KAPITEL1: DER GERUCH
Der Berg hatte diesen komischen Vibe. Ich konnte es nicht richtig erklaeren, als wuerde er meine Anwesenheit hassen und wollte nicht, dass ich da bin. Der Schnee hammerte auf den Berg und machte alles noch schlimmer.
Elara Ward, Wolf Feld Forscherin, war hier draussen um das Stone Ridge Rudel zu erforschen, ein seltsames Wolfsrudel, von dem man sagt, es lebt seit hunderten Jahren auf diesem Berg. Das Einzige was man wusste, sie waren ungewöhnlich huger als normale Woelfe. Die Locals erzaehlten komische Geschichten ueber sie, aber sie lachte es weg. Sie glaubte an Forschung und Wissenschaft, nicht an Maerchen.
Seit etwa vier Tagen jetzt trackte sie das Rudel. Ihr Thesis Betreuer hatte sie besessen genannt. Ihre Mutter hatte sie suizidal genannt, weil sie das hier machte statt auf die Blind Dates zu gehen die sie organisierte.
Der Wind schnitt durch ihre Thermo Jacke wie ein ungezähmter Tsunami waehrend sie neben ihrem Zelt hockte und ihre Trailcam checkte. Verschwommener Hirsch. Ein Baer. Und dann, 02:17 Uhr, eine Form zu groß, zu aufrecht um ein Wolf zu sein.
Sie runzelte die Stirn und zoomte rein. Koennte es der... Sie beendete den Satz nicht.
Weil wie ein Blitz aus heiterem Himmel wurde die Kamera aus ihren Haenden gerissen.
Eine Sekunde war sie allein mit ihrer Kamera, in der naechsten war sie in den Haenden eines verdammt gutaussehenden Fremden.
"Menschliche Technik gehoert nicht hierher."
Seine Stimme war tief, rau vom Nichtbenutzen. Er war groß, laecherlich groß, mit schwarzen Haaren nass vom Schnee und Augen die das Licht falsch fingen. Gold, nicht braun. Eine Narbe schnitt durch seine linke Augenbraue. Er trug nur ein schwarzes Shirt bei Wetter das ihn haette toeten muessen, und er zitterte nicht.
Elara krabbelte auf ihre Fuesse und griff nach dem Baerenspray in ihrer Tasche.
"Gib das zurueck. Du bist auf einem Forschungsgebiet."
Er sah amuesiert aus, aber es erreichte nicht diese komischen Augen von ihm.
"Koennte ich dasselbe ueber dich sagen. Das ist mein Berg. Du bist die Eindringlingin. Geh jetzt solange ich dir Gnade zeige."
Er warf die Kamera in den Schnee und zerquetschte sie unter seinem stabilen Fuß.
"Hey!" Sie schubste ihn. Oder versuchte es. Es war wie einen Felsen schubsen. Er bewegte sich keinen Millimeter. Er schaute runter wo sie ihn geschubst hatte, wollte fast kichern, aber dann...
Der Wind drehte.
Und alles aenderte sich.
Seine Nasenfluegel bebten. Das Gold in seinen Augen lief aus, ersetzt durch was Helleres, Wilderes. Ein tiefer Laut riss aus seiner Brust, nicht ganz menschlich. Sein ganzer Koerper wurde starr.
Elara machte einen kalkulierten Schritt rueckwaerts. Das Baerenspray war ploetzlich Kappe ab.
"Was? Was stimmt nicht mit dir?" sagte sie mit zittrigem Atem.
Die Belustigung war verschwunden, ersetzt durch Verwirrung. Er atmete wie ein schneller Hund.
"Nein," fluesterte er, Furcht in der Stimme, fast als ob etwas passiert waere das niemals haette passieren duerfen. "Nein, du kannst nicht sein."
Der Wald wurde totenstill. Elaras Herz hammerte so laut sie war sicher er konnte es hoeren.
Dann bewegte er sich. Zu schnell. Eine Sekunde zwei Fuß weg, naechste Sekunde seine Hand um ihr Handgelenk, nicht fest genug um weh zu tun, aber fest genug dass sie wusste sie kommt nicht los.
Die Beruehrung brannte.
"Wie heißt du?" bruellte er.
"Elara! Lass mich jetzt los, du Psycho..."
Sie haette verängstigt sein muessen. War sie, aber drunter war was anderes. Die Stelle wo er sie beruehrte fuehlte sich warm an, richtig. Als waere sie ihr ganzes Leben kalt gewesen und haette es nicht gewusst.
Genau dann erschien noch ein verdammt gutaussehender Mann aus dem Gebuesch. Statt einem Berg voller Woelfe, ist das hier ein Berg voller gutaussehender Maenner, dachte Elara.
"Kael, alles gut?" sagte er verwirrt.
"Jax," antwortete Kael.
Jax wollte was sagen aber dann schnueffelte er.
"Oh, Mond hilf uns," atmete Jax als seine Augen auf Elara landeten.
Elara riss ihre Hand zurueck. "Fasst mich nicht an! Ihr beide muessst jetzt sofort zurueck, ich habe..."
"Jax. Nicht," warnte Kael, und seine Stimme war nicht mehr menschlich. Es war ein Alpha Befehl, roh und zitternd.
Jax ignorierte ihn, starrte Elara mit Horror an. "Kael Stone. Sag mir dass das nicht ist was ich denke."
