ELARAS POV
Der Tunnel erstreckte sich vor uns, schmal und feucht, seine Wände glitschig vor Nässe. Meine Hand umklammerte Lilys fest, ihre Finger zitterten in meinen Hand. Das schwache Flackern des Lichts, das ich beschworen hatte, schwebte vor uns und erhellte gerade genug, um uns den Weg nach vorne zu weisen.
„Elara“, flüsterte Lily, ihre Stimme kaum hörbar. „Wohin führt das?“
„Ich weiß es nicht“, gab ich zu.
Der Tunnel war unbekannt ein weiteres Geheimnis in Adrians Welt der Lügen. Aber es war unser einziger Weg hinaus.
Als wir tiefer vordrangen, wurde die Luft kälter, die Dunkelheit drückte von allen Seiten. Mein flackerndes Licht schwankte und drohte, völlig zu erlöschen.
„Halt es stabil“, drängte Lily, ihre Stimme angespannt.
„Ich versuche es.“
Aber es war nicht nur die Erschöpfung, die das Licht schwanken ließ. Es war die Erinnerung, die sich in meinen Geist schlich das Geflüster, das ich jahrelang zu vergessen versucht hatte.
RÜCKBLENDE ELARAS POV (VOR 10 JAHREN)
Ich war noch ein Kind, versteckt in der schattigen Nische des Salons meiner Großmutter. Der Raum war düster beleuchtet, die Vorhänge gegen das Nachmittagslicht gezogen.
Meine Großmutter saß in ihrem hohen Sessel, ihr Gesicht von Sorgenfalten durchzogen. Ihr gegenüber sprach ein Mann, den ich nicht kannte, mit gedämpfter Stimme.
„Die Gabe ist selten“, sagte er, seine Stimme schwer von etwas, das ich nicht verstand. „Aber sie ist gefährlich.“
Meine Großmutter nickte, ihre Hände umklammerten eine Teetasse mit zitternden Fingern. „Und wenn sie sie erbt?“
Der Mann beugte sich vor, sein Ausdruck ernst. „Sie wird Kontrolle lernen müssen. Sonst wird sie sich selbst ganz verlieren.“
Der Blick meiner Großmutter wanderte zur Nische, in der ich mich versteckt hatte, ihre Augen durchdrangen die Schatten. „Elara“, sagte sie sanft. „Komm hervor.“
Ich trat ins Licht, mein Herz pochte.
GEGENWART ELARAS POV
Die Erinnerung verblasste und ließ mich atemlos zurück.
„Elara?“ Lilys Stimme riss mich zurück. „Geht es dir gut?“
Ich nickte, obwohl ich mir nicht sicher war.
„Was ist los?“
„Ich… ich habe mich an etwas erinnert“, sagte ich.
RÜCKBLENDE ELARAS POV (VOR 10 JAHREN)
Meine Großmutter kniete vor mir, ihre Hände ruhten auf meinen Schultern. „Elara, es gibt etwas über unsere Familie etwas, das du wissen musst.“
Ich sah sie verwirrt an. „Was?“
Sie zögerte, ihre Augen waren von etwas erfüllt, das ich nicht benennen konnte. „Wir haben eine Gabe eine Kraft, die durch die Generationen weitergegeben wird.“
„Was für eine Kraft?“
Sie zögerte erneut, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Die Fähigkeit, sich selbst auszulöschen.“
GEGENWART ELARAS POV
Die Worte hallten in meinem Geist nach sich selbst auslöschen.
LILYS POV
Elaras Licht flackerte erneut und warf seltsame Schatten auf die Tunnelwände. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen unkonzentriert.
„Elara“, sagte ich sanft. „Woran erinnerst du dich?“
Sie zögerte, ihre Stimme zitterte. „An meine Großmutter. Sie hat mir von… einer Gabe erzählt.“
„Was für einer Gabe?“
Sie schüttelte den Kopf, ihr Ausdruck war gequält. „Damals habe ich es nicht verstanden. Aber jetzt… ich glaube, das ist es, was Adrian will.“
ADRIANS POV
Ich beobachtete sie aus den Schatten heraus, mein Atem ruhig, meine Geduld unerschütterlich.
Lass sie das Geheimnis lüften. Lass sie die Wahrheit entdecken.
Es wird sie nur leichter zu kontrollieren machen.
ELARAS POV
Der Tunnel weitet sich und gab den Blick auf eine kleine Kammer frei, die mit alten, staubigen Regalen ausgekleidet war. Das Licht flackerte erneut und beleuchtete Fragmente der Vergangenheit Fotos, Papiere, Artefakte.
„Was ist das für ein Ort?“, flüsterte Lily.
„Ich weiß es nicht“, sagte ich, obwohl ein Teil von mir befürchtete, es zu wissen.
LILYS POV
Elaras Blick heftete sich auf ein Foto im Regal ein verblasstes Bild einer jungen Frau in einem altmodischen Kleid.
RÜCKBLENDE ELARAS POV
Meine Großmutter hielt das Foto in ihren Händen, ihre Finger zitterten.
„Sie hieß Adelaide“, sagte sie. „Auch sie hatte die Gabe aber sie verlor die Kontrolle.“
GEGENWART ELARAS POV
Das Foto starrte mich an, die Augen der Frau erfüllt von einer geisterhaften Traurigkeit.
LILYS POV
Elara griff nach dem Foto, ihre Finger berührten das Glas.
RÜCKBLENDE ELARAS POV
„Sie verschwand“, sagte meine Großmutter. „Und niemand sah sie jemals wieder.“
GEGENWART ELARAS POV
Die Erinnerung traf mich wie eine Welle und ließ mich in ihrer Last ertrinken.
LILYS POV
Elaras Atem stockte, ihr Griff um das Foto wurde fester.
ELARAS POV
„Adrian weiß es“, flüsterte ich, die Erkenntnis kalt und sicher.
„Was weiß er?“
„Er weiß von der Gabe.“
LILYS POV
Elaras Stimme zitterte, ihre Angst war greifbar.
ELARAS POV
Die Fotos verschwammen, ihre Gesichter verschmolzen zu einem Adelaide. Ich.
LILYS POV
Elaras Licht flackerte erneut und warf Schatten an die Wände.
ELARAS POV
Das Geflüster kehrte zurück fragmentiert, geisterhaft.
ADRIANS POV
Ich trat in die Kammer, meine Anwesenheit plötzlich und gezielt.
ELARAS POV
„Ihr habt es gefunden“, sagte Adrian leise, seine Stimme hallte durch den Raum.