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DER WOLF-CODE

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Blurb

Die siebzehnjährige Vera Damascus war schon immer zurückhaltend, ruhig und völlig normal – zumindest dachte sie das. Seit sie denken kann, wird sie in ihren Träumen von einer mysteriösen Frau heimgesucht, die ihr sowohl in menschlicher Gestalt als auch als Wolf mit blutroten Augen erscheint. Doch als Vera am Tag einer wichtigen Schularbeit von plötzlichem, glühendem Fieber übermannt wird, brechen ihre schlummernden übernatürlichen Kräfte auf gefährliche Weise hervor: Ihre Sinne schärfen sich drastisch und ihre Augen beginnen wie Feuer zu lodern.

Mit der Hilfe ihrer geheimnisvollen Mitschülerin Sarah – die deutlich mehr über diese verborgene Welt weiß, als sie zugibt – erfährt Vera die schockierende Wahrheit: Sie ist kein Mensch. Sie ist die auserwählte Beta-Luna, eine mächtige Werwölfin, die dazu bestimmt ist, ihre Art zu beschützen.

Doch ihr Schicksal fordert einen tödlichen Preis. Der geheimnisvolle Geist aus ihren Visionen, Alle Carson, erteilt ihr einen düsteren Befehl: Vera muss den gefährlichen Alpha des Rudels aufspüren und töten, bevor er alle ins Verderben stürzt. Gefangen zwischen dem normalen Alltag einer Highschool-Schülerin und einer gefährlichen übernatürlichen Berufung muss Vera die Geheimnisse ihrer Vergangenheit entschlüsseln – bevor die Macht, die in ihr erwacht, sie für immer verändert.

