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GEBROCHENER EID

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Blurb

Eine Schuld, von der ich nichts wusste. Eine Ehe, aus der ich nicht entkommen kann. Ein Mann, dem ich nicht widerstehen kann.

Ich bin Krankenschwester in der Notaufnahme. Ich rette Leben. Ich gehe nicht mit Milliardären aus, und ich heirate sie erst recht nicht.

Doch als die Spielschulden meines Bruders in die Hände der Familie Moretti fallen, stehe ich vor einer Wahl, die ich nicht ablehnen kann: Dylan Moretti heiraten – kalt, rücksichtslos, gefährlich schön – oder zusehen, wie alle, die ich liebe, für meine Weigerung bezahlen.

Die Bedingungen sind einfach. Achtzehn Monate. In der Öffentlichkeit die perfekte Ehefrau spielen. Keine Fragen stellen. Sein Büro nicht betreten. Und sich auf keinen Fall verlieben.

So einfach. Bis ich in seinem Penthouse lebe, umgeben von Wachen, Geheimnissen und der erdrückenden Last seiner Aufmerksamkeit. Bis ich seine verwundeten Soldaten auf Marmorböden verarzte. Bis ich die Risse in seiner Rüstung sehe – die Albträume, die er nicht aussprechen will, den Bruder, den er begraben hat, die Wärme, die er hinter Eis verbirgt.

Er ist der König eines Verbrecherimperiums. Ich bin eine Krankenschwester aus Queens mit ruhigen Händen und einem moralischen Kompass, den er langsam zerstört.

Jeder Blick ist eine Drohung. Jede Berührung ein Countdown.

Und wenn seine Feinde mich holen, wird Dylan Moretti sein eigenes Reich niederbrennen, um mich zurückzubekommen.

Doch in einer Welt, die auf Blut und Verrat aufgebaut ist, ist es vielleicht das Gefährlichste, was ich je getan habe, ihn zu lieben.

