Überfordert mit seinem Stimmungswechsel, setzte sie sich wieder.
Rowan stieß derweil die Sessel mit dem Fuß noch weiter zurück und forderte zwei Gläser teuren Rotweines beim Barkeeper an. „Schlag die Beine übereinander und lehne dich nicht zu weit vor“, delegierte er ihr kühl, „dein Kleid ist zu tief ausgeschnitten...“
„Entschuldigung?!“, empörte sie sich, als er sich wieder dicht neben sie setzte. „Du warst es doch, der es gekauft hat!“
Entspannt ließ er sich in die weiche Rückenlehne des Sofas fallen und schwang dabei den Fuß auf sein anderes Knie. „Oui, zu meinem eigenen Vergnügen und nicht für andere“, grinste er frech. Gerade öffnete sie den Mund und wollte ihm etwas entgegensetzen, da packte er sie um die Hüfte und rückte sie näher zu sich her.
„Jetzt fühl ich mich wohler“, funkelte er sie amüsiert an und in dem Moment schwang die Tür kraftvoll auf.
„Big B!“, rief James beinahe lallend in den Raum hinein und blieb kurz danach übertrieben geschockt stehen. „Und... meine Exfrau?“
Er lachte laut und voller Spott auf. An seinem Arm hing seine Verlobte, welche die Lippen spitzte und das Kinn überheblich hoch ob. James schüttelte ungläubig den Kopf und gierte Clara eklig an. „Wow, Baby, du siehst ja heiß aus in dem Fummel!“, kicherte er und trat weiter vor. „Sag bloß, du fickst jetzt Rowan Blaze? Den geläuterten Fürst der Unterwelt?“, belächelte er sie.
Rowan hielt Clara weiterhin gelassen fest. Nahm entspannt einen Schluck aus seinem Weinglas und stellte es wieder vor sich auf den Tisch. Sicherheit umgab sie plötzlich, als er sich nach vorn gebeugt hatte und sich leicht zu ihr drehte. Es lag eine derart komische und verdrehte Atmosphäre in der Luft, in der sich Claras Körper unangenehm verspannte. Ihr Exmann und seine neue Freundin beäugten sie mit ekelhaften Stielaugen, als wäre sie ein giftgrünes Geschöpf aus einer fremden Welt, aus dessen Ohren Konfetti schoss!
„Reste calme, Clara“, flüsterte der dunkle Schatten bestimmend an ihrer Seite. „Ich rede.“ Ob sie sich bei diesem unerwartetem Wiedertreffen mit ihrem Exmann tatsächlich beruhigen konnte, wusste Clara noch nicht. Dennoch nickte sie und starrte ein letztes Mal zu dem Pärchen vor sich. Dann zückte sie gelangweilt ihr Handy hervor, öffnete ihre Spiele App und begann an ihrem nächsten Level zu arbeiten. Rowan gluckste amüsiert, als er das sah, und wandte sich Hannington zu.
„Ich bin überrascht Sie zu sehen, Mister Hannington.“ Rowan lehnte sich lässig mit dem Ellbogen auf sein Knie.
„Das glaube ich Ihnen aufs Wort, Big B...“ James abgeneigter Blick sprach Bände und seine Zunge stieß anzüglich an seiner Mundhöhle umher.
„Ihre Freundin?“, fragte Rowan nun und zeigte dabei in lascher Handbewegung auf die platinblonde Frau im weißen Trägerkleidchen. „Oh Ja! Meine Stacy!“, jauchzte James auf und fasste ihr chauvinistisch an den Hintern. Ihr überzuckertes Quieken war dabei ein Tinnitus in Claras Ohren wert! „Wir sind seit wenigen Monaten verlobt. Es war Liebe auf den ersten Blick!“ Stacy kicherte übertrieben und James machte sich über ihren Hals her. Es gluckste und quiekte erneut aus ihr heraus, während Claras Exmann vor ihnen den Unersättlichen spielte.
„...Ist ja ekelhaft“, murmelte sie leise vor sich hin. Rowan schmunzelte amüsiert und tätschelte sie kess an ihrer Hüfte und sie konnte sich dabei ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Das Spiel gab ihr zwar die wundervolle Möglichkeit aus der Diskussion aktiv draußen zu bleiben, doch sie hörte jedes einzelne herablassende Wort aus James' Mund. Er verspottete sie und trat das bisschen Würde, was er ihr nach der Scheidung hinterlassen hatte, nun vollends mit Füßen.
