Der Fuchs

1201 Words
The cunning of the fox is as murderous as the violence of the wolf. Thomas Paine Es war früh am Morgen als ich aufstand. Die Sonne ist gerade aufgegangen und man hörte den Hahn singen. Ich gähnte, als ich an die frische Märzluft herauskam. Der Frühling fing schon an, aber es ist immer noch kalt als das die bunten Blumen auch aufwachen. Heute war Markttag in Ghrian, meinem Dorf. Mein Vater und ich werden mit unseren Gemüse und Obst daran teilnehmen. Wir haben so beinahe wie jeder Einwohner hier, ein Obst-und Getreidefeld. Ganz besonders mag ich unsere Äpfelbäume, die im Sommer so richtig rot werden und lecker schmecken. ,,Elara! Komm hilf mir mit diesen Sturrkopf hier!'' Mein Vater machte sich mit unserer Stute Sophie zu schaffen, die nicht von der Stelle wich, egal wie stark er auch an ihr zog. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und half ihm sie zu überzeugen mitzukommen. ,,So! Du bist das erste Mal seit Wochen etwas früher aufgestanden. Sonst schläfst du bis zum Mittag. Ich weiss nicht was du in der Nacht machst, schlafen oder einer dieser Bücher lesen.'' Er warf mir einen strengen Blick zu und setzte sich schliesslich auf Sophie. ,,Und jetzt spring rein, wir haben keine Zeit mehr! Bald wird alles voll sein und wir werden keinen Platz mehr finden!'' Er trabte schon los und ich konnte mich in letzter Sekunde an den Rand der Karre festhalten und aufschwingen. Ich setzte mich zwischen all den Körben mit Gemüse und Obstarten hin und schaute wie die Umgebung an uns vorbeifuhr. Bis zum Marktplatz brauchte es nicht lange, er lag genau im Zentrum wo auch der grosse Springbrunnen stand. Ich hatte für zwei Wochen schulfrei, jeden zweiten Monat war es so, weil alle etwas arbeiten mussten. Ob auf dem Feld helfen, im eigenen Haus kochen oder in einem Geschäft angestellt sind, wichtig ist nur das sie etwas verdienen. Ich selber half meinem Vater manchmal bei der Ernte und in der Dorfbibliothek, wo ich mich als einzige gemeldet hab. Ist ja auch kein Wunder, aber die Geschichte wisst ihr schon. Alle Bewohner, denen wir über den Weg fuhren, wünschten uns einen schönen Morgen. Mein Vater nickte nur und achtete auf sein Ziel. Ich lächelte ihnen zu oder winkte zurück. Höflichkeit und Zuvorkommenheit war für mich schon immer am Wichtigsten gewesen, anders als mein schlecht gelaunter Vater. Wir erreichten den Marktplatz, wo so einiges schon im Gange war. Man konnte sich gerade noch vorbei an den Menschenchaos durchzwängen. Wir gingen zu unseren normalen Platz hin, wo wir den Stand aufbauen, neben den gleichen Leuten wie jede Woche. Als wir es geschafft haben all die Körbe hinzustellen und die sturköpfige Sophie zu den anderen Tieren zu bringen und zu binden, verkaufte mein Vater schon eine handvoll Kartoffeln. Ich streichelte Sophies Mähne noch bevor ich mich in der hinteren Ecke des Standes setzte. Natürlich habe ich ein Buch dabei, ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht mitgenommen hätte.Gerade als ich ein Kapitel anfangen wollte zu lesen, merkte ich, das mein Vater mit unserem Nachbarn, der auch unser Verkaufsnachbar war, in einem Gespräch verwickelt war. Ich wollte schon rausfinden über was sie reden, als ich irgendetwas merkwürdig rotes an unserem Stand stehen sah. Ich stand auf um es mir genauer anzusehen, als es plötzlich einer unserer Hühnerkeulen nahm und sich schnell auf den Weg machen wollte, doch ein Esel reitete in dem Moment vorbei und der Dieb war steckengeblieben. Erst da erkannte ich das es ein roter Fuchs war, er wollte schon losgehen, als er meinen Blick einfing und mich mit seinen braunen Augen musterte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er