Meeting the Boss 1/2

1032 Worte
Clara saß auf dem Rücksitz der Limousine. Neben ihr ein weiterer Bodyguard. Aber welcher von ihnen war denn nun ihr unbekannter Chef? Sie sahen nahezu alle gleich aus und waren zudem gleich groß. In der Dunkelheit konnte sie auch keine Augenfarben erkennen. Zumal ihr keiner in die Augen schaute...! Und der Cocktail aus Aftershave, herben Männerparfüm und Lederbezug, ließ auch ihren Riechsinn kapitulieren. Es war totenstill im Wagen und die Anspannung stieg, als sie anhielten. „Bleiben Sie sitzen, Madame“, hörte sie den bärtigen Mann sagen. Sie nickte und schnallte sich ab. Alle verließen den Wagen. Außer Clara. Zwei Minuten später öffnete sich ihre Tür und eine Hand streckte sich ihr entgegen. Sanft und kraftvoll zugleich wurde sie aus der Limousine geholt. Ein sanfter Tabak Geruch strömte ihr in die Nase und hinterher ein warmer Holz Duft, gemischt mit Moos und verregnetem Wald. Anders konnte sie diese wohlbekannte Intensität nicht beschreiben, von der sie sich magisch angezogen fühlte. Clara blickte auf und sah erst mal nur eine weiße Krawatte vor sich. Er hatte sie so nah an sich herangezogen, dass sich ihre Finger in seinem Hemd verhedderten. Wieder fing ihr Herz an im Viereck zu springen. Nicht gut..., ermahnte sie sich selbst. Dann schaute sie noch ein Stück höher und ihre Pupillen weiteten sich. Vor sich sah sie einen großen und dunkelhaarigen Mann, mit scharfkantigen Gesichtszügen, stahlblauen Augen und einem frechen Lächeln auf den Lippen. Er sah unverschämt gut aus! Doch seine gesamte Aura war dunkel, unnahbar und schien alles in sich hinein zu saugen. Seine Haltung war überaus stolz und respekteinflößend. Als Freund wäre einem die Sicherheit dieses Mannes garantiert, doch als Feind... Clara lag der Name dieses Mannes auf der Zunge. Denn sie erkannte ihn wage. Vor einigen Monaten war er in der Kanzlei aufgetaucht, in der sie noch gearbeitet hatte, doch man wimmelte ihn ab. Und schlagartig kam ihr etwas in den Sinn: Diesem Mann entkommt niemandem! In ihrem Kopf purzelten sämtliche Geschichten und Gerüchte, was ihn betraf, übereinander. All die Informationen aus den Klatschpressen, formten sich von einem einst grässlich verzerrten Monstrum, zu diesem reifen und zugleich junggebliebenen, attraktiven Mann, an dessen breiter Brust sie sich gerade festklammerte. Vor ihr stand niemand geringeres als Rowan Blaze! Ein Scharlatan und zugleich einer der mächtigsten Männer der Unterwelt. Der Mann mit den besten, interessantesten und bedrohlichsten Informationen wie Kontakten, die man sich nur vorstellen kann! Er kauft und verkauft. Teuer natürlich... Seine Kontaktliste ist legendär und nirgendwo zu finden. Sie existierte lediglich in seinem gefährlich, intelligenten Kopf. Nun stand Clara diesem Mann gegenüber. Und er war ihr Boss! Schelmisch grinste er sie an, als wüsste er genau woran sie gerade dachte, und hakte ihren Arm unter seinen ein. Dann lief er mit ihr entspannt zum Eingang des Clubs, vorbei an der langen Warteschlange. Byron nickte ihnen zu und schielte mit seinen kleinen Kulleraugen, über den Brillenrand hinweg. Ein anerkennendes Pfeifen entfleuchte ihm. Sein Zwinkern ließ Clara erröten und ein Schmunzeln kam ihr dabei über die Lippen. Im Foyer des Nachtclubs zog ihr Boss tatsächlich eine Einladung und die Reservierung eines VIP-Raumes hervor. Schnell holte sie ihr Handy heraus und tippte eine Textnachricht. In der Tasche ihres Begleiters summte es augenblicklich auf. Er nahm sein Handy hervor und entsperrte es. Dann wurde sein Grinsen noch breiter. „Später...