Kapitel 4: Der Blutmond und die Goldene Bindung

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Die schwere Eisentür schwang quietschend auf, und ein Schwall kalter Luft aus dem Gang schlug ihnen entgegen. Shawn trug Georgia immer noch in seinen Armen, als wäre sie ein kostbarer Schatz, den er nie wieder loslassen wollte. Ihre nackte Haut prickelte unter der Berührung der kühlen Zugluft, und sie spürte, wie die Wärme des goldenen Zeichens auf ihrer Schulter pulsierte, als wollte es sie beide an die unumstößliche Wahrheit erinnern. Der Gang vor ihnen war düster, nur schwach erhellt von vereinzelten Fackeln, deren Flammen unruhig flackerten. Die Stufen führten steil nach oben, in Richtung des großen Platzes, wo der Rudelversammlungsort lag. Dort wartete das gesamte Silberrudel unter dem blutroten Vollmond, ahnungslos von dem Sturm, der sich gerade entfesselt hatte. Georgia lehnte ihren Kopf an Shawns Brust, lauschte dem starken, gleichmäßigen Schlag seines Herzens. Es pochte im Takt mit ihrem eigenen, als wären sie bereits eins. Doch in ihrem Inneren brodelte ein Wirbel aus Emotionen: Erleichterung, Furcht, Wut und eine tiefe, unstillbare Sehnsucht. Sie hatte ihr ganzes Leben im Schatten verbracht, als Bastardtochter ohne sichtbares Zeichen, unsichtbar und unbedeutend. Nun trug sie das goldene Mal, das sie zur wahren Luna machte. Aber würde das Rudel es akzeptieren? Würde Victor, ihr tyrannischer Vater, es zulassen? Oder würde Blut fließen, wie Shawn es prophezeit hatte? Shawn setzte sie vorsichtig ab, als sie die ersten Stufen erreichten. Seine Hände glitten über ihre Hüften, zärtlich, doch mit einer Besitzgier, die sie erschaudern ließ. Er musterte sie intensiv, seine sturmgrauen Augen dunkel vor Entschlossenheit. „Zieh dich an“, murmelte er heiser. „Wir können nicht so vor das Rudel treten. Nicht, bevor ich dich offiziell beanspruche.“ Georgia nickte stumm. Ihr zerrissenes Kleid lag in Fetzen zurück in der Kammer, aber Shawn reichte ihr seinen eigenen Umhang, den er von den Schultern streifte. Der Stoff war warm von seiner Körperhitze, duftete nach ihm: nach Zedernholz, Leder und diesem wilden, animalischen Moschus, der ihre Wölfin zum Heulen brachte. Sie schlang ihn um sich, zog ihn fest zu, doch darunter war sie nackt, verletzlich. Die Berührung des Stoffs auf ihrer empfindlichen Haut erinnerte sie an seine Berührungen, an die Hitze, die sie gerade geteilt hatten. Ihr Körper reagierte unwillkürlich, eine neue Welle der Erregung durchflutete sie, doch sie drängte es zurück. Jetzt war nicht die Zeit dafür. Jetzt ging es um Überleben. Gemeinsam stiegen sie die Treppe hinauf. Jeder Schritt hallte wider, ein Echo ihrer vereinten Entschlossenheit. Shawn ging voraus, seine Schultern breit und angespannt, bereit für den Kampf. Georgia folgte ihm, ihre bloßen Füße kalt auf dem Stein, doch innerlich brannte sie. Das Band zwischen ihnen vibrierte, stärker mit jedem Meter, den sie dem Mondlicht näherkamen. Es war, als würde die Göttin selbst sie vorantreiben, sie zwingen, die Wahrheit ans Licht zu zerren. Oben angekommen, stießen sie auf die Wachen. Die Männer, die zuvor vor der Kammer gewartet hatten, starrten sie an, ihre Gesichter eine Maske aus Schock und Misstrauen. Alpha Victor stand in ihrer Mitte, flankiert von Lady Eleanor, seiner Gefährtin, deren Augen vor Furcht geweitet waren. Kelly war nirgends zu sehen; sie musste einen anderen Weg genommen haben, vielleicht um die Schriften vorzubereiten. Victors Miene war verzerrt vor Zorn, seine silberne Mondsichel auf der Schulter glühte schwach im Fackellicht. „Was habt ihr getan?