Die Teilnehmeranzahl beträgt 8. Spiel: Nadel im Heuhaufen. Schwierigkeitsgrad: Kreuz 6. Regeln: Findet das falsche Buch, es ist versteckt und ausgehöhlt. In ihm befindet sich ein Schalter. Einige Rätzel könnten euch schneller an ihr Ziel bringen. Ihr habt 30 Minuten Zeit, ist die Zeit abgelaufen dann sterbt ihr. Alle sechs Minuten stirbt die Person, die dem Buch am weitesten entfernt ist. Viel Glück.
Mehr sagte die Stimme nicht mehr. Die Eingangstür öffnet sich und wir gehen alle schnell hinein. Ich wische mir unauffällig die Tränen aus den Augen und folge den sieben Menschen. In dreißig Minuten werden wir sterben, wenn wir das besagte Buch nicht finden. Ein Buch in einer Bibliothek!
"Das wird nicht einfach, aber das Kreuz bedeutet, dass es eine Mannschaftsaufgabe ist", erklärt der Mann weiter und wir laufen alle in die Mitte der Halle und schauen nach oben. Die Bibliothek ist drei Stockwerke hoch und es müssen bestimmt eine Milliarde Bücher hier rumliegen.
"Es sind drei Stockwerke und das Erdgeschoss, ich würde sagen wir teilen uns auf und durchsuchen alle gleichzeitig"
"Ich würde sagen wir fangen oben an, wieso sollten sie das Buch im ersten Stock verstecken"
Sie reden wild durcheinander und es entstehen verschiedene Missionen. Der Mann der mir alles erklärt hat, fängt an laut zu Lachen und alle schauen ihn verwundert an.
"Viel Glück ein oder zwei Personen zu finden, die das erste Stockwerk absuchen wollen"
"Dann sagt einfach jeder ein Stockwerk zwischen zwei und vier, wo er das Buch am ehesten vermutet und wir nehmen uns das erste Stockwerk am Ende vor", sagt die alte Frau und alle scheinen einigermaßen einverstanden zu sein. Ich habe mich in die Diskussionen nicht eingemischt, da ich immer noch versuche meine Gedanken beisammenzuhalten. Alle sagen eine Zahl und die Rechnung geht auf. Die alte Frau und der Anzugmann gehen in das vierte Stockwerk. Das Dritte übernehme ich zusammen mit dem großen Mädchen und einem der dürren Jungen, welcher ungefähr in meinem Alter ist. Der andere dünne Junge ist zusammen mit Satoru und dem anderen Mann im zweiten Stockwerk.
Wir fangen alle an, so schnell wie möglich jedes Buch abzusuchen. Die meisten haben schon Staub angelegt und ich muss leicht husten. Meine Arme fangen schon nach einer Zeit an weh zu tun, als mein Handy anfängt zu klingeln.
Die ersten sechs Minuten sind abgelaufen.
Ich höre einen Schrei und renne zum Gelände. Ich sehe auf der anderen Seite ein Stockwerk tiefer, wie der dürre Junge neben Satoru tot umfällt. Satoru schaut leicht erschrocken neben sich, nimmt seinen Hut ab und fährt sich erleichtert über den Kopf. Dieser Junge... er ist wirklich tot. Sein erschlaffter Körper liegt ohne jegliche Regung auf den kalten Fliesen, einfach so. Tot.
"Das bedeutet, dass das Buch im Dritten oder vierten Stock ist, kommt hoch!", ruft jemand über mir.
"Nein, es könnte genauso gut im ersten Stockwerk sein, aber im zweiten definitiv nicht", ruft der dünne Junge neben mir. Satoru und der andere Mann aus dem zweiten Stock gehen nach ganz unten und suchen weiter. Irgendein Schalter legt sich in meinem Kopf um und ich gehe die Aufgabenstellung noch einmal in meinem Kopf durch, dieses Mal jedoch atme ich gleichmäßig und versuche mich auf die derzeitige Situation einzustellen.
Ein Stockwerk erledigt, das könnten wir mit Glück schon schaffen. Ich lege ein Zahn zu und fange mittlerweile an zu zittern. Als das Klingeln meines Handys wieder ertönt, schließe ich die Augen und hoffe nur. Alle gehen in die Mitte, und schauen nach oben. Die alte Frau sackt zusammen und eine leichte Blutspur läuft über die Kante ihres Stockwerks. Plötzlich erscheint an der Decke eine Projektion.
"Schau die grimmigen Erinnyen"
"Was soll das bedeuten?"
Die Erinnyen. Irgendetwas klingelt bei mir.
"Griechische Mythologie", sage ich leise und der Junge neben mir nickt bestätigend. Wir laufen beide zu der Kante und schauen abwechselnd nach oben und unten.
"Schaut in Geschichtsbücher und Büchern der Antike nach! Das sind die drei Rachegöttinnen der Griechen. Besonders Werke von Homer oder Herkules!", lehne ich mich über die Brüstung um die anderen zu informieren. Das riesige Mädchen am anderen Ende unseres Stockwerkes fügt aber noch einen Gedanken hinzu, der mir auf die Schnelle nicht gekommen ist.
"Es könnte auch in Büchern über Gaming, Animes oder Percy Jackson stehen"
Sie hat Recht, vielleicht könnte uns die alten Werke in die Irre führen. Das Anzugmann aus dem vierten Stockwerk kommt zu uns in den Dritten Stock und alle beginnen, einigermaßen gezielt die Titel zu durchsuchen.
