Kapitel 55 – Doppelleben

3220 Words

Das Gut Falkenberg lag unter einer Nebeldecke. Im Morgengrauen war der See ein blasser Spiegel; Nebel kroch über die Steinbalustraden und kräuselte sich gegen das Glas wie zu lange angehaltener Atem. Drinnen war es still im Haus – eine Stille, die bedeutete, dass alle wach waren, aber so taten, als wären sie es nicht. Emma ging barfuß hindurch, den Morgenmantel eng umschlossen, und Charlottes Stimme hallte noch immer in ihren Gedanken wider. Sag es ihm nicht. Noch nicht. Die Worte hingen wie Rauch in der Luft. Helena wartete bereits im Arbeitszimmer – die Haare hochgesteckt, die Augen unter Schatten, eine dampfende Tasse Kaffee unberührt neben den Akten, die sie mitgebracht hatte. Sie sah aus, als hätte sie nicht geschlafen, obwohl sie es nie zugeben würde. „Du hättest nicht so früh k

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