Kapitel Sieben (7)

571 Words
Vier Monate seit der Scheidung. Vier Monate, in denen Kael die Wohnung nicht besucht hatte. Lila hatte in dieser Zeit, wenn auch langsam, mit ihrer typischen Entschlossenheit ihre Kräfte wiedererlangt. Ich hatte mich in dieser Zeit davon überzeugt, dass meine Gefühle für Kael irgendwann verblassen würden, wie ein Gemälde im Freien an einem sonnigen Tag. Ich irrte mich. An einem warmen Juniabend hatte Lila mich gezwungen, mit ihr zu einer Kunstausstellung zu gehen: ein Bekannter eines Bekannten, moderne Kunst, Prosecco, das typische laute Lachen von Leuten, die sich bemühten, interessant zu sein. Ich wollte nicht hingehen, aber Lila hatte mich mit diesem Blick angesehen: diesem erwartungsvollen, unübersehbaren Blick, und ich hatte nachgegeben. Ich sah Kael auf der anderen Seite des Raumes. Er sah mich im selben Moment. Die Zeit schien um mich herum seltsam zu vergehen. Sie dehnte sich aus und machte die Distanz zwischen uns spürbar. Lila bemerkte, was ich ansah. Einen Moment lang schwieg sie. Dann, überraschend ruhig: „Oh. Ich wusste nicht, dass er kommt.“ „Wir können gehen.“ Irgendwann traf Lila auf eine Bekannte, drehte sich um, und plötzlich waren Kael und ich allein, ein Glas Prosecco unsere einzige Verbindung. „Du siehst gut aus“, sagte er leise. „Das hättest du nicht sagen sollen.“ „Nein.“ Er betrachtete das Gemälde vor uns – abstraktes Rot und Schwarz, ein wilder Farbwirbel. „Aber es stimmt.“ Stille. „Wie läuft es mit dem Buchprojekt?“, fragte er schließlich. Ich blinzelte. „Woher weißt du das –“ „Lila hat mir erzählt, dass du einen Vertrag bekommen hast.“ Eine Pause. „Westwind Press.“ Die Stille war erfüllt von etwas, das ich nicht benennen konnte. „Danke“, sagte ich schließlich. „Für die Empfehlung. Damals.“ „Du hättest ihn auch ohne mich gefunden.“ „Vielleicht.“ Er sah mich an. Direkt, mit dieser Gründlichkeit, die nichts entging. „Mira.“ Mein Name auf seinen Lippen – immer noch diese Wirkung. Immer noch dieses Kribbeln, das mir vom Nacken den Rücken hinunterlief. „Kael, bitte.“ „Ich möchte dich etwas fragen.“ Sein Ton war ruhig und vorsichtig. „Eine Tasse Kaffee. Kein Abendessen, keine Versprechungen, nichts Kompliziertes. Nur eine Tasse Kaffee.“ „Du weißt, warum das keine gute Idee ist.“ „Ja.“ „Lila …“ „Lila hat vor vier Monaten mit mir Schluss gemacht“, sagte er leise, ohne Bitterkeit. „Sie war mutig und hatte Recht damit. Und das respektiere ich. Aber das Leben geht weiter.“ Ich sah ihn an. Diesen Mann mit den kalten grauen Augen, der mich wie ein Rätsel betrachtet hatte, das er lösen wollte – der Rezepte gekocht, Bücher gelesen und meine Illustrationen verstanden hatte, als hätte er sie selbst geschaffen. Dieser Mann, der zu meiner Schwester gehört hatte. Dieser Mann, der jetzt hier stand und nach einer Tasse Kaffee fragte. „Ich muss Lila fragen“, sagte ich schließlich. Er nickte. Keine Überraschung. Als hätte er es erwartet. „In der Tat“, sagte er. Und einen Moment lang wirkte er wie jemand, der wartete. Nicht ungeduldig – Kael war nie ungeduldig. Er wartete einfach. Mit der stillen Gewissheit eines Menschen, der weiß, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen. Lila kam zurück. Das Gespräch wurde fortgesetzt. Aber etwas brannte in meiner Brust. Und dieses Mal ließ ich es brennen.
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