Kapitel 2

258 Words
Kräuter, die töten – und heilen Die Hütte war Seraphinas Zuflucht. Ein Ort aus Holz, Stein und Magie, so alt, dass niemand mehr wusste, wer sie ursprünglich errichtet hatte. Kräuterbündel hingen von der Decke, Runen waren in die Balken gebrannt, und auf dem großen Arbeitstisch lagen Messer, Fläschchen und Mörser. Sie arbeitete mechanisch, zerkleinerte Mondwurzel und fügte sie dem dampfenden Sud hinzu. Ihre Gedanken jedoch wanderten immer wieder zurück zu dem Heulen. Ein Alpha bedeutete Ordnung. Gesetz. Kontrolle. Aber auch Gefahr. Als sie gerade ihren eigenen Finger ritzte, um einen Tropfen Blut in den Kessel zu geben, spürte sie es: eine Präsenz vor der Tür. Kein aggressives Eindringen. Kein heimliches Schleichen. Respekt. Seraphina richtete sich auf. „Du darfst eintreten“, sagte sie laut. „Aber nur als Mensch.“ Ein Moment verging. Dann eine tiefe Stimme, ruhig und klar: „Ich ehre deine Regeln.“ Die Tür öffnete sich langsam. Der Mann, der eintrat, war groß und kräftig gebaut, doch nicht grob. Dunkles Haar fiel ihm in den Nacken, sein Gesicht war markant, von Narben gezeichnet, die von Kämpfen erzählten – nicht von Grausamkeit. Seine Augen waren goldfarben, aufmerksam und… erstaunlich ruhig. Er senkte leicht den Kopf. „Kael Ironclaw. Alpha des Nordrudels.“ Seraphina musterte ihn offen. Keine Arroganz. Kein Anspruch. Etwas in ihr – tief in ihrer Magie – regte sich. „Du weißt, dass dein Titel hier nichts bedeutet“, erwiderte sie. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen. „Dann bin ich nur ein Mann, der um Gehör bittet.“
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