Boss B*tch 1/2

1104 Words
„Sind das die Vier?“ Rowan nickte. „Ja.“ Mit einem Schnippen kam ein hagerer, junger Mann angesprungen und machte sich Notizen, die er von seinem Chef diktiert bekam. „Namen, Anschriften, Universitäten, Nebenjobs...“ Der massige Italiener mit der Glatze, schielte argwöhnisch zu Rowan hinüber und nahm seine Zigarre aus dem Mundwinkel. „Freundinnen auch?“ Abermals nickte Rowan, während er weiterhin auf den Bildschirm der Überwachungskameras schaute. Also gab der Italiener seinem Sekretär das Zeichen, die Informationen sofort herauszusuchen. Dann verschwand dieser ins Nebenzimmer. Ricardo Cevalli‘s Dschungelnachtclub war dessen Festung und hatte natürlich im obersten Stockwerk, in das man nur mit einem Code hereinkam, sein Büro. Allerdings war es mehr ein wohnliches Freudenzimmer, in dem sich stets junge, hübsche und zugekokste Mädchen tummelten. Wenigstens achtet er darauf das sie volljährig sind, kam es Rowan in den Kopf. Doch er hatte bereits was er wollte und machte sich ran an die Arbeit. Seine Nacht würde noch lange andauern, auch wenn er sie lieber im Bett zwischen Claras Beinen verbracht hätte. Oder auf ihrem Sofa, wie schon einmal... Ach, verdammt! Er legte seine Hand auf die massige Schulter des Italieners. „Danke, Dad.“ Cevalli nickte, schob dabei seine dicke Unterlippe vor und schwang königlich mit der Hand, in der er seine Zigarre hielt. „Keine Ursache, Junge. Ich schick' dir die Rechnung.“ Gerade als Rowan die Tür aufstieß, hörte er abermals Cevalli‘s brummende Stimme. „Ist sie diese Lappalie wert?“ Er blieb stehen und schaute über die Schultern zu seinem Adoptivvater, der sich wie immer in einen edlen, italienischen Maßanzug mit Weste, Krawattentuch und polierten Schlangenlederschuhen gehüllt hatte. Sein Mundwinkel zuckte nach oben, als er an Clara dachte. Dann grinste er verstohlen und nickte. „Ich denke schon.“ Das „À demain“ schien nicht eintreten zu wollen. Seit vier Tagen nicht! Wobei es Clara die wundervolle Möglichkeit gab - ohne Ablenkung - ihrer Arbeit ordentlich nachzugehen und auch Reginald Barnes, ihren neuen Assistenten und Stellvertreter, einzuarbeiten. Sie bereute ihre Entscheidung diesbezüglich nicht. Denn sie kamen gut miteinander aus und sie war überrascht, dass er seit je her in Nachtclubs gearbeitet hatte. Er empfand die jungen Menschen als aufregend und faszinierend und konnte dadurch sein eigenes Buch vervollständigen. Barnes war viele Jahre zuvor Universitäts-Professor gewesen im Bereich Psychologie. Was ihr jetzt natürlich einiges erklärte… Als sie zum Mittagessen ein nahes Diner aufsuchten, flimmerten über den Fernseher die aktuellen Nachrichten. Dort wurden vier Studenten aus der hiesigen Uni polizeilich abgeführt und auf Lebenszeit vom Campus verwiesen. Die Nachrichtensprecherin ließ dabei den Namen des Nachtclubs The Jungle fallen und Clara zuckte mit dem Kopf hoch. Sprachlos verfolgte sie nun den Beitrag. „...tätlichen Übergriffe auf Frauen, die zu Gruppenvergewaltigung führten und den Konsum von Rauschmitteln. Damit zeigt sich einmal mehr das sich die gehobene Gesellschaft nicht immer hinter Geld und Einfluss verstecken kann, sobald sich Polizei und Staatsanwaltschaft zusammentun und stichfesten Hinweisen nachgehen...“ Clara fiel der Kiefer runter. Die Kamera filmte vier junge Männer, von denen ihr einer davon nur all zu bekannt vorkam. Und sie musste furchtbar dümmlich ausgesehen haben, denn Barnes gluckste mit erhobenen Augenbrauen. Sie schüttelte sich. „Entschuldigen Sie, Reginald, aber ich selbst war in diesem Club und habe diese jungen Männer dort... gesehen.