7. Neues Rudel, neues Leben.

2896 Words
Sie waren seit Stunden unterwegs, als sie schließlich von einer Hauptstraße in einen atemberaubend dichten Wald abbogen. Kiaras Angst verstärkte sich, als das Auto sich dem Rudelhaus näherte. Kombiniert mit ihrer Nervosität und dem beunruhigend schweigsamen Mann, der während der gesamten Fahrt zwischen den Rudeln neben ihr saß, fühlte sie sich, als würde sie auf Messers Schneide laufen. Es gab viele Momente während der Fahrt, in denen sie sich so unwohl gefühlt hatte, dass sie ernsthaft darüber nachdachte, aus dem fahrenden Auto zu springen, nur um ihm zu entkommen. „Willkommen im Sirius Bright Rudel, Luna“, lächelte Kaiden warm. Er konnte seine Aufregung kaum verbergen, die neue Luna ins Rudel zu bringen. „Danke“, erwiderte Kiara zögerlich sein Lächeln. Kaiden hatte sich vorgestellt und sich während der Reise bemüht, ab und zu mit ihr zu plaudern. Er erzählte von seiner Gefährtin, erklärte ein wenig über das Rudelleben in ihrem neuen Zuhause und versuchte generell, ihr die Situation angenehmer zu machen. „Hast du Jennifer alles erklärt?“, fragte Xavier. „Ja. Genau wie du es befohlen hast, wird außerhalb deines inneren Kreises niemand im Rudelhaus sein. Kein Rudelmitglied wird ohne Erlaubnis eintreten dürfen“, informierte Kaiden. „Warum wird niemand da sein?“, fragte Kiara, während Panik in ihr aufstieg. Könnte es sein, dass Xavier weniger ehrenhafte Absichten hegte? „Der Alpha will nicht, dass Männer die Luna sehen“, erklärte Kaiden. Kiara schaute genervt zu Xavier hinüber. „Soll ich dir dann als Erstes die Augen ausstechen, Kaiden?“, knurrte Xavier. „Ups! Habe ich das laut gesagt?“, tat Kaiden überrascht. Xaviers Hand schoss vor und schlug dem braunhaarigen Beta auf den Hinterkopf. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für schlaue Sprüche!“ „Schlag mich nicht vor der Luna“, schmollte Kaiden wie ein kleines Kind und rieb sich den Kopf. Kiara konnte das Lachen nicht unterdrücken, das aus ihr hervorbrach. Waren das dieselben blutrünstigen Männer, die fast ihr gesamtes Rudel und ihre Familie ausgelöscht hatten? Kiaras melodisches Kichern erregte sofort Xaviers Aufmerksamkeit. Er konnte nicht anders, als zu denken, dass sie noch schöner aussah, wenn sie lachte. „Die Luna sieht wunderschön aus, wenn sie lächelt“, grinste Kaiden zu Xavier. „Bitte nennt mich Kiara“, bat sie. „Wie zum Teufel könnte ich das wagen?“, murmelte Kaiden verwirrt und ließ seinen Blick zwischen Xavier und Kiara hin- und herspringen. Das Auto kam zum Stehen. Kiara konnte ihren Hals nicht weit genug strecken, um das gesamte riesige Rudelhaus zu erfassen. Es war ein großes, weißes Herrenhaus. Jetzt verstand sie voll und ganz, warum das Sirius Bright Rudel als das wohlhabendste galt. Sie verlor sich in ihren Gedanken und bemerkte nicht einmal, dass Xavier ihr die Tür geöffnet hatte. „Komm, wir gehen“, sagte Xavier und streckte seine rechte Hand aus, um sie ihr anzubieten, was sie überraschte. Nachdem er sie während der Fahrt so kühl behandelt hatte, bot er ihr jetzt wie ein galanter Gentleman seine Hand an? Seine neu entdeckte Höflichkeit hatte fast etwas Bedrohliches. Die Wärme und Anziehungskraft, die sie spürte, als sie seine Hand nahm, waren ungewöhnlich, und sie konnte nicht anders, als zu ihm aufzuschauen. Kiara konnte kaum eine Reaktion verbergen, als Xavier plötzlich einen muskulösen Arm um ihre Taille legte. Ein Schauer lief