufügen lassen, um ihm zu entkommen. Sie schloss die Augen und spürte, wie Suki sich Sorgen um den bevorstehenden Kampf machte. Wenn Tamala starb, würde Suki auch sterben, und ihre Wölfin konnte nichts dagegen tun, hatte kein Mitspracherecht. Konnte nicht auftauchen und die Kontrolle übernehmen, um für ihr eigenes Leben zu kämpfen. Sie holte tief Luft, als sie ihren Gegnern gegenüberstand, nahm ihre Kampfhaltung ein, beide Fäuste erhoben, bereit zu kämpfen, ließ den Atem langsam und lange aus, sah jeden von ihnen der Reihe nach an, es waren die anderen Top-Kämpfer, drei verschiedene Rudel, alle ohne Respekt vor der Wolflosen, atmete erneut ein, konzentrierte sich und als sie ausatmete, öffnete sie ihre Hände und schob ihren rechten Fuß zurück, änderte die Art und Weise, wie sie zuvor gekämpft hatte. Es würde keinen Kampf für sie geben, nur Verteidigung und Ablenkung. Welche Schläge sie auch abbekommen würde, sie würde sie einstecken. Es würde sehr weh tun, das wusste sie. Aber heute war ihr Tag, die Dinge in diesem Kampf würden nach ihrem Willen geschehen. ‚Tamala, was machst du?‘ es war Hudson. Er wusste, wie sie kämpfte, sie hatten oft gekämpft und er hatte fast jedes Mal verloren, jetzt waren ihre Hände offen, nicht geschlossen. Etwas, das sie nie tat. ‚Genau das, was das Rudel von mir will.‘ antwortete sie und kappte den Link. Die Runde begann und sie duckte sich und wich aus, blockte mit ihren Armen und Knien, rollte sich aus dem Weg und stand wieder auf, steckte Schläge ein und stöhnte vor Schmerz, ging aber nicht zu Boden, noch nicht, hatte Schlimmeres in ihrem Rudel erlebt, um ehrlich zu sein. Schlimmeres von Hudson selbst und seiner Einheit. Sie konnte es immer noch aushalten. Sie sah eine Öffnung und eine Chance, eine perfekte Lücke in ihrem Kampf, genau das, was sie gesucht hatte, und stürzte direkt hinein, nur um im letzten Moment vor diesem süßen Punkt anzuhalten, ließ sich zwischen den Schulterblättern treffen und gleichzeitig einen Schlag in den Bauch einstecken, schrie vor Schmerz auf und fiel zu Boden, konnte ihr eigenes Blut in ihrem Mund schmecken, biss sich bei dem Aufprall auf die Zunge. Tränen brannten in ihren Augen, als sie dort lag und versuchte, Luft zu holen, und sah den Alpha, der als Schiedsrichter vor ihr stand. „Warum wehrst du dich nicht?“ fragte er sie, als sie sich auf alle viere stützte, ihre Arme zitterten, und der Schmerz durchfuhr sie. ‚Gebrochene Rippe.‘ sagte ihr Suki. „Mir geht’s gut.“ sagte sie ihm und zwang sich auf die Füße. Lehnte seine Hand und sein Hilfsangebot ab, sie würde das alleine schaffen, wie sie in den letzten zwei Jahren alles alleine geschafft hatte. Hatte noch keinen einzigen Schlag abgefeuert, und würde es auch nicht tun. ‚Tamala, du wirst zurückschlagen.‘ Hudsons wütende Stimme in ihrem Kopf, kappte diesen Link. Er wollte nur, dass sie gewann, für sein eigenes krankes Bedürfnis, sie bis zum Vollmond zu haben. Sie spürte, wie die Wut in ihr aufstieg. ‚Hier gibt es keine Tamala mehr.‘ dachte sie bei sich. ‚Tamala war schwach. Mala ist es nicht. Heute wird Mala Luca geboren.‘ Sie schloss die Augen, atmete tief ein, ließ die Luft langsam ausströmen und öffnete ihre Augen wieder. Sie sah, wie sie alle sie anlächelten, in dem Glauben, dass dies leicht werden würde. Sie sah, wie sie sich bereit machten, und stellte sich direkt ihnen gegenüber, hob beide Hände und öffnete die Handflächen zu ihnen. „Kämpf verdammt nochmal!