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Flammen in den Augen
„Geht es dir gut, Liebling?“, fragte Frau Damascus besorgt, während sie mit ihrer linken Hand sanft über Veras feuchte Schläfe strich. Sie beugte sich weit über das Gesicht ihrer Tochter, um deren Temperatur zu spüren. Der Körper des jungen Mädchens glühte förmlich, und ihr Herzschlag hämmerte so rasend schnell, dass ihre Atmung kaum noch hinterherkam. Frau Damascus zog die Augenbrauen hoch und wartete auf ein Zeichen. Vera war wach, obwohl sie die Augen fest geschlossen hielt. „Mama?“, murmelte Vera schließlich. Sie schob die Hand ihrer Mutter beiseite und richtete sich schwungvoll auf. Ein stechender Schmerz fuhr ihr durch den Kopf. Sie hatte die Frage ihrer Mutter genau gehört, fragte sich jedoch verzweifelt, ob sie die Wahrheit sagen sollte. Sie hatte schon wieder diese unheimliche Vision gehabt. Ihre Hände fühlten sich eiskalt an. Vera schob die Bettdecke zur Seite, stand auf und ging zum Waschbecken im angrenzenden Badezimmer. „Mir geht es gut, Mama. Es ist wirklich nur ein einfaches Fieber.“ „Das sind mindestens 39,5 Grad, Vera Damascus. Das sieht überhaupt nicht gut aus. Ich muss unbedingt noch ein paar Tests machen, um sicherzugehen, dass mit dir alles in Ordnung ist, Liebling.“ Frau Damascus folgte ihr aufmerksam in den Raum und beobachtete, wie Vera nach ihrer Zahnbürste griff. „Wir können doch einfach-“ „Mama!“, schrie Vera plötzlich los. Frau Damascus hielt mitten im Satz inne. Sie hatte nicht geahnt, dass ihre Tochter überhaupt in der Lage war, so laut zu schreien. Vera war sonst immer ein überaus sanftes und ruhiges Mädchen gewesen. Selbst wenn man sie an ihre absoluten Grenzen brachte, hatte sie ihren Ärger nie offen gezeigt. Doch dieses Mal klang ihre Stimme völlig verändert, fast schon unmenschlich, rauchig und grollend. Was ging nur mit ihrem Mädchen vor? Oder war es etwa nur ihre eigene Einbildung? „Ich habe dir doch gesagt, es ist nur Fieber, mir wird es schon ganz schnell wieder gut gehen. Ich muss jetzt einfach zur Schule. Wir schreiben heute eine wichtige Arbeit“, redete Vera hastig und völlig durcheinander auf sie ein. Sie wandte sich um und blickte ihre Mutter an, die noch immer wie betäubt dastand. „Ich brauche jetzt einfach etwas Abstand, Mama.“ Dann drehte sie ihrer Mutter wieder den Rücken zu und starrte intensiv in den Wandspiegel über dem Waschbecken. „Okay“, formte Frau Damascus lautlos mit den Lippen und machte Anstalten, leise wegzugehen. Vera ballte die Fäuste, als sie die kalte Antwort und die fast geräuschlosen Schritte hörte. Sie wusste sofort, wie sehr ihre schroffe Reaktion ihre Mutter verletzt haben musste. Reuevoll eilte das Mädchen zu ihr, bevor Frau Damascus den Raum verlassen konnte. „Es tut mir leid, Mama. Das starke Fieber macht mich einfach ganz wirr im Kopf.“ Vera nahm die Hand ihrer Mutter und führte sie erneut zu ihrer Stirn. „Siehst du? Die Hitze geht schon wieder zurück.“ Frau Damascus seufzte tief und zwang sich zu einem liebevollen Lächeln. „Na gut, dann gehe ich jetzt nach unten und mache das Frühstück. Komm bitte bald nach.“ Mit diesen Worten ging sie hinaus und schloss die Tür leise hinter sich. Vera ging zurück zu ihrem Bett und ließ sich schwer darauf fallen. Sie hielt sich die schmerzende Stirn und stöhnte leise vor sich hin. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment in zwei Hälften platzen. Die unheimliche Szene aus ihrem Traum spielte sich vor ihrem inneren Auge erneut ab. „Du darfst ihn auf keinen Fall verfehlen. Er ist extrem gefährlich. Er hat es nicht verdient, hier bei uns zu bleiben... Er wird unglaublichen Schmerz verursachen...“ Die Tonlage dieser mysteriösen Stimme lag seltsam zwischen einer rauen Männerstimme und einem schrillen Frauenschrei. „Mein Name ist... Alle Carson“, hatte die Frau gesagt. Vera hatte ihre allererste Vision gehabt, als sie erst drei Jahre alt gewesen war. Damals war die Frau als ein gewaltiger Wolf erschienen, mit blutroten Augen und scharfen Krallen. Vera hatte laut geschrien und nach ihren Pflegeeltern gerufen, doch diese waren nirgendwo zu sehen gewesen. Sie hatte sich erst beruhigt, als das mächtige Tier sich ihr vorsichtig genähert hatte. Die kleine Vera hatte sogar gekichert, als das Geschöpf seine Pfoten ausstreckte und sie sanft am Bauch kitzelte. Vera hatte keine Angst mehr gehabt. Sie hatte sich fasziniert und friedlich gefühlt. Das kleine Mädchen war an das Tier herangetreten und hatte dessen Gesicht berührt. „Mein Schatz, ich bin Alle Carson, deine wahre Mutter. Ich werde immer tief in dir sein, um dich zu leiten.“ Vera war damals natürlich viel zu jung gewesen, um all das zu verstehen. Als sie damals aus dem Traum aufgewacht war, hatte sie versucht, ihren Pflegeeltern davon zu erzählen, doch diese hatten die Geschichte lachend abgetan. Ihr Vater hatte gesagt: „Das war nur ein kleiner Albtraum, Mein Schatz. Das haben wir alle von Zeit zu Zeit.“ Doch Vera hatte Alle seit diesem Tag fast jede Woche gesehen. Die Frau erschien mal als gespenstischer Wolf, mal in menschlicher Gestalt. In der vergangenen Nacht hatte Alle jedoch viel länger als sonst mit ihr gesprochen. „Du musst ihn töten. Den Alpha.