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Der Alpha, der meine Familie zerstörte

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Blurb

Vor zehn Jahren sah Lyra Ashwood ihr Rudel in Flammen aufgehen. Sie floh und glaubte ihren Vater tot, ihre Mutter verloren und Alpha Damien Kane schuldig. Heute lebt sie als Ärztin unter falschem Namen, mit nur einem Ziel: Rache.Dann schleudert ein Sturm sie von der Straße, mitten in Damiens Territorium. Er findet sie blutend im Wald, und sein Wolf heult ein Wort: Gefährtin. Lyra erwacht in den Armen des Mannes, den sie hasst, und ihr Körper verrät jeden Schwur. Sie verschweigt ihren Namen. Sie wartet.Doch aus dem Rudelarchiv verschwindet die Akte über das Ashwood-Massaker, und eine Notiz enthüllt eine Wahrheit: Der Angriffsbefehl wurde zurückgezogen. Jemand mordete trotzdem weiter.Nun müssen Damien und Lyra einen Verräter jagen, der erneut töten will. Während die Bindung zwischen ihnen stärker wird, taucht Lyras totgeglaubte Mutter lebend auf, und die Wahrheit könnte zwei Rudel zerstören.

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BLUTSPUR
Der Sturm hatte sich schon vor Stunden gelegt, aber Damien Kane roch das Blut, bevor er es sah. Es riss ihn aus dem Halbschlaf, ein Geruch, der sich durch die geschlossenen Fenster seines Büros fraß, scharf und eisern, gemischt mit etwas Süßerem – Adrenalin, Angst, ein Herzschlag, der zu schnell und zu unregelmäßig ging. Er war auf den Beinen, bevor sein Verstand die Bewegung befohlen hatte, die Akten auf seinem Schreibtisch vergessen, das halbleere Glas Whiskey, das er seit einer Stunde nicht angerührt hatte, umgestoßen und ignoriert. „Damien?” Marcus, sein Beta, stand bereits in der Tür, die Nase gekräuselt, jede Linie seines Körpers angespannt. „Du hast es auch gerochen.” „Territorium Nordgrenze.” Damiens Stimme war ruhig, aber seine Krallen hatten sich bereits durch die Fingerspitzen geschoben, ein Reflex, den er seit Jahren nicht mehr hatte kontrollieren müssen. Etwas an diesem Blut war anders. Es zog an etwas in seiner Brust, das er nicht benennen konnte, ein Reißen tief unter dem Brustbein, als hätte jemand einen Haken in sein Herz geschlagen und zöge daran. „Soll ich ein Team zusammenstellen?” „Keine Zeit.” Er war bereits am Fenster. „Hol Reyes. Sag ihr, sie soll sich bereithalten – Verletzte an der Nordgrenze, Schwere unbekannt. Und Marcus – er zögerte, obwohl jede Sekunde kostbar war. „Lass die Nachtwache an der Grenze verdoppeln, bis wir wissen, was dort passiert ist. Falls das kein Unfall war.” Marcus’ Augen verengten sich, aber er nickte nur und verschwand den Flur hinunter, während Damien aus dem Fenster sprang. Der Wald flog unter ihm vorbei, Bäume zu grauen Streifen verschwommen, während sein Wolf die Führung übernahm. Er lief schneller, als er in Jahren gelaufen war, getrieben von etwas, das tiefer saß als Pflicht oder Neugier. Der Geruch wurde stärker. Blut. Regennasses Laub. Verbranntes Gummi, vermutlich von Reifen, die über Asphalt gerutscht waren, bevor sie die Straße verließen. Und darunter – etwas, das seinen Wolf aufheulen ließ, ein Duft wie Vanille und Sturm, der jede Faser seines Körpers in Alarmbereitschaft versetzte. Gefährtin. Das Wort schlug in ihm ein wie ein Blitzschlag. Unmöglich. Er hatte über ein Jahrzehnt niemanden gerochen, der auch nur annähernd so etwas ausgelöst hätte, und hatte sich damit abgefunden, dass sein Wolf still bleiben würde bis zu seinem Tod, dass die Last der Führung keinen Raum für so etwas wie Gefährtenbindung ließ. Und jetzt, an einem regnerischen Dienstagabend, mitten in einem verwüsteten Waldstück an seiner Nordgrenze – Er brach durch die letzten Bäume und blieb abrupt stehen. Ein Auto lag auf der Seite, zerschmettert gegen einen Baumstamm, die Windschutzscheibe ein Spinnennetz aus Rissen. Ein Arztkoffer war aus dem Kofferraum geschleudert worden, sein Inhalt über den nassen Waldboden verstreut – Verbandsmaterial, eine zerbrochene Ampulle, ein Stethoskop, das sich wie eine Schlange um einen Farnwedel wand. Jemand, der unterwegs zu einer dringenden Behandlung gewesen war, vermutlich