Trauer
Kapitel 001: Trauer
Das prunkvolle Schlafzimmer wirkte nun erdrückend.
Inmitten des luxuriösen Ambientes saß Atthy wie erstarrt auf der Bettkante. Mit weit aufgerissenen Augen rang sie darum, jedes einzelne Wort zu begreifen, das soeben die Lippen ihres Ehemanns verlassen hatte.
Herzog Hugh Griffith – der Mann, der zugleich ihr Beschützer und ihr Lebensgefährte sein sollte – stand gelassen neben dem Bett. Während er die über den Boden verstreuten Kleidungsstücke aufsammelte, sprach er mit unerschütterlicher Gewissheit. Jedes seiner Worte bohrte sich wie eine Klinge in ihr Herz.
„Du bist nichts weiter als eine törichte Frau. Du hältst viel zu viel von dir selbst. Für mich bist du keinen Deut besser als jene Frauen, die auf der Straße Männer für einen Beutel Münzen um Aufmerksamkeit anbetteln.“
Hughs Stimme blieb ruhig.
Kein Zorn.
Kein Bedauern.
Nur Verachtung.
Atthys Körper zitterte.
Es fühlte sich an, als hätte ein unsichtbares Schwert ihre Brust durchbohrt. Sie wollte schreien. Sie wollte widersprechen. Sie wollte sich wehren. Doch ihre Vernunft zwang sie zum Schweigen.
Das war ihre Ehe.
Auch wenn sie nur auf dem Papier existierte.
Ihre Familie hatte all ihre Hoffnungen auf sie gesetzt. Sie durfte nicht alles zerstören.
Doch diese erste gemeinsame Nacht war nichts von dem, was sich irgendeine junge Frau je erträumt hätte.
„Also? Bist du jetzt zufrieden, nachdem du mit mir geschlafen hast?“, fragte Hugh mit einem höhnischen Lächeln. Er betrachtete Atthy, als wäre sie ein Gegenstand, der nicht einmal Respekt verdiente. Hinter seinem überheblichen Blick flackerte für einen kurzen Moment Zögern auf, bevor es wieder hinter seiner kalten Fassade verschwand.
„Zufrieden?“ Atthys Stimme zitterte noch, doch sie gewann allmählich an Festigkeit. „Glaubst du, diese Ehe besteht aus nichts anderem als Ehrgeiz und Täuschung? Bin ich für dich nur ein Werkzeug, mit dem du deine Stellung festigst?“
Hugh runzelte die Stirn.
„Ich will dir nur deinen Platz klarmachen, Athaleyah Galina. Vergiss niemals, woher du kommst. Lass nicht zu, dass dich der Titel einer ‚Herzogin‘ auf einem Stück Papier vergessen lässt, dass du in diesem größeren Spiel nur eine Schachfigur bist.“
Atthys Blick wurde scharf.
„Meinen Platz? Du meinst also, ich bin nichts weiter als eine ‚Herzogin auf dem Papier‘? Euer Gnaden, Herzog Hugh Griffith – ich bin keine Marionette, mit der Ihr nach Belieben spielen könnt. Ich habe meine Würde, und ich werde mich euren Beleidigungen nicht länger beugen.“
Stille legte sich über den Raum.
Das prachtvolle Gemach fühlte sich plötzlich eisig an. Die über den Boden verstreuten Kleidungsstücke schienen stumme Zeugen des Streits zwischen zwei Menschen zu sein, die in einer politischen Ehe gefangen waren.
Mitten in all diesem Prunk empfand Atthy nur eines.
Einsamkeit.
„Glaubst du wirklich, nur weil du mit mir geschlafen hast, kannst du mich beherrschen? Frau ... ich, Herzog Griffith, bin kein Mann, den du manipulieren kannst, nur weil ich deinen Körper genossen habe.“ Hughs Stimme wurde noch schärfer. „Frauen wie dich finde ich auf der Straße im Überfluss. Und du? Du bist nur eine von ihnen.“
Atthy biss sich auf die Lippe, um die Tränen zurückzuhalten.