“ hörte sie Hudson von der Seite rufen. Wenig wusste er, dass sie bereits kämpfte. Kämpfte darum, sich selbst zu besitzen, sich von jeder Schwäche zu befreien, einschließlich ihm. Sie würde mit allem, was sie hatte, kämpfen, um jemand anderes zu werden; besser, stärker und frei von seiner Grausamkeit, um das Leben zu führen, das sie für sich selbst wählen würde. Runde zwei begann, und sie war wieder in der Defensive, bewegte sich schnell rein und raus, um sie herum, war nur halb so groß wie sie und schneller als sie es waren. Blockierte Schlag um Schlag, ihre Arme waren schwarz und blau vom Abwehren, ebenso die Seite ihres rechten Beins, und sie spürte den Schmerz, als sie alle zusammen auf sie losgingen. Sie trat daneben und bekam ein volles Knie gegen die Brust, als ein Schlag ihren unteren Rücken traf, versuchte vor Schmerz zu schreien, konnte aber nicht, sah, wie Blut aus ihrem Mund spritzte, als sie einen Beintritt abbekam und zu Boden stürzte, der Schmerz durchzuckte ihren ganzen Körper. ‚Steh auf.‘ Suki brüllte in ihrem Kopf, ihre Wölfin kratzte wütend an den Rändern ihres Verstands, wollte freigelassen werden, hörte, wie Hudson ihren Namen brüllte, lag dort auf dem Boden und lächelte halb bei dem Gedanken, dass er zusah, wie sie sich selbst umbrachte. Fragte sich, ob er begriff, dass er der eigentliche Grund war, warum sie dies tat, sie konnte das Kämpfen und Schreien ihres Rudels hören. Es war Jet, der versuchte offenbar, seinen Alpha zurückzuhalten. Der Schiedsrichter-Alpha war wieder vor ihr, rollte sie auf den Rücken und schaute auf sie und ihre Verletzungen hinab. „Du bist fertig.“ „Nein, bin ich nicht.“ Sie lachte, obwohl es für ihre eigenen Ohren hohl und emotionslos klang. „Ich kann immer noch kämpfen.“ Er runzelte die Stirn, sie kannte die Regeln, solange sie stehen konnte und bereit war, wieder aufzustehen, um weiterzukämpfen, lag die Entscheidung bei ihr. Dies war ihr Kampf, sie war noch nicht fertig. ‚Tamala, hör auf. Gib auf.‘ Es war Hudson, und er klang für sie ein wenig panisch. Sie schnaubte amüsiert bei dem Klang seiner Panik wegen ihr, setzte sich auf, spuckte Blut auf die Matte neben sich und drehte sich um, um ihn direkt anzusehen. Er wurde von seiner ganzen Einheit festgehalten, warum kümmerte es ihn überhaupt? Es tat ihm nicht leid, es kümmerte ihn nicht wirklich. Er hatte nur begriffen, dass das Band, das er spürte, durchtrennt würde und er es fühlen würde, jeder hier würde sehen, wie er wegen einer wolflosen, wertlosen Kreatur litt. Er wäre selbst entehrt, wenn sie wüssten, dass er mit ihr, der Wolflosen, verpaart werden sollte. Sie drückte sich auf ihre Füße und hörte, wie Hudson rief: „Das Funkelnde Mond Rudel gibt auf... wir verzichten.“ „Ich verzichte nicht.“ verkündete sie. „Das ist mein Kampf, er spricht nicht jetzt oder jemals für mich.