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Jenseits des Mondes

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In einer Werwolfgesellschaft, die von alten Gesetzen regiert wird, entscheidet der Mond über Schicksal und Loyalität. Als eine verbotene Partnerbindung zwischen einem Alpha und einer Frau aus einer in Ungnade gefallenen Blutlinie entsteht, wird diese Bindung öffentlich abgelehnt und Tradition sowie Vertrauen zerstört. Von Rudel verstoßen und vom Schicksal verraten, muss sie zwischen Unterwerfung und Selbstfindung wählen.Beyond the Moon ist eine düstere Werwolfliebe über Ablehnung, Macht und Entscheidung, in der Liebe verdient und nicht erzwungen wird und das Schicksal durch die Stärke herausgefordert wird, mehr zu werden, als der Mond bestimmt.

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Der Mond sollte mir nicht wehtun.
Kapitel Eins Das war die erste Lüge, die ich lernte. Er schwebte über dem Gebiet von Blackthorn wie ein stiller Richter, voll und gnadenlos, und ergoss silbernes Licht über den Wald und jeden, der töricht genug war, darunter zu stehen. Die Ältesten sagten, der Mond enthülle die Wahrheit, dass er nur das an die Oberfläche bringe, was bereits existiere. Sie sprachen mit Ehrfurcht von ihm, als wäre er zu Grausamkeit unfähig. Doch als der Schmerz tief in meiner Brust aufblühte, scharf und fremd, wusste ich es besser. Etwas in mir erwachte. Ich presste eine Hand gegen meine Rippen und atmete langsam ein, versuchte die unruhige Energie zu beruhigen, die unter meiner Haut kroch. Mein Wolf regte sich unruhig, lief hin und her, als wäre sie in einem Käfig gefangen, der zu klein war, um sie zu halten. Sie heulte nicht. Sie knurrte nicht. Sie wartete. Das erschreckte mich mehr, als es Schmerz je könnte. „Blamiere uns heute Abend nicht.“ Die Stimme kam von hinter mir, kalt und scharf. Älteste Maera stand nahe der Türöffnung, ihre blassen Augen auf mich gerichtet, mit der vertrauten Mischung aus Misstrauen und Verachtung. Ihr silbernes Haar war streng geflochten, ihre zeremoniellen Gewänder makellos, als ließe sich Reinheit in Stoff weben. „Das werde ich nicht“, antwortete ich leise. Sie schnaubte. „Das hast du nie vor. Ärger folgt dir trotzdem.“ Ich sagte nichts. Ich hatte längst gelernt, dass Verteidigung ihre Überzeugungen nur bestätigte. In Blackthorn war ich nicht unschuldig, bis meine Schuld bewiesen war. Ich wurde geduldet, bis ich als gefährlich galt. Tochter einer Blutlinie, die sie sich weigerten zu vergeben. Draußen begannen die Trommeln zu schlagen. Tief. Gleichmäßig. Uralte Rhythmen. Jeder Schlag hallte durch die Bäume und in meine Knochen, synchronisierte sich mit meinem Herzschlag, bis nicht mehr zu sagen war, wo das eine endete und das andere begann. Der Mondruf hatte begonnen. Wölfe versammelten sich auf der zentralen Lichtung, ihre Stimmen gedämpft, Aufregung und Furcht verschmolzen zu einer dichten, elektrischen Spannung. Manche standen dicht bei ihren Familien, Finger streiften einander zur Beruhigung. Andere standen allein, die Augen zum Himmel erhoben, voller stiller Hoffnung. Ich stand abseits. Ich tat es immer. Die Lichtung war von Fackeln umringt, deren Flammen wild tanzten, als spürten auch sie, was die Nacht bringen würde. Die Luft roch nach Kiefernharz, Rauch und etwas Schärferem darunter. Erwartung. Schicksal. Oder Zerstörung. „Nimm deinen Platz ein“, befahl Maera. Ich trat vor und betrat den Kreis. In dem Moment, in dem ich es tat, flammte der Schmerz in meiner Brust gewaltsam auf. Mir stockte der Atem, als Hitze durch meine Adern schoss, schnell und überwältigend. Für einen Herzschlag verschwamm meine Sicht, und ich ballte die Fäuste, um mich zu stabilisieren. Das ist falsch, dachte ich. Das sollte nicht passieren. Gefährtenbindungen waren selten. Heilig. Gefeiert. Sie sollten sich nicht wie eine Warnung anfühlen. Das Rudel verstummte, als eine weitere Präsenz die Lichtung betrat. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war. Mein Wolf reagierte sofort, schlug mit plötzlicher Dringlichkeit gegen meine Rippen. Alpha Kael Blackthorn. Die Luft selbst schien sich um ihn zu biegen. Gespräche starben. Rücken richteten sich auf. Selbst die Ältesten bewegten sich, ihre Aufmerksamkeit unwiderstehlich zu ihm gezogen. Kael bewegte sich mit der ruhigen Autorität eines Mannes, der seinen Platz in der Welt nie hinterfragt hatte. Groß und breit gebaut, sein dunkles Haar im Nacken zurückgebunden, sein Ausdruck aus Kontrolle gemeißelt. Er war nicht laut. Er musste es nicht sein. Macht haftete an ihm wie eine zweite Haut. Ich hatte ihn schon oft gesehen. Jeder hatte das. Er war der Alpha, der durch Blut und Stärke bestimmte Anführer, dessen Zukunft ihm von Geburt an eingeschrieben war. Doch als sein Blick über die Lichtung glitt und auf mir landete, zerbrach die Welt. Schmerz explodierte entlang meiner Wirbelsäule und raubte mir die Luft. Meine Knie gaben nach, als die Bindung gewaltsam einrastete, brutal und unumstößlich. Mein Wolf heulte in meinem Geist, wild vor Erkenntnis, verzweifelt danach, nach vorn zu stürmen. Gefährte. Das Wort hallte durch mich wie ein Todesurteil. Kael erstarrte. Für einen schwebenden Moment stand alles still. Die Trommeln. Der Wind. Mein Atem. Seine Augen verdunkelten sich, etwas Rohes und Gefährliches flackerte unter der Oberfläche. Ich fühlte ihn dann. Seine Stärke drückte gegen mich, gewaltig und überwältigend. Seine Zurückhaltung brannte wie eiserne Ketten. Unter allem wirbelte Furcht heftig. Dann verhärtete sich sein Gesicht. „Nein.“ Das Wort fiel schwer und scharf und schnitt durch die Lichtung. Keuchen brach um uns herum aus, Schock lief durch das Rudel. Ich stand wie erstarrt, mein Herz schlug so heftig, dass ich dachte, es würde sich selbst zerreißen. „Nein“, sagte Kael erneut, lauter. Kälter. „Es gibt keine Bindung.“ Älteste Maera trat vor, ihre Stimme zitterte. „Alpha, der Mond macht keine Fehler.“ „Ich sagte, es gibt keine Bindung.“ Stille krachte herab. Öffentliche Zurückweisung war unerhört. Die Gefährtenbindung vor dem Rudel zu leugnen war nicht nur Trotz. Es war Ketzerei. Ich fühlte, wie die Bindung spannte, schrie vor Protest, als würde etwas Lebendiges in mir auseinandergerissen. Mein Wolf wimmerte, zog sich verwirrt und verletzt in sich zurück. Kael wandte sich ab. Einfach so. Er blickte nicht zurück. Er zögerte nicht. Etwas in mir brach so leise, dass ich es fast verpasste. Die Zeremonie zerfiel im Chaos. Älteste flüsterten hastig. Wölfe starrten offen, Urteil und Neugier scharf in ihren Blicken. Ich hob das Kinn und weigerte mich, sie die Verwüstung sehen zu lassen, die in mir brannte. Ich würde nicht bitten. Ich würde nicht fallen. Wenn der Mond beschlossen hatte, mich an einen Mann zu binden, der mich so leicht verwerfen konnte, dann hatte der Mond die falsche Wahl getroffen. In dieser Nacht wollte der Schlaf nicht kommen. Die Bindung pochte unaufhörlich, eine dumpfe, schmerzende Erinnerung an das, was mir verweigert worden war. Jeder Atemzug tat weh. Jeder Gedanke kreiste um ihn. Seine Stimme. Seine Zurückweisung. Sein Schweigen. Ich stand vor der Morgendämmerung auf, mein Körper schwer vor Erschöpfung, und schlich aus meinem kleinen Raum zum Rand des Territoriums. Der Wald begrüßte mich mit kühler Luft und Schatten, uralt und bereit, alles zu verschlingen, was es wagte, ihn zu betreten. Doch ich würde nicht zulassen, dass der Mond über mein Schicksal entschied. Nicht mehr.

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