Kapitel 1
ARIA – Ich-Perspektive
„Lächel, Aria.“ Die leise Stimme meines Vaters klang wie eine Warnung. Ich spürte, wie mein Rücken sich versteifte. Diesen Ton kannte ich mein ganzes Leben lang.
Um uns herum funkelten Ballsaal-Dekorationen. Der Saal und die Lounge waren voller reicher Gäste, teurem Champagner und aufgesetztem Gelächter.
Alle sahen glücklich aus.
Es war die perfekte Ballnacht.
Doch neben meinem Vater zu stehen und fremde Leute begrüßen zu müssen, ließ mich wie ein Accessoire wirken, das man neben ihn gestellt hatte.
Mein Lächeln blieb auf meinen Lippen, aber meine Finger schlossen sich immer fester um das Champagnerglas. Immer wieder wanderte mein Blick zu den Türen des Ballsaals… Ich fragte mich, wie lange es noch dauern würde, bis ich endlich gehen konnte.
Trotzdem behielt ich das Lächeln bei. Jahre der Übung machten es leicht.
„Mr. Bennett, Ihre Tochter sieht heute Abend atemberaubend aus“, sagte einer seiner Geschäftspartner, wobei sein Blick einen Moment zu lange auf mir verweilte.
„Perversling“, murmelte ich leise vor mich hin.
„Vielen Dank“, antwortete mein Vater grinsend und legte seine schwere Hand auf meine Schulter. „Aria weiß, wie wichtig diese Veranstaltungen sind, und sie kleidet sich immer entsprechend.“
Wichtig.
Das war sein Lieblingswort.
Alles in meinem Leben war wichtig für ihn – meine Schule, meine Freunde, sogar wie ich mich anzog und mit wem ich ausging.
Alles, außer dem, was ich wirklich wollte.
Bei dem Gedanken, wie er mir verboten hatte, der Dance-Crew in der Schule beizutreten, verzog ich das Gesicht. Er hatte behauptet, das sei „nicht damenhaft“ und ich würde sonst enden wie meine ältere Schwester – wertlos, nachdem sie mit ihrem Freund durchgebrannt war, weil er sie zu sehr unter Druck gesetzt hatte.
Sie hatte es satt gehabt, ständig gesagt zu bekommen, was sie tun sollte, und das brave Väterchen zu spielen.
Manchmal fragte ich mich, wie mein Leben aussehen würde, wenn ich nur eine einzige Entscheidung selbst treffen würde. Wenn ich in die Fußstapfen meiner Schwester treten würde.
Aber ich wusste, dass es nicht so einfach war, wie es aussah.
Gerade als ein weiterer Gast auf uns zukam, hörte ich ein vertrautes Flüstern neben mir.
„Gott, du siehst aus, als wärst du als Geisel hier.“
Ich drehte mich leicht und sah Ashley, meine beste Freundin, mit einem Champagnerglas in der Hand und einem schelmischen Lächeln.
Sofort spürte ich Erleichterung. Ashley war ebenfalls von ihrem Vater hierher geschleppt worden. Der große Unterschied war jedoch, dass ihrer wollte, dass sie wirklich Spaß hatte.
Ich betrachtete ihre wilden Locken und das Tattoo, das unter ihrem Ärmel hervorlugte – etwas, das ihr Vater sogar ermutigte. Bei meinem Vater durfte ich nicht einmal einen einzigen Punkt auf der Haut haben.
„Du hast keine Ahnung“, murmelte ich und ballte die Faust hinter meinem Rücken, um meine Frustration zu verbergen.
Ashley beugte sich näher und senkte die Stimme. „Doch, das habe ich. Du siehst aus, als würdest du am liebsten wegrennen“, sagte sie grinsend.
„Natürlich. Bei jeder Gelegenheit würde ich das tun.“
„Dann komm mit mir für einen Tag weg.“ Ihre Stimme war leise.
Ich runzelte die Stirn. „Wohin denn?“
Ihr Lächeln wurde breiter.