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KAPITEL 1 – AVA'S SICHT
Das Schussopfer wurde um 3:47 Uhr eingeliefert. Ich wusste die genaue Uhrzeit, weil ich gerade auf die Uhr geschaut und die Minuten bis zum Schichtende gezählt hatte. Noch vier Stunden. Dann konnte ich nach Hause, den Geruch von Desinfektionsmittel und fremdem Blut abduschen und so tun, als hätte ich meine Nächte nicht bis zu den Ellbogen in fremden Körpern verbracht. „Schwester Maya, Schockraum drei!“, durchdrang Ginas Stimme den Lärm der Notaufnahme. Sie rannte. Das bedeutete nichts Gutes. Ich rannte nicht. Rennen verschwendet Energie, und die braucht man dringend, wenn ein Patient verblutet. Ich ging schnell und zog mir im Gehen die Handschuhe an. Er war jung. Mitte zwanzig, vielleicht. Dunkles Haar, verklebt von Schweiß und Blut. Zwei Einschusslöcher in der Brust, eines in der Schulter. Sein Hemd war einst teuer gewesen. Jetzt war es nur noch ein roter Lappen. „Was haben wir?“ Ich fragte, während ich mich bereits an seine Seite begab. „Männlich, ungefähr fünfundzwanzig. Schussverletzungen. Blutdruck im freien Fall. Hat auf dem Weg viel Blut verloren.“ Gina reichte mir eine Akte. Ihre Hände zitterten. Ginas Hände zitterten sonst nie. „Holt Dr. Patel“, sagte ich. „Und jemand soll die Blutbank anrufen. Er braucht mindestens vier Einheiten.“ Der Mann öffnete die Augen. Dunkel. Glasig vor Schmerz, aber konzentriert. Auf mich. „Lasst mich nicht sterben.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Ich beugte mich näher. „Werde ich nicht. Aber Sie müssen wach bleiben. Können Sie das?“ Er nickte einmal. Gut. Er war ein Kämpfer. Das war wichtig. Patel kam herein und band sich noch immer die Maske um. „Jesus, Ava. Wie spät ist es?“ „Zeit zu arbeiten“, sagte ich. „Sein Zustand verschlechtert sich rapide.“ Die nächsten zwanzig Minuten waren ein Chaos in Zeitlupe. Meine Hände bewegten sich wie von selbst – Druck hier, Klemme dort, Flüssigkeiten flossen, Vitalwerte sanken, stiegen, fielen wieder. Patel war gut, ruhig unter Druck, aber ich war besser in den Details. Kollabierte Venen finden. Druck im exakt richtigen Winkel ausüben. Erkennen, wann ein Patient einen Krampfanfall erleiden würde, noch bevor die Monitore es anzeigten. Ich sah zuerst die Tätowierungen. Auf seiner Brust, dort, wo ich sein Hemd aufgeschnitten hatte. Schwarze Tinte. Ein Wolf. Nein – ein ganzes Wolfsrudel, flüchtend. Darunter irgendein Symbol. Ich erkannte es damals nicht. Später schon. „Hab ihn“, sagte Patel, und ich spürte, wie sich die Spannung im Raum veränderte. Stabil. Noch nicht sicher, aber stabil. Ich trat zurück. Meine Handschuhe waren rot. Mein OP-Kittel hatte frische Spritzer. Ich musste mich vor dem nächsten Patienten umziehen. Der Mann sah mich wieder an. Er konnte nicht sprechen – er hatte einen Schlauch im Hals –, aber sein Blick hielt meinem stand. Es war keine Dankbarkeit. Es war etwas Schärferes. Eine Beurteilung. Als würde er sich mein Gesicht einprägen. „Gut gemacht, Maya.“ Patel klopfte mir auf die Schulter. „Geh aufräumen. Ich kümmere mich um den Rest.“ Ich nickte und verließ den Schockraum. Meine Beine waren fest. Meine Hände waren ruhig. Das waren sie immer während der Krise. Das Zittern kam später, im Pausenraum, als ich allein mit einer Tasse kaltem Kaffee und dem Gewicht dessen, was ich gerade getan hatte, war. Der Pausenraum im Saint Jude ist eine Abstellkammer mit einem Getränkeautomaten und einer Mikrowelle, die seit meinem Arbeitsbeginn vor acht Jahren nicht mehr geputzt wurde. Der Kaffee war verbrannt. Ich trank ihn trotzdem. Durch das Fenster war die Stadt noch dunkel. In Queens, wo ich aufgewachsen bin, fühlt sich die Dunkelheit anders an. Sanfter. Hier in Manhattan gehen die Lichter nie wirklich aus. Sie flackern und summen nur und erinnern einen daran, dass sich die Welt weiterdreht, egal wer auf dem OP-Tisch stirbt. Mein Handy vibrierte. Mein Bruder. Ich muss reden. Es ist wichtig. Ich löschte die Nachricht, ohne sie zweimal zu lesen. Leos „wichtig“ bedeutete immer Geld. Und ich hatte keins mehr übrig. Ein zweites Summen. Das Pflegeheim meiner Mutter. Die Nachricht hatte ich geöffnet. Zahlung fällig Freitag. Bitte wenden Sie sich an die Buchhaltung. Freitag. Zwei Tage. Ich würde es schon hinkriegen. Ich kriegte es immer hin. Gina steckte den Kopf herein. „Er fragt nach dir.“ „Wer?“ „Der Schuss. Patel hat ihn auf die Intensivstation verlegt. Er ist aufgewacht, hat sich den Schlauch herausgezogen und nach der Krankenschwester mit den ruhigen Händen gefragt.“ Etwas Kaltes durchfuhr mich. Nicht Angst, nicht ganz. Eher Wachsamkeit. So wie ein Reh den Kopf hebt, wenn es von den Bäumen aus beobachtet wird. „Sag ihm, ich habe Feierabend.“ „Habe ich. Er meinte, er würde warten.“ Ich stand auf. Meine OP-Kleidung war steif vom getrockneten Blut. Ich musste mich umziehen. Ich musste schlafen. Ich musste im Pflegeheim anrufen und um eine Verlängerung betteln. „Nicht mein Problem“, sagte ich und ging zur Umkleidekabine. Aber seine Augen blieben auf mir. Dunkel. Beobachtend. Erinnernd. Ich kannte seinen Namen damals nicht. Ich wusste nicht, dass er zur Familie Moretti gehörte. Ich wusste nicht, dass die Rettung seines Lebens mein eigenes für immer prägen würde. Alles, was ich wusste, an diesem Dienstagmorgen im März um 4:38 Uhr, war, dass ich meine Aufgabe erfüllt hatte. Ein weiteres Leben vor dem Abgrund bewahrt. Ein weiterer Fremder, der dieses Krankenhaus verlassen und die Krankenschwester mit den ruhigen Händen vergessen würde. Ich irrte mich. Er vergaß nicht. Und zwei Tage später, als die Männer in Anzügen mich abholten, sollte ich verstehen, dass manche Leben nicht gerettet werden. Manche Leben sind nur geliehen. Und die Familie Moretti holt sich immer ihre Schulden.

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