“ Sie sah ihn direkt an, und es waren nicht nur er, die sie jetzt ansahen. Es war seine ganze Einheit, und sie erkannte, dass sie es nun wussten, es lag in seiner Reaktion darauf, dass sie verletzt war. Kein Gefährte konnte es ertragen, den Anblick seines schwer verletzten Gefährten zu sehen, auch er war da keine Ausnahme. Es schien, er wollte sie vielleicht nicht, hatte jede Absicht, sie abzulehnen, konnte es aber nicht ertragen, es zu sehen. Nun wussten sie alle, was sie ihm bedeutete, was sie für ihn, für das Rudel bedeutete, ihre zukünftige Luna. Eine Schande zwar, aber nun wussten sie es alle. Sie sah auf die Rudelmitglieder hinter Hudson und dann wieder auf seine Einheit, keiner von ihnen hatte in zwei langen Jahren etwas anderes zu ihr gesagt als Grausamkeiten. Sie waren genauso abweisend zu ihr gewesen wie der Rest des Rudels. Sie hasste sie alle. „Ich hasse euch alle.“ schrie sie ihnen entgegen, ihre Wut brach aus ihr heraus. „Ich hasse das Funkelnde Mond Rudel.“ Sie spürte, wie die Wut in ihr aufstieg, sie war weißglühend, hörte viele Keuchen von anderen Rudeln, warum, wusste sie nicht. Sie mochten sie nicht, würden sie auch ablehnen, wenn sie Teil ihres Rudels wäre, wahrscheinlich war es eher die Kühnheit ihrer Beleidigung gegenüber ihrem Heimatrudel. „Ich werde stehen und kämpfen, bis zum Ende.“ erklärte sie kühl ihren Gegnern. „Das Ergebnis wird sein… was auch immer es sein mag.“ Sie holte erneut tief Luft, als sie alle nickten, es schien, als hätte sie endlich ihren Respekt verdient. Der Alpha-Schiedsrichter stand direkt neben ihr, beugte sich zu ihrem Ohr hinunter. „Ist dein Alpha dein Gefährte?“ seine Worte waren ein leises Flüstern. „Nein.“ antwortete sie fest. „Ich bin sein Sandsack.“ erklärte sie laut für alle hörbar, es war ihr egal. Tamala war nach dieser Runde verschwunden, sie würde sich völlig von den Fesseln befreien, die sie an diese Welt banden. Zu einem Mann, der sie nicht respektierte, nicht liebte, sie nie lieben würde. Aber großen Spaß daran fand, ihren Körper für seine eigenen kranken Bedürfnisse zu benutzen, bis zum nächsten Vollmond. „Zähl es ab, Alpha, von zehn. Lass uns das ein für alle Mal beenden.“ „In Ordnung.“ seufzte er, schien nicht gerade glücklich darüber. Sie schloss die Augen und atmete ein. ‚Kein Wechseln, Suki, nicht zum Vollmond, wir werden als wolflos gehen, lass ihn uns ablehnen, und lass uns den Schmerz nutzen, um stärker zu werden als jeder andere.‘ Sie spürte, wie Suki in ihrem Verstand knurrte. ‚Lass uns, er verdient uns nicht.‘ Sie hörte, wie der Countdown begann, hielt die Augen geschlossen, stand einfach nur da und atmete so gut sie konnte, bei 3 öffnete sie die Augen und ein schiefes Lächeln spielte auf ihren Lippen, als sie die Hände hob. ‚Kämpf, Mala.‘ Suki brüllte in ihr. Sie sah, wie ihre Gegner überrascht blinzelten, es war ein freudloses Lächeln, sie hatte nichts mehr zu verlieren, keine Familie, kein Rudel, das sich um sie kümmerte, es waren nur sie und Suki, sie waren ein geliebter dunkler Baum. Etwas, das bald allein stehen würde, verborgen irgendwo in den Tiefen eines Waldes, wo niemand und nichts aus ihrem alten Leben sie finden, berühren oder verletzen würde. Die dritte Runde begann. Sie atmete und beobachtete, wich aus und schlug schließlich zu, sah, wie dieser große Bastard sich auf sie stürzte, kannte seine Geschwindigkeit, hatte ihn beobachtet, alle von ihnen in den letzten zwei Runden. Schoss nach vorne und rammte ihm ihre Handfläche direkt in die Nase, sah ihn zurücktaumeln und fallen, wandte sich dem nächsten Mann