Avas Sicht Das Kleid war rot. Ich hatte es nicht ausgesucht. Eine Stylistin war an diesem Nachmittag mit einem Kleiderständer voller Kleider erschienen, jedes einzelne teurer als meine Monatsmiete. Sie hatte mich wie ein Raubtier umkreist, Stoffteile festgesteckt und über Ausschnitte gemeckert, bis Elena sie schließlich verscheuchte und mir das rote Kleid reichte. „Diese hier“, hatte sie gesagt. „Vertrau mir.“ Also trug ich das rote Kleid. Es betonte Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Der Ausschnitt war tief. Der Rücken war offen, der Stoff fiel knapp über meine Hüften. Ich fühlte mich ausgeliefert. Verletzlich. Wie eine Spielfigur in einem Spiel, das ich nicht verstand. Dylan wartete unten an der Treppe. Er trug Schwarz. Natürlich trug er Schwarz. Einen Smo

