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Die Staatsverschuldung

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Für die Außenwelt war Eleanor die unsichtbare Ehefrau von Arthur Sterling – eine Statistin in einem Designerkleid.Arthur hatte sie geheiratet, um eine drakonische Klausel im Testament seines Großvaters zu erfüllen: Heirate eine Frau mit akademischen Verdiensten, um Stabilität zu beweisen, oder verliere den CEO-Posten.Arthur betrachtete die Verbindung als reine Transaktion, ohne zu ahnen, dass Eleanor ihn seit ihrer Studienzeit aus der Ferne geliebt hatte. Als der Vertrag auslief, entledigte sich Arthur ihrer mit einem kühlen Scheck und einer Geheimhaltungsvereinbarung. Er glaubte, ihr Schweigen erkauft zu haben. Er ahnte nicht, dass er damit gerade ihren Aufstieg finanziert hatte.Fünf Jahre später steht Sterling Global vor einer feindlichen Übernahme durch einen anonymen Hedgefonds, die E-Group. Als die mysteriöse „E“ erscheint, um die Übernahmeunterlagen zu unterzeichnen, ist es kein rivalisierender Titan.Es ist Eleanor – scharfsinniger, reicher und im Besitz dessen, was Arthur nicht kaufen kann: sein Überleben.

