Dienstag
📞Ein Verpasster Anruf von RICHTIG BLÖDER IDIOT.
Mittwoch
📞Ein Verpasster Anruf von RICHTIG BLÖDER IDIOT.
Donnerstag
📞Ein Verpasster Anruf von RICHTIG BLÖDER IDIOT.
Freitag
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Ich fliege zurück.
Clara: Ich kündige.
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Schon wieder?
Clara: Ernsthaft.
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Warum?
Clara: Der Nachtclub läuft. Barnes hat alles im Griff. Und ich werde nicht mehr gebraucht.
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Ich brauche dich.
Clara starrte wie versteinert auf seine letzte Nachricht während ihr der heiße Espresso aus der Hand fiel. „Oh, verdammt!“, fluchte sie augenblicklich und verstaute ihr Handy in ihrem langen Wintermantel.
Ugh! Der war für Byron gedacht... Sie seufzte und ließ die Schultern sacken. Der Tag fängt ja gut an…
Mit zusammengepressten Lippen machte sie auf dem Absatz kehrt und ging den langen Weg zurück, um einen neuen zu holen.
Der kleine Coffeeshop an der Ecke war mittlerweile prall gefüllt mit Anzugträgern und Stiftröcken. Früher mochte sie diese dekadente Gegend und fühlte sich unter all den Anwälten und Sekretärinnen wohl. Jetzt musste sie sich zusammenreißen, um nicht laut aufzuschreien das sie alle die Klappe halten sollen. Sie hatte ganz vergessen, wie überheblich und oberflächlich dieses Gebrabbel größtenteils war.
Dennoch drang ein ihr bekanntes Lachen ans Ohr und sie reckte das Kinn hoch, um Eddy zu auszumachen. Er stand mit Anwaltskollegen an einem Stehtisch und diskutierte mit aufgeregter Gestik. Clara schmunzelte bei seinem Anblick und bewegte sich gerade in seine Richtung als sich James aus der Menge hervortat und sie entdeckte. Ein mitleidiges Lächeln zog sich dabei über sein fahles Gesicht. Clara straffte die Schultern und ging weiter auf die Gruppe zu.
„Guten Morgen, Miss De Brouuuche!“ James zog ihren Namen lächerlich in die Länge und betonte ihn auch noch falsch. Zu ihrem Glück, strahlte Eddy sie dafür umso fröhlicher an.
„Clara! Du hier?“ Er umarmte sie freudig. „Guten Morgen, Sunshine!“, begrüßte er sie dann herzlich. Es tat ihr gut, wenigstens einen Verbündeten zu haben.
„Guten Morgen, Eddy.“ Clara lächelte ihn freundlich an, dann schielte sie zu James. „Mister Hannington.“ Anschließend nickte sie den bekannten Kollegen zu. Langweilige Floskeln wurden ausgetauscht und sie sah in jedem der drei Augenpaare, wie unwillkommen sie hier war. Und sie konnten ihnen keinen Vorwurf machen! James hatte nach der Scheidung sein Bestes getan Clara schlecht dastehen zu lassen.
„Kannst du dir den Kaffee hier überhaupt leisten?“, fragte er sie spitz und schlürfte an seinem über-süßten Cappuccino.
„Ich nicht, aber mein Boss“, funkelte Clara ihn herausfordernd an. „Du kennst ihn ja.“ James schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen. „Tz! Gib nicht so an...“
„Ist es etwa eine Berühmtheit?“, lachte einer der Kollegen dazwischen. „Barolo vielleicht? Der nimmt doch alles. Auch Ü30!“ Ein Gelächter schallte empor und die beiden Männer gratulierten sich gegenseitig zu ihrem Tiefschlag.
Ekelhaft...
„Barolo arbeitet für meinen Boss“, meinte sie nun gelassen.
„Oh, jetzt wird es interessant, Clara.“ Die Männer rückten zusammen und machten sich einen Spaß daraus, zu erraten wer es sein könnte. Irgendwann drängelten sie Clara dermaßen das sie sie von ihrer Neugierde befreite. Und auf einmal blickte sie in geschockte und aschfahle Gesichter.
Der erste räusperte sich verlegen. „Dann kann sie sich den Kaffee wirklich leisten...“ Mit Freude setzte sie nun ihr überhebliches b***h Face auf und verabschiedete sich heiter.