“, wisperte er in ihr Ohr und es kribbelte ihr vom Haaransatz bis runter in ihre Fußspitzen. Diese Stimme ist in echt ja noch so viel betörender als am Telefon! Clara biss sich auf die Lippen und schloss kopfschüttelnd die Augen. Absolut nicht gut... wiederholte sie in ihrem Kopf. Ein irrelevanter Gedanke durchkreuzte plötzlich ihre Aufregung, als ihr Blick durch die Menge schweifte. Der Nachtclub ist zu dekadent für dieses Viertel... Zu High Class. Doch er boomte! Denn er war ein Rohdiamant und Clara erlebte nun selbst wie es war, als Gast, Teil dieses auferstandenen Lichtblickes zu sein. Spannung und Vorfreude machte sich in ihr breit. „Hier entlang, Clara“, hörte sie ihren Boss sagen und gleich darauf legte sich seine Hand um ihre Taille. Sie stiegen die Stufen der breiten Wendeltreppe hinauf und er setzte sich seine Maske auf. Dabei lächelte er ihr zu. Er hatte mich vorhin also tatsächlich abgeholt..., schmunzelte sie nun und dachte dabei an den zweiten Bodyguard der stumm und abseits vor ihrer Tür gestanden hatte. Wie kindisch... aber irgendwie süß! Etwas ungeschickt nahm sie ebenfalls ihre Maske und versuchte sie zu binden. Doch es gelang ihr nicht. Oben am Treppenabsatz angekommen, trat ihr Boss vor sie und nahm ihr die Arbeit ab. „In manchen Dingen bist du wirklich ungeschickt“, bemerkte er wie nebenbei und sein sein angenehmer Duft stieg ihr dabei in die Nase. Die Wärme, die sich unter seiner Haut hervortat, legte sich wie ein Mantel über sie. „Wobei mich das heute Abend wenigstens nicht ganz nutzlos an deiner Seite macht...“, flüsterte er schmunzelnd so nah an ihrer Wange das sie sich sachte berührten. Den Tabak Geruch empfand Claras Gehirn mittlerweile als absolut unwichtig und ignorierte ihn komplett. Dieser Mann war wie ein aufkommender Sturm, vor dem sie sich schnellstens verstecken sollte! Aber irgendetwas in ihr drin wollte sich partout nicht von der Stelle rühren. Wie in Trance folgte sie ihm, als er sie mit sich zog. Dann standen sie am Geländer der Balustrade und blickten auf die Tanzfläche hinunter. Es war atemberaubend! Unter ihnen die Theke, und an der Wand weiter vorn, das Plateau für den DJ. Dazwischen die große Tanzfläche. Die Lichtshow war einmalig und tauchte das alte Herrenhaus, dass bis auf die Grundmauern frei gelegt wurde, in eine astral blaue Fantasiewelt hinein. Die Gäste waren ausgelassen, tanzten, feierten und genossen die wenigen Stunden der Nacht, um aus ihrem grauen Alltag zu entschwinden. Ein kleiner Hauch von Stolz legte sich auf Claras Gesicht. „Dein Werk, Clara“, hörte sie ihn sagen. „Ich bin sehr zufrieden.“ Sie drehte ihren Kopf zu ihm. Wenn sie aufrecht stand, konnte sie ihm geradewegs in die Augen schauen. Zumindest mit diesen zehn Zentimeter hohen High Heels. Er zog sie weiter und lief mit ihr einer der Wendeltreppen hinunter. Direkt ins wummernde Geschehen.
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