„Wie kommt es eigentlich das meine Exfrau ausgerechnet neben Ihnen sitzt?“, fragte er und schob Stacy zu einem der entfernten Sessel. Dort setzte sie sich lasziv hin und schlug die kurzen Beine übereinander. Stimmt ja, erinnerte sich Clara, als sie die beiden über den Rand des Handys beobachtete. James mag es, wenn Frauen zu ihm aufschauen müssen… Daher lobte er in ihrer Ehe auch immer ihre hübschen Ballerinas und die sportlichen Chucks... Würde sie jetzt neben ihm stehen, würde sie ihn locker um fünf Zentimeter überragen!
„Ihre beruflichen Qualitäten können es kaum sein...“, nuschelt es überheblich von der anderen Seite rüber. „Die beschränken sich leider etwas.“ James ließ sich auf den anderen Sessel fallen und seine Augen blitzten angriffslustig hervor. „Oder ist sie Ihr neues Betthäschen, Big B?“ Nun blickte Clara doch erbost auf und starrte ihm in die Augen. Er funkelte herausfordernd zurück. „Dabei ist sie nicht mal dort sonderlich begabt...“ Stacy gackerte auf, als hätte James den Witz des Jahrhunderts gebracht und blickte Clara mit einem gespielt mitleidigem Gesicht an.
Das reicht! James ging definitiv zu weit!
„Mister Hannington“, kam ihr Rowan zuvor. „Ich halte mich aus dem Privatleben meiner Angestellten weitgehendst heraus.“ Offensichtlich spürte er ihre Anspannung und aufgestaute Wut, denn seine warme Hand lag nun auf ihrem unteren Rücken und streichelte dort beruhigend mit dem Daumen ihre Haut. „Und was die beruflichen Qualitäten von Miss De Brouche angehen... das überlassen Sie meinem eigenen Urteilsvermögen.“
James nickte bei jedem Wort dämlich grinsend. Er saß wie der König höchstpersönlich auf dem Ledersessel und meinte alles unter Kontrolle zu haben. Dabei war es Claras Schatten, der die Fäden in Händen hielt. Abwesend rieb James seine flachen Hände über das edle Chesterfield Leder. Ein leichter Schweißfilm blieb dabei zurück. Clara sah es genau. Besser sie verbrannte die beiden Sessel gleich morgen früh und ersetzte sie durch neue!
„Miss De Brouche... so, so“, wiederholte ihr Exmann. „Du hast also deinen Mädchennamen wieder angenommen. Typisch!“, spie er aus. „Dein kanadisch-französischer Stolz kennt keine Grenzen, Clara. Das war schon immer so...“ Er schüttelte den Kopf. „Dann arbeitest du jetzt also für Mister Blaze.“ Clara nickte kurz und funkelte ihn weiter erbost an.
„Das sollten Sie doch längst wissen, Mister Hannington“, schmunzelte Rowan maliziös. „Nicht zuletzt da Miss De Brouche die Managerin dieses Nachtclubs ist und Sie des Öfteren bereits hier waren.“ Stacy hob überrascht die Augenbrauen an und schielte zu ihrem Verlobten hinüber. „Das ist allgegenwärtig bekannt...“
James zuckte leicht zittrig mit dem Mundwinkel, dann grinste er übers gesamte Gesicht. Ein Glucksen kam aus ihm heraus und plötzlich lachte er schallend los. Rowan zog indes sein Handy hervor und tippte eine schnelle Nachricht. Dann steckte er es wieder weg. Seine linke Hand blieb dabei noch immer auf Claras Rücken liegen. Beschützend, wenn nicht sogar Besitzergreifend.
„Mister Hannington, Ihre Zeit läuft. Weshalb sind Sie wirklich hier?“ Rowan wurde ungeduldig. Und er fragte sich schon die ganze Zeit, wie Clara diesen Vollidioten je heiraten konnte. Mit Sicherheit war sie nicht bei klarem Verstand gewesen... Bei ihrem Vorstellungsgespräch hatte sie etwas von junger Liebe gesprochen. Damals belächelte er sie. Jetzt war er froh das sie diesen Kerl hinter sich gelassen hatte, sonst hätte er sie nie kennen gelernt.
„Oh ja, Sie haben ganz Recht, Mister Blaze. Ich bin ursprünglich hergekommen, um meine Mandantin zu begleiten. Sie wollte sie unbedingt besuchen kommen.“
Er stand auf und schlenderte angeberisch zur Tür, um eine weitere Frau hereinzulassen.