zu, sie wollten wissen, wer heute der beste Kämpfer war. Sie hatte ihr ganzes Leben für diesen Moment trainiert, wollte immer hier sein, obwohl sie jetzt allein hier war, der Mann, von dem sie dachte, er würde hier sein, um sie anzufeuern und so stolz auf sie zu sein, kümmerte sich nicht mehr. Sie lebte noch immer unter seinem Dach, aber er sah sie kaum, sagte nie ein Wort zu ihr, nicht einmal in den letzten zwei Jahren. Sie glitt zwischen die Beine des nächsten Mannes, rammte ihren Ellbogen in die Rückseite seines Knies, pflanzte ihren Fuß auf den Boden und stand hinter ihm auf, sprang auf seinen Rücken und schlang ihren Arm um seinen Hals, packte ihr Handgelenk und blockierte seine Luftzufuhr, bis er nicht mehr atmen konnte, spürte, wie er sich rückwärts warf, um sie zu verletzen, indem er auf ihr landete, hielt noch fester. Biss die Zähne zusammen, als mehr Rippen unter seinem Gewicht knackten. Sie hielt an ihm fest, so gut sie konnte, während er nicht nur nach Luft rang, sondern auch sie, ein unerträglicher Schmerz lief auch entlang ihrer linken Rippenpartie, und sie kämpfte, wirklich kämpfte, um zu atmen. ‚Punktionierte Lunge.‘ Suki winselte, sie konnte sie nicht heilen, und mit einer Lunge weniger war das nicht gut. Sie ließ den Mann los, als er aufhörte zu kämpfen, weil er bewusstlos war. Sie kämpfte selbst darum, unter ihm hervorzukommen, lag auf dem Boden, spürte, wie Blut aus ihrem Mund tropfte, drückte mit aller Kraft, um wieder aufzustehen, konnte den klebrigen, fadenförmigen Blutstrom aus ihrem Mund hängen sehen. Es dauerte fast eine Minute, bis sie aufstand. Sie schwankte ziemlich stark, ihre Lunge war kollabiert, und ihre Sicht war an den Rändern verschwommen, drehte sich im Kreis, um den letzten Gegner zu sehen. Er stand nur da und beobachtete sie, hatte gewartet, ob sie aufstehen würde. „Du hast einen Todeswunsch, wie ich sehe.“ Er seufzte. „Heute…ja…habe ich.“ antwortete sie, konnte kaum den Atem finden, um zu sprechen, ihre Worte waren nicht nur keuchend, sondern auch gurgelnd, stand mit einer Hand, die sich um ihre linke Seite schlang. Selbst sie konnte den Unterschied spüren, konnte auch den Knochen spüren, der durch ihre Haut gestoßen war. Sie ließ die Hand fallen und hörte viele entsetzte Keuchen, fragte sich, wie schlimm sie wohl aussah, wusste, dass sie kaum noch stehen konnte, aber es war das, was sie wollte, auf ihren eigenen Bedingungen zu gehen, sie würde ihm nicht mehr erlauben, über sie herzufallen. „Ich bin…bereit“ keuchte sie, hob mit großer Anstrengung beide Hände vor sich, ballte beide Fäuste und schob ihren linken Fuß zurück, zog halb einen erstickten Atemzug ein und sah ihn auf sich zukommen, schaffte es, dem ersten Schlag auszuweichen, drehte sich und trat direkt in seine Faust, die auf sie zukam, stellte sicher, dass sie in ihr Gesicht traf, und fühlte, wie die Dunkelheit so schnell auf sie zu raste, spürte, wie sie zu Boden fiel, hatte ihm erlaubt, diesen letzten Schlag zu landen, einen, der entweder ihr Untergang oder ihre Wiedergeburt sein würde. Sie nahm die Berührung ihres Körpers auf dem Boden wahr, hörte ihren Namen irgendwo in der Ferne rufen und dann umfing sie die wunderbare, gesegnete schmerzfreie Dunkelheit.
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