Doch zwischen den Trümmern ihres verletzten Stolzes begann langsam Mut zu wachsen.
„Warum sagt Ihr so etwas zu mir? In meiner ersten Nacht als Eure Ehefrau? Nennt Ihr das angemessen? Unsere Hochzeit liegt drei Monate zurück, und Ihr habt meine Existenz kaum zur Kenntnis genommen. War das alles nur ein Spiel, um Eure Autorität zu festigen?“
Hugh schwieg einen Moment.
Ein Hauch von Zögern huschte über sein Gesicht, ehe sein kalter Ausdruck ihn erneut verschlang.
„Ich will, dass du verstehst, Athaleyah. Ich will, dass du deinen Platz erkennst, damit dich dieser leere Titel nicht berauscht. Ich gebe dir die Gelegenheit, dir einzugestehen, wer du wirklich bist. Was ist es, wonach du tatsächlich suchst?“
Atthys Zorn brach schließlich hervor.
„Ist es denn falsch, das Herz meines Ehemanns gewinnen zu wollen?! Bin ich in deinen Augen wirklich nichts weiter als eine Spielfigur? Bedeutet meine Existenz, bedeuten meine Gefühle überhaupt nichts? Ich habe es satt, jede einzelne eurer Beleidigungen schweigend hinunterzuschlucken. Und heute Nacht ... werde ich nicht länger schweigen.“
Hugh verengte die Augen.
Für einen kurzen Augenblick erschütterte Atthys Mut ihn tatsächlich.
„Willst du also weiter mit mir streiten? Dann bist du auch bereit, eine Ehe aufzugeben, die dir zumindest Macht und Ansehen verleiht?“
Atthy trat einen Schritt näher.
Ihre Augen waren scharf wie eine gezogene Klinge.
„Ich weiß genau, was ich will. Ich will meinen eigenen Weg wählen. Ich will nach meinem eigenen Willen leben – nicht nach euren Ambitionen oder euren politischen Spielen. Ich werde meine Würde nicht für den leeren Ehrgeiz opfern, an dem Ihr so verbissen festhaltet.“
Erneut verfiel Hugh ins Schweigen.
Dann sagte er mit rauer Stimme:
„Athaleyah Galina ... was du eben gesagt hast, widerspricht allem, was ich je über dich geglaubt habe. Aber ich werde dir eine Wahl lassen. Ich habe genug darüber gehört, was du willst. Es steht dir frei, mich zu verlassen. Du musst den König nicht als Vorwand benutzen. Mit meiner Autorität werde ich dafür sorgen, dass dir draußen nichts geschieht.“
„Ich werde gehen“, antwortete Atthy entschlossen, obwohl ihre Stimme noch immer bebte. „Aber Ihr müsst mir eines versprechen. Lasst meine Familie in Ruhe. Legt ihnen keine Hand an. Lasst sie in Frieden leben. Ich wähle diesen Weg nicht, um jemandem zu schaden, sondern damit meine Familie in Frieden leben kann.“
Hugh blieb reglos stehen.
Für einen flüchtigen Augenblick erschien hinter seinem stolzen Gesichtsausdruck der Schatten des Bedauerns.
Nur für einen Augenblick.
Sein Stolz begrub ihn sofort wieder.
„Du bist wirklich stur“, murmelte er.
„Das bin ich.“ Atthys Blick wich nicht einen Augenblick von ihm. „Und genau diese Entschlossenheit hält mich davon ab, länger in eurem Schatten zu leben. Ich weigere mich, eine weitere Spielfigur in einem Machtkampf zu werden, der zerstört, wer ich bin.“
Wenig später wandte sich Atthy ab.
Ihr Kopf fühlte sich schwer an.
Doch ihr Wunsch zu gehen war stärker als ihr Wunsch zu bleiben.
Hugh sah ihr lediglich nach.
Aus einem Grund, den er selbst nicht verstand, fühlte es sich plötzlich an, als wäre etwas aus seinem Innersten herausgerissen worden.
