bc

DIE SYMPHONIE DER BLINDFLECKEN

book_age18+
0
FOLLOW
1K
READ
drama
sweet
high-tech world
like
intro-logo
Blurb

Für die Welt ist Moon Da-won ein Geist, der ein milliardenschweres Architekturimperium leitet – kalt, unnachgiebig und völlig losgelöst von menschlichen Gefühlen. Vor fünf Jahren war er Nam Ji-subs ganze Welt.‎ Dann kam der verheerende Verrat: Da-won soll Ji-subs karriereentscheidenden Entwurf für eine ökologische Konstruktion gestohlen, ihn unter seinem eigenen Namen patentieren lassen und sich in die Unternehmenselite zurückgezogen haben, während Ji-sub ruiniert und in Armut versank.‎‎Nun zwingt ein rücksichtsloses Vermächtnis, das Da-wons verstorbener Vater hinterlassen hat, die beiden erbitterten Gegner zurück in denselben Raum. Um seine Position als CEO zu sichern, muss Da-won gemeinsam mit Ji-sub das historische Apex Penthouse entwerfen. Vor Hass brodelnd unterzeichnet Ji-sub den Vertrag, entschlossen, mit seiner lebendigen, avantgardistischen Innenarchitektur Da-wons steriles Königreich aus Glas und Stahl von innen heraus zu zerstören.‎‎Doch Rache ist ein gefährliches Spiel, wenn man es auf engstem Raum spielt. Hinter Da-wons eisiger Fassade verbirgt sich ein erdrückendes Geheimnis: Er hat die Schuld für das gestohlene Patent auf sich genommen, um Ji-subs jüngeren Bruder vor einer verheerenden Gefängnisstrafe zu bewahren. Und Ji-sub trägt sein eigenes tickendes Zeitlimit mit sich – eine schnell fortschreitende, degenerative neurologische Erkrankung, die ihm das Augenlicht raubt. Dieses Penthouse ist das letzte Meisterwerk, das er jemals sehen wird.‎‎Während die Wände immer näher rücken und die Spannung ihren Höhepunkt erreicht, müssen zwei Männer, die in Lügen verstrickt sind, entscheiden, ob ihr Stolz es wert ist, das letzte zerbrechliche Stück Liebe zu zerstören, das ihnen noch geblieben ist.

