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Jake

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Blurb

Jake Anderson hatte einen Mann getötet, als er seine Verlobte vor einem brutalen Angriff beschützt hatte, aber nicht nur sie, sondern auch seine Freiheit in dem Moment verloren. Nun ist er auf der Flucht, geplagt von seinem Verlangen nach Vergeltung.Becky Finnegan tut alles, um den Prügeleien ihres betrunkenen Vaters zu entkommen, sogar Tag und Nacht auf dem Grund ihrer Familie Gold zu schürfen und zu schuften. Ihre einzige Hoffnung ist es, Gold zu finden und sich selbst irgendwo ein neues Leben weit, weit weg von Deadwood aufzubauen. Doch dann trifft sie auf Jake und er schafft das Undenkbare… er bringt sie dazu, zu fühlen, zu hoffen… und zu lieben.Jake würde Becky mit seinem Leben beschützen, aber alles, was er ihr anbieten kann, ist ein gebrochenes Herz, das Leben eines Kriminellen und eine Vergangenheit, die von Fehlern geprägt wurde. Wie kann er sie retten, wenn er sich bereits selbst verloren hat? Wird er alles zerstören, oder kann die wunderschöne Rebellin Jakes verlorene Seele befreien?

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Prolog
PROLOG April 1876 St. Louis, Missouri Das Eisen, das gegen Jake Andersons Rücken gedrückt wurde, war fast so kalt wie der Regen, der vom Nachthimmel fiel. „Klopf an der Tür“, befahl sein Bruder Zach wütend und gereizt. Jake tat, was von ihm verlangt wurde und klopfte laut genug an der Haustür, damit man es über das Prasseln des Regens hören konnte. „Was zur Hölle?“, sagte sein ältester Bruder Liam, als er öffnete. „Jake? Zach? Was macht ihr beiden hier? Es ist mitten in der Nacht.“ Zach knurrte hinter Jake: „Lässt du uns jetzt rein oder sollen wir die ganze Nacht hier draußen im Regen stehen?“ „Kommt rein. Zach, steck deine Waffe weg.“ „Kann ich nicht, bis der hier“, er tippte Jake mit der Pistole am Rücken an, „drinnen ist und wir mit dir geredet haben.“ Jake lief in den Eingangsbereich des Hauses in St. Louis, das seinem ältesten Bruder gehörte. Überseekoffer und Reisetaschen standen links und rechts am Rande des Gangs zum Wohnzimmer. „Tut mir leid, dass ich dir das antun muss, Liam. Ich weiß, dass du morgen gehst“, sagte Zach und legte seinen Hut auf eine der Kisten. Jake warf seinen Hut neben Zachs. „Ja, bei Morgenanbruch. Und jetzt sag mir, was hier los ist und warum du Jake mit vorgehaltener Waffe hierhergebracht hast“, sagte Liam. „Nur so habe ich ihn dazu bringen können, hierher zu kommen.“ „Und?“, sagte Liam genervt. „Lass mich dir die Geschichte nicht Wort für Wort aus der Nase ziehen, kleiner Bruder. Erzähl mir einfach, wo das Problem liegt.“ Liam zeigte auf die beiden Sessel vor dem Feuer, ging dann zum Kamin und brachte die kaum noch glimmenden Kohlen erneut zum Glühen. Er legte einen Scheitel Holz auf die winzige Flamme, bevor er sich umdrehte und sich ihnen zuwandte. „Jake. Du zuerst“, sprach er in einem Ton, der keine Diskussion zuließ. „Ich habe einen Hauptmann der Armee getötet“, sprach Jake und weigerte sich, sich hinzusetzen. Er konnte nicht sitzen. Konnte nicht stillhalten. Er wollte vor Ungerechtigkeit schreien, Gott für seinen Verrat anklagen. „Warum hast du so etwas Dummes getan?“ Jake zuckte mit den Schultern. „Ich hatte keine Wahl.