Zum Glück war die Schlange am Schalter ebenfalls zurück gegangen und sie kam direkt an die Reihe. „Einen doppelten Espresso zum mitnehmen, bitte.“ Als sie die schwarze Kreditkarte zückte, spürte sie James‘ unangenehme Präsenz neben sich.
„Gib nicht so an, Clara... Und mach dir ja keine Hoffnungen, in seinem Bett zu landen.“
„Wer sagt denn das ich in sein Bett will. Reicht deine Fantasie etwa nicht dafür aus, es dir andersherum vorzustellen?“ Ermüdet von seinen kläglichen Angriffen, schielte sie verärgert zu ihm rüber.
Dann grinste er und steckte die Hände in die Taschen. „Du weißt das meine Mandantin seine Verlobte ist.“
„Oh ja, das ist mir durchaus bewusst“, nickte sie lässig und seufzte genervt, „soweit ich weiß seit über einem Jahr… Ehrlich James, nicht einmal wir haben so lange gewartet!“ Clara pausierte und sah seinen Kiefer pulsieren. „Wir beide kennen Mister Blaze“, sprach sie weiter. „Er treibt die Dinge gerne voran. Selten stellt er etwas derart Wichtiges auf das Abstellgleis.“ James Lippen rieben ungeduldig aufeinander. Er war nervös und Clara verzog irritiert die Augenbrauen.
„Treib es nicht zu weit, De Brouche!“, zischte er nun aufbrausend. James konnte sein Temperament noch nie gut zurückhalten, wenn er sich bedroht fühlte. Das wusste Clara nur zu genau. Doch an der Verlobten-Geschichte war irgendwas faul…
Der Espresso wurde hingestellt und sie nahm ihn an sich, ohne hinzuschauen. Clara hielt weiterhin starren Augenkontakt mit James, dessen Augen zwischen ihren hin und her hüpften. Sie hatte genug. „Auf Wiedersehen, Mister Hannington.“
Als sie den Coffeeshop endlich hinter sich hatte, atmete sie tief ein und wieder aus. Die kühle Novemberluft tat gut und in der Ferne sah sie bereits Byrons schwarzen Chevrolet.
Der Vormittag flog dahin und Clara erledigte eine Aufgabe nach der anderen. Ganz und gar Roboter-artig am Tresen von JJ. Ein eigenes Büro besaß sie hier im Club nicht und diese Arbeit nahm sie bestimmt nicht mit nach Hause!
Doch für Reginald musste sie sich etwas einfallen lassen, bevor sie nach Detroit ging. Sie wollten heute gemeinsam Mittagessen gehen, da konnte sie all das mit ihm besprechen und sich danach eine paar Stunden Ruhe gönnen, ehe das Nachtleben richtig anfing. Bis dahin kümmerte sie sich um Bestellungen, Anfragen und die vielen Kleinigkeiten, die anfielen.
Von Mister Peterson hatte sie auch noch keine Post erhalten. Doch sie vertraute ihm und konzentrierte sich für heute auf diesen winzigen Lichtblick in ihrem Leben. Besonders seit heute Morgen…
...Ich brauche dich.
Clara schnaubte verärgert und widerstand dem Drang seine Textnachricht erneut anzuschauen, nur um nachzusehen, ob sie sich auch wirklich nicht verlesen hatte. Ihr Handy summte auf und RICHTIG BLÖDER IDIOT rief an. Sie ignorierte ihn.
Zwei Minuten später summte es wieder. Und danach, nach fünf Minuten. „Willst du nicht ran gehen? Könnte wichtig sein, Sweetheart.“ JJ polierte ein paar Gläser und schaute sie erwartungsvoll an. Clara schüttelte lächelnd den Kopf. „Nicht wichtig.“ Dann wurde das Summen penetranter und mit rollenden Augen nahm sie das Handy schließlich hervor. JJ grinste.
„Oh!“, rief sie erschrocken aus. Sofort nahm sie ab. „Reginald!“
Sie stand auf und entfernte sich ein paar Schritte von der Theke an der es nun schallend lachte. „Okay. Ich bin unterwegs. Bis gleich!“ Gehetzt packte sie ihr Zeug zusammen und schaute auf die Uhr. Es war halb eins durch und ihr Assistent wartete bereits seit einer halben Stunde vor dem Restaurant.
Sie hatte die Zeit völlig vergessen!