Die Rache Des Damons

1515 Words
POV: DEMON SHAW Das Parkhaus roch nach Benzin und abgestandener Luft. Ich ging mit Shelmi an meiner Seite auf mein Auto zu. Ihre Hand lag an meinem Arm. Sie versuchte, mich langsamer werden zu lassen. Es funktionierte nicht. „Demon.“ Ihre Stimme war ruhig. Kontrolliert. „Langsamer. Du denkst gerade nicht klar.“ „Ich denke vollkommen klar.“ „Nein, tust du nicht. Du bist wütend. Du trauerst. Und du bist gerade dabei, etwas Dummes zu tun.“ Ich blieb stehen und drehte mich zu ihr um. „Ich werde den Mann töten, der meinen Vater ermordet hat. Das ist nicht dumm. Das ist Gerechtigkeit.“ Sie sah mich an. Ihre grauen Augen waren ruhig. Unbeweglich. „Gerechtigkeit oder Rache?“ Ich antwortete nicht. Denn ich wusste selbst nicht mehr, wo der Unterschied lag. Die Fahrt zu Sure Lewis' Büro dauerte vierzig Minuten. Ich sagte kein Wort. Shelmi drängte mich nicht. Sie saß einfach auf dem Beifahrersitz, ihre Hand lag auf der Mittelkonsole, nahe genug, dass ich sie hätte berühren können. Das Band zwischen uns summte. Ich konnte ihre Sorge spüren. Ihre Angst. Ihre Entschlossenheit. Sie hatte keine Angst vor mir. Sie hatte Angst um mich. Und genau das machte alles noch schlimmer. Ich fuhr auf den Parkplatz von Shaw Industries. Sure Lewis' Wagen stand dort. Eine schwarze Limousine. Das Kennzeichen hatte ich schon tausendmal gesehen. „Er ist hier“, sagte ich. „Demon …“ „Du bleibst im Wagen.“ „Auf keinen Fall.“ „Shelmi …“ Sie packte mein Gesicht und zwang mich, sie anzusehen. „Ich werde mich nicht verstecken, während du das durchziehst. Was auch immer dort drinnen passiert, es passiert uns beiden. Das ist es, was Ehe bedeutet. Das ist es, was es bedeutet, Luna zu sein. Du kannst mich davor nicht beschützen.“ Ich starrte sie an. Das Band schrie in mir, sie hereinzulassen. Ihr zu vertrauen. Nicht länger alles allein zu tragen. Ich war fünf Jahre lang allein gewesen. Ich war es leid. „In Ordnung“, sagte ich. „Aber wenn es gefährlich wird, stellst du dich hinter mich. Verstanden?“ Sie lächelte. Es war kein glückliches Lächeln. Es war das Lächeln einer Frau, die Schlimmeres überlebt hatte als das hier. „Ich war fünf Jahre lang hinter dir“, sagte sie. „Ich gehe nirgendwohin.“ Sure Lewis' Büro befand sich im fünfundvierzigsten Stock. Glaswände. Teure Möbel. Ein Ausblick auf die Skyline von Texas, der sich kilometerweit erstreckte. Er saß hinter seinem Schreibtisch, als wäre nichts geschehen. Als hätte er meinen Vater nicht vergiftet. Als hätte er nicht an seinem Krankenbett gesessen und zugesehen, wie er starb. Er hob den Blick, als ich hereinkam. Sein Gesicht war ruhig. Kontrolliert. Eine Maske, die mich zehn Jahre lang getäuscht hatte. „Demon.“ Er lächelte freundlich. Warm. „Ich hätte nicht erwartet, dich heute zu sehen. Wie kommst du damit klar?“ Ich antwortete nicht. Ich ging zu seinem Schreibtisch. Legte meine Hände auf die Kante. Beugte mich vor. „Wo ist es?“ „Wo ist was?“ „Der Beweis. Die Unterlagen. Das Geständnis.“ Ich hielt meine Stimme tief und kontrolliert. Der Wolf in mir lief unruhig hin und her. „Du hast meinen Vater getötet. Ich weiß, dass du es warst. Und ich will wissen, warum.“ Sein Lächeln verschwand nicht. „Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.“ „Lüg mich nicht an.“ „Ich lüge nicht.“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich bin seit zehn Jahren dein Geschäftspartner. Ich war zwanzig Jahre lang der Partner deines Vaters. Ich habe ihn wie einen Bruder geliebt.“ Seine Augen wanderten zu Shelmi. „Und du bringst sie hierher? Die Frau, die dich verlassen hat? Die Frau, die dich dein Rudel gekostet hat?“ „Sprich nicht über sie.“ „Ich sage nur, dass du vielleicht nicht klar denkst. Trauer macht seltsame Dinge mit Menschen. Sie lässt einen Feinde sehen, wo überhaupt keine sind.“ Ich spürte, wie mein Wolf erwachte. Meine Krallen traten hervor. Meine Augen blitzten. Die Temperatur im Raum sank. „Sag mir die Wahrheit.“ „Oder was?“ Er lächelte wieder. „Du wirst mich töten? Vor deiner Frau? Vor den Überwachungskameras?“ „Glaubst du, Kameras interessieren mich?“ „Das sollten sie.“ Seine Stimme blieb vollkommen ruhig. „Denn ich habe Kopien von allem. Von jedem Gespräch. Jeder Transaktion. Jedem schmutzigen Geheimnis.