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Zu spat, um mich zu Lieben

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Blurb

Sie hat dieses Leben nie selbst gewählt. Ihre Familie hat für sie entschieden. Eine arrangierte Ehe. Ein Leben, das sie nie wollte. Aber sie hat es versucht... sie hat es wirklich versucht. Sie hat geliebt, gehofft und viel zu oft vergeben. Bis zu dem Tag, an dem sie gleich zwei Verräte auf einmal entdeckt: den ihres Mannes und den ihrer besten Freundin. An diesem Tag zerbricht ihr Herz völlig. Doch gleichzeitig wird etwas Neues in ihr geboren. Sie wird lernen, wieder aufzustehen. Eine Frau zu werden, die „Nein“ sagt. Eine Frau, die ihren eigenen Weg geht. Eine Frau, die niemals zurückblickt. Und als ein anderer Mann in ihr Leben tritt – freundlich, sanft und geduldig...entdeckt sie, dass wahre Liebe wirklich existiert. Eine Liebe, die keinen Schmerz verursacht. Ihr Mann dagegen wird es erst erkennen, als es längst zu spät ist. Denn sie wird nicht zurückkommen. Dieses Mal ist es wirklich vorbei. Dieses Mal ist es zu spät, sie zu lieben.

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Kapitel 01: DIE EHE, DIE ICH NIE GEWOLLT HABE
Ich habe nie wirklich verstanden, wie mein Leben in einer Ehe enden konnte, die ich mir nicht einmal ausgesucht habe. Es klingt verrückt, wenn ich es laut sage, aber genau so war es. Ich bin in diese Geschichte geraten wie in eine Falle – langsam, leise, ohne wirklich Zeit zu haben nachzudenken. Und selbst heute frage ich mich noch, wie ich das alles einfach akzeptieren konnte, ohne zu kämpfen. Als hätte meine Stimme nie wirklich gezählt. Mein Name ist Claire. Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt. Und das Einzige, was ich mit der Zeit wirklich gelernt habe, ist, dass man manchmal denkt, man sei stark, ohne zu merken, wie viel man nur akzeptiert, um andere nicht zu enttäuschen. Jason... das ist mein Mann. Der Mann, mit dem ich ein Dokument unterschrieben habe, das ich nie unterschreiben wollte. Der Mann, den ich nie gewählt habe. Und trotzdem war es, als hätten alle anderen die Entscheidung für mich getroffen. Meine Eltern, seine Familie, die Traditionen... Ich stand mitten in all dem und konnte einfach nicht Nein sagen. Ich konnte nicht sagen, dass dieses Leben nicht zu mir passte. Und das Schlimmste daran war wohl, dass alle dachten, ich wäre glücklich. Alle... außer mir. An dem Morgen, an dem alles auseinanderbrach, wachte ich mit diesem vertrauten Druck in meiner Brust auf. Ein Gewicht, das ich inzwischen nur zu gut kannte. Das Gefühl, in meinem eigenen Leben keinen Platz mehr zu haben. Jason war noch immer nicht nach Hause gekommen. Wie immer. Seit drei Nächten hatte er nicht mehr hier geschlafen. Und ich tat so, als würde ich mir keine Sorgen machen. Ich sagte mir immer wieder: Er muss lange arbeiten. Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass das nur eine weitere Lüge war. Eine von denen, die ich mir selbst erzählte, damit ich nicht weinte. Ich stand auf, zog die Vorhänge auf, und das Morgenlicht traf mich direkt im Gesicht. Ich mochte dieses Haus nicht mehr. Es erinnerte mich an alles, was ich verloren hatte. Oder besser gesagt... an alles, was ich nie wirklich gehabt hatte. Liebe. Zärtlichkeit. Nähe. Jemanden, der mich ansieht, als wäre ich genug. Ich ging in die Küche und setzte Wasser für Tee auf. Ich hatte nicht einmal Hunger. Ich aß kaum noch, und ich spürte, wie mein Körper von Tag zu Tag schwächer wurde. Aber ich war von allem so müde, dass selbst das Atmen Kraft kostete. Da vibrierte plötzlich mein Handy. Eine Nachricht von Natalie. Meiner besten Freundin. Meiner Seelenschwester. Der einzigen Person, die es noch schaffte, mich zum Lächeln zu bringen, obwohl sich mein Leben wie ein bodenloser Abgrund anfühlte. „Ich bin in 20 Minuten bei dir. Mach dich fertig, wir gehen raus.