zur abgelegenen Klinik jenseits der Grenze, als der Sturm die Straße unter ihr weggerissen hatte. Sein Blick blieb kurz an der durchbrochenen Leitplanke hängen, die am Straßenrand oberhalb hing, ein verbogenes Stück Metall, das ins Dunkel ragte. Etwas an dem Bruch wirkte falsch – zu sauber, zu gleichmäßig für etwas, das einfach unter dem Druck von Wind und Wasser nachgegeben hatte. Als hätte das Material bereits eine Schwachstelle gehabt, lange bevor der Sturm überhaupt kam. Der Gedanke blitzte auf und verschwand wieder, weggedrängt von etwas Dringlicherem. Denn daneben, halb aus dem zertrümmerten Fenster gezogen, lag eine Frau. Ihr dunkles Haar klebte blutverschmiert an ihrer Schläfe. Ein Bein war in einem unnatürlichen Winkel unter ihr eingeklemmt, und ihre Atmung ging flach, zu flach, rasselnd bei jedem Zug. Sie war bewusstlos, ihre Lider zuckten, als würde sie gegen die Dunkelheit kämpfen, die sie zu verschlingen drohte. Damien war neben ihr, bevor er registrierte, dass er sich bewegt hatte. „Hey.” Seine Stimme klang fremd in seinen eigenen Ohren, rau vor Dringlichkeit. Er legte zwei Finger an ihren Hals und suchte den Puls. Zu schnell, zu schwach, ein Herz, das um sein Überleben kämpfte. „Hey, bleib bei mir.” Sie reagierte nicht. Aber ihr Geruch umgab ihn jetzt vollständig, und er spürte, wie sein Wolf unter seiner Haut tobte, wollte sie beschützen, wollte knurren, wollte jeden zerreißen, der es gewagt hatte, ihr das anzutun – selbst wenn es nur ein Unfall war, selbst wenn es niemanden zum Zerreißen gab. Selbst wenn ein leiser, unruhiger Teil von ihm bereits ahnte, dass es vielleicht kein bloßer Unfall war. „Marcus!” Sein Ruf hallte durch den Wald, laut genug, um Rudelmitglieder kilometerweit entfernt aufzuschrecken. „Ich brauche den Rudelarzt! Jetzt!” Er kniete sich tiefer zu ihr, seine Hände zitterten – zitterten tatsächlich, zum ersten Mal, seit er sich erinnern konnte – während er vorsichtig prüfte, wie sie eingeklemmt war. Das Bein sah schlimm aus. Möglicherweise ein Genickschlag, wenn er sie falsch bewegte. Jede Ausbildung, jeder Instinkt in ihm schrien, sie nicht zu berühren, bis Hilfe da war, aber ein anderer, primitiverer Teil von ihm konnte es nicht ertragen, sie in diesem zerquetschten Metall liegen zu lassen. „Wer bist du?“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu ihr, während er ihr vorsichtig eine blutverschmierte Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Ihre Haut war kalt. Zu kalt. „Was machst du hier draußen, mitten in der Nacht, mitten in meinem Wald?” Ihre Lider flatterten. Für einen Herzschlag – nur einen einzigen, unmöglich kurzen Moment – öffneten sich ihre Augen. Sie waren grün. Ein tiefes, waldiges Grün, das ihn ansah, als würde es durch ihn hindurchsehen, als würde es etwas sehen, das ihn erschreckte. Ihre Lippen bewegten sich, formten ein Wort, das er nicht hören konnte, zu leise, zu gebrochen. Aber er sah es. Er las es von ihren Lippen, so klar, als hätte sie es geschrien. Nein. Nicht ein „Nein“, das Angst vor dem Unfall bedeutete. Ein „Nein“, das aus tieferen Tiefen kam, ein „Nein“, das gerichtet war – auf ihn. Auf sein Gesicht. Als würde sie ihn erkennen. Als würde sie ihn hassen. Dann fielen ihre Augen wieder zu, und sie sackte in seinen Armen zusammen, ihr Atem noch flacher als zuvor. „Nein, nein, bleib bei mir –“ Panik, echte Panik, etwas, das Damien seit Jahrzehnten nicht mehr gespürt hatte, schnürte ihm die Kehle zu. Er presste seine Hand gegen die klaffende Wunde an ihrer Stirn und versuchte, die Blutung zu verlangsamen. „Wo bleibt ihr, verdammt –” Äste knackten hinter ihm. Marcus brach durch das Unterholz, gefolgt von Dr. Reyes, deren Gesicht sich sofort in professionelle Konzentration verwandelte, als sie die Szene erfasste. „Zur Seite, Alpha.” Reyes ließ sich neben die Frau fallen; ihre Hände flogen über den Körper, tasteten, prüften. „Was weißt du?” „Nichts. Ich habe sie so gefunden.” Damien wich zurück, aber jeder Muskel in seinem Körper protestierte gegen die Entfernung, als würde eine unsichtbare Leine ihn zurückreißen wollen. „Autounfall. Das Bein ist