wollte das ich ihm folgte, aber das konnte nicht sein, er wollte nur diese Keule haben. In meinen Gedanken verloren, war er schon losgerannt, ich schreckte auf und fing an ihm zwischen den ganzen Leuten ausfindig zu machen. ,,He! Bleib stehen das ist unseres, du Dieb!'', schrie ich ihm nach, aber es half nichts und er erhöhte seine Geschwindigkeit und flitzte flink zwischen den Menschen hindurch. Ich konnte gerade noch mithalten, als wir zu einem Viertel kamen, wo nicht so viele Leute waren und es so leichter ihm hinterher zu jagen. Der Fuchs schnellte ans Ende des Dorfes, wo sich der Wald schon erstreckte. Ich wollte schon aufgeben, aber der Dieb verlangsamte jetzt sein Tempo und schlenderte gelassen mit der Beute im Maul, in den Wald hinein. Bevor er in die Tiefe des Labyrinths verschwand, warf er mir noch einen letzten Blick zu und in seinen Augen zeigte sich Stolz über seinen Gewinn. Das wünschte er sich wohl. Ich holte noch einmal tief Luft und lief los. Der Fuchs wirkte nicht überrascht, es wirkte als hätte er nur darauf gewartet. Also fing die Verfolgung von vorne an. Wir rannten durch einen Gewirr von Bäumen, es kam mir wie eine Ewigkeit vor und ich hatte schon einen Seitenstich. Ich bin nicht die sportlichste sollte man wissen. Schliesslich hielt er an, als wir vor einem riesigen Dornengebüsch standen. Er warf mir einen letzten Blick zu und ging schliesslich durch das Gestrüpp. Ich seufzte laut und fuhr mir durch meine schweissüberströmte Stirn. Ich fragte mich wohin er mich führte, aber ich hatte das Gefühl das Ziel lag hinter diesen Dornen. Also nahm ich meinen Mut zusammen und lief in das Monstrum rein. Schon nach wenigen Schritten stach es mich überall, besonders an meinen Armen, mein blaues Kleid ging nur bis zu meinen Ellenbogen. Ich hatte schon über hunderte Kratzer, als ich das Ende sah. Erleichtert rieb ich mir meine Arme als ich draussen war und schaute mich gleichzeitig verwundert nach dem Fuchs um. Aber ich endeckte keinen roten Pelz, dafür hörte ich Stimmen. Es hörte sich an als wären mehrere Menschen hier, den jemand schrie wütend umher, andere tuschelten leiser oder..waren das vielleicht Befehle? Ich ging zwischen ein paar Bäumen hindurch bis ich eine Lichtung weiter unten erkannte, ein kleines Tal so könnte man sagen, als ich sah woher die Stimmen kamen, blieb mir der Mund offen stehen. Das da unten war ein ganzes Lager voller Narnianer. Rote Zelte waren aufgestellt, rote Fahnen mit einem goldenen Löwen wehten im Wind, Zentauren, Zwerge, Faune, Menschen in Rüstungen mit Schwert und Pferd. Alle gingen raus oder rein in die Zelte, unterhielten sich und da sah ich etwas abseits einen Trainingsfeld, wo auch die Rufe herkamen. Man hörte das Aufprallen der Schwerter mit denen die Soldaten gegen einander kämpften, Männer schrien Befehle und feuerten für ihren Favoriten. Ich erwachte aus der Starre und versteckte mich schnell hinter einem Brombeerengebüsch, damit mich niemand entdeckte. Schliesslich war ich hier auf einer privaten Ebene und das war garantiert ein Kriegslager. Gerade als ich mir überlegte umzudrehen und zu meinem, sicher schon besorgten und aufgebrachten, Vater zurück zu gehen, wurde ich von zwei starken Armen hinten gepackt und festgehalten. ,,Was machst du hier, Mädchen?'' Als er mich umdrehte, sah ich einen Minotaurus direkt in die Augen. ,,Ich...'', ich kriegte schon keinen Satz zu Ende und wurde von ihm ins Lager geführt. ,,Das erklärst du dem König besser selber'', sagte er und zog mich grob weiter. Die Panik stieg aufeinmal in mir auf, während mich der Rüppel weiter zum Lager zerrte. Ich sass in der Falle.
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