“, knurrte er, seine Stimme ein Donnergrollen. „Du wagst es, den Heiratsritus zu entweihen? Mit der Bastardtochter?“ Shawn stellte sich schützend vor Georgia, seine Haltung dominant, unerschütterlich. „Sie ist keine Bastardtochter mehr, Vater. Sie ist die wahre Luna. Das goldene Mal hat sich gezeigt. Auf uns beiden.“ Victor lachte höhnisch, ein kaltes, verächtliches Geräusch. „Goldenes Mal? Das ist ein Märchen, Junge. Eine Lüge, die Kelly erfunden hat, um ihre eigene Schwäche zu verbergen. Das Rudel wird das nicht schlucken. Sie fordern Blut für diesen Verrat.“ Shawn trat einen Schritt näher, seine Augen blitzten gefährlich. „Dann lass sie fordern. Ich werde kämpfen. Für sie. Für uns.“ Ein Raunen ging durch die Wachen. Einige wechselten unsichere Blicke, andere nickten Victor zu, ihre Loyalität unerschütterlich. Lady Eleanor legte eine Hand auf Victors Arm, ihre Stimme flehend. „Victor, hör auf. Die Schriften sind alt, aber wahr. Die Göttin hat gesprochen.“ Victor schüttelte sie ab, seine Fäuste geballt. „Schweig, Frau. Das Rudel braucht Stärke, keine Mythen. Shawn, du wirst Kelly wählen, wie es Tradition ist. Oder ich übernehme das Rudel selbst und beseitige diese Schande.“ Georgia spürte, wie Wut in ihr aufstieg. Jahre der Unterdrückung, der Demütigungen kochten hoch. Sie trat vor, stellte sich neben Shawn, ihre Stimme fest und klar. „Du hast mich mein Leben lang ignoriert, Vater. Mich als wertlos abgetan. Aber jetzt? Jetzt bin ich diejenige, die das Rudel retten kann. Das goldene Mal ist kein Mythos. Es brennt in mir. In uns.“ Victors Blick bohrte sich in sie, voller Hass. „Du bist nichts. Eine Schlampe, die meinen Sohn verhext hat.“ Shawn brüllte auf, ein tiefer, animalischer Laut, der die Wachen zurückweichen ließ. Er packte Victor am Kragen, hob ihn mühelos hoch. „Sprich nie wieder so von ihr. Sie ist meine Gefährtin. Meine Luna.“ Die Spannung knisterte wie Elektrizität. Die Wachen zogen ihre Waffen, Klingen glänzten im Fackellicht. Doch Shawn ließ Victor los, warf ihn zu Boden. „Bringt uns zum Platz. Die Zeremonie beginnt. Und wehe, jemand stellt sich uns in den Weg.“ Victor rappelte sich auf, spuckte aus. „Du wirst das bereuen, Sohn.“ Doch er winkte den Wachen, und sie bildeten eine Eskorte. Gemeinsam marschierten sie durch die Gänge der Festung, hinaus in die eisige Nacht. Der große Platz des Silberrudels erstreckte sich vor ihnen, ein weites, schneebedecktes Feld umgeben von hohen Fichten, deren Äste schwer vom Frost hingen. Der blutrote Vollmond thronte am Himmel, tauchte alles in ein unheimliches, rotes Glühen. Hunderte Wölfe hatten sich versammelt, in Menschengestalt, doch mit leuchtenden Augen, die ihre innere Bestie verrieten. Sie standen in Kreisen, die Ältesten in der Mitte um den uralten Stein Altar, wo die Rituale stattfanden. Der Altar war mit Runen bedeckt, die unter dem Mondlicht pulsierten. Die Luft roch nach Schnee, Harz und der aufkeimenden Erregung des Rudels. Sie warteten auf die Verkündung der Luna, auf den Bund, der das Rudel stärken sollte. Als Shawn und Georgia den Platz betraten, flanked von Victor und den Wachen, breitete sich ein Murmeln aus. Köpfe drehten sich, Augen weiteten sich. Georgia in Shawns Umhang, ihre bloßen Füße im Schnee, Shawn mit zerrissenem Hemd, das goldene Mal auf seiner Brust sichtbar. Die