eingeklemmt, Kopfverletzung, ihr Puls ist –” „Ich sehe es.” Reyes’ Stimme war scharf, konzentriert. Sie warf einen Blick zu Marcus. „Trage. Sofort. Sie braucht eine Operation, nicht Feldversorgung.” Marcus verschwand, um Verstärkung zu holen, aber Damien konnte seinen Blick nicht von der Frau abwenden. Von diesem Wort, das noch immer in seinem Kopf widerhallte. Nein. Wer war sie? Warum hatte ihn der Ausdruck in ihren Augen getroffen wie ein Faustschlag – nicht Verwirrung, nicht Schmerz allein, sondern etwas Persönliches, etwas Tiefes, als würde sie ihn nicht zum ersten Mal sehen? Er hatte diese Frau nie zuvor getroffen. Er war sich absolut sicher. Ein Gesicht wie ihres, ein Duft wie ihrer – er hätte es nicht vergessen können, nicht mit dem, was sein Wolf gerade durchlebte. Und doch. „Alpha.” Reyes’ Stimme riss ihn zurück. Sie hatte behutsam die Tasche neben dem zerstörten Auto durchsucht, einen kleinen Rucksack, der beim Aufprall herausgeschleudert worden war. Ihre Finger hielten eine Brieftasche, aufgeklappt, den Führerschein sichtbar unter dem Plastik. „Was ist es?” Reyes’ Gesicht war blass geworden, ihre Augen wanderten zwischen dem Ausweisfoto und der bewusstlosen Frau hin und her, als könnte sie es selbst nicht glauben. „Alpha, das ist nicht möglich.” „Was ist nicht möglich?” Damiens Geduld, ohnehin dünn wie Eis, brach vollständig. Er streckte die Hand aus und riss ihr die Brieftasche aus den Fingern. Der Name auf dem Führerschein traf ihn wie ein Schlag in die Brust – härter, tiefer als alles, was er in dieser Nacht bereits gespürt hatte. Lyra Ashwood. Der Name eines Rudels, das vor zehn Jahren aufgehört hatte zu existieren. Er starrte auf das Foto, dann auf die Frau in Reyes’ Armen, und ein Schwall von Erinnerungen überflutete ihn – Fragmente, die er seit zehn Jahren mit sich herumtrug wie Steine in der Brust. Er war zwei Jahre Alpha gewesen, kaum älter als fünfundzwanzig, als sein Vater ihn an jenem Abend zu sich rief. Es gibt ein Problem an unserer Nordgrenze, hatte sein Vater gesagt, das Gesicht hart wie Granit. Die Ashwoods überschreiten ihre Grenzen. Du wirst den Angriff leiten. Es ist Zeit, dass du zeigst, dass du führen kannst. Damien hatte gezögert – noch unsicher in seiner Rolle, noch zu jung, um die Autorität seines Vaters offen in Frage zu stellen – und am Ende hatte er genickt, hatte seine Krieger versammelt, hatte den Befehl weitergegeben, den sein Vater ihm gegeben hatte. Er erinnerte sich an das Feuer. An die Schreie. An das Chaos, das sich seiner Kontrolle entzog, sobald der Angriff begann, wie ein Sturm, der sich selbst nährte. Er erinnerte sich, wie er seinen Vater später in der Nacht gesucht hatte, verzweifelt, mit Blut an den Händen, das nicht nur das seine war – und wie sein Vater nicht da gewesen war, wie niemand ihm sagen konnte, wo der alte Alpha sich aufgehalten hatte, während das Massaker weiterging, lange nachdem Damien geglaubt hatte, der Angriff sei vorbei. Eine kleine Gestalt, die zwischen brennenden Bäumen verschwand. Ein Kind, kaum älter als zehn, das er nie hatte finden können, egal wie lange seine Männer danach gesucht hatten. „Das kann nicht sein“, murmelte er. „Lyra Ashwood.” Reyes sprach den Namen laut aus, als könnte sie ihn dadurch begreifbarer machen. „Alpha – das ist das Rudel, das vor zehn Jahren –” „Ich weiß, welches Rudel das war.” Seine Stimme kam schärfer heraus, als er beabsichtigt hatte. Er starrte auf die bewusstlose Frau in Reyes’ Armen. Auf das Gesicht, das ihm eben noch so unerklärlich vertraut vorgekommen war. Auf die Augen, die ihn mit einem Hass angesehen hatten, den er jetzt zu verstehen begann. Seine Gefährtin trug den Namen eines Rudels, das in Flammen aufgegangen war – in einer Nacht, in der er den Befehl seines Vaters ausgeführt hatte, ohne je zu erfahren, was in den Stunden geschah, nachdem er glaubte, der Angriff sei beendet. Und plötzlich wusste Damien, mit einer Kälte, die sich tief in seine Brust grub, dass die zehn Jahre alte Lücke in seiner Erinnerung vielleicht nicht länger begraben bleiben würde.​​​​​​​​​​​​​​​​

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