über ihren Körper. Was zur Hölle tat er da? Sie war nur seine Leihmutter, warum also diese öffentliche Zuneigung? „Komm, wir gehen rein“, sagte Xavier und legte seine Hand auf ihren Rücken, um sie ins Rudelhaus zu führen. Kiara bewahrte ihre kühle Fassade, die sie seit ihrer Kindheit perfektioniert hatte, doch sie spürte die Autorität in seiner Berührung. Es schien, als hätte er das volle Recht, sie nach Belieben zu berühren. Als er sie die Stufen hinaufführte, hob sie ihren Blick. „Die Leute beobachten uns“, murmelte Xavier leise, nur für sie hörbar. Ihr stoischer Ausdruck musste für einen Moment nachgelassen haben, denn sie errötete und wandte den Blick ab. „Der Alpha wird unsere neue Luna später dem Rudel vorstellen“, verkündete Kaiden und erklärte die Situation den wartenden Rudelmitgliedern. Kiara war fasziniert von der Schönheit des luxuriösen Rudelhauses, als sie es betraten. Überall waren Zeichen von Opulenz zu erkennen. Die extragroßen Fenster in jedem Zimmer ließen das natürliche Licht hereinströmen. Es gab verschiedene Kunstwerke in allen Formen und Größen. Gleichzeitig wunderte sie sich, warum sie kein einziges Familienfoto sehen konnte. ‚Lebt er allein? Ich sehe keine Frauen. Nicht einmal eine Haushälterin. Werden er und ich allein in dieser riesigen Villa sein?' Kiaras Herz begann zu rasen. Er wusste praktisch alles über ihre Familie und ihr Leben, doch er war für sie ein absolutes Rätsel. Xavier ließ ihr Zeit, sich langsam an ihr neues Zuhause zu gewöhnen, da er ihre Nervosität spürte. „Kaiden!“ Eine Frau sprang in Kaidens Arme und küsste ihn leidenschaftlich. Kiara sah hinüber und entdeckte eine große, blonde Schönheit mit einem deutlich sichtbaren Babybauch, die sich heftig mit Kaiden küsste. „Ich habe dich so vermisst!“, stöhnte sie in seinen Mund. Ihr öffentlicher, lustvoller Austausch von Zuneigung ließ die Luft im Flur förmlich knistern. Kiara wandte verlegen den Blick ab. Xavier war überrascht, sie erröten zu sehen. „Kaiden, du hast die ganze Nacht Zeit, mit deiner Gefährtin rumzumachen. Weißt du was, bleib einfach hier. Ich gehe“, brummte Xavier. „Nein, warte, ich komme mit dir“, sagte Kaiden und löste sich von seiner Gefährtin. Er flüsterte ihr eine Entschuldigung ins Ohr und ging zu Xavier und Kiara hinüber. „Oh, wir haben eine Besucherin! Wer ist sie?“, fragte Jennifer neugierig, als sie Kiara von oben bis unten musterte. „Das ist Kiara, meine Luna“, stellte Xavier sie vor. „Oh mein Gott!“ Jennifer sprang aufgeregt auf und ab, bevor Xavier den Satz beenden konnte. „Unsere Luna?!“, rief sie. „Wie konntest du mir das Geheimnis vorenthalten, Kaiden!“, sagte sie vorwurfsvoll zu ihrem Gefährten. „Ich wollte dich überraschen“, sagte Kaiden in einem süßen Ton, um sich herauszureden. „Ich hätte es mir denken können, als der Alpha befahl, das Rudelhaus zu räumen. Sie ist so wunderschön“, sagte Jennifer bewundernd, und Kiaras Wangen wurden noch röter. „Es ist schön, dich kennenzulernen, Luna. Ich bin Jennifers Gefährtin, Kaiden“, stellte sie sich vor und sah zwischen Kiara und Xavier hin und her. „Kein Wunder, dass der Alpha deine Schönheit vor allen verbergen wollte“, kicherte sie. „Jennifer, ich muss mich um etwas kümmern. Ich überlasse sie dir. Kannst du sie ins Zimmer führen und dich um ihr Abendessen kümmern?