ELARAS PERSPEKTIVE
Das metallische Klirren des Schlosses hallte durch den Keller, widerhallend wie ein Totengeläut. Der Schlag durchbrach die Stille, scharf und endgültig.
Mein Atem stockte. Lilys Hand umklammerte die meine, ihre Finger kalt und schweißnass.
„Elara?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Alles okay“, log ich.
Die Lichter flackerten einmal, zweimal, dann erloschen sie vollständig und stürzten uns in völlige Dunkelheit.
Lily keuchte, ihr Griff wurde fester. „Elara!“
„Ich bin hier.“ Ich drückte ihre Hand, mein Herz pochte in meiner Brust.
Die Dunkelheit war absolut, erdrückend. Ich konnte Lily nicht sehen, konnte nichts sehen nur das Nichts, das von allen Seiten auf uns lastete.
„Er hat uns eingesperrt“, flüsterte Lily, ihre Stimme zitterte.
Ich nickte, obwohl sie es nicht sehen konnte. „Ja.“
Stille breitete sich zwischen uns aus, nur unterbrochen von unserem Atem flach, keuchend, panisch.
LILYS PERSPEKTIVE
Die Dunkelheit war schlimmer als die Ketten. Wenigstens konnte ich mit den Ketten etwas sehen, etwas Festes spüren. Jetzt konnte ich nicht einmal meine eigenen Hände erkennen.
Elaras Griff war das Einzige, was mich erdete.
„Was will er?“, flüsterte ich, meine Stimme brach.
„Kontrolle“, antwortete Elara mit leiser Stimme. „Er will Kontrolle.“
Mein Magen verkrampfte sich. „Warum hat er mich genommen?“
„Weil er weiß, dass du meine Schwachstelle bist.“
Ihre Worte jagten mir einen Schauer über den Rücken.
ELARAS PERSPEKTIVE
Der Keller war still, abgesehen vom leisen Summen der Rohre und dem Tropfen von Wasser irgendwo in der Ferne.
„Wir müssen einen Ausweg finden“, sagte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten.
„Wie?“, fragte Lily mit leiser, ängstlicher Stimme.
„Such nach einem Lichtschalter. Einer Tür. Irgendetwas.“
Ich ließ ihre Hand los, meine eigene zitterte, als ich in die Dunkelheit griff. Meine Fingerspitzen berührten kalten Beton, rau und unnachgiebig.
„Elara?“ Lilys Stimme kam von links, panisch.
„Ich bin hier“, sagte ich und bewegte mich auf sie zu.
Ein leises Scharren drang an mein Ohr wie Metall, das über Beton kratzte.
„Was ist das?“, flüsterte Lily.
„Ich weiß es nicht.“
Sie keuchte und griff nach meinem Arm. „Elara, da ist etwas“
Ihre Worte wurden von einem lauten Dumpf unterbrochen, gefolgt von hastigen Schritten, die von irgendwo über uns widerhallten.
ADRians PERSPEKTIVE
Ich stand oben an der Kellertreppe, der Schlüssel schwer in meiner Hand. Das Geräusch von Schritten drang von unten herauf Elara und Lily, verzweifelt und orientierungslos.
Gut. Sollen sie in Panik geraten. Sollen sie ihr eigenes Ausgeliefertsein spüren.
Ein Lächeln zuckte um meine Lippen. Bald würde Elara begreifen, dass es kein Entkommen gab.
ELARAS PERSPEKTIVE
Die Schritte verstummten abrupt, ersetzt durch eine Stille, die so tief war, dass sie sich wie ein lebendiges Wesen anfühlte.
„Adrian?“, rief ich, meine Stimme hallte durch den Keller.
Keine Antwort.
„Er beobachtet uns“, flüsterte Lily, kaum hörbar.
„Wahrscheinlich.“
Ich ballte die Fäuste, Wut brodelte unter der Angst.
LILYS PERSPEKTIVE
Ich konnte Elara nicht sehen, aber ich spürte ihre Anwesenheit neben mir greifbar, real.
Plötzlich griff sie nach meiner Hand. „Lily, bleib bei mir.“
Ihre Stimme war fest, entschlossen.
ELARAS PERSPEKTIVE
„Lily, halt dich an mir fest“, sagte ich und schlang ihren Arm um meinen.
Ihr Griff wurde fester.
Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Kraft, die unter meiner Haut summte.
„Was tust du?“, flüsterte Lily.
„Vertrau mir“, sagte ich.
Ich drängte mein Bewusstsein nach außen, auf der Suche nach dem kleinsten Lichtschimmer, dem winzigsten Riss in der Dunkelheit.
LILYS PERSPEKTIVE
Elaras Atem verlangsamte sich, wurde gleichmäßig. Ihr Griff um meine Hand wurde fester.
Dann ein schwaches Flackern, wie ein Glühwürmchen in der Ferne.
„Elara?“
„Ich sehe es“, flüsterte sie.
Das Flackern wurde heller und beleuchtete den Umriss einer Tür klein, verrostet, fast unsichtbar in der Wand.
ELARAS PERSPEKTIVE
Die Tür war kaum zu erkennen, ihre Konturen verschwammen in der Dunkelheit.
„Da“, flüsterte ich.
Wir bewegten uns darauf zu, unsere Schritte zögernd, unsicher.
LILYS PERSPEKTIVE
Die Tür fühlte sich kalt unter meinen Fingerspitzen an, das Metall rostig und rau.
„Ist sie verschlossen?“
Elara antwortete nicht, ihre Hand tastete nach dem Riegel.
ELARAS PERSPEKTIVE
Der Riegel klickte, und die Tür quietschte auf, enthüllte einen schmalen Tunnel, dessen Wände feucht glänzten.
„Los“, flüsterte ich und schob Lily vorwärts.
LILYS PERSPEKTIVE
Ich zögerte und warf Elara einen Blick zu.
„Los!“, zischte sie.
Ich trat in den Tunnel, die Luft war d**k und feucht.
ELARAS PERSPEKTIVE
Ich folgte Lily in den Tunnel und zog die Tür hinter uns zu.
Die Dunkelheit umfing uns erneut, doch diesmal fühlte sie sich anders an weniger erdrückend, ungewisser.
ADRians PERSPEKTIVE
Ich beobachtete aus dem Schatten heraus, wie die Kellertür quietschend aufging und einen leeren Raum enthüllte.
Ein Lächeln zuckte über meine Lippen.
Lass sie laufen.