Die Aussenseiterin
The one who follows the crowd usually goes no further than the crowd.
Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been.
Albert Einstein
Manche Geschichten fangen damit an, dass man irgendwo alleine sitzt und den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang betrachtet, nicht wahr? Bei mir ist es etwas anders. Ich sitze schon unter einem Baum, aber mit einem Buch in der Hand. Menschen laufen meist an mir vorbei und starren mich komisch an und denken sich: ,,Wie kann sie nur die ganze Zeit lesen?'' ,,Armes Mädchen, sie ist ganz allein.'' oder auch: ,,Hat sie keine Freunde?'' Das sind so die typischen Gedanken, die die anderen von mir haben. Ich habe mich aber längst daran gewöhnt. Ich mag es mehr für mich zu sein, einfach mit einem Buch. Wenn ich lese tauche ich in eine andere Welt unter, weit weg von hier, weg von meinen Problemen und meiner Einsamkeit. Während es für andere so aussieht als würde ich lesen, bin ich in einem Abenteuer. Mein Vater beschwert sich oft vor mir, dass ich meine Nase immer in einem Buche habe, anstatt das ich mir Freunde mache. Aber mit wem? Ich kenne jedes Kind in diesem Dorf, weil ich mit ihnen in die Schule gehe und glaubt mir, sie sind einfach nicht die Sorte Leute mit denen ich mich anfreunden würde. Nach der Schule ist das erste was sie machen, auf die Wiese rennen und irgendwelche Mutproben machen. Zum Beispiel: Du musst diesem Händler vom Obststand einen Apfel klauen, ohne das er es merkt, sonst bist du feige! Dazu nerven sie die Nachbarn zu Tode, spielen im Schlamm wie Kleinkinder und klauen halt Dinge. Kindisch. Ich werde an meiner Schule und generell zwischen den Leuten, als Aussenseiterin bezeichnet.
Ich bin Einzelkind. Da sind nur mein Vater und meine Mutter, die hart arbeiten, um genug zu verdienen. Wir führen immerhin ein besseres Leben als früher, zur Zeit wo König Miraz herrschte. Es war eine grauenvolle Zeit, aber dank den Narniern sind wir frei. Prinz Kaspian der 10. ist dafür jetzt auf den Thron und Telmar bildet sich langsam zum alten Narnia zurück. Ich selber war von den Geschichten bezaubert: All die schönen Geschöpfe in den Wäldern und erst die sprechenden Tiere. Niemand wollte zuerst an einen solchen Märchen Quatsch glauben: Fabelwesen wie Faune, Zentauren, Minotaure, Einhörner und gar sprechende Tiere, die von vier Kindern aus einer ganz anderen Welt regiert worden waren. Ein Löwe, der ein ganzes Land mit nur seinem Brüllen erschaffen hatte, wäre unmöglich. Mich dagegen interessierte schon immer der grosse Löwe, der wahre König von Narnia. Aslan, dieser merkwürdige Name blieb mir seit der ersten Seite vom Buch, im Kopf. Für die Narnier ist er der oberste göttliche Herrscher und jetzt auch für uns, obwohl meine Eltern es noch nicht akzeptieren wollen. Aslan hat selber den Prinzen zum König ernannt und blieb auch zum Abschied der verschollenen Geschwister. Nach eintausend Jahren sind auch die alten Könige und Königinnen aufgetaucht und haben Narnia zum Sieg verholfen. Jedenfalls habe ich das alles so gehört. Ich weiss nicht, was in dieser Schlacht alles geschehen ist, das wissen nur die, die dabei gewesen waren. Was ich aber wusste, an was ich glaubte, war, das sie gewinnen würden und diesem grauenvollen Zeitalter, endlich, ein Ende setzen würden. Ich hoffe nur, dass aus dieser grossen Wendung der Geschichte, ein Buch zusammen gefasst wird, das ich auch eines Tages lesen werde.