Ich ging nach draußen, so wie ich es immer tat, wenn ich Zeit zum Nachdenken brauchte. Ich setzte mich auf die Treppe. Sam folgte mir und setzte sich neben mich. ,,Es tut mir leid, was ich gesagt habe. Vielleicht hast du Recht. Und vielleicht sollte ich ihnen eine Chance geben. Ich habe nur Angst. Angst, was passiert, wenn Richard herausfindet, wenn die zwei Magier bei uns leben. Er wird die zwei umbringen. Und wenn wir uns einmischen, dann uns auch." Ich stand auf und lief die Straße entlang. Kleine, fliegende Laternen erleuchteten sie. Sam folgte mir. ,,Das ist mir egal. Ich bin bereit, für sie zu sterben." Ein kleiner Schimmer von Verzweiflung machte sich in seinen Augen bemerkbar. ,,Ich bin aber nicht bereit, dich zu verlieren. Wo willst du hin?", fragte er. Ich holte meinen Zauberstab aus dem Gürtel und hielt ihn fest in der Hand. ,,Ich gehe zu Richard. Du kennst ihn. Du weißt, dass er uns alle töten wird, wenn er erfährt, dass wir diese Magier bei uns haben. Aber wenn ich für Gerechtigkeit kämpfe, wenn ich dafür sorge, dass Magier hier Willkommen sind, dann wird ihnen nie etwas zustoßen." Sam ergriff meine Hand. ,,Das kann ich nicht zulassen. Warum bist du so?" Ich schaute ihm tief in die Augen. Tränen bildeten sich in meinen. ,,Wegen Lyca. Lyca hat sich immer für Magier eingesetzt. Sie ist jetzt nicht mehr hier, aber ich kann dafür sorgen, dass ihre Arbeit vollendet wird." Ich schaute auf meinen Arm. ,,Und jetzt lass mich bitte los." Er ließ mich los und schaute mich fassungslos an, als ich meinen Zauberstab schwang und plötzlich verschwand.
Ich fand mich alleine in einem großen Saal wieder. Auf der linken Seite stand ein großer Informationstresen, dahinter saß eine junge, schwarzhaarige Frau. Als sie mich erblickte, stand sie auf. ,,Kann ich Ihnen helfen?", fragte ich ruhig. ,,Ich muss zu Richard." Sie zauberte einen großen leuchtenden Hund hervor. ,,Folgen Sie ihm. Er wird Sie zu ihm bringen." Nachdem ich durch unendlich lange, dunkle Gänge ging, die nur von dem leuchten des Hundes erhellt wurden, stand ich vor einer riesigen, doppelten Tür. Neben mir stand ein Mann, der einen Umhang trug. ,,Du kommst gerade richtig ", sagte er und lächelte. Bevor ich verstehen konnte, was überhaupt passiert, richtete er seinen blauen Zauberstab auf mich. ,,Na los. Fass ihn an." Ich schüttelte den Kopf, weil ich wusste, was er dann tun könnte. Wenn jemand den Zauberstab eines anderen berührt, entsteht eine magische Beziehung zwischen den magischen Wesen. Dadurch hat der andere die Möglichkeit, sein Gegenüber zu manipulieren und das von ihm zu verlangen, was er möchte. Die Person gegenüber verliert dann ihre Willenskraft und führt gedankenverloren alle Befehle aus. ,,Nun, ich sehe, du möchtest das nicht ", rief er. Ich drehte mich um und wollte weglaufen. Doch der Hexenmeister ergriff meine Hand und legte sie auf den Zauberstab. Eine innere Ruhe kehrte in mir ein, als seine Magie durch meinen Körper strömte. Ich schaute ihn erwartungsvoll an. Bereit, alles zu tun, was er von mir wollte. Er lächelte zufrieden und schaute mich konzentriert an.,,Du gehst jetzt zu Richard und bleibst ganz still vor ihm stehen. Auch wenn er seinen Zauberstab auf dich richtet. Da du hier sowieso nicht mehr lebend herauskommen wirst, kann ich dich schonmal vorwarnen: Er wird dich töten." Panik machte sich in mir breit. Die Tür öffnete sich und obwohl ich es nicht mehr wollte, ging ich langsam in den großen Saal.