“ „Man hat immer eine Wahl“, erwiderte Liam. Zach steckte seine Waffe weg. „Nein, hat man nicht“, sprach er. „Es gab einen Grund dafür, aber er hat den Mann trotzdem umgebracht.“ „Verdammt noch mal, Jake. Dafür werden sie dich verfolgen und erhängen.“ Liam war siebzehn Jahre lang als Oberleutnant im Dienst gewesen und Jake wusste, dass er sich mit der Militärsjustiz auskannte. „Dieser Hurensohn hatte es verdient zu sterben. Und sobald ich kann werde ich diesen anderen Bastard auch umbringen.“ „Er gehört mir“, zischte Zach. „Wer?“, fragte Liam. „Dieser Oberst.“ „Mein Gott! Ihr beiden erzählt mir jetzt besser mal, was hier los ist – und zwar von Anfang an.“ Jake begann, auf und ab zu laufen. Das Parkett knarzte unter seinem Gewicht und er hinterließ kleine Wassertropfen, die von seinen Stiefeln fielen. Er schluckte schwer und atmete tief durch. Er wollte diesen Moment, in dem er Elizabeth verloren hatte, nicht erneut durchleben, aber er wusste, dass er das musste. Für Liam. Damit er es verstand. „Ich bin zu Elizabeth gegangen, um mich wie jeden Tag mit ihr zu treffen, damit wir uns ein paar Minuten sehen konnten.“ Seine Stimme zitterte und er hielt inne, sammelte sich, um sich dem Moment zu stellen. „Ihre Mutter und ihre Tante hatten sie mit der Hochzeitsplanung beauftragt, also haben wir uns meistens nicht sehr lange sehen können. Als ich dort angekommen bin, habe ich einen Schuss im Haus gehört. Ich bin zur Tür gerannt, aber das verdammte Ding war abgeschlossen und deshalb musste ich sie eintreten. Dadurch habe ich kostbare Zeit verloren. Als ich im Wohnzimmer angekommen bin, standen zwei Männer über Elizabeth. Ihr Gesicht war blutverschmiert.“ Seine Stimme bebte. Als ob die Erinnerung genau vor ihm war und er alles erneut mit ansah, spürte er, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich, als er sich an Elizabeths Gesicht erinnerte. Er leckte sich über seine Lippen und konnte die Worte kaum aussprechen. „Ihr Kleid war zerrissen, ihr Rock zu ihrer Hüfte hinaufgeschoben. Der, der die Pistole gehalten hat, war ein Oberst und der andere war ein Hauptmann. Beide komplett in Uniform. Dieser dreckige Hauptmann hatte gerade seine Hose aufgeknöpft, als ich hineingekommen bin. Ich habe ihn auf der Stelle erschossen. Mit der Sekunde, als der Oberst mich gesehen hat, ist er zur anderen Tür, die zur Küche führt, gerannt. Ich bin ihm gefolgt, aber er war schon auf seinem Pferd gesessen und war davongeritten, als ich bei der Hintertür angekommen war.“ Jake blieb stehen. Sein ganzer Körper zitterte. Seine Hände zu Fäusten geballt, seine Knöchel ganz weiß. Er atmete mehrere Male tief durch, um seine Tränen zu unterdrücken, bevor er fortfahren konnte. Er sah, wie sich die Augen seiner Brüder mit Mitleid füllten und wusste, dass er zu Ende erzählen musste. Jake redete weiter, so als ob er eine Geschichte rezitierte. Das war die einzige Möglichkeit, wie er die ganze Sache überstehen und diese Momente erneut durchleben konnte. „Als ich dann zurück zum Wohnzimmer gegangen bin, bin ich sofort zu Elizabeth geeilt und habe mich neben sie gekniet. Dieser verfickte Oberst hatte ihr in die Brust geschossen, aber sie hatte noch geatmet. Dann hat sie ihre Augen geöffnet und in ihrem Blick lag panische Angst, bis sie erkannt hat, wer ich war.