„An einen Ort, bei dem dein Vater durchdrehen würde, wenn er wüsste, dass du dort bist.“
Ich starrte sie an wie ein verlorenes Hündchen.
Ashley hob ihr Glas und nahm einen langsamen Schluck. „Ich meine es ernst“, sagte sie. „Lass uns von hier verschwinden. Die Veranstaltung wird sowieso langweilig.“
Ich warf einen Blick zu meinem Vater. Er war bereits in ein tiefes Gespräch mit einer Gruppe Geschäftsleute vertieft und lachte laut, als würde ihm der ganze Raum gehören.
Was er technisch gesehen auch tat.
„Du weißt, dass er es merken wird, wenn ich verschwinde“, sagte ich.
Ashley verdrehte die Augen. „Bitte. Dein Vater ist viel zu beschäftigt damit, seine Partner zu beeindrucken, um zu bemerken, dass seine Tochter weg ist. Außerdem ist es dunkel – er würde es nicht einmal mitbekommen. Er würde denken, du bist schon nach Hause gefahren.“
Sie beugte sich noch näher. „Außerdem… kenne ich einen Ort, der viel interessanter ist als dieser langweilige Ballsaal.“
Ich hob eine Augenbraue. „Interessant inwiefern?“
Ihr Lächeln wurde dunkler. „Gefährlich interessant.“
Das hätte eigentlich reichen müssen, um Nein zu sagen. Ich wusste, dass Ashleys Vorstellung von „gefährlich“ nichts Gutes bedeutete.
Mein Vater hatte mich mein ganzes Leben lang vor gefährlichen Orten und gefährlichen Menschen gewarnt.
Aber hier zu stehen, in diesem erstickenden Kleid, Fremde anzulächeln, während mein Vater mich wie ein Teil seines Imperiums vorführte…
Plötzlich klang Gefahr verlockend.
„Was für ein Ort soll das sein?“, fragte ich nun deutlich interessierter.
Ashley schaute sich um, ob jemand zuhörte.
Dann senkte sie die Stimme noch weiter. „Ein privater Club.“
Ich runzelte die Stirn. „Das klingt nicht besonders schockierend oder gefährlich.“
„Oh“, hauchte sie und lächelte weiter. „Es ist nicht die normale Art von Club.“
Die Art, wie sie es sagte, ließ etwas in meiner Brust enger werden.
„Was meinst du damit?“, fragte ich misstrauisch.
Ashley lehnte sich so nah heran, dass ihre Lippen fast mein Ohr berührten.
„Die Art von Ort, bei der du die Fassung verlieren wirst, wenn du ihn siehst.“
Ich starrte sie an. „Das klingt nach einer furchtbaren Idee.“
Ihr Grinsen wurde noch breiter.
„Genau.“
Bevor ich antworten konnte, griff sie nach meiner Hand und zog mich sanft mit sich.
„Komm schon. Eine Nacht Freiheit wird dich nicht umbringen. Du hast noch nie wirklich erlebt, was das bedeutet.“
Ich zögerte und schaute zu meinem Vater hinüber.
Er warf gerade lachend den Kopf in den Nacken, während jemand sein neuestes Geschäft lobte.
Er sah nicht einmal in meine Richtung. Es war, als hätte er vergessen, dass ich überhaupt hier war.
Für einen Moment flammte etwas Rebellisches in mir auf.
Vielleicht hatte Ashley recht. Vielleicht verdiente ich eine Nacht, die nicht von meinem Vater kontrolliert wurde.
Ich atmete langsam aus. „Na gut“, murmelte ich.
Ashleys Augen leuchteten auf. „Perfekt.“
Sie hakte sich bei mir ein und führte mich zum Ausgang.
Ashley und ich schlüpften durch eine Seitentür aus dem Ballsaal, vorbei an Sicherheitsleuten und neugierigen Gästen.
Die kühle Stadtluft traf mich, und ich atmete tief ein. Zum ersten Mal heute Abend konnte ich richtig atmen.