“ Ich las die Nachricht zweimal. Etwas regte sich in meiner Brust. Wie eine kleine Kerze, die in einem dunklen Raum wieder angezündet wird. Ich antwortete: „Nicht heute, Nat... Mir geht es nicht besonders gut.“ Keine zehn Sekunden später schickte sie mir eine Sprachnachricht. Ihre Stimme war sanft, wie immer. Aber entschlossen. „Claire, du gehst jetzt duschen, ziehst dich an und kommst mit mir raus. Du bleibst nicht länger in diesem Haus eingesperrt, das dich langsam kaputtmacht. Ich bin schon unterwegs. Und wenn du nicht aufmachst, trete ich die Tür ein. Kein Scherz.“ Ich hatte keine Kraft, mit ihr zu diskutieren. Und ehrlich gesagt... wollte ich, dass sie kam. Ich brauchte sie. Seit einiger Zeit hielt ich mich viel zu sehr an ihren Worten fest, um überhaupt noch stehen zu können. Ich nahm eine lange heiße Dusche. Das Wasser lief über meine Haut, während ich regungslos dastand, die Augen geschlossen. Ich hoffte, es würde alles mitnehmen. Den Schmerz. Die Angst. Die Zweifel. Die Demütigungen. Aber nichts verschwand. Gar nichts. Als ich fertig angezogen war, hörte ich es klopfen. Natalie kam herein, als würde ihr das Haus gehören. Als könnte sie nichts aufhalten. Sie trug wie immer ihr Parfüm. Diesen sanften, leicht süßen Duft, der mich jedes Mal beruhigte. „Mein Gott, Claire... du hast schon wieder abgenommen.“, sagte sie und schloss mich fest in ihre Arme. Ich hasste es, wenn sie mich so sah. Schwach. Verloren. Aber ich hatte keine Energie mehr, so zu tun. „Mir geht's gut.“, flüsterte ich. „Hör auf.“, unterbrach sie mich sofort. „Dir geht es überhaupt nicht gut, und das weißt du auch. Schau dich doch an. Du bringst dich langsam um... wegen eines Mannes, der dich nicht einmal beachtet.“ Ich senkte den Blick. Weil sie recht hatte. Weil ich nichts darauf antworten konnte. Sie nahm meine Hand. „Claire... warum liebst du ihn immer noch?“ Ich zuckte nur mit den Schultern. Ich wusste selbst nicht mehr, was ich fühlte. Liebte ich ihn überhaupt noch? Ich wusste es nicht. Es fühlte sich an, als wäre mein Herz schon so oft zerbrochen, dass ich es selbst nicht mehr erkannte. Wir gingen eine Weile spazieren. Die frische Luft tat gut. Die Stadt war laut. Die Menschen hatten es eilig. Und trotzdem fühlte ich mich unsichtbar. Als würde mich niemand mehr wirklich sehen. Während wir liefen, schlug Natalie vor, irgendwo etwas zu essen. Ich lehnte ab. Ich hatte keinen Hunger. Also setzten wir uns auf eine Bank. „Claire... du musst aufhören, an etwas festzuhalten, das längst nicht mehr existiert.“, sagte sie leise. Ich drehte den Kopf zu ihr. „Nat... ich halte mich an nichts fest. Ich... ich versuche nur zu verstehen, wie alles so schiefgehen konnte. Wie ich zu einer Fremden in meinem eigenen Leben geworden bin.“ Sie legte ihre Hand auf meine. „Claire... ich werde dir jetzt etwas sagen, auch wenn es weh tun wird... Jason liebt dich nicht mehr. Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass er dich nie geliebt hat.“ Diese Worte trafen mich wie eine Ohrfeige. Eine kalte. Aber es war nicht das erste Mal, dass ich sie hörte. Und trotzdem... zerrissen sie mich genauso wie beim ersten Mal. „Ich weiß.“, flüsterte ich. Meine Stimme zitterte. „Warum bleibst du dann?