“ Die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er hielt inne. Es war noch zu früh. Die Erinnerung zu frisch und schmerzhaft. Wut stieg in ihm auf. „Jake“, hat sie zu mir gesagt. „Ich habe versucht, sie aufzuhalten. Ich habe es wirklich versucht.“ „Schht“, habe ich gemeint. „Alles wird gut. Ist schon ok.“ „Ich habe versucht… versucht sie aufzuhalten… John aufzuhalten“, hat sie geflüstert. „Ich liebe dich, Jake.“ „Dann hat sie ihre Augen geschlossen und ist nach ihrem letzten Atemzug in meinen Armen gestorben. Wie lange ich sie im Arm gehalten habe, weiß ich nicht. Schließlich habe ich sie dann irgendwann auf das Sofa gelegt. Ich bin zurück zum Hauptmann gegangen und habe seine Taschen durchsucht, um alles über ihn herauszufinden, was ich konnte.“ „Nachdem er seine Leiche unzählige Male getreten hat“, unterbrach Zach ihn. „Der Hauptmann war John Longworth. Elizabeth war mit ihm verlobt gewesen, bevor wir uns ineinander verliebt hatten und sie hatte ihn verlassen, um mich zu heiraten. Longworth war die Wahl ihres Vaters gewesen und nicht Elizabeths. Sie hat mir davon erzählt, wie er sie behandelt hatte. Er hat sie geschlagen, aber nie dort, wo man es sehen konnte - wo ihr Vater es sehen konnte. Ich habe ihr gezeigt, dass nicht alle Männer Monster sind. Er war einen weiten Weg gekommen, um ihr das anzutun. In seinen Papieren stand, dass er in Fort Leavenworth stationiert gewesen war.“ Liam wandte sich an Zach. „Wurdest du nicht auch dorthin zugewiesen?“ „Das war ich“, antwortete Zach wütend. „War?“ „Lass den Jungen seine Geschichte zu Ende erzählen. Dann komme ich zu meiner.“ Liam nickte. „Fahr fort, Jake.“ „Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich habe gedacht, dass ich das Richtige getan habe und bin zum Sheriff gegangen. Ich habe ihr erklärt, was ich gesehen habe und was ich getan habe. Dann bin ich zu Bürgermeister Greens Büro gegangen und habe es ihm ebenfalls berichtet. Er hat jemanden zu Tante May losgeschickt, um Elizabeths Mutter abzuholen. Ich wollte nicht, dass Mrs. Green nach Hause kommt und das ganze Chaos und Elizabeth so vorfindet…“ Jake hielt inne und holte tief Luft, musste einen klaren Kopf bekommen und seine Hände entspannen, da er gar nicht realisiert hatte, dass er sie erneut zu Fäusten geballt hatte, bis er aufgehört hatte, zu reden. „Danach bin ich wieder zu ihrem Haus gegangen. Der Sheriff hatte bereits den Bestatter veranlasst, die Leichen abzuholen. Da Elizabeth weg war, gab es keinen Grund mehr für mich dort zu bleiben, also bin ich gelaufen und gelaufen. Ich bin die ganze Nacht umhergewandert, bis ich irgendwie irgendwann wieder zu Hause angekommen bin.“ Er fuhr sich mit der Hand durch sein Haar, das an den Spitzen noch immer von dem Wolkenbruch draußen Nass war. „Der Sheriff ist am Morgen zu meinem Haus gekommen, sie hat mein Pferd mitgebracht und meine Aussage aufgenommen. Dann habe ich herausgefunden, dass es noch eine andere Version von dem gibt, was passiert war. Dieses Arschloch, das davongekommen ist, war Richard Jordan. Der Bastard hat Elizabeths Vater erzählt, dass ich sie in einem betrunkenen Wutanfall vergewaltigt und getötet habe und den Hauptmann erschossen habe, als er versucht hat, mich aufzuhalten. Zu meinem Glück hat der Sheriff ihm nicht geglaubt, da ich gleich zu ihr gekommen bin und sie wusste, dass ich nicht betrunken war und an niemandem meine Wut ausgelassen habe außer an den Hurensöhnen, die ihr das angetan haben.