“, sagte Xavier und brachte das Gespräch zurück zum Wesentlichen. Er wusste, dass die Neckereien seines inneren Kreises gerade erst begonnen hatten. „Natürlich, ich werde mich um unsere Luna kümmern“, sagte Jennifer begeistert. ‚Sag mir sofort Bescheid, wenn irgendetwas passiert. Ich meine wirklich alles,' befahl Xavier Jennifer per Gedankenlink, bevor er das Rudelhaus verließ. Kiara sah den beiden Männern nach und fragte sich, wohin sie um diese späte Stunde gingen. „Ähm“, räusperte sich Jennifer und zog Kiaras Aufmerksamkeit auf sich. „Der Alpha wird bald zurück sein, Luna.“ „Ich habe nichts gesagt“, entgegnete Kiara, beunruhigt, dass sie vielleicht die erste Person, die sie in ihrem neuen Rudel kennengelernt hatte, beleidigt haben könnte. „Du brauchst keine Worte, deine Augen sagen alles“, sagte Jennifer grinsend. „Du verstehst das falsch“, sagte Kiara, aber Jennifer lachte nur. „Komm, ich zeige dir dein Zimmer“, sagte Jennifer und nahm Kiaras Koffer, um sie die Treppe hinaufzuführen. „Bist du nicht schwanger? Du musst mein Gepäck nicht tragen. Ich schaffe das“, sagte Kiara und zog ihre Tasche aus Jennifers Händen. „Es ist wirklich in Ordnung, Luna. Es ist nicht schwer, und es ist meine Verantwortung als Beta, dir zu helfen“, entgegnete Jennifer und schnappte sich die Tasche zurück. „Dann ist es meine Pflicht als Luna, auf die Gesundheit meiner Beta zu achten“, antwortete Kiara lächelnd und folgte Jennifer. Während sie gingen, musterte Jennifer ihre neue Luna. Sie bewunderte die junge Frau bereits für ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Jeder konnte sehen, dass ihre neue Luna wunderschön war, doch Jennifer fühlte sich auch von ihrem Charakter angezogen. „Das ist dein Schlafzimmer“, sagte Jennifer und öffnete die Tür. „Warum hast du mich ins Zimmer des Alphas gebracht?“, fragte Kiara panisch. Der Raum war durchdrungen von Xaviers Duft. „Du bist unsere Luna, natürlich wirst du im Zimmer des Alphas bleiben, oder?“, sagte Jennifer lachend. „Ja, natürlich“, antwortete Kiara mit einem gezwungenen Lächeln. Doch in ihrem Inneren fragte sie sich, wie Xavier reagieren würde, wenn er herausfand, dass sie ohne seine ausdrückliche Erlaubnis sein Zimmer betreten hatte. Sie war davon ausgegangen, dass sie in einem anderen Raum untergebracht werden würde. „Luna...“ „Bitte nenn mich Kiara“, unterbrach Kiara Jennifer. „Ähm, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist“, zögerte Jennifer. „Warum nicht, wenn ich es dir doch sage?“, fragte Kiara. „Trotzdem…“, begann Jennifer, doch Kiara unterbrach sie. „Du bist in etwa so alt wie meine Schwester. Ich möchte, dass wir Freundinnen sind. Freunde nennen sich beim Namen, soweit ich weiß. Das würde mir helfen, mich wohler zu fühlen“, schlug Kiara vor. Jennifer lächelte daraufhin breit. „Na gut! Luna… äh, ich meine Kiara“, lachten die beiden Frauen und unterhielten sich weiter. „Wie weit bist du?“, fragte Kiara und blickte auf Jennifers großen Bauch. „Ich bin im siebten Monat“, sagte Jennifer und legte beide Hände liebevoll auf ihren Bauch. „Wie alt bist du, Kiara?“, fragte Jennifer und öffnete das Fenster, um den Raum zu lüften. „Ich bin siebzehn, aber mein Geburtstag ist in drei Tagen.“ „Wow, du bist so jung. Der Alpha muss total in dich vernarrt gewesen sein, als er dich das erste Mal gesehen hat. Da bin ich mir sicher“, neckte Jennifer Kiara mit einem Grinsen. „Vernarrt in mich?