chap-preview
Free preview
Kapitel 1: Der monochrome Geist
‎Auf dem Handelsparkett der Moon Corporation floss kein Blut, doch es roch nach Eisen und Adrenalin. Sechzig Stockwerke über Seoul, eingeschlossen in einer Festung aus verstärktem Smart-Glas und Baustahl, beobachtete Moon Da-won, wie der digitale Ticker sein Gesicht in neongrünes und raubtierhaftes Rot tauchte. ‎Für die Finanzpresse war er der monochromatische Geist. Er lächelte nicht, er ging keine Kompromisse ein und trug stets nur maßgeschneiderte, anthrazitfarbene Wollanzüge, die wie eine Rüstung aussahen. ‎ ‎„Der Vorstand droht mit einer Sperrung Ihrer Stimmrechtsanteile, Direktor Moon“, flüsterte sein Rechtsberater Min-woo, während seine Lederschuhe ängstlich auf dem polierten Granit klackerten. „Die Nachlassklausel Ihres Vaters ist eindeutig. Wenn das Apex Penthouse bis zum Ende des Geschäftsquartals nicht fertiggestellt und bezogen ist, übernimmt der Restrukturierungsausschuss die Kontrolle. Sie werden die Öko-Struktur-Sparte Ihres Vaters liquidieren. Sie werden alles aushöhlen.“ ‎Da-won drehte sich nicht um. Sein Spiegelbild im Glas war vollkommen regungslos und überlagerte das weitläufige, dunstige Raster des Gangnam-Distrikts unter ihm. „Sollen sie doch drohen.“ ‎ ‎„Sie drohen nicht nur“, drängte Min-woo und ließ eine schwere, in Leder gebundene Akte auf den Glastisch fallen. Das Geräusch hallte wie ein Schuss in dem sterilen Raum wider. „Sie haben ihn gefunden. Der Ausschuss hat den im Vertrag vorgeschriebenen Mitentwerfer aufgespürt. Sie haben bereits Abgesandte mit dem Kaufangebot geschickt. Wenn er ihre Verzichtserklärung statt deines Vertrags unterzeichnet, verlierst du das Imperium.“ ‎ ‎Da-wons Finger krallten sich unmerklich an der Kante der Marmorablage fest. Er brauchte die Mappe nicht zu öffnen, um den Namen darin zu kennen. Es war ein Name, den er sich fünf Jahre lang aus der eigenen Brust herausgemeißelt hatte. ‎ ‎Nam Ji-sub. ‎ ‎„Er wird nicht bei ihnen unterschreiben“, sagte Da-won, wobei seine Stimme eine Oktave tiefer wurde, kalt genug, um Wasser gefrieren zu lassen. ‎ ‎„ Er hasst dich, Da-won“, sagte Min-woo leise und ließ für den Bruchteil einer Sekunde die formellen Firmentitel fallen. „Du hast ihm das Patent weggenommen, das seine Karriere bestimmt hätte. Du hast ihn in den Fachzeitschriften als Betrüger gebrandmarkt und auf dem Ruin seines Rückens ein Imperium im Wert von mehreren Milliarden Won aufgebaut. Er lebt in einer beengten, verfallenden Werkstatt in Mapo, atmet Sägemehl und Leim ein und ertrinkt in den Schulden seiner Familie, während du in den Wolken lebst. Wenn der Vorstand ihm genug Geld anbietet, um diese Schulden zu tilgen, warum sollte er dann nicht dein Todesurteil unterschreiben?“ ‎ ‎Eine scharfe, qualvolle Erinnerung durchbohrte Da-wons sorgfältig aufgebaute Rüstung – Ji-subs Gesicht vor fünf Jahren, regennass und verzerrt vor absolutem Verrat, schreiend Worte, die noch immer in Da-wons dunkelsten Mitternächten nachhallten. *Ich wünschte, ich hätte dich nie getroffen. Ich wünschte, du wärst tot.* Ji-sub wusste nichts von den Spielschulden. Er wusste nicht, dass sein eigener jüngerer Bruder dieses Patent an Da-wons tyrannischen Vater verkauft hatte, um eine Unternehmensliquidation zu vermeiden. Ji-sub wusste nicht, dass Da-won seine eigene Seele verkauft hatte, indem er die öffentliche Schuld für den Diebstahl auf sich nahm, nur um Ji-subs Bruder vor dem Bundesgefängnis zu bewahren. Für Ji-sub war Moon Da-won einfach ein Monster, das ihm sein Licht geraubt hatte. „Bereite das Auto vor“, befahl Da-won, wobei seine Stimme wieder ihren starren, unnachgiebigen Ton annahm. „Ich werde den Vertrag persönlich nach Mapo bringen.“ Der Übergang von den Glastürmen von Gangnam zu den stickigen Gassen von Mapo fühlte sich an wie der Abstieg in einen tieferen Kreis des Fegefeuers. Da-wons Luxuslimousine kam in den engen, steilen Gassen nicht voran, sodass er den letzten Block zu Fuß zurücklegen musste. Die Abendluft war schwer vom Geruch billiger Straßenküchen, Abgasen und dem feuchten Moschus alter Backsteingebäude. ‎ ‎Er blieb vor einer Werkstatt im Halbkeller stehen. Durch das niedrige, staubbedeckte Fenster sah er einen warmen, bernsteinfarbenen Schein, der in scharfem Kontrast zu seiner eigenen monochromen Welt stand. ‎ ‎Ji-sub war dort. ‎ ‎Er sah anders aus, und doch schmerzlich gleich. Sein dunkles Haar war zerzaust, ein Fleck Kohle staubte auf seinem Wangenknochen, er trug eine verblasste Jeansschürze über einem strukturierten, übergroßen Pullover. Er saß gebeugt über einem Zeichentisch, eine Lupe war unangenehm nah an sein Gesicht herangeführt. ‎ ‎Da-won sah zu, wie er einen dünnen Druckbleistift nahm und eine feine, fließende Linie auf eine Blaupause zeichnete. Doch dann hielt Ji-sub inne. Seine Hand