“ Jake sackte auf einem Sessel zusammen, seine Beine konnten ihn nicht länger tragen, nachdem er diese ganze, fürchterliche Sache erneut durchmachen musste. Zach übernahm. „Und da komme ich ins Spiel. Der Oberst hatte das Fort besucht. Longworth war ein alter Freund von ihm. Oberst Jordan hatte mich und meine Einheit angewiesen, mit ihm mitzukommen und Jake zu verhaften. Er wusste nicht, dass wir Brüder sind. Oberst Jordan ist fest entschlossen, Jake erhängen zu lassen, um seine Kariere und sein eigenes Leben zu schützen. Er will, dass Jake vor dem Militärgericht wegen Mordes angeklagt wird. Um es aber kurz zu halten, habe ich den Oberst niedergeschlagen, meine Männer haben den anderen Weg versperrt, ich habe mir Jake geschnappt und bin gerannt.“ Zach beugte sich nach vorn und stützte sich mit den Ellbogen auf seine Knie. „Jetzt sind wir beide hier und auf der Flucht vor dem Gesetz. Wenn sie uns schnappen, werde ich dafür vors Gericht gezogen, dass ich einen ranghöheren Offizier angegriffen habe und ebenfalls wegen Desertion. Jake wird wegen dem Mord am Hauptmann angeklagt werden.“ „Scheiße!“ Liam wandte ihnen spürbar frustriert den Rücken zu und starrte in die Flammen, die nun loderten und knisterten. „Warum seid ihr hierhergekommen? Ich muss an die Kinder denken.“ „Wir haben nicht vor, dich und die Kinder da mit hineinzuziehen. Ich wusste, dass du morgen gehst. Ich wollte dich nochmal sehen, bevor wir ganz und gar verschwinden“, sagte Zach. Jake, der immer noch wie betäubt dasaß, sah zu, wie sein ältester Bruder auf dem Teppich auf und ab lief, wie es Jake nur Minuten zuvor getan hatte. „Liam, ich…“ Schuldgefühle raubten ihm die Worte. „Was ist mit dem Sheriff und ihrem Vater, dem Bürgermeister? Glauben sie dir nicht?“, fragte Liam. Jake lehnte sich im Sessel zurück. Er hatte nicht geschlafen, seitdem der Mord passiert war. War es wirklich erst zwei Tage her? Sein Kopf und sein Körper waren mehr als erschöpft. Er war mit den Nerven am Ende. „Der Sheriff hat mir geglaubt und mich nicht verhaftet. Bürgermeister Green vertraut dem Oberst, weil er eben ein Oberst ist und ein Freund von Elizabeths Ex-Verlobtem Longworth. Jordan hat den Bürgermeister davon überzeugt, dass er und der Hauptmann mich überrascht haben und ich den Hauptmann erschossen habe. Ihr Vater hat Elizabeth nie die Zustimmung gegeben, mich zu heiraten, wenn sie stattdessen die Ehefrau eines Hauptmanns hätte sein können.“ Liam sah die beiden an. Es dauerte lange, bevor er etwas sagte, so, als ob er alles in seinem Kopf berechnete und jedes Wort abwägte, bevor er eine Entscheidung traf. „Ich weiß, dass dir gerade nichts lieber wäre, als dich auszuruhen, aber das können wir nicht. Wir verschwinden auf der Stelle. Packt den Wagen. Wir müssen so viel Strecke wie möglich zurücklegen, bevor wir morgen anhalten. Es wird eine lange Reise.“ Liam warf Jake eine Tasche zu. „Fangt an aufzuladen.“ „Wohin gehen wir?“, fragte Jake und fing die Tasche, obwohl es ihm ziemlich egal war, wohin sie gingen. Alles, was ihm in seinem Leben wichtig war, war weg. „Deadwood. Im Gebiet Dakotas“, sagte Liam. „Ich habe einen Goldgrund.“

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