Arya POV
Piep, piep, piep. Nervte mein Wecker. Mit einer Handbewegung war er vom Nachttisch gefegt und lag auf dem Boden. Missmutig drehte ich mich in meinem Bett. Heute war Montag. Ich musste zur Schule.Laut seufzte ich, ehe ich meine Decke über meinen Kopf zog. Ich hasse dieses Theater. Jeden Morgen früh aufstehen. Mehrere Stunden sinnloses Geschwätz über sich ergehen lassen. Ächtz. Nur meine Freunde waren der Lichtblick der Schultage. Hätte ich welche hier. Aber nein, mein Vater musste ja unbedingt wegen seinem Job umziehen und so musste ich ab heute auf eine neue Schule. Was für ein Scheiß. Langsam quälte ich mich aus meiner Decke und stand auf. Ich schlürfte zu meinem Bad und schaute in den Spiegel. Meine Haare standen in alle Richtungen ab. So wie immer. Ich sah aus wie ein explodierter Wellensittich. Immer noch müde durchlief ich meine Morgenroutine. Zähne putzen, anziehen. Wieder in den Spiegel schauen und meine Haare bändigen. Schminken tat ich mich nie. Das war mir zu anstrengend. Und ich wollte und konnte nicht früher aufstehen. Nur ab und zu benutzte ich etwas Concieler um meine Augenringe zu tuschieren. Ich ging nach unten wo mein Vater und mein kleiner Bruder Alan schon am Tisch saßen."Morgen Arya", begrüßte mich meine Vater. "Bereit für den ersten Schultag?" Ich brummte. Ich war ein kompletter Morgenmuffel. Wie er. Doch sobald er seinen Kaffee hatte, konnte der Tag kommen. Bei mir würde nicht mal Kaffee helfen. Außerdem mochte ich ihn nicht einmal. Mein Bruder, genauso ein Sonnenschein wie unsere Mutter es war, schmierte sich grinsend sein Brot und hampelte herum. Ich war mir sicher er war hyperaktiv. Kopfschüttelnd nahm ich mir einen Apfel. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass in 10 min der Bus kommt. Scheiße! "Alan wir müssen los", sagte ich. Er schaute zur Uhr. Dann fing auch er an zu fluchen. Wie zwei kopflose Hühner rannten wir durch die Gegend. Schnell stopfte ich mein Zeug zusammen. Unten angekommen stieß ich zu Alan, der schon an der Tür stand."Beeil dich Arya!", trieb er mich an."Hetz mich nicht so. Ich bin gleich fertig", gab ich patzig zurück. Ich rief noch ein Tschüss ins Haus und schon rannten wir los. Wir haben gerade noch so den Bus gekriegt und waren jetzt auf dem Weg zu unseren neuen Schule. Alan rutsche auf dem Sitz hin und her. Ich schaute ihn fragend an. Ja er war hibbelig, aber auch nervös."Was ist", fragte ich ihn. Verwundert schaute er mich an."Nichts", sagte er nach kurzem Zögern. Ich seufzte auf. "Ist es wegen der neuen Schule?", fragte ich weiter. Er wurde still. Langsam nickte er."Hast du Angst?" Schnell schüttelte er den Kopf. Ich seufzte wieder."Ich habe Angst", sagte ich zu ihm. Mit großen Augen schaute er mich an."Wirklich?", fragte er nach. Ich nickte."Ja, ich habe Angst vor Menschen zu reden. Außerdem habe ich Angst keine Freunde zu finden", erklärte ich ihm. Er schaute auf seine Füße. "Ich habe auch Angst keine Freunde zu finden", gab er leise zu. Ich nickte wieder. "Das haben wir doch alle an unserem ersten Schultag. Aber du brauchst keine Angst zu haben, dass kriegst du schon irgendwie hin. Sei einfach du selbst", versuchte ich ihn aufzumuntern. Er schaute mich skeptisch an."Und wenn es nicht funktioniert, dann sind das dumme Vollpfosten." Er lächelte leicht. War aber immer noch nicht ganz beruhigt. Ich kannte ihn dafür zu gut."Hast du Angst alleine zu sein?", fragte ich nach. Er nickte. "Dann kannst du zu mir kommen. Und jeder der was schlechtes über dich sagt, dem trete ich ordentlich in den Arsch." Er schaute mich wieder an."Versprochen?", fragte er nach. Er hielt mir seinen kleinen Finger hin. "Versprochen", erwiederte ich und verhakte meinem kleinen Finger mit seinem. Dieses Ritual machten wir immer. Seit unsere Mutter gestorben ist, sind wir unzertrennlich. Ich war wie seine zweite Mutter. Klar stritten wir uns. Und das nicht wenig. Aber wenn es darauf ankam konnte ich auf ihn zählen. Wie er auf mich. Der Bus hielt wieder an und wir stiegen aus."Also ab in die Höhle des Löwens", sagte ich noch zu ihm, ehe wir in das alte Gebäude eintraten.