“ Er nickte. „Es wird schwer sein, solche Vorfälle auf Dauer auch von unserem Nachtclub fernzuhalten“, kommentierte er mit unterschwelliger Besorgnis. Da stimmte sie ihm mehr als nur zu. „Wir benötigen noch mehr Sicherheitspersonal und eine noch strengere Eingangskontrolle. Die Gegend ist miserabel und an jeder Ecke werden Drogen verkauft. Auch wenn der Standort des Clubs am Rand des Viertels liegt und die Miete überaus erschwinglich.“ Clara seufzte. „Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht wieso Mister Blaze diesen Club überhaupt hatte aufleben lassen.“ Sie wusste es wirklich nicht. Rowan hatte doch bereits dutzende an gut laufender Einrichtungen. Restaurants, Casinos, Hotels und weiß Gott noch was alles! „Mister Blaze ist noch jung. Ich denke er will sich austoben“, meinte Barnes und aß gleich darauf sein Sandwich weiter. „Mister Blaze ist nahe Vierzig und ein Wolf im Schafspelz, Reginald! Er tut nichts ohne eine berechnete Grundlage.“ Ihr neuer Assistent kicherte, wischte sich den Mund ab und lachte dann los. „Ich mag Sie, Clara! Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und legen die Fakten wie einen kalten Fisch auf den Teller. Selbst wenn es sich um jemanden wie Rowan Blaze handelt, vor dem selbst der ein oder andere Senator Beklemmungen bekommt!“ Das konnte sie sich durchaus vorstellen! Sie lachten gemeinsam, aßen fertig und gingen nach einem Espresso wieder an ihre Arbeit. Nein, du schreibst ihm nicht! Claras Finger flogen über das Handy und beendeten zum hundertsten Mal den Text Messenger. Wage es nicht, auch nur daran zu denken! Sie haderte mit sich und verfiel in einen inneren Monolog. Nervös knabberte sie an ihrem kleinen Fingernagel. Und wenn er nur darauf wartet? Nein! Du bist eine erwachsene Frau, Clara! Und nicht in deinen Zwanzigern, in denen du alles überbewertest oder in seine Einzelteile zerlegst, bis nichts mehr davon übrig ist! Sie warf ihr Handy auf das Sofa und stapfte in ihre Miniküche. Es war Montag, der Club geschlossen und Rowan, bis auf ein paar geschäftliche Ausnahmen, die sie per Textnachricht erledigten, totenstill. Er ist bestimmt bei Ashwood, überlegte sie und biss sich auf die Unterlippe. Kläglich versuchte sie sich Kaffee zu machen als ihr plötzlich etwas klar wurde. Er beherrscht mich! Meine Gedanken, meinen Körper und wenn ich nicht aufpasse, mein Herz! Es klirrte. Claras Tasse lag zersplittert auf dem Küchenboden und sie starrte auf die verstreuten Porzellan Stücke. Wenigstens hatte es die erwischt, welche sie von James' Mutter bekommen hatte. Die war sowieso hässlich... Sie lehnte sich über die Küchenzeile, vergrub ihren Kopf zwischen den Armen und lies einen frustrierten Schrei los. Ich muss hier raus! Zwei Minuten später joggte sie bei Sonnenlicht und angenehmen achtzehn Grad am Park entlang. Den einzige Luxus, den sie sich dabei gönnte, waren ordentliche Sportkleidung und perfekt sitzende Sportschuhe. Sie rannte für ein paar Meter und verfiel dann wieder in einen angenehmen Ausdauer Gang. Das wiederholte sie alle zehn Minuten. Ihr Kopf klärte sich und sie konnte wieder anständig denken. Nach einer Dreiviertelstunde bestellte sie sich zur Belohnung einen schwarzen Kaffee aus einem nahen Coffeeshop. Noch einmal ließ sie die warme Oktobersonne über ihr Gesicht scheinen und nahm ihren ersten Schluck. Pfff! Völlig in Schockstarre verfallen, prustete sie den heißen Kaffee wieder aus! Auf der anderen Straßenseite stand Rowan. Mit Kitty. In einer innigen Umarmung!
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