Mittlerweile schmeißen einige die Bücher achtlos aus den Regalen, aber ich versuche noch nicht nervös zu werden. Nach einer halben Ewigkeit, die sich gleichzeitig anfühlt wie eine Sekunde. Mein Handy klingelt wieder und ängstlich schaue ich zu dem Jungen neben mir, der mich auch wartend ansieht. Plötzlich höre ich neben mir einen dumpfen Aufprall und etwas spritzt auf meine Wange. Der Junge neben mir schluckt und sieht mit großen Augen an mir vorbei. Ich drehe mich um und der Anzugmann liegt neben mir, tot und mit geöffnetem Mund.
Das Summen in meinem Ohr übertönt alles andere, bis ich eine Hand an meinem Arm spüre. Ich drehe mich ruckartig um und höre nur meinen Atem. Der Junge bewegt seine Lippen, aber ich kann kein Wort verstehen. Ich schüttele den Kopf und er zeigt nach oben. Ein weiterer Hinweis? Ich torkle an den Rand und der Junge stellt sich neben mich.
Der große Chiron, der Achilles aufzog
Es muss eines der Bücher sein, die wir aufgezählt haben. Das bedeutet wir können es schaffen. Wir werden alle nervös und mittlerweile lasse ich auch einige der Bücher einfach auf den Boden fallen.
"Was wenn sie uns Irre führen?", entfährt es mir flüsternd.
Ich schaue zu dem dünnen Jungen neben mir, welcher mich direkt anschaut. Wir beide beginnen unsere Auswahl an Büchern ein wenig zu erweitern, falls er Recht hat. Nach einigen Minuten schaut das große Mädchen nervös auf ihr Handy und dann zu uns. Sie rennt zur Treppe und ich sehe sofort, was sie vorhat. Sie will in den ersten Stock, damit entweder der Junge neben mir oder ich als nächstes sterbe. Wir rennen zur Kante und schauen dem Mädchen nach. Doch sie ist nicht schnell genug und als sie gerade das zweite Stockwerk erreicht, klingeln unsere Handys. Das Mädchen geht noch im zweiten Stockwerk zu Boden und ist tot. Ich kann nicht leugnen, dass ich ein wenig erleichtert bin was mich jedoch gleichzeitig schockiert.
"Wir müssen in das erste Stockwerk"
"Ich suche noch kurz weiter, geh du schonmal vor", sage ich und nickend geht er nach unten. Nachdenken, nachdenken. Ich hole mein Handy hervor und schaue auf die Uhrzeit. Ich schaue mich panisch um und entdecke, dass im vierten Stock schon Gas ausgestoßen wird. Suchend schaue ich mir die Regale an. Eine Minute vor den sechs Minuten laufe ich die Treppen nach unten und entdecke an der Decke den nächsten Hinweis, der gerade erst dort erscheint.
"Die ihr hereinkommt, lasst alle Hoffnung fahren!"
Während ich noch die Treppen herunterlaufe, arbeitet mein Gehirn auf Hochtouren. Der Satz kommt mir bekannt vor und ich gehe alle Bücher durch, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
"Dante... Es ist Dantes Inferno!", schreie ich und renne an den anderen vorbei zu dem Buchstaben D. Ich suche panisch und der Junge hilft mir dabei. "Es müsste ein kleines Buch sein!"
Er nickt wild und wir schmeißen die meisten Bücher aus dem ersten Regal. Ich renne zu dem zweiten Regal und entdecke das Buch in der Mitte. Ich schlage es auf und tatsächlich, darin befindet sich ein Schalter. Er ist so klein, dass man ihn leicht hätte übersehen können. Das Handy klingelt und im selben Moment drücke ich auf den Knopf.
Für einen Moment herrscht Stille. Dann kommt ein Laser herunter und trifft den Mann neben Satoru in den Kopf. Er steht geschockt da, dann fällt er nach wenigen Sekunden zusammen auf den Boden.
Spiel gewonnen. Gratulation
Ich schaue immer noch traurig zu dem toten Mann. Wäre ich auch nur eine Sekunde schneller gewesen, würde er vielleicht noch leben. Lag sein Leben in diesem Moment etwa in meinen Händen? Ich habe doch keine Ahnung was hier eigentlich los ist!
"Lasst uns hier verschwinden", sagt Satoru und zu dritt gehen wir zum Ausgang. Ich kann nicht anders und blicke noch ein letztes Mal zu den Verstorbenen. Drei von Acht Spielern haben überlebt. Ich verstehe langsam, wie ernst diese Spiele sein können. Draußen an der frischen Luft atme ich einmal tief durch und ziehe mir die Jacke enger an den Körper. Satoru scheint von dem Tisch am Eingang etwas aufzuheben und kommt draußen zu uns.
"Hey Mädchen. Hier, die Karte als Erinnerung an dein erstes Spiel. Hast es dir verdient"
"Danke", murmle ich und schaue ihm nach, wie er lässig und fröhlich in die Nacht schlendert.
"Die Kreuz sechs bedeutet, dass dein Visum jetzt wie unseres um sechs Tage verlängert wurde", sagt der dünne Junge und nickt mir zum Abschied zu. Dann stehe ich wieder alleine da, vor der Bibliothek. Ich nehme meine Sporttasche, die ich bei Anfang des Spiel draußen gelassen habe und sehe mich um.
Bis nach Hause dauert es noch eine Weile, aber jetzt nach dem Spiel muss ich unbedingt nachsehen, ob meine Familie auch an diesem Ort ist. Also setze ich mich in Bewegung und steuere Richtung zuhause an.