Als Atthy sich immer weiter von ihm entfernte, rief Hugh schließlich ihren Namen.
Seine Stimme war deutlich sanfter als zuvor.
„Athaleyah ...“
Atthy antwortete nicht.
Nur ihre Augen blinzelten ein einziges Mal.
Hugh holte langsam Luft.
„Bereue diese Entscheidung nicht.“
Ein schwaches Lächeln erschien auf Atthys Lippen.
Nicht einen einzigen Moment geriet sie ins Wanken.
„Keine Sorge.“
„Ich werde es nicht.“
Hughs Stolz weigerte sich, eine unbestreitbare Wahrheit anzuerkennen.
Seine Instinkte schrien immer lauter.
Nicht Atthy würde diese Entscheidung bereuen.
Sondern er.
Hugh öffnete die Tür zu seinem Gemach mit ruhigen, bedachten Bewegungen. Doch in dem Moment, als er Aththys drei persönliche Zofen regungslos vor der Tür stehen sah, wurde sein Blick messerscharf.
Sie hatten auf ihn gewartet.
Alle drei standen mit gesenkten Köpfen und gefalteten Händen vor sich, bemüht, gehorsam zu wirken. Doch ihre Unruhe war viel zu offensichtlich, um sie verbergen zu können.
„Guten Morgen, Meister Hugh“, begrüßte Stella ihn und zwang sich zu einem Lächeln, obwohl ihre Lippen leicht zitterten.
Hugh antwortete nicht.
Stattdessen glitt sein durchdringender Blick wie die Schneide einer Klinge über ihre Gesichter, eines nach dem anderen.
Stella senkte den Kopf noch tiefer.
Bella biss sich auf die Lippe und kämpfte darum, ihre Nervosität zu unterdrücken.
Rosa, die Jüngste, verlor beinahe das Gleichgewicht, als ihre Knie nachgaben.
Stille.
Die Anspannung war erstickend, als wäre selbst die Luft um sie herum schwerer geworden.
„Gibt es etwas, das ihr mir sagen möchtet?“
Hughs Stimme blieb ruhig, doch der Druck, der in ihr lag, machte ihnen das Atmen schwer.
Sie warfen sich unsichere Blicke zu.
Keine von ihnen wagte es, als Erste zu sprechen.
„Wir ... wollten uns nur vergewissern, dass die Herzogin nichts braucht“, antwortete Bella schließlich.
Eine Lüge.
Zu sorgfältig vorbereitet.
Hugh stieß leise den Atem aus. Es interessierte ihn nicht, sich ihre Ausreden anzuhören.
„Ihr solltet inzwischen wissen ...“ Hugh machte eine kurze Pause und ließ seine Worte bewusst im Raum stehen.
„... dass ich kein Mann bin, den man zweimal täuschen kann.“
Die drei erstarrten.
„Noch ein Fehler ...“ Hugh machte einen halben Schritt nach vorn – gerade genug, damit sie instinktiv zurückwichen.
„... und es wird keine dritte Chance geben.“
Sein Blick blieb kalt.
Da war kein explosionsartiger Zorn.
Nur eine unumstößliche Entscheidung, die keinen Widerspruch duldete.
In diesem Augenblick begriffen alle drei dieselbe Wahrheit.
Hugh Griffith würde ihnen niemals eine weitere Gelegenheit geben.
Ohne auf ihre Reaktion zu warten, ging Hugh an ihnen vorbei, als bedeuteten sie ihm längst nichts mehr.
Die drei Zofen blieben wie angewurzelt stehen, gefangen in einer Angst, die sich nun weit realer anfühlte als je zuvor.
„Mylord, gibt es etwas, das ich vorbereiten soll?“, fragte Helena, die Oberzofe, als sie mit schnellen, entschlossenen Schritten eintraf.
„Ruft sofort Alwyn in mein Arbeitszimmer. Und schickt auch nach Dr. Windfold. Sagt ihm, er soll ihren Zustand untersuchen“, befahl Hugh mit fester Stimme.
Helena blinzelte überrascht.