“ Er beugte sich vor. „Wenn ich sterbe, wird alles öffentlich. Shaw Industries bricht zusammen. Das Rudel verliert seinen Alpha. Und sie verliert alles, was sie gerade erst gewonnen hat.“ Er deutete auf Shelmi. Ich folgte seinem Blick. Sie stand neben der Tür. Ihre Hand lag auf dem Messer, das an ihrem Oberschenkel befestigt war. Ihre Augen waren hart. Kalt. „Du bluffst“, sagte ich. „Tue ich das?“ „Demon.“ Shelmis Stimme durchschnitt die Spannung. „Er blufft nicht. Sieh ihn dir an.“ Ich sah ihn an. Sure Lewis war ruhig. Entspannt. Wie ein Mann, der nichts zu verlieren hatte. Er bluffte nicht. Er wartete nur darauf, dass ich einen Fehler machte. „Verschwinde“, sagte ich. „Wie bitte?“ „Verschwinde aus meinem Gebäude. Verschwinde aus meinem Blickfeld. Und bete darum, dass ich meine Meinung nicht ändere.“ Er stand auf. Strich seinen Anzug glatt. Dann ging er zur Tür. An der Schwelle blieb er stehen und drehte sich noch einmal um. „Dein Vater war ein guter Mann“, sagte er. „Schwach, aber gut.“ Seine Augen wurden kalt. „Ich wollte ihn nicht töten. Aber ich brauchte eine Gelegenheit. Und er stand mir im Weg.“ Er lächelte Shelmi an. „Genieß dein neues Leben, Luna. Ich hoffe, du überlebst es.“ Dann ging er. Ich blieb stehen. Zitternd. Der Wolf in mir heulte. Jeder Instinkt schrie danach, ihm zu folgen. Ihn auseinanderzureißen. Ihn dafür bezahlen zu lassen. Dann war Shelmi bei mir. Ihre Hand lag auf meinem Gesicht. Ihre Stirn berührte meine. Ihre Stimme war sanft in der Stille. „Atme, Demon. Einfach atmen.“ „Ich kann nicht …“ „Doch, kannst du.“ Ihr Daumen strich über meine Kieferlinie. „Du bist nicht das Monster, das er aus dir machen will. Du bist besser als das.“ „Was, wenn ich es nicht bin?“ „Dann werde ich dich so lange daran erinnern, bis du es bist.“ Ich zog sie in meine Arme. Hielt sie fest, als wäre sie das Einzige, was mich noch am Leben hielt. Das war sie. Wir fuhren schweigend nach Hause. Das Penthouse war leer. Kalt. Die Fenster zeigten die Lichter der Stadt, die in der Dunkelheit flimmerten. Ich stand im Wohnzimmer und blickte in den Himmel. Shelmi war in der Küche. Ich hörte, wie sie sich bewegte. Schränke öffnete. Wasser einschenkte. Sie gab mir Raum. Ich wollte keinen Raum. Ich wollte sie. Ich ging in die Küche und lehnte mich gegen den Türrahmen. „Danke“, sagte ich. Sie drehte sich um. „Wofür?“ „Dafür, dass du geblieben bist. Dafür, dass du nicht davongelaufen bist. Dafür, dass du mich nicht ansiehst, als wäre ich ein Monster.“ Ihre Augen wurden sanft. „Du bist kein Monster.“ Sie kam auf mich zu. „Du bist einfach gebrochen.“ Sie blieb vor mir stehen. „Genau wie ich.“ „Können gebrochene Dinge repariert werden?“ „Ich weiß es nicht.“ Sie nahm meine Hand. „Aber ich bin bereit, es herauszufinden.“ Ihre Finger verschränkten sich mit meinen. Das Band summte. Der Wolf in mir beruhigte sich. Und zum ersten Mal, seit ich den Anruf erhalten hatte, hatte ich das Gefühl, wieder atmen zu können. „Wir werden ihn finden“, sagte sie. „Wir werden die Beweise finden und ihn zu Fall bringen. Aber wir machen es richtig.“ Sie sah mir in die Augen. „Gemeinsam.“ Ich nickte. „Gemeinsam.“ Dann küsste ich sie. Es war kein wütender Kuss. Kein verzweifelter. Es war langsam. Sanft. Ein Versprechen. Sie erwiderte meinen Kuss. Und in diesem Moment wusste ich, dass ich etwas gefunden hatte, von dem ich geglaubt hatte, es für immer verloren zu haben. Erlösung. Am nächsten Morgen wachte ich mit ihr in meinen Armen auf. Wir waren auf dem Sofa eingeschlafen. Ihr Kopf lag auf meiner Brust. Mein Arm lag um ihre Taille. Das Band war ruhig. Friedlich. Ich hätte für immer so bleiben können. Doch mein Handy vibrierte. Ich griff danach. Las die Nachricht. Mein Blut gefror. Es war ein Foto. Shelmi im Penthouse. Wie sie auf dem Weg in die Küche war. Unwissend. Ungeschützt. Darunter stand eine Nachricht: Übergib Shaw Industries. Oder sie stirbt. Ich sah Shelmi an. Sie schlief in meinen Armen. Vertraute mir. Fühlte sich sicher. Zumindest für den Moment. Ich tippte eine einzige Antwort. Niemals. Dann rief ich Halen an. „Wir haben ein Problem“, sagte ich. „Sie kommen wegen ihr.“ ENDE VON KAPITEL DREI
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