Ashley grinste. „Siehst du? Hier draußen ist es viel besser. Komm, der echte Spaß fängt jetzt erst an.“
Ich zögerte und warf einen letzten Blick auf den glitzernden Ballsaal. Mein Vater lachte immer noch, schüttelte Hände, ohne zu ahnen, dass ich entkommen war.
„Bist du sicher, dass dieser Ort… sicher ist?“, flüsterte ich.
Ashley grinste schief. „Sicher? Wahrscheinlich nicht. Aber genau der Ort, bei dem dein Vater ausrasten würde. Und vertrau mir – du wirst ihn lieben.“
Mein Herz raste vor Angst und Aufregung zugleich. Vielleicht brauchte ich das… eine Nacht, die nur mir gehörte.
Die Tür fiel schwer hinter uns ins Schloss und schnitt das falsche Lachen und das Klirren der Gläser ab. Plötzlich fühlte sich die Luft anders an – kühler. Mein Herz schlug so heftig, dass ich es im Hals spüren konnte.
Die Fahrt zu dem Ort war kurz. Sobald wir aus dem Auto stiegen, drückte Ashley meinen Arm. „Atme, Aria. Alles ist gut.“
Wir gingen einen kurzen, dunklen Gang entlang. Rote und goldene Lichter leuchteten sanft von den Wänden und schrien förmlich Gefahr. Meine Absätze klackerten auf dem Betonboden. Jeder Schritt ließ mich meine Entscheidung noch einmal überdenken.
Dann öffnete sich der Gang zu einem riesigen Raum.
Es war dunkel, warm und gefährlich. Ketten hingen von der Decke und fingen das Licht ein wie funkelnde Sterne. Leise Musik erfüllte die Luft. Sanfte Stöhnen und laute Seufzer schwebten um uns herum, und jeder Laut traf mich tief.
Meine Haut kribbelte. Meine Nippel zogen sich hart gegen den Stoff meines Kleides zusammen, bevor ich es verhindern konnte.
Links war eine nackte Frau an ein großes hölzernes X an der Wand gefesselt. Ihre Arme und Beine waren weit gespreizt, Handgelenke und Knöchel in dicken schwarzen Manschetten fixiert. Ihre rosa, tropfende p***y war für alle sichtbar.
Ein Mann stand hinter ihr und fuhr langsam mit einer weichen Lederpeitsche über ihren nackten Rücken. Die Riemen strichen sanft über ihre Haut, und sie erschauerte.
Dann landete die Peitsche auf ihrem Rücken. Nicht zu hart, aber fest genug, dass sie laut aufkeuchte und den Rücken durchbog. Ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei, der in ein tiefes, zittriges Stöhnen überging.
Rote Striemen breiteten sich auf ihrer Haut aus. Sie sah… verloren darin aus. Als würde der Schmerz sich tief in ihr in etwas Süßes verwandeln.
Ohne nachzudenken presste ich meine Schenkel zusammen. Eine warme Welle breitete sich in meinem Unterleib aus.
Ashley flüsterte: „Spürst du das?“
Ich konnte nicht antworten. Mein Mund war trocken.
Neben ihnen lag ein Mann auf einer Bank, nackt ab der Taille abwärts, Handgelenke und Knöchel festgebunden. Eine Frau in glänzenden schwarzen Stiefeln stand neben ihm. Sie strich mit der Handfläche sanfte Kreise über seinen Arsch, fast zärtlich, dann hob sie ein breites Lederpaddel.
Klatsch.
Sein ganzer Körper zuckte. Sofort erschien ein roter Abdruck. Er stöhnte tief in der Kehle, seine Hüften drückten sich gegen die Bank, als könnte er nicht anders.
Sie beugte sich hinunter, ihre Lippen nah an seinem Ohr, und flüsterte etwas, das ich nicht verstand. Sein Schwanz wurde sofort hart und begann, Lusttropfen abzusondern. Sie lächelte und schlug erneut zu.