„Verzeiht, Mylord?“
„Sie ... sie scheint verletzt zu sein. Nein ... sie ist verletzt ... Vergesst das! Kümmert euch einfach um sie!“
Hughs Stimme klang mit jedem Wort angespannter.
Sein Gesichtsausdruck blieb kühl, doch Helena bemerkte etwas Ungewöhnliches darunter.
Verlegenheit.
Innerlich runzelte sie die Stirn.
Warum wirkte dieser Mann, kalt wie ein Eisberg, ... verlegen?
Dennoch behielt sie ihre Neugier für sich.
Professionalität hatte Vorrang.
„Jawohl, Mylord.“
Obwohl sie gehorsam antwortete, war ihr Kopf voller Fragen.
Dann richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf Atthys drei persönliche Zofen, die noch immer nervös vor dem Gemach standen.
Was stimmt mit ihnen nicht?
Was verbergen sie, dass sie sich nur mit Blicken verständigen können?
Doch der Befehl ihres Herrn hatte Vorrang.
„Worauf wartet ihr alle noch?! Geht sofort hinein!“
In dem Moment, als sie das Schlafzimmer betraten, veränderten sich ihre Mienen schlagartig.
Helena rang nach Luft.
Ihre Augen weiteten sich, und eine Hand fuhr ihr an den Mund.
Das Zimmer war völlig verwüstet.
Doch was ihr wirklich das Herz zusammenschnürte, war Atthys Zustand.
„Ah, Eure Gnaden!“, rief sie und eilte an ihre Seite. „Was ist mit Euch geschehen?“
Atthy sah sie an.
Ihre Augen waren leer und doch unbeirrbar.
Ihr Gesicht wirkte zutiefst verzweifelt, als flehe sie lautlos um Hilfe, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Und dennoch war ihre Würde unter all diesem Schmerz ungebrochen.
Helena wusste es.
Atthy war keine Frau, die Mitleid leicht annahm.
Gerade deshalb schmerzte es umso mehr, sie in diesem Zustand zu sehen.
„Eure Gnaden, ich werde sofort—“
„Helena“, unterbrach Atthy sie mit heiserer Stimme. „Lass mich ... bitte. Ich möchte allein sein.“
Helena schwieg.
Diese Bitte traf sie unvorbereitet.
Doch als sie sah, wie zerbrechlich die Herzogin wirkte, hielt sie sich zurück und nickte schließlich.
Mit schwerem Herzen verließ sie das Zimmer.
Sie bedeutete Atthys drei persönlichen Zofen, mit ihr hinauszugehen.
Doch etwas ließ ihr keine Ruhe.
Die drei Zofen wirkten noch immer zutiefst aufgewühlt.
Die Anspannung war aus ihren Gesichtern keineswegs verschwunden.
Sie verschwiegen etwas.
ÜbersetzungshinweisDieser Roman wurde ursprünglich auf Indonesisch geschrieben.
Ich bin kein deutscher Muttersprachler und kein professioneller Schriftsteller in deutscher Sprache (oder in anderen Sprachen, in die dieses Werk übersetzt wird). Um diese Geschichte internationalen Leserinnen und Lesern zugänglich zu machen, nutze ich künstliche Intelligenz als Unterstützung während des gesamten Übersetzungsprozesses.
Dennoch wird jede Übersetzung von mir sorgfältig geprüft und überarbeitet. Ich bemühe mich, die ursprüngliche Bedeutung, die Emotionen, die Figuren, die kulturelle Identität und den Erzählstil zu bewahren und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Text so natürlich wie möglich gelesen werden kann.
Falls Ihnen ungewöhnliche Formulierungen oder Übersetzungsprobleme auffallen, danke ich Ihnen herzlich für Ihr Verständnis und freue mich über konstruktives Feedback. Mein Ziel ist es, das Leseerlebnis kontinuierlich zu verbessern, ohne die Seele des Originalwerks zu verändern.
Vielen Dank, dass Sie mein Werk lesen und unterstützen.
— BIUL