Montag
📞Drei Verpasste Anrufe von SHADOW.
SHADOW: Es gibt einen Notfall. Ich bin für längere Zeit aus der Stadt. Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.
SHADOW: Clara?
Dienstag
Clara: Verstanden, Boss.
SHADOW: Clara...
📞Ein Verpasster Anruf von SHADOW.
Clara: Ich arbeite. Es ist die Hölle los. Keine Zeit.
SHADOW: Ruf mich zurück.
Clara: Später.
Mittwoch
SHADOW: Wenn du mich weiterhin ignorierst, lasse ich dich auf der Stelle herfliegen!
📞Ein Verpasster Anruf von SHADOW.
SHADOW: Clara, ich komme hier nicht weg. Ich muss deine Stimme hören, um zu wissen dass es dir gut geht.
Clara: Es geht mir gut. Konzentriere dich auf deine Arbeit.
Clara: Oder was auch immer du tust...
📞Ein Verpasster Anruf von SHADOW.
Donnerstag
📞Ein Verpasster Anruf von SHADOW.
Freitag
📞Ein Verpasster Anruf von IDIOT.
Samstag
📞Ein Verpasster Anruf von IDIOT.
Sonntag
📞Ein Verpasster Anruf von BLÖDER IDIOT.
Montag
📞Ein Verpasster Anruf von BLÖDER IDIOT.
Dienstag
📞Ein Verpasster Anruf von RICHTIG BLÖDER IDIOT.
Mittwoch
📞Ein Verpasster Anruf von RICHTIG BLÖDER IDIOT.
Rowan war tatsächlich aus der Stadt geflogen. Und er hatte Durchhaltevermögen, dass musste Clara ihm lassen. Obwohl ihr das geheuchelt vorkam. Byron, der sie jeden Morgen abholte und abends wieder nach Hause fuhr, hielt Rowan über alles auf dem Laufenden und informierte ihn wenn irgendetwas war. Das hatte sie so im Gefühl…
Und Ja, Clara benahm sich wie eine eingeschnappte Zicke und es war Rowan gegenüber nicht fair, die Distanz zwischen ihnen derart auszunutzen! Clara scrollte nach oben, zu seiner letzten Nachricht.
Nach wie vor kribbelte es ihr dabei die Wirbelsäule hinunter. Sollte ich vielleicht doch...?
„Miss De Brouche?“
Die helle Stimme der Sekretärin drang in ihre Ohren und rüttelte sie aus ihren Gedanken. Clara stand auf und ging auf die junge Frau zu, die sie herzlich anlächelte und deren runter Babybauch kaum zu übersehen war.
„Wann ist es so weit?“, fragte sie neugierig.
„Oh, das Kleine soll erst im neuen Jahr kommen, doch mir fällt schon jetzt jede Bewegung schwer“, lachte die Sekretärin heiter, „aber Mister Peterson ist ohne eine helfende Hand hilflos wie ein kleines Kind!“ Sie zuckte mit den Schultern und führte Clara den Flur entlang. „Ich hoffe Sie nehmen die Stelle an, Miss De Brouche. Auch wenn er ein wenig exzentrisch sein kann“, schmunzelte die schwangere Frau geheimnisvoll.
Als Clara durch die Bürotür der Anwaltskanzlei Peterson trat, fühlte sie sich auf erstaunliche Weise sehr wohl. Der Raum war klein, mit Teppichboden ausgelegt und hatte helle Wände. Die Möbel dunkel und gemütlich, als wäre man in die Neunzehnneunziger zurückversetzt. Die ordentlich aufgereihten Auszeichnungen und Bilder mit örtlichen Berühmtheiten, zierten das große Wandregal.
Mister Peterson selbst saß in seinem Sessel hinter dem Schreibtisch und telefonierte gerade zu Ende. Die kleine Brille war ihm bis auf die Nasenspitze hinuntergerutscht und über seine Schultern legten sich adrette Hosenträger. Er erinnerte sie an Reginald Barnes dem sie eine Nachricht hinterlassen hatte und das sie den Tag bei Bekannten verbringen und erst am späten Abend zurückkehren würde.
Alles entsprach der Wahrheit. Bis auf die Bekannten.
Clara suchte verbissen einen neuen Job und Mister Peterson suchte verzweifelt eine neue Sekretärin. Aufgrund der Dringlichkeit brauchte sie keine Berufserfahrung mitzubringen. Hauptsache sie funktionierte! Bis Eliza, seine aktuell schwangere Sekretärin, aus der Babypause wieder zurück war. Dieser Job, in einem kleinen Vorort von Detroit, gäbe ihr ungefähr ein oder vielleicht zwei Jahre Stabilität. Weit weg von Ro-... Chicago! und nahe genug an Kanada, um dem aufkeimenden Heimweh entgegenzukommen, der sich klammheimlich eingenistet hatte.
Ihre Familie wusste zwar von der Scheidung, allerdings nichts von ihrer miserablen Lage. Es gab schon damals Streit, nachdem sie ihr Studium abgebrochen hatte und für James den Buckel krumm machte. Gelegentlich telefonierte sie noch mit ihrer Mutter, doch ihr Vater wollte nichts mit ihr zu tun haben. Er verweigerte absolut jede Kommunikation und es war schmerzhaft für Clara. Der eigene Vater, der sie wie auf Händen getragen hatte (ihr Held!) entzog sich eiskalt ihrem Wunsch auf Versöhnung und Nähe. Wegen einer schlechten Entscheidung...
„Miss De Brouche!“, erklang es heiter. „Schön Sie hier zu haben!“ Mister Peterson war aufgestanden und hielt ihr freudig die Hand hin. Sie war warm und sanft. „Wie war Ihre Anfahrt?“, fragte er gleich anschließend.
„Vielen Dank, Mister Peterson. Ich hatte viel Spaß. Zugfahrten sind überraschend lustig.“ Sie lachten gemeinsam und er bat sie Platz zu nehmen. Das Gespräch ging ganze drei Stunden und zwischendurch kam Eliza mit einem Mittagssnack herein. Irgendwann saßen sie zu dritt im Büro.
Es war familiär, heimelig, rosarot und sterbenslangweilig... Aber sicher.
Am späten Nachmittag brachte Mister Peterson Clara persönlich zum Bahnhof zurück. Als der Zug einfuhr, schüttelten sie einander die Hände und er lächelte sie väterlich an. „Kommen Sie gut nach Hause, Clara. Und nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich-“
Clara hielt die Luft an. Oh, nein... jetzt bitte keine Absage! Sämtliche Randbedingungen sind doch perfekt! „...wenn ich auf altmodische Art und Weise Ihren individuellen Arbeitsvertrag zusende. Postalisch. Mit Briefmarke!“ Er grinste sie breit über seine kleine Brille an und Clara fiel ein Stein vom Herzen.
„Danke, Mister Peterson! Ich freue mich auf die gemeinsame Zusammenarbeit in Ihrer Kanzlei.“ Er nickte und half ihr mit einer charmanten Bewegung in den Wagon.
Glücklich und erleichtert fuhr sie zurück nach Chicago. Ihr Leben ging nun spürbar bergauf!