New Chances 2/2

906 Words
Wenn im Wörterbuch unter Workaholic ein Name stünde, wäre es Clara De Brouche. Auch wenn sie nicht mit ihm telefonieren wollte oder überhaupt ein freiwilliges Zeichen von sich gab, so wusste Rowan dennoch über alles Bescheid. Byron, Carlos und Barnes gaben auf sie acht. Hielten ihn über alles auf dem Laufenden. Vor allem nach der Sache am Stadtpark mit Kitty... Unangenehm, aber nicht rückgängig zu machen. Und Clara gab ihm keine Chance sich zu erklären. Sie machte komplett dicht. Anscheinend stürzte sie sich mit Vorliebe in eine Flut an Arbeit, wenn ihr etwas aufstieß. Was das anging, hatte sie ihn wenigstens nicht angelogen. Bis auf den Besuch in Detroit, den sie nahezu allen verheimlicht hatte… Dennoch ließ sie Rowan nicht an sich ran. Seit drei verdammten Wochen! Und er selbst konnte tatsächlich nicht einfach von hier verschwinden. Ashwood hatte einen herben Rückschlag zu bewältigen und diesmal wollte er seinen langjährigen Chauffeure und Butler nicht allein lassen. Zumal es so aussah als würde er tatsächlich sterben. Joseph Ashwood war für ihn nicht nur ein Angestellter. Er war auch Freund und Familie. Glücklicherweise erholte sich der zähe Mann, da er davor schon das Schlimmste überstanden hatte. Rowan konnte es daher kaum erwarten, wieder nach Chicago zurückzufliegen und sein linkes Bein wippte aufgeregt rauf und runter. „Warum bist du so nervös, Row?“ Sie saßen am Rand des großen Flusses, der zu seinem Land gehörte und angelten. Hier im Wald war es still und friedlich. Gelegentlich kreischten ein paar Vögel, oder Rehe hüpften durch das Unterholz. Der breite Fluss selbst plätscherte heiter vor sich her. „Was meinst du?“, murmelte er. „Ich habe Augen im Kopf. Und ein Smartphone.“ Rowan lachte leise auf und schaute zu dem großen, aber dünnen Mann, der neben ihm saß. Seine feinen Altersflecken hatten zugenommen und die halblangen weißen Haaren, die im Nacken zusammengebunden waren, wurden dünner. Unterhalb seiner Augen und Nase, bauschte sich dafür ein umso dichterer Vollbart herum. „Sag es mir“, drängte ihn Ashwood sachte, „sonst bekomme ich noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich dich weiter in Anspruch nehme und dabei eine Frau auf dich wartet.“ Rowan holte tief Luft und seufzte wehleidig. „Ich hoffe es ist nicht wieder Kitty White...“, bemerkte sein alter Butler spitz. „Non.“ Anstelle einer weiteren frechen Bemerkung, sah er im Augenwinkel wie sich Ashwood stattdessen bekreuzigte. Rowan gluckste amüsiert. „Aber jemand, der uns helfen kann, sie und Hannington zu überführen.“ Ruckartig drehte sich Ashwoods Kopf zu ihm rüber. Dabei verpasste er den Fisch, der gerade angebissen hatte. Rowan rollte die Augen zum Himmel und kräuselte seine Stirn. „Die Sache ist nur die... es ist Hannington’s Exfrau.“ „Oh“, kam es zuerst teilnahmslos aus dem älteren Mann heraus. Dann zuckte er heftig zusammen und fiel beinahe von seinem Klappstuhl. Entgeistert starrte er Rowan an. „Bist du verrückt, Junge?!“ „Absolut“ stimmte er ihm zu. Absolut verrückt nach Clara... Als er sie zur White Night das erste Mal ausführte und sah, wie sich ihr spitzer Charakter mit diesem herrlichen Antlitz von ihr vermischte, regte sich etwas in ihm. Nicht nur das er bereits davor ihre täglichen Gespräche und Textnachrichten genoss, es war auch einfach ihre ganze Art und Weise, wie sie die Dinge in Angriff nahm. Dass sie sich trotz ihrer Lage nicht unterkriegen ließ und das Beste aus allem machte. Besonders bei der Sache mit José. Sein Mundwinkel zuckte nach oben, als er daran zurückdachte. Ob sie nun Erfolg oder Misserfolg mit dem Nachtclub gehabt hätte, war Rowan im ersten Moment egal. Trotzdem überraschte sie ihn mit ihrem Eifer, Enthusiasmus und dem kühlen Kopf, den sie bei allen Entscheidungen bewahrte, obwohl sie diese Welt des Nachtlebens verachtete. Sie machte vor ihm schließlich keinen Hehl daraus. Und genau da, zwischen all dem Ärger, der Wut, der Frustration und der Strenge, entdeckte er eine wundervolle Frau, von der er mehr wollte. Und sie von ihm. Er fühlte es eindeutig. Doch plötzlich hatte sie wegen diesem blöden Missverständnis, einen eisigen Wall zwischen ihnen emporgezogen. Von heute auf Morgen! Zudem war es das denkbar schlechteste Timing das er ausgerechnet am selben Tag abreisen musste und mit Ashwood, nachdem er wieder stabil war, nach Québec flog. Hierher, auf seinen Landsitz. Weit genug weg von der hektischen Stadt und den Menschen, die sich wie zugedröhnte Huren an ihm labten. Hier hatte er Ruhe, konnte nachdenken und überlegen. Vor allem über Clara... „Oh Mann, Row...“, seufzte Ashwood an seiner Seite und schüttelte verdrießlich den Kopf als er aufstand und anfing zusammen zu räumen. „Ich packe unsere Koffer und dann fliegen wir zurück nach Chicago. Mir ist hier sowieso sterbenslangweilig.“ Er tätschelte Rowan väterlich auf die Schulter. „Außerdem will ich die Frau kennen lernen, die dich dermaßen in ihren Bann gezogen hat.“ Rowan blieb noch ein paar Minuten sitzen, als Joseph gegangen war, und dachte nach. Dann erinnerte er sich an etwas das Clara sagte. Sie sprach von drei Chancen, die sie ihm geben wollte. Eine davon hatte er vor Wochen recht spontan in Angriff genommen und war von da an noch faszinierter von ihr. Kein Wunder, dass ihre kühle Reserviertheit an ihm nagte. Aber die nächsten beiden Rendezvous mussten ordentlich geplant werden! Er hatte ein Ziel vor Augen. Denn Rowan hatte es sich in den Kopf gesetzt Clara bei sich behalten zu wollen.
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