Rudelmitglieder witterten die Veränderung, die Spannung, den Duft von s*x und Macht, der an ihnen haftete. Kelly stand bereits am Altar, die verbotenen Schriften in den Händen, ihr eigenes goldenes Mal leuchtend unter ihrem Gewand. Sie nickte Shawn zu, ihre Miene ernst, doch mit einem Hauch von Erleichterung. Victor schob sich vor, stieg auf den Altar und hob die Arme. Seine Stimme hallte über den Platz. „Rudel des Silbers! Heute Nacht, unter dem Blutmond, wählen wir unsere Zukunft. Shawn Blackwood, der Erbe, wird seine Luna beanspruchen. Kelly, die Markierte, die Perfekte.“ Ein Jubel brandete auf, doch er war verhalten. Viele spürten die Unruhe. Shawn sprang mit einem Satz auf den Altar, zog Georgia mit sich. Seine Stimme übertönte alles. „Nein! Hört mich an! Die Göttin hat anders entschieden. Das silberne Mal ist Tradition, aber das goldene ist Schicksal. Georgia trägt es. Ich trage es. Sie ist die wahre Luna!“ Stille. Dann Chaos. Rufe ertönten: „Verrat!“, „Heresie!“, „Beweist es!“ Die Traditionalisten, angeführt von Victors Getreuen, drängten vor. Ein Beta, ein hünenhafter Wolf namens Thorne, brüllte: „Das ist eine Lüge! Die Bastard hat kein Recht! Fordert einen Kampf! Blut entscheidet!“ Victor grinste triumphierend. „Ja! Ein Duell! Die falsche Luna muss sterben, oder sie beweist ihre Stärke.“ Shawn stellte sich schützend vor Georgia, seine Muskeln spannten sich. „Wenn ihr kämpfen wollt, kämpft gegen mich. Aber berührt sie, und ihr sterbt.“ Georgia berührte seinen Arm, ihre Stimme fest. „Nein, Shawn. Ich kämpfe mit dir. Seite an Seite. Ich bin keine Schwache mehr.“ Ihre Augen trafen sich, das Band loderte auf. Er nickte, stolz in seinem Blick. Der Kreis schloss sich enger. Thorne und drei weitere Betas traten vor, halb verwandelt, Krallen und Fänge glänzend. Victor lachte. „Tötet die Bastard. Shawn wird einsehen, dass Tradition siegt.“ Der Kampf begann. Thorne stürmte als Erster auf Georgia zu, seine Pranken erhoben. Sie wich aus, ihre Wölfin erwachte vollends. Jahre der Unterdrückung machten sie schnell, geschickt. Sie duckte sich, rammte ihm ihre Schulter in den Bauch. Er keuchte, taumelte. Shawn war sofort da, packte Thorne am Nacken, schleuderte ihn in den Schnee. Ein zweiter Beta griff Shawn an, Krallen rissen über seine Seite. Blut floss, warm und rot. Shawn brüllte, verwandelte sich teilweise, seine Fänge sanken in den Arm des Angreifers. Der Beta heulte auf, wich zurück. Georgia kämpfte gegen den Dritten, eine Frau namens Mira, die sie hasste seit Kindertagen. Mira spuckte: „Du Diebin! Kellys Platz!“ Ihre Klauen streiften Georgias Arm, rissen Fleisch. Schmerz explodierte, doch Georgia konterte, ihre Faust traf Miras Kiefer. Knacken. Mira ging zu Boden. Der Vierte umkreiste sie, wartete auf eine Lücke. Shawn warf den Zweiten ab, drehte sich zu Georgia. „Halt durch!“ Kelly am Altar begann zu lesen, ihre Stimme laut und klar. „Hört die Worte der Göttin! Wenn Silber versagt und Schatten steigt, sollen zwei Töchter eines Blutes die wahre Krone tragen. Eine in Mondlicht, eine in Flamme. Der Alpha wählt nicht Pflicht, sondern Schicksal. Die Bindung, die gold brennt, kann nicht durch Fang oder Gesetz getrennt werden. Nur in Vereinigung überdauert das Rudel!“ Goldenes Licht floss aus den Schriften, umhüllte Kelly und Georgia. Es verband sie, ein schimmernder Faden. Die Angreifer zögerten, geblendet. Victor brüllte: „Lüge! Tötet sie!