Verwirrung wurde langsam zu Wut auf Elaras Gesicht. "Was stimmt nicht mit euch Leuten? Ist das so ein komisches Sekten Ding? Bleibt weg von mir."
Elara traf genau da und dann eine Entscheidung. Sie wuerde nicht auf einem Berg fuer eine Thesis sterben.
Sie rannte los.
Sie schaffte zwei Schritte bevor Kael sie erwischte, ein Arm um ihre Taille, zog sie zurueck gegen seine Brust.
"Renn nicht," fluesterte er gegen ihr Haar, und fuer eine Sekunde schien was an seiner Stimme sie zu beruhigen.
"Kael," sagte Jax langsam, wie als wuerde er eine Bombe entschaerfen. "Bruder. Bitte sag mir du hast nicht gerade deine Mate gefunden."
Das Wort fiel wie ein Stein in Schnee.
Mate.
Elara fror ein.
"Sie ist meine Mate. Der Mond hat sie als meine Mate gewaehlt sobald sie mich beruehrte."
Elara lachte. "Dein was? Ihr Spinner seid doch high."
Jax Gesicht wurde kreidebleich. Ein Mensch als Alpha Mate war absurd, noch nie davon gehoert.
"Du wurdest mit 18 Alpha und hast zehn ganze Jahre gewartet dass der Mond dir eine Luna gibt, und er gibt dir einen Menschen?" sagte Jax, unfähig es zu verarbeiten. "Kael. Das Rudel hat fuer dich gefastet."
"Halt den Mund," knurrte Kael.
"Wenn das rauskommt werden wir zum Witz," zischte Jax, ließ seine Stimme fallen damit Elara es nicht hoert, aber sie hoerte es trotzdem. "Und Darius, er wird..."
"Ich weiß was Darius tun wird!"
Ein Heulen schnitt ihren Streit ab. Lang, tief, fragend aus dem Tal unten. Dann noch eins. Und noch eins. Das Rudel hatte den Stress ihres Alphas gerochen.
Sie kamen.
Kael drehte sich zu ihr und, zum ersten Mal, schaute er wirklich ihr Gesicht an. Verängstigt, ja, aber nicht bettelnd. Sie hielt immer noch dieses nutzlose Baerenspray als wuerde es was gegen zwei Woelfe bringen.
"Elara," sagte er in einer waermeren Stimme als vorher. "Du musst mit mir kommen. Jetzt. Wenn du hier bleibst, wirst du sterben."
"Ich gehe nirgendwo mit dir hin! Du bist irre!"
Er seufzte. "Ich weiß, aber bis ich mehr ueber unser Paarungsritual rausfinde muss ich dich von meinem Rudel fernhalten. Sie koennen dich nicht anfassen ohne mich herauszufordern, und niemand hier ist dumm genug das zu versuchen."
"Außer Darius," murmelte Jax.
Kael hielt seine Hand hin wie ein Prinz der um einen Tanz mit seiner Prinzessin bittet.
"Ich bin Kael Stone. Das ist das Land meines Rudels. Du bist Elara Ward, und irgendwie, irgendwie, bist du meine Mate. Lass mich dich in Sicherheit bringen bevor dich jemand sieht, besonders meine Mutter. Sie wird dich entweder als Hexe verbrennen oder ans Rudel verfuettern. Sie ist sehr traditionell."
Trotz Angst ließ Elara ein Lachen raus, froh zu wissen sie ist nicht die Einzige mit Mommy Issues. "Das ist nicht lustig," sagte sie, auch nachdem sie es lustig fand.
"War nicht so gemeint. Meine Mutter ist furchterregend."
Sie starrte auf seine Hand. Hinter ihm kreisten dunkle Formen naeher. Das Baerenspray zitterte in ihrem Griff.
Sie nahm seine Hand nicht. Sie packte die Vorderseite seines Shirts stattdessen, ballte den Stoff.
"Wenn du irgendwas versuchst, sprueh ich dich an. Ist mir egal ob du in einer Sekte bist."
Zwischen dem was auch immer hinter den Baeumen kam und dem irren Sekten Jungen waehlte sie die logischste Antwort, oder zumindest redete sie sich das ein.
So eine Erleichterung floss ueber Kael. Er deckte ihre kleine, frierende Faust mit seiner eigenen riesigen, warmen ab.
"Verstanden."
Er hob sie in einer Bewegung hoch, Zelt, Rucksack und alles, und fing an den Berg runter zu gehen, waehrend Jax hinter ihnen fluchte und ihre Spuren verwischte.
Halb unten vergrub Elara ihr Gesicht an seiner Schulter und fluesterte, "Was meinst du wenn du sagst ich bin deine Mate?"
Kael schloss die Augen. Er konnte schon Elder Rhys Stimme in seinem Kopf hoeren: Eine menschliche Luna wird unser Ende sein.
Er hielt sie fester.
"Es bedeutet," sagte er leise, "ich muss jetzt waehlen zwischen dem Thron fuer den ich geboren wurde, und der Frau fuer die ich geboren wurde. Und ich weiß schon welche ich waehlen werde."
Am Rand von Stone Hollow wartete das ganze Rudel im Schnee.
Elder Rhys stand ganz vorne. Und neben ihm, laechelnd wie ein Wolf dem gerade eine Krone gereicht wurde, war Darius.