“ Kiara war verwirrt. Sie konnte nicht glauben, dass ein Mann, der in ihr Rudel gekommen war, um es auszulöschen, sich stattdessen in sie verlieben könnte. So unglaublich gutaussehend sie ihn auch fand, sie konnte sich nicht auf dieses Märchen einlassen. Sie war sich vollkommen bewusst über die Wahrheit hinter ihrem Status als seine Luna und auserwählte Gefährtin. Mit anderen Worten, für sie würde es kein Happy End geben. „Findest du nicht auch?“, fragte Jennifer. „Vielleicht“, log Kiara, während sie das Thema mit einem Lächeln beiseiteschob und sich auf das Sofa setzte. „Das Essen wird dir gleich gebracht. Bis dahin kannst du deine Kleidung in den Schrank räumen. Wenn du möchtest, helfe ich dir dabei“, sagte Jennifer und reichte Kiara ihre Tasche. Kiara mochte den Vorschlag, wollte aber zuerst mit Xavier darüber sprechen, bevor sie etwas unternahm. ‚Soll ich wirklich die Nacht in seinem Zimmer verbringen?' fragte sich Kiara, während sie ihren Koffer öffnete. Sie hielt abrupt inne, als ihr klar wurde, dass Jennifer den abgenutzten Zustand ihrer Kleidung sehen würde. „Ich räume meine Sachen später weg.“ Kiara schenkte Jennifer ein kleines Lächeln, um ihre Handlungen zu vertuschen, aber Jennifer bemerkte, wie ihre Luna die Tasche wieder verschloss. Sie registrierte auch, dass Kiara nur abgetragene und längst veraltete Kleidung trug. „Mach, was du willst, aber später gehen wir shoppen.“ „Shoppen?“ Kiara war verwirrt. „Ja, willst du nicht das Geld deines Gefährten ausgeben? Ihn so lange nerven, bis sein Posteingang überläuft, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen? Das mache ich ständig.“ Jennifers Scherz brachte Kiara zum Kichern. „Da bin ich mir nicht so sicher. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Ich war nie der anspruchsvolle Typ. Ich komme gut mit zwei Sets Kleidung aus“, gab Kiara lachend zu. „Aber was ist mit dem Shoppen?“, fragte Jennifer schmollend und erstaunt. „Keine Sorge, ich verspreche, ich begleite dich. Ich brauche einfach wirklich nichts“, antwortete Kiara mit einem beruhigenden Lächeln. Das einzige Geld, das Kiara zur Verfügung hatte, war das auf ihrem Sparkonto und der kleine Betrag, den ihre Mutter und Schwester ihr vor ihrer Abreise gegeben hatten. Sie hatte bereits auf der Fahrt zum Rudel beschlossen, dass sie ihr Geld ausschließlich für ihre Ausbildung verwenden würde. Sie wusste, dass sie zumindest für das kommende Semester Bücher und ein Smartphone kaufen musste, um an ihren Online-Kursen teilnehmen zu können. Zuvor hatte sie Adiras Smartphone dafür genutzt. Einen Laptop konnte sie sich nie leisten, und wie man so schön sagt: Bettler können nicht wählerisch sein. Daher war ein Smartphone immer ihre einzige Option gewesen. „Aus welchem Rudel kommst du?“, fragte Jennifer, ein wenig perplex. Sie versuchte, das Rätsel ihrer neuen Luna zu lösen. Kiaras Kleidung, obwohl bescheiden, war bestenfalls abgetragen und billig. Doch ihre Wortwahl und Ausdrucksweise deuteten darauf hin, dass sie aus einer guten Familie stammte. „Ardara Moon Rudel“, antwortete Kiara zögerlich. „Was?“ Jennifer runzelte die Stirn. „Du bist die Tochter von Alpha Sawyer?“, fragte sie ungläubig. „Ja“, nickte Kiara. „Unser Alpha hat eine Gefährtin aus einem feindlichen Rudel ausgewählt, das wir eigentlich auslöschen sollten“, flüsterte Jennifer fassungslos vor sich hin. „Wie kannst du es wagen, in unser Rudel zu kommen!