“ Ich holte tief Luft. „Weil ich Angst habe. Angst, alles zerstört zu haben. Angst zuzugeben, dass alle recht hatten. Angst, allein zu sein. Angst, eine ganze Familie zu verlieren, die ich trotz allem liebgewonnen habe... Und... ich habe Angst, dass ich es bereuen werde, wenn ich gehe.“ Sie schüttelte langsam den Kopf. „Du solltest Angst davor haben zu bleiben, Claire... nicht davor zu gehen.“ Ihre Stimme war ernst. Ehrlich. Und für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass etwas in mir zerbrach. Als hätten ihre Worte einen Teil von mir erreicht, den ich die ganze Zeit versteckt hatte. Wir gingen schweigend zurück zu meinem Haus. Ich war völlig erschöpft. Ich wollte mich nur noch hinlegen und vergessen, dass ich überhaupt existierte. Doch als wir vor der Haustür ankamen... spürte ich plötzlich einen Knoten in meinem Bauch. Jemand hatte das Licht im Wohnzimmer angemacht. Natalie und ich sahen uns an. „Jason?“, flüsterte sie. Ich antwortete nicht. Ich ging hinein. Mein Herz schlug viel zu schnell. Er war da. Mitten im Wohnzimmer. Als wäre nichts gewesen. Gut aussehend. Selbstsicher. Kalt. Wie immer. Und das Erste, was er tat, war, mich anzusehen, als wäre ich ein Problem, das gelöst werden musste. „Claire... wir müssen reden.“ Seine Stimme ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Er sah nicht müde aus. Nicht gestresst. Nein. Er hatte diesen Blick... den Blick, den er immer hatte, wenn er längst eine Entscheidung getroffen hatte, ohne mich auch nur zu fragen. Natalie machte einen Schritt auf mich zu. Als wollte sie mich beschützen. Jason hob die Hand. „Das ist kein Gespräch für Außenstehende.“ Sie lachte trocken. „Außenstehend? Ich war im letzten Jahr mehr für Claire da als du, Jason. Tu jetzt nicht so, als würdest du dich plötzlich für sie interessieren.“ Er funkelte sie wütend an. „Geh, Natalie.“ „Nein.“ Ich spürte, wie die Spannung immer stärker wurde. Meine Hände zitterten. „Nat... bitte...“, flüsterte ich. Sie drehte sich zu mir um. „Claire... bist du sicher?“ Ich nickte. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass meine Beine jeden Moment nachgeben würden. Widerwillig verließ sie das Haus. Und als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel... veränderte sich die Luft im Raum. Jason kam langsam auf mich zu. Viel zu nah. Kein Lächeln. Keine Wärme. Nur dieser leere Blick. „Claire... wir müssen endlich Klartext reden.“ Seine Stimme war völlig ausdruckslos. Doch irgendetwas an der Art, wie er mich ansah, tat unendlich weh. „Worüber willst du reden?“, fragte ich, obwohl ich seine Antwort längst fürchtete. Er hielt mir ein Blatt Papier hin. Ein Dokument, das ich zuerst gar nicht erkannte. „Ich möchte lieber, dass du es von mir erfährst... und nicht von jemand anderem.“ Ich nahm das Papier. Meine Finger zitterten. Und als mein Blick über die ersten Zeilen glitt... hörte mein Herz auf zu schlagen. Ich blieb regungslos stehen. Meine Lippen bewegten sich. Doch kein Laut kam heraus. Es war... ein Dokument. Ein Dokument, das keinen Zweifel mehr zuließ. Und in der letzten Zeile... las ich den Namen, der mich vollkommen zerstörte. Natalie. Meine beste Freundin. Meine Schwester. Die Frau, die ich in mein Zuhause ließ. Die Einzige, der ich alles erzählt hatte. Jason stieß langsam die Luft aus. Als wäre das alles nur eine Formalität. „Claire... ich will die Scheidung.“ Und in diesem Moment... brach meine ganze Welt unter meinen Füßen zusammen.

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