“ „Wie soll ich diesen... Alpha überhaupt erkennen? Ich habe noch nie einem Lebewesen das Leben genommen. Das wird keineswegs leicht sein.“ „Du bist nicht ohne Grund eine Luna. Er wird kommen, und wenn er da ist, musst du bereit sein. Der Stab ist auf dich gefallen, Kind. Du darfst nicht versagen!“ Und dann war die Stimme abrupt im Nichts verhallt. Vera hatte noch so viele Fragen gehabt. „Hallo? Bist du noch da?“ Sie war näher an den abfallenden Hügel herangetreten, von dem die Stimme gekommen war. Nur das raue Krächzen von Krähen hatte die Stille erfüllt. „Wie finde ich den Jungen, und warum muss ich ihn überhaupt töten?“ Aber die Stimme war für immer verschwunden gewesen. Vera war noch verwirrter aufgewacht als sonst. Die Frau hatte gesagt, dass sie eine Luna sei. Vera musste unbedingt verstehen, was das bedeutete. Sie stand auf, zog ihren Stuhl heran und klappte ihren Laptop auf. Mit zitternden Fingern tippte sie den Begriff „Luna Wolf“ in die Suchleiste ein. ...Dies ist die Bezeichnung für das mächtige Alpha-Weibchen innerhalb eines Wolfsrudels. Es bildet das direkte Gegenstück zum Alpha-Männchen... Vera beugte sich näher an den Bildschirm heran. Zahlreiche Bilder von Wölfen erschienen. Einer der Wölfe hatte Augen, die exakt so leuchteten wie die von Alle Carson. Sie scrollte weiter und hielt auf einer Seite an, die das Bild eines strahlenden Vollmonds zeigte. Ein Eisschauer lief ihr über den Rücken. Panisch klappte sie den Laptop zu. „Vera, komm jetzt runter! Du kommst sonst noch zu spät!“, rief ihre Mutter von unten. Das Wetter draußen war kühl und windig. Veras Kopf pochte unaufhörlich. Die warnenden Worte von Alle Carson hallten pausenlos in ihrem Kopf wider. „Hey, V!“, rief eine vertraute Stimme. Es war ihre Freundin Sarah. „Du siehst ja furchtbar aus! Wie der wandelnde Tod!“ Vera griff in ihre Schultasche und zog einen Zettel mit ihren Notizen heraus, den sie Sarah stumm reichte. „Luna?“, fragte Sarah stirnrunzelnd. Sie überflog die Zeilen und sah Vera dann ernst an. „Du hast wieder diese Sachen recherchiert, nicht wahr?“ „Ich habe sie letzte Nacht wieder gesehen“, flüsterte Vera leise. „Sie hat mir gesagt, dass ich jemanden töten muss.“ Sarahs Miene wandelte sich schlagartig. „V, wir dürfen hier draußen nicht darüber sprechen. Lass uns das nach dem Unterricht klären. Du machst dich sonst nur selbst verrückt.“ Sie erreichten das Schulgebäude der BeTusar High School. Auf den Gängen herrschte großes Gedränge. Obwohl es kühl war, standen Vera Angstschweißperlen auf der Stirn. Sarah zog Vera sanft in eine ruhige Ecke des Flurs. „Es ist die Warnung in dir. Du reagierst körperlich darauf. Du musst versuchen, ruhig zu bleiben.“ „Ich bin kein normaler Mensch, oder Sarah?“, fragte Vera mit brüchiger Stimme. „Du bist die Beta-Luna, Vera. Das ist es, was die Frau versucht hat, dir verständlich zu machen. Es ist eine große Ehre, aber auch eine riesige Verantwortung. Du bist auserwählt, um für uns alle zu kämpfen.“ Während Sarah sprach, verfärbten sich ihre Pupillen für einen kurzen Augenblick in einem leuchtenden, magischen Goldgelb. Es sah aus, als würden kleine Flammen in ihren Augen tanzen. Vera wurde augenblicklich schwindelig und sie taumelte zur Seite. Sarah fing sie geschickt ab. „Alles gut, ich halte dich. Deine eigenen Augen glühen übrigens gerade auch.“ Die Schulglocke schrillte laut durch das Gebäude. Der Unterricht begann. Im Klassenzimmer setzte sich Vera benommen an ihren Platz. Plötzlich hörte sie eine Stimme glasklar direkt neben ihrem Ohr, obwohl niemand bei ihr stand: „Sie wird am Ende noch die ganze Schule verwirren.“ Vera blickte erschrocken aus dem Fenster. Draußen unter einem weit entfernten Baum sah sie die Person, zu der diese Stimme gehörte. Wie konnte sie das auf diese Distanz hören? Ihre Sicht begann verschwommen und doppelt zu werden. Sarah bemerkte Veras Hilflosigkeit sofort. Sie stand auf, wechselte rasch den Sitzplatz und setzte sich direkt neben Vera. Beutsam legte sie ihre Hand über Veras Augen. „Pst... deine Augen verändern schon wieder die Farbe. Du musst dich unbedingt beruhigen.“ Vera atmete tief ein und aus, um ihr rasendes Herz zu zähmen. Sie hatte das Gefühl, gleich den Verstand zu verlieren. „Frau Benson?“, rief Sarah laut durch den Raum. „Vera geht es überhaupt nicht gut. Sie hat hohes Fieber und schreckliche Schmerzen. Ich muss sie sofort nach Hause bringen.“ Die Lehrerin blickte besorgt auf. „Ist es wirklich so schlimm?“ „Ja, es könnte die Grippe sein. Sie braucht dringend Ruhe“, drängte Sarah bestimmt. Sie stützte Vera vorsichtig, half ihr beim Aufstehen und führte sie langsam aus dem Klassenzimmer. Draußen auf dem ruhigen Flur atmete Vera tief die kühle Luft ein. „Danke Sarah. Ich kann jetzt wieder alleine gehen.“ „Bist du dir sicher?“, fragte Sarah mit einem leichten Lächeln und legte schützend ihren Arm um Veras Schulter. „Deine Augen haben zwar wieder ihre normale Farbe angenommen, aber deine Pflegeeltern müssen jetzt erfahren, was mit dir passiert. Du kannst das nicht mehr länger alleine durchstehen.“ Gemeinsam verließen die beiden Mädchen das Schulgebäude und machten sich auf den Heimweg. Vera wusste tief in ihrem Inneren, dass sich ihr Leben ab heute für immer verändern würde.

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