“ Der wütende Schrei einer älteren Frau durchbrach die Stille im Raum. „Es tut mir leid“, sagte Kiara hastig und sprang vom Sofa auf, als die ältere Frau sprach. Die Frau schien in etwa im Alter ihrer Mutter zu sein. Ihre Augen waren rot und geschwollen vor Tränen, aber sie glühten vor Wut und dem Bedürfnis nach Rache, was Kiara nicht verstehen konnte. „Wie kannst du es wagen, mir so unschuldig in die Augen zu sehen!“, schrie die Frau und stürmte auf Kiara zu. „Margaret, du weißt, dass du das nicht tun kannst. Sie ist unsere Luna“, sagte Jennifer schnell und sprang zwischen die beiden, als sie Margarets Rachedurst erkannte. Sie mind-linkte sofort Xavier, um ihn über die Situation zu informieren. „Die Luna dieses Rudels?!“, rief Margaret entsetzt aus. „Ja, sie ist Alpha Xaviers Gefährtin“, bestätigte Jennifer. „Wie konnte Xavier diese Frau als seine Gefährtin wählen?“, fragte Margaret, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Jennifer konnte nur mitleidig auf die ältere Frau blicken. „Es war ihr Bruder, der meine Tochter vergewaltigt und getötet hat!“, schrie sie verzweifelt. „Deine Tochter?“, flüsterte Kiara entsetzt, als ihr ganzer Körper vor Schock erstarrte. In ihrer Naivität hatte sie nicht damit gerechnet, auf die Mutter des Opfers ihres Bruders zu treffen. Wieder versuchte Jennifer, Margaret daran zu hindern, Kiara zu erreichen, aber Kiara hielt sie zurück. „Du musst sie nicht aufhalten. Du kannst zur Seite treten.“ Kiara ergriff Jennifers Hand und führte sie sanft aus dem Weg der trauernden Mutter. Kiara wollte nicht riskieren, dass Jennifer und ihr ungeborenes Kind verletzt wurden, falls es zu einer Auseinandersetzung kam. „Du kannst alles sagen, was dir auf dem Herzen liegt“, sagte Kiara ruhig zu Margaret, die vor Wut kochte. „Margaret, der Alpha hat mir per Gedankenlink befohlen, dass du die Luna nicht berühren darfst. Du musst den Raum sofort verlassen“, übermittelte Jennifer Xaviers strikte Anweisung, bevor etwas Unwiderrufliches passieren konnte. „Du solltest dich schämen!“, fauchte Margaret und ignorierte Jennifers Worte völlig. Sie wusste, dass sie Kiara nicht berühren durfte, aber dies war ihre einzige Gelegenheit, alles zu sagen, was sie auf dem Herzen hatte. „Dein Bruder hat meine Tochter vergewaltigt und ermordet, und jetzt glaubst du, du kannst in unser Rudel kommen und Xaviers Gefährtin sein? Ich verachte dich und werde dich niemals als meine Luna akzeptieren!“ Margarets Worte trafen Kiara wie Giftpfeile, die sie ohne Widerrede oder ein einziges Wort entgegennahm. Obwohl Kiara von jeder Aussage tief verletzt war, ließ sie die trauernde Mutter ihre Frustration und Trauer an ihr auslassen. „Es tut mir wirklich leid“, sagte Kiara leise und senkte den Kopf. Auch wenn sie wusste, dass es nie genug sein würde, entschuldigte sie sich. Die Taten ihres Bruders Lewis würden sie immer verfolgen. Sie musste lernen, das zu akzeptieren. „Schande über dich! Wenn du wirklich Reue empfindest, hättest du nie in Xaviers Augen gesehen!“, rief Margaret wütend und verließ mit einem letzten Knurren und einem blutrünstigen Blick den Raum. „Kiara, geht es dir gut?“, fragte Jennifer besorgt und nahm ihre Hand. Kiara atmete tief durch, um die Erlebnisse der letzten Minuten zu verarbeiten. „Mir geht es gut“, schaffte sie es, ihre Tränen zurückzuhalten. „Was ist hier passiert?!“, brüllte Xavier, als er in den Raum stürmte. Kiara zuckte erschrocken zusammen und fragte sich, warum Xaviers Wolf so wütend war, als ob er bereit wäre, jemanden zu töten.
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