Kapitel 4: Hinter verschlossenen Türen

1029 Words
ELARAS PERSPEKTIVE Der Füllfederhalter schwebte über der Unterschriftszeile, meine Hand zitterte absichtlich, während mein Verstand raste. Adrian stand neben mir, seine Anwesenheit erdrückend, seine Augen auf das Dokument gerichtet. Ein gedämpfter Schlag drang von irgendwo unter uns herauf. Ich erstarrte. Adrians Brauen zogen sich zusammen, sein Kopf neigte sich leicht in Richtung des Geräuschs. Mein Herz machte einen Sprung Lily. „Was war das?“, fragte ich und tat so, als wüsste ich nichts. „Nichts.“ Seine Stimme war knapp, sein Kiefer spannte sich an. „Unterschreib das Dokument, Elara.“ Ein weiterer Schlag, diesmal lauter. Es kam aus der Richtung der Kellertreppe. Ich zögerte, blickte zu Adrian, der jetzt eine Maske angespannter Geduld trug. „Adrian“, sagte ich sanft, „wenn etwas nicht stimmt, sollten wir nachsehen.“ Seine Hand griff nach meiner Schulter, seine Finger bohrten sich in meine Haut. „Unterschreib.“ Der Schlag wurde zu einem rhythmischen Pochen gleichmäßig, beharrlich. „Das ist Lily“, flüsterte ich, meine Stimme brach. Adrians Griff wurde fester, seine Geduld riss. „Du bildest dir Dinge ein.“ Ich schüttelte den Kopf, Tränen stiegen in meinen Augen. „Ich kann das nicht unterschreiben, während meine Schwester verletzt sein könnte. Bitte, Adrian, lass uns einfach“ Er schlug seine Handfläche auf den Schreibtisch, das Geräusch hallte wie ein Schuss. „Genug!“ Das Pochen verstummte. Die Stille, die folgte, war ohrenbetäubend. Adrian atmete scharf aus und glättete sein Revers. „Und jetzt. Unterschreib.“ Ich starrte auf den Füller, mein Verstand raste. Wenn ich unterschrieb, gab ich ihm alles. Wenn ich es nicht tat, könnte Lily den Preis zahlen. Dann ein schwaches Wimmern, kaum hörbar, aber unverkennbar. Lily. Mein Entschluss festigte sich. Ich ließ den Füller aus meinen Fingern gleiten, er klapperte auf den Boden. „Ich muss nachsehen, was unten los ist.“ Adrians Augen verdunkelten sich. „Elara, tu nicht“ Ich sprintete zur Tür, mein Kleid wehte hinter mir. Seine Hand schoss hervor und packte mein Handgelenk, doch ich befreite mich, verschwand für einen Bruchteil einer Sekunde, bevor ich ein paar Schritte weiter wieder auftauchte. „Verdammt, Elara!“ Ich sah nicht zurück. ADRians PERSPEKTIVE Sie war schneller, als ich erwartet hatte, glitt durch meinen Griff wie Rauch. Ich jagte sie in den Flur, meine makellose Fassung brach. „Elara, halt!“ Sie hielt nicht an. Sie verschwand in den Keller hinunter, ihr weißes Kleid ein verwaschenes Bild im schwachen Licht. Ich zögerte oben auf der Treppe, mein Puls pochte in meinen Ohren. Das war nicht Teil des Plans. Aber sie war es auch nicht. ELARAS PERSPEKTIVE Der Keller war kalt und feucht, die Luft d**k mit dem Geruch von Schimmel und Rost. Meine Absätze klackerten auf dem Betonboden, während ich den Geräuschen gedämpfter Schluchzer folgte. „Lily?“ Das Schluchzen verstummte. Dann ein hektisches Klopfen, wie Finger gegen Metall. Ich bog um die Ecke und erstarrte. Lily lag gegen ein Rohr gelehnt, ihr lila Brautjungfernkleid an der Schulter zerrissen, ihre Handgelenke mit Kabelbindern gefesselt und ihr Mund mit Klebeband verklebt. Ihre Augen weiteten sich, als sie mich sah, gefüllt mit Panik und Erleichterung. „Oh Gott, Lily!