“ Doch das Rudel murmelte, Zweifel keimten auf. Thorne rappelte sich auf, griff erneut an. Shawn interceptierte ihn, sie rangen im Schnee, Fäuste und Krallen flogen. Blut spritzte. Georgia half, trat Thorne in die Kniekehle. Er fiel, Shawn brach ihm den Arm. Mira stand wieder, sprang Georgia an. Sie rollten über den Boden, Schnee wirbelte auf. Georgia pinnte Mira fest, ihre Hände um deren Kehle. „Gib auf!“ Mira fauchte, biss zu. Schmerz in Georgias Hand. Sie schrie, schlug zu, bis Mira reglos liegen blieb. Der Vierte floh, doch das Rudel teilte sich. Einige Traditionalisten stürmten vor, andere hielten inne, beobachteten das goldene Licht. Shawn blutete aus mehreren Wunden, doch er stand aufrecht. Georgia an seiner Seite, atemlos, verletzt, aber lebendig. Das Band pulsierte stärker, forderte Vollendung. Kelly las weiter: „Die goldene Bindung explodiert in Feuer, zwingt das Rudel zur Wahrheit!“ Victor selbst sprang vor, verwandelt in einen massigen Wolf, Zähne gebleckt. Er zielte auf Georgia. Shawn verwandelte sich vollends, ein schwarzer Koloss, prallte gegen seinen Vater. Sie bissen, rissen, rollten durch den Schnee. Das Rudel hielt den Atem an. Georgia spürte die Macht in sich wachsen. Das goldene Mal brannte, gab ihr Kraft. Sie warf sich in den Kampf, ihre Klauen trafen Victors Flanke. Er jaulte, drehte sich zu ihr. Shawn nutzte die Lücke, biss in Victors Nacken. Victor ging zu Boden, keuchend, blutend. „Gib auf, Vater“, knurrte Shawn, zurück in Menschengestalt. Victor spuckte Blut. „Niemals.“ Doch das goldene Licht intensivierte sich. Es umhüllte alle drei: Shawn, Georgia, Kelly. Das Rudel wich zurück, gebannt. Shawn wandte sich Georgia zu, seine Augen voller Verlangen, Verzweiflung. „Jetzt. Ich muss dich beanspruchen. Vor allen.“ Georgia nickte, ihr Herz raste. Die Erregung mischte sich mit dem Adrenalin des Kampfes. Sie ließ den Umhang fallen, stand nackt im roten Mondlicht, das goldene Mal strahlend. Das Rudel keuchte auf. Shawn zog sie an sich, seine Hände grob, doch liebevoll. Er küsste sie hart, seine Zunge erobernd. Seine Finger glitten über ihren Körper, kneteten ihre Brüste, zupften an den harten Knospen. Georgia stöhnte in seinen Mund, ihre Nägel kratzten über seinen Rücken. Er hob sie hoch, ihre Beine schlangen sich um seine Taille. Seine Hose fiel, sein Glied hart und bereit. Vor den Augen des Rudels positionierte er sie, drang ein mit einem tiefen Stoß. Georgia schrie auf, Lust und Schmerz vermischten sich. Das Band explodierte, goldenes Feuer schoss aus ihnen, umhüllte das gesamte Rudel. Jeder spürte es: die Wahrheit, die Macht. Shawn bewegte sich, hart, rhythmisch. Jeder Stoß ein Statement. „Meine!“, brüllte er. Georgia klammerte sich an ihn, ihre Hüften trafen seine, nahmen ihn tiefer. Die Welt verschwamm, nur er, nur sie, nur die Ekstase. Kellys Stimme hallte: „Die Bindung ist besiegelt!“ Das Feuer loderte höher, zwang Victor und die Traditionalisten auf die Knie. Sie jaulten, anerkannten die neue Ordnung. Shawn kam mit einem Brüllen, ergoss sich in sie, markierte sie endgültig. Georgia folgte, ihr Orgasmus schüttelte sie, goldenes Licht blendete alles. Als es verebbte, standen sie da, vereint. Das Rudel kniete, akzeptierte. Victor kroch vor, unterwarf sich. „Die Göttin hat gesprochen.“ Kelly lächelte traurig, rollte die Schriften ein. „Meine Rolle ist erfüllt.“ Shawn hielt Georgia fest, küsste sie zärtlich. „Unsere Ära beginnt.“ Der Blutmond verblasste, goldenes Licht blieb.
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