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Das Buch der Reue
Kapitel Eins: Das Buch der Reue Der Regen in London fiel nicht;er schwebte herab, ein grauer Schleier,der a den Kalksteinfassaden des Stadthauses in Belgravia haftete.Drinnen war die Atmosphäre noch kälter. Eleanor saß auf der Kante eines Mid-Century-Modern-Sessels,der sich eher wie ein Thron aus Eis anfühlte.Sie war einundzwanzig und trug ein schlichtes,cremefarbenes Seidenkleid mit hohem Kragen,das sie noch “zierlicher”wirken ließ,als sie ohnehin schon war.Ihr gegenüber,hinter einem Schreibtisch,der aus einem einzigen Obsidianblock geschnitzt war, saß Arthur Sterling. Mit einunddreißig Jahren war Arthur der Kronprinz des britischen Risikokapitals.Er war ein Mann mit scharfen Konturen und noch schärferem Schweigen.Er sah Eleanor nicht an; er blickte auf das Dokument zwischen ihnen, als wäre es ein kleiner Käfer, den er gleich zerquetschen würde. “Die drei Jahre sind um, Eleanor”,sagte Arthur. Seine Stimme war ein satter Bariton,knapp und ohne jede Wärme. “Die Fusion mit der Thorne Group ist abgeschlossen.Der Vorstand meines Vaters ist überzeugt,dass ich ein,stabiler Familienvater‘bin. Die Vorstellung ist vorbei.” Eleanors Kehle fühlte sich an,als wäre sie mit trockenem Sand gefüllt.„Vorstellung.War das alles,was es war? Sogar die Nächte,die wir in der Bibliothek verbrachten? Die Art,wie du mich angesehen hast,als –“ “Die Art,wie ich dich angesehen habe,wurde durch die Anwesenheit von Fotografen oder die Notwendigkeit des Augenblicks bestimmt”, unterbrach Arthur sie und hob endlich den Blick.Seine Augen waren durchdringend, eisblau.“Du warst eine Stipendiatin mit makellosem Ruf und einer Vorliebe für Schweigen.Du warst die perfekte taktische Wahl für eine Ehefrau.Verwechsle Nützlichkeit nicht mit Intimität.” Die emotionale Mitte: Der unsichtbare Architekt Er schob einen dicken Umschlag über den obsidianfarbenen Schreibtisch. “Deine Abfindung.Fünf Millionen Pfund.Das ist mehr als genug,damit du deine Promotion abschließen und für den Rest deines Lebens komfortabel leben kannst.Es gibt auch eine Geheimhaltungsvereinbarung.Du wirst bis morgen früh ausziehen.Ich habe meinen Assistenten bereits beauftragt,dir für die Übergangszeit eine Suite im Connaught zu buchen.” Eleanor starrte auf den Umschlag.Er glaubte, ihr Schweigen zu kaufen,aber er hatte nicht bemerkt,dass er seit sechsunddreißig Monaten von ihrem Verstand gelebt hatte. Während ihrer Ehe hatte Arthur mit der “Blackwood-Übernahme” zu kämpfen gehabt. Er hatte Millionen verloren,bis ein “vertrauliches Memo” auf seinem Schreibtisch auftauchte,das eine Schwachstelle in der Logistik des Konkurrenten aufzeigte.Er glaubte, es stamme von seinen leitenden Analysten.Tatsächlich stammte es von Eleanor, getippt auf einem Wegwerf-Laptop,während er neben ihr schlief, ahnungslos. Sie war seine Geheimwaffe gewesen, seine stille Partnerin und seine treueste Anhängerin. Und nun schüttelte er sie ab wie ein Stück veraltete Software. “Ich will die fünf Millionen nicht,Arthur”, sagte Eleanor,ihre Stimme zitterte,gewann aber a Kraft. Arthur hielt inne,ein Anflug echter Verwirrung huschte über sein Gesicht.”Wenn du auf mehr aus bist, wird mein Anwaltsteam –“ “Ich will keinen Cent vom Geld deiner Familie”, fuhr sie ihn an. Sie stand auf,ihr zierlicher Körper warf einen langen,scharfen Schatten unter der Einbauleuchte.”Ich nehme die persönlichen Ersparnisse,die ich durch meine freiberufliche Arbeit angesammelt habe.Und ich nehme meine Würde mit.Behalte du die Millionen.Du wirst sie für die Anwaltskosten brauchen, wenn dein Imperium zu bröckeln beginnt, ohne dass ich da bin, um die Lecks zu stopfen.” Arthur stieß einen kurzen,spöttischen Seufzer aus. “Du glaubst, du warst diejenige,die das Ganze zusammengehalten hat? Eleanor, du warst das Mädchen,das mir meinen Tee kochte und die passenden Perlen trug. Lass dich von der Scheidung nicht in Wahnvorstellungen treiben.” Der Bruchpunkt Die Worte schnitten tiefer als jede Klinge. Eleanor wurde in diesem Moment klar,dass er sie nicht nur nicht liebte – er sah sie nicht einmal. Sie war unsichtbar,obwohl sie direkt vor seinen Augen stand. Sie nahm den Füllfederhalter – ein Geschenk, das sie ihm zu ihrem ersten Hochzeitstag gekauft hatte und das er nie benutzt hatte – und unterschrieb die Scheidungspapiere.Sie weinte nicht. Die Tränen waren schon vor Monaten in den einsamen Fluren dieses Hauses versiegt. “Du hast recht, Arthur”,sagte sie und beugte sich über den Schreibtisch,bis sie nur noch wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war. “Ich war eine sehr gute Ehefrau. Ich habe meine Rolle perfekt gespielt. Aber du bist ein furchtbarer CEO. Weil du nie eine Hintergrundüberprüfung der Person durchgeführt hast,die dein Bett teilt.” Sie drehte sich um und ging zur Tür.Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen,aber ihr Verstand war plötzlich erschreckend klar. “Eleanor”, rief er,wobei seine Stimme seltsam angespannt klang. Sie blieb nicht stehen.Sie blickte nicht zurück. Sie verließ das Haus,trat hinaus in den Londoner Regen und winkte ein schwarzes Taxi heran.Sie hatte genau dreihundert Pfund in der Tasche und einen Laptop voller Blaupausen von Arthurs verwundbarsten Tochtergesellschaften. Der Cliffhanger Vier Stunden später saß Arthur im Dunkeln seines Arbeitszimmers und trank ein Glas puren Scotch aus.Im Haus herrschte eine beunruhigende Stille.Er griff nach den Scheidungspapieren,um sie in den Safe zu legen, doch seine Hand blieb stehen. Auf der Rückseite der Papiere befand sich eine kleine, handgeschriebene Notiz auf Eleanors persönlichem Briefpapier. Schau dir die “Projekt Phoenix”-Datei auf deinem privaten Server an,Arthur. Ich habe dir nicht nur geholfen,den Auftrag zu gewinnen. Ich habe die Ausstiegsstrategie verschlüsselt. Und nur eine Person hat den Schlüssel. Arthurs Herz setzte einen Schlag aus. Er stürzte sich auf seinen Computer,seine Finger flogen über die Tasten.Er öffnete die Datei, um die es um mehrere Milliarden Pfund ging. ZUGANG VERWEIGERT. Er versuchte es erneut. ZUGANG VERWEIGERT. HINWEIS: DAS DATUM, AN DEM WIR UNS TATSÄCHLICH BEGEGNET HABEN. Arthur starrte auf den Bildschirm. Mit einem eiskalten Schock wurde ihm klar,dass er das Datum nicht kannte. Er hatte der Presse erzählt, sie hätten sich im Juni auf einer Gala kennengelernt. Aber tatsächlich hatten sie sich im November in einer staubigen Ecke einer Universitätsbibliothek getroffen. Er konnte sich nicht an den Tag erinnern. In diesem Moment vibrierte sein Handy. Eine Benachrichtigung von der Londoner Börse. Eine neue, anonyme Firma namens “The E-Group” hatte gerade einen massiven Leerverkauf gegen Sterling Global getätigt. Der Krieg hatte nicht erst begonnen.Er hatte den ersten Schlag bereits verloren.

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