KAPITEL 3

874 Words
„Herr, stehen Sie bitte auf“, sagte Pamela leise, aber bestimmt. Justin, quer über das cremefarbene Bettlaken ausgestreckt, rollte sich nur auf die Seite. Ein spöttisches Lächeln umspielte seine Lippen, während er an die Decke starrte. „Regel Nummer eins“, sagte er lässig, „die Kleine betritt niemals mein Zimmer. Ich kann Kinder nicht ausstehen.“ Pamela drehte sich zu ihm um. Sie saß noch immer auf dem Bettrand. „Sie können Kinder nicht ausstehen?!“ Sie seufzte tief und wandte sich Gabriella zu. „Ist nichts passiert, mein Schatz. Geh ins Wohnzimmer und schau dir Zeichentrickfilme an. Ich komme gleich nach.“ Gabriella huschte den Flur entlang. Pamela stieß einen kurzen, genervten Seufzer aus und drehte sich wieder zu Justin um. Er beobachtete sie aufmerksam. „Ich möchte eine Massage“, sagte er ruhig, fast beiläufig. „Helfen Sie mir aus der Hose.“ Pamela stockte der Atem. „Was? Herr? Aus der Hose?“ „Ja, aus der Hose“, bestätigte er. Sie sah das amüsierte Funkeln in seinen Augen. Er meinte es ernst. „Ich soll kochen, putzen und Ihnen helfen …“, begann sie zögernd. „Wollen Sie den Job oder nicht?“, unterbrach er sie scharf. „Ich will ihn“, flüsterte sie. „Dann tun Sie es.“ Pamelas Herz raste. Sie trat näher. Ihre Finger berührten den kühlen Ledergürtel. Flirtet er gerade? Oder ist das einfach … krank? Die Unsicherheit fraß sich in sie hinein. Ihre Hände zitterten am Gürtel, eine Bewegung, die sie sonst blind beherrschte, wurde zur Qual. Sie spürte seinen Blick überall auf ihrer Haut. Endlich löste sich die Schnalle. Sie hielt kurz inne, um Luft zu holen. Dann der Reißverschluss, das Metall schien sich gegen ihre nervösen Finger zu strenken. Warum tue ich das? Der Gedanke hämmerte im Takt ihres Herzschlags. Mit zitternden Fingern zog sie die Hose Stück für Stück herunter. Bei den Knien hielt sie inne. Er schwieg, beobachtete sie nur. Die Nähe war elektrisierend. Jede Faser in ihr schrie, aufzuhören, doch sein Blick hielt sie fest. Die Hose fiel mit einem dumpfen Laut zu Boden und enthüllte dunkle Boxershorts. Die Aufgabe schien erledigt, doch sie stand wie erstarrt. „Jetzt die Shorts“, sagte Justin mit tiefer, rauer Stimme. „Herr, das kann ich nicht“, flüsterte sie. „Ich weiß, dass du von mir gehört hast“, begann Justin. „Das sind keine Gerüchte. Wir haben Dezember, und vor dem Unfall hatte ich jeden einzelnen Tag dieses Jahres eine Frau in meinem Bett.“ Er machte eine Pause, sein Blick bohrte sich in sie. „Jede Frau auf der Welt würde das hier liebend gern tun, nur du weigerst dich.“ Pamela schwieg. Jede Frau? Die Dreistigkeit raubte ihr den Atem. Sie kannte die Geschichten, die geflüsterten Skandale, das berüchtigte Foto, das „Schwert des Damokles“, das das Internet in Brand gesetzt hatte. „Nach dem Unfall“, fuhr er fort, diesmal etwas leiser, „habe ich die Kraft verloren, eine Frau zu lieben. Mach dir keine Sorgen, ich werde nicht hart.“ Die Worte sollten beruhigen, steigerten aber nur die gespannte Stille im Raum. Pamela schluckte trocken. Sie fühlte sich wie in einem goldenen Käfig gefangen. Sie war hier, um Schutz zu suchen, Geld zu verdienen, und landete stattdessen in einem Netz aus unausgesprochenen Begierden und Machtspielen. „Na los! Das ist doch deine Tochter, oder? Tu nicht so, als hättest du noch nie einen Mann angefasst“, fügte er hinzu. „Als wärst du noch nie richtig genommen worden.“ „Können Sie bitte dieses Wort lassen?“ „Du meinst ficken?“ Er grinste frech. Sie atmete tief durch und trat noch einen Schritt näher. Ihre Finger schlossen sich um den Bund der Shorts, die Knöchel traten weiß hervor. Noch ein tiefer Atemzug. Das ist falsch. So falsch. „Tu es“, befahl er. Pamela schloss die Augen. Das ganze Gewicht seiner Vergangenheit, seiner Erwartungen lastete auf ihren Schultern. Langsam zog sie den Stoff herunter, bewusst, widerwillig, aber entschlossen. Sie sah nicht hin. „Du darfst ruhig schauen, er schläft ja noch“, murmelte Justin. „Mir wurde sogar bescheinigt, dass ich nie wieder eine Frau lieben kann.“ Sie stand da, kämpfte gegen die Neugier. Presste die Lippen zusammen, verschränkte die Hände. „Wisch mir die Oberschenkel ab, bis hinunter zum Bein. Das fördert die Durchblutung“, sagte er. Sie griff nach dem Handtuch und kniete sich aufs Bett. Seine Beine lagen eng beieinander, sie kniete dazwischen, die Knie links und rechts von ihm. Sie würde es auf jeden Fall sehen, also schloss sie wieder die Augen. Sie hörte sein spöttisches Schnauben. Mechanisch begann sie, seinen rechten Oberschenkel abzuwischen. Nach dem dritten Streichen spürte sie plötzlich etwas Hartes, Unverkennbares gegen ihren Bauch drücken. Ein erschrockenes Keuchen entwich ihr. Was war das? Die Empfindung war eindeutig, eine Erektion. Nein. Das konnte nicht sein. Er hatte gerade noch gesagt, er könne keine bekommen. Ihre Augen schnellten nach unten, dann sofort wieder hoch zu ihm. Seine Augen funkelten schelmisch, ein kaum merkliches Grinsen umspielte seine Lippen. „Ups, mein Fehler“, sagte er mit einem leisen, tiefen Lachen.
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