„Fester“, rief er, ein roher, bedürftiger Laut, der Hitze zwischen meine Beine fluten ließ.
Ich wurde selbst feucht, nur vom Zusehen. Mein Atem ging stoßweise, meine Hände zitterten leicht.
Überall, wo ich hinsah, berührten, kosteten, quälten und verwöhnten sich Menschen.
Vor mir kniete ein Mann zwischen den weit gespreizten Schenkeln einer Frau auf einer Couch. Sie war blindfolded, die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Langsam ritt sie sein Gesicht, drückte sich auf ihn, während er gierig mit der Zunge über ihre Klitoris fuhr.
Ihre Finger krallten sich in seine Haare und zogen hart daran. Seine gedämpften Stöhnen vibrierten an ihrer p***y. Sie warf den Kopf zurück und kam mit einem scharfen Schrei, der durch den roten Raum hallte.
Mein ganzer Körper fühlte sich viel zu heiß an, und meine Klitoris pochte mit jedem Herzschlag. Ich wollte die Beine noch fester zusammendrücken, hatte aber Angst, dass ich dann selbst stöhnen würde.
Ashley lehnte sich zu mir, ihre Lippen streiften mein Ohr. Ihr Atem war warm und roch noch leicht nach Champagner.
„Denkst du immer noch, das war eine schlechte Idee?“, fragte sie mit heiserer Stimme.
Ich schluckte. Meine Stimme klang klein und zittrig. „Ich… ich kann nicht mehr klar denken.“
Sie lachte leise. „Gut. Das bedeutet, es wirkt.“
Ich riss meinen Blick von der Szene los und versuchte, mein rasendes Herz zu beruhigen. Der Raum war zu heiß, zu laut, zu intensiv.
Und trotzdem konnte ich nicht aufhören hinzusehen. Plötzlich wurde die Musik leiser, aber nicht ganz. Gerade genug, dass die Leute sich leicht bewegten.
Die Veränderung war subtil, aber spürbar.
Einige Köpfe drehten sich zum Eingang.
Manche machten Platz. Ich runzelte die Stirn und folgte ihren Blicken.
Ein großer Mann betrat den Raum. Er trug keine Maske und kein Leder wie die anderen.
Nur eine schwarze Hose, ein dunkles Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln bis zu den Unterarmen und die ruhige Selbstsicherheit von jemandem, der nichts beweisen musste.
Langsam ging er durch die Menge.
Die Leute nickten ihm respektvoll zu, manche traten sofort zur Seite. Andere beobachteten ihn mit einer Mischung aus Respekt und Angst.
Mein Magen zog sich zusammen.
„Wer ist das?“, flüsterte ich.
Ashley antwortete nicht sofort. Stattdessen lachte sie leise.
„Oh wow“, murmelte sie. „Du hast dir wirklich den perfekten Abend ausgesucht.“
Ich sah sie verwirrt an. „Was soll das heißen?“
Sie lehnte sich wieder nah an mein Ohr. „Das“, sagte sie leise, „ist der meistgefürchtete und respektierteste Dominant in diesem Club. Er ist Meister darin, seine Subs Schmerz und Lust gleichzeitig spüren zu lassen.“
Mein Blick schoss zurück zu ihm. Als hätte er es gespürt, blieb der Mann plötzlich stehen.
Langsam hob er den Kopf.
Unsere Blicke trafen sich quer durch den vollen Raum. Für einen Moment schien alles um uns herum zu verschwinden.
Sein Blick wanderte langsam über mein Gesicht… seine Augen hatten einen unergründlichen Ausdruck.
Mein Herz hämmerte noch stärker.
Ich hatte das seltsame Gefühl, dass er alles sehen konnte.
Die Nervosität, die Neugier, die Hitze unter meiner Haut, den Saft, der zwischen meinen Schenkeln lief.
Dann verzog sich langsam ein Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln.
Und er kam direkt auf mich zu.