zitterte. Er blinzelte schnell und heftig und schüttelte den Kopf, als wolle er einen dichten Nebel vertreiben. Er streckte die Hand aus, um nach einem Glas Wasser am Rand des Schreibtisches zu greifen, doch seine Hand verfehlte es völlig; seine Finger strichen wenige Zentimeter links davon durch die Luft, bevor sich seine Hand wieder fing und das Glas ergriff. ‎ Da-wons Brust zog sich zusammen. Eine kalte, instinktive Angst überkam ihn. Ji-sub war ein Mann, dessen räumliches Vorstellungsvermögen einst makellos war, ein Mann, der einen baulichen Winkel mit einem einzigen Blick auf den Millimeter genau berechnen konnte. ‎ ‎Noch bevor Da-won diese Anomalie verarbeiten konnte, trat er vor, wobei seine schweren Anzugschuhe auf dem Kies knirschten. ‎Das Geräusch durchbrach die Stille der Gasse. In der Werkstatt erstarrte Ji-sub. Er hob langsam den Kopf, seine ausdrucksstarken, tiefbraunen Augen wandten sich dem Fenster zu. ‎ ‎Für einen schrecklichen Augenblick blickte Ji-sub direkt durch ihn hindurch, sein Blick war unkonzentriert und wanderte leicht zur Seite von Da-wons Silhouette. Dann richtete er seinen Blick auf Da-wons Gesicht, und die Wärme in diesen Augen verwandelte sich augenblicklich in ein sengendes, giftiges Feuer. Ji-sub sprang so schnell auf, dass sein Holzhocker heftig über den Betonboden schabte. Er riss sich die Jeansschürze vom Leib, schnappte sich ein schweres T-Lineal aus Eisen von seinem Schreibtisch und schritt auf die Kellertür zu. ‎ ‎Die Metalltür flog auf und schlug gegen die Backsteinwand. Ji-sub stand in der Tür, schwer atmend, während das bernsteinfarbene Licht seines Zufluchtsortes seine wütende Silhouette vor der kalten, dunklen Gasse umrahmte. „Du hast fünf Sekunden Zeit, dich umzudrehen und zurück in den goldenen Käfig zu kriechen, aus dem du gekrochen bist, Moon Da-won“, spie Ji-sub, seine Stimme zitterte vor einer gefährlichen Mischung aus blankem Hass und unheilbarer Trauer. Er hielt das Eisenlineal wie eine Waffe, seine Knöchel wurden weiß. ‎ ‎„Bevor ich dir zeige, was ein verzweifelter Mann mit einem Dieb macht.“ Da-won stand regungslos im Schatten, sein Gesicht eine Maske aus emotionslosem Geschäftsmann-Stein, die die Tatsache verbarg, dass sein Herz beim bloßen Anblick von ihm in Stücke zerbrach. Er griff in seinen Mantel und zog die dicke, goldgeprägte Mappe hervor. ‎ ‎„Ich bin nicht hier, um zu kämpfen, Ji-sub“, sagte Da-won, seine Stimme flach, professionell und frei von der Liebe, die ihn gerade erstickte. „Ich bin hier, um dir einen Pakt anzubieten. Du wirst mir helfen, das Apex Penthouse zu bauen.“ ‎ ‎Ji-sub stieß ein bitteres, spöttisches Lachen aus, doch als er näher trat, um Da-won wegzustoßen, fiel das Licht der Straßenlaterne auf sein Gesicht. Da-won sah entsetzt zu, wie Ji-subs linkes Auge leicht abdriftete und Da-wons plötzliche Bewegung nicht verfolgen konnte, als dieser aus dem Schatten trat. ‎ ‎Ji-sub stürzte sich nach vorne, um Da-won den Vertrag aus der Hand zu reißen, doch sein Tiefensehen versagte völlig. Er stolperte über die unebene Betonkante der Türschwelle, sein Körper neigte sich gefährlich in Richtung der scharfen Kante eines Metallschrottcontainers. ‎ ‎Der Instinkt setzte sich gegen fünf Jahre kalkulierter Distanz durch. Da-won ließ die Akte fallen, seine Arme bewegten sich blitzschnell, als er sich nach vorne warf, Ji-sub an der Taille packte und ihn heftig an seine Brust zog. ‎ ‎Sie prallten zusammen, das Metalllineal fiel klappernd zu Boden. Für einen atemlosen, erstarrten Augenblick wurde Ji-sub vollständig gegen Da-wons kräftigen Körper gedrückt, sein Herz hämmerte wie ein gefangener Vogel gegen Da-wons Rippen. ‎ ‎Ji-sub schnappte nach Luft, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von Da-wons Hals entfernt. Doch als er aufblickte, um sich loszureißen, waren seine Augen weit aufgerissen, panisch und erschreckend leer. Er starrte direkt in Da-wons Gesicht, doch seine Pupillen weiteten sich im Licht der Straßenlaterne nicht. ‎ ‎Ji-sub packte Da-wons Revers, seine Stimme sank vor Wut in eine plötzliche, kindliche Angst ab, die Da-wons Welt völlig erschütterte. ‎ ‎„Da-won …“, flüsterte Ji-sub, seine Hände zitterten auf dem teuren Wollstoff. „Da-won, halt mich fest. Die Straßenlaternen … warum sind sie alle gerade ausgegangen?“ ‎Da-won blickte zu der Straßenlaterne direkt über ihnen hinauf. Sie leuchtete hell, strahlend, blendend weiß. ‎

editor-pick
Dreame-Editor's pick

bc

Unscentable

read
1.9M
bc

He's an Alpha: She doesn't Care

read
732.2K
bc

Claimed by the Biker Giant

read
1.6M
bc

Holiday Hockey Tale: The Icebreaker's Impasse

read
966.8K
bc

A Warrior's Second Chance

read
351.9K
bc

Not just, the Beta

read
344.9K
bc

The Broken Wolf

read
1.1M

Scan code to download app

download_iosApp Store
google icon
Google Play
Facebook