“ Ich stürzte zu ihr hin und fummelte mit der Klebebandfolie herum. Ihre Wangen waren von Tränen feucht, ihre Haut blass und schweißnass. „Es ist okay“, flüsterte ich, während ich das Band entfernte. „Ich bin hier.“ Sie schnappte nach Luft, würgte an ihren Worten. „Elara, er ist“ Schritte hallten hinter mir wider. ADRians PERSPEKTIVE Ich fand sie im Rohrraum, Elara neben ihrer Schwester zusammengekauert, ihre Hände zitterten, während sie an den Fesseln herumhantierte. Beide blickten auf, als ich eintrat, ihre Gesichter identisch Angst, Trotz, Hass. „Elara“, sagte ich sanft und trat näher. „Geh weg von ihr.“ Sie rührte sich nicht. „Du hast das getan.“ „Du hast mir keine Wahl gelassen.“ „Keine Wahl?“ Ihre Stimme brach. „Du hast sie entführt!“ „Um uns zu schützen.“ Ich kniete mich hin, blickte ihr direkt in die Augen. „Du denkst, du kannst verschwinden, wann immer es dir passt, und ich muss die Scherben aufsammeln. Das endet jetzt.“ Sie schüttelte den Kopf, Tränen liefen über ihre Wangen. „Du bist ein Monster.“ „Und du bist ein Risiko.“ Ich griff nach ihr, doch sie verschwand aus meinem Griff und tauchte auf der anderen Seite des Raumes wieder auf. LILYS PERSPEKTIVE Meine Handgelenke brannten von den Kabelbindern, mein Mund war wund vom Klebeband. Ich sah zu, wie Elara durch den Raum verschwand, ihre Kraft kontrollierter als je zuvor. Adrian drehte sich um, seine gelassene Fassade begann zu bröckeln. „Du kannst nicht ewig rennen, Elara“, sagte er, seine Stimme tief und gefährlich. „Aber versuch mich.“ Sie verschwand erneut, tauchte hinter ihm auf. Er wirbelte herum, griff ins Leere. „Hör auf damit!“ „Befreie meine Schwester“, forderte sie, ihre Stimme jetzt fest. Er lachte ein kaltes, hohles Geräusch. „Oder was? Wirst du mich auslöschen?“ Sie antwortete nicht. Ihr Schweigen war beunruhigender als jede Drohung. ELARAS PERSPEKTIVE Ich konzentrierte mich auf Lilys Fesseln, versuchte meine Kraft auf sie zu lenken. Die Kabelbinder flackerten, lockerten sich gerade genug, dass sie sich befreien konnte. „Lily, lauf!“ Sie rappelte sich auf die Füße, ihre Beine wackelten. Adrian stürzte sich auf sie und packte ihren Arm. Sie schrie, wehrte sich gegen ihn. Ich verschwand und tauchte zwischen ihnen wieder auf. Meine Hände drückten gegen Adrians Brust, ich stieß mit aller Kraft zu. Er taumelte zurück, seine Augen weiteten sich. „Das wirst du bereuen“, knurrte er. „Nicht so sehr wie du“, flüsterte ich. Dann ein metallisches Klirren hallte durch den Keller. Die Tür knallte zu. ADRians PERSPEKTIVE Ich schloss die Tür ab, versiegelte sie im Dunkeln. Lass sie ihre Spiele im Dunkeln spielen. ELARAS PERSPEKTIVE Das Klicken des Schlosses hallte wie ein Totenglocke. „Elara?“ Lilys Stimme zitterte. Ich drückte ihre Hand, mein Verstand raste. „Bleib nahe“, flüsterte ich. Irgendwo oben entfernten sich Adrians Schritte. Und das Licht ging aus.
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