Dress to impress 1/2

1055 Worte
Ein paar Wochen später Mit zielgerichteten Schritten trat Clara durch die Hintertür des Nachtclubs und wurde von Carlos' Jungs mit einem Nicken begrüßt. Sie lächelte den beiden zu und drückte ihnen jeweils einen Espresso in die Hand. „Damit ihr mir wach bleibt!“ Grinsend nahmen sie das Heißgetränk entgegen und in einem Schluck waren die kleinen Becher auch schon leer. „Danke, Boss-Lady“, kicherte der eine und Clara kullerte mit den Augen. Ungern nahm sie diesen Titel an, schmunzelte aber dennoch. Sie ging weiter und kam in die Umkleidekabinen der Tänzerinnen. „Bereit für die heutige Show, Ladys?“, fragte sie in die Runde und die vielen Mädchen stimmten ihr euphorisch zu. Aus der Mitte heraus winkte sie Ashley zu sich her. „Wie geht es Tina?“, fragte sie so neutral wie sie nur konnte. Die dunkelhäutige Tänzerin verschränkte die Arme und presste ihre vollen Lippen zusammen. „Soweit gut. Der Entzug ist hart, aber sie... sie bereut es bereits.“ Clara nickte. „Gut. Halt' mit ihr Kontakt, damit sie weiß das sie jederzeit wieder Willkommen ist.“ „Okay, Clara.“ Sie nickte der dunkelhäutigen Schönheit mit einem gut gemeinten Lächeln abermals zu und drehte sich zum Gehen um. Gerade war sie auf dem Sprung ihren täglichen Routinegang fortzusetzen als Ashley zögerlich ihren Namen rief. „Clara?!“ „Ja?“ Mit Schwung wurde sie plötzlich von der Tänzerin umarmt, auf deren gepuderten Wangen leise Tränen herunterkullerten. „Oh, Ashley, was ist? Alles Okay?“ „Danke“, presste sie heraus. „Danke das du Tina gerettet hast und ihr eine Chance gibst!“ Sie lösten sich voneinander und Clara wischte Ashley sachte die Tränen beiseite. Mit einem Nicken und einem weiteren Lächeln, brachte sie die junge Frau zurück in den Raum und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann lief sie den Korridor weiter. Die Sache mit Tina war nicht schön gewesen und es gab viele, viele, viele Telefonate, Textnachrichten und E-Mails an ihren - nach wie vor - geisterhaften Boss, in denen sie sich für die junge Frau einsetzte. Die Streitereien am Telefon waren mehr als lautstark. Nicht selten flog die ein oder andere Beleidigung durch den Raum! Dabei verstand Clara seinen Standpunkt nur zu gut. Ihr Boss tolerierte nun mal in seinem Club keinerlei harten Drogen. Egal in welcher Form. Es war herausfordernd, aber dennoch machbar. Letztlich konnte sie ihn aber überzeugen und er stimmte widerwillig zu Tina eine Chance zu geben. Der Schatten brachte die Tänzerin anschließend sogar in einer ordentlichen Entzugsklinik unter. Nun hieß es für die junge Frau durchhalten, geduldig sein und ein wenig beten das sie hier wieder arbeiten durfte. Wummernd dröhnte die Musik über Clara hinweg und sie machte sich auf den Weg zu JJ. Von weitem strahlte ihr bereits der gutaussehende junge Mann entgegen. Mehr denn je ging er voll und ganz in seiner Barkeeper Rolle auf. Denn er trug ein edles weißes Hemd, eine schwarze Anzughose, glänzend polierte Schuhe und einen echten Wildledergürtel! Irgendetwas machte das mit dem jungen Kerl, welcher tätowiert und überall gepierct war. Sein Charme bei den weiblichen Gästen war zudem ein unglaublicher Magnet. Nicht zu vergessen, die ordentlichen Trinkgelder die er dabei abkassierte! „Hi, Sweetheart!“ , begrüßte er sie. „Was willst du trinken? Geht auch aufs Haus!“, zwinkerte er ihr noch frech hinterher als sie sich durch die Menge gezwängt hatte. „Idiot, ich arbeite selbst hier“, tadelte Clara ihn und setzte sich an die äußerste Ecke der fünf Meter langen Theke, die in giftgrünem LED-Licht erstrahlte. Poison Ivy Nights nannten sie diese Abende. Denn der gesamte Club war in grün getaucht. JJ stellte ihr wie immer ein Glas Wasser hin und schenkte ihr ein charmantes Lächeln. Was anderes würde sie während ihrer Arbeitszeit auch nicht trinken. Außer vielleicht einen starken, italienischen Espresso. Das fehlt tatsächlich noch hinter der Theke... sinnierte Clara und nahm einen Schluck aus ihrem Glas. Gleich darauf prustete sie das Wasser vor lauter Schreck wieder aus. James?! Was zum Teufel macht er denn hier?! Eigentlich hatte Clara gehofft das er nie hier auftauchen würde. Immerhin war das absolut nicht sein Viertel! Stets hatte er über diesen dreckigen Stadtteil geschimpft. Einer angesagten Party konnte er aber nach wie vor nicht lange fernbleiben... Genauso wenig den Sozialen Netzwerken. Doch nun stand er wie Mister Universum, am Rand der Tanzfläche und schlürfte Kopfwackelnd an seinem Baileys. Gefrustet über sein Auftauchen verabschiedete sich Clara von JJ und schlich hastig die Treppen hinauf. Wobei sie in der Regel nicht schleichen musste. Sie fiel ja kaum jemanden ins Auge mit ihrem grauen Nadelstreifenanzug, der weißen Bluse und den superbequemen, halbhohen Pumps in schwarz. Selbst ihre aschblonden Haare waren nur zu einem einfachen, halb lebendigen Zopf geflochten. Im Eingangsbereich angekommen, korrigierte sie nochmals den Sitz ihrer Brille und textete Carlos. Der Mexikaner war anstrengend, aber sie verstanden sich mittlerweile besser. Keine zwei Minuten später, traf sie ihn im Foyer des Clubs an. „Eeey! Lady in Grey!“, begrüßte er sie lautstark. „Guten Abend Carlos“, antwortete sie ihm etwas steif und schielte verlegen nach links und rechts zu den Gästen, die kichernd miteinander tuschelten. Sofort schnappte er sich ihre Hand, zog sie zu sich und umarmte sie brüderlich. „Mann, Lady, du riechst gut heute Abend. So voll... elegant.“ Clara gluckste. „Ich nehme das als Kompliment auf. Danke, Carlos.“ Er grinste breit und trat lässig einen Schritt zurück. „Hör zu, ein Mann Namens James Hannington ist heute unter den Gästen. Ich kenne ihn und er kann furchtbaren Ärger verursachen. Ärger den weder der Boss, noch ich haben möchten. Sonst ist der Laden morgen dicht. Ich will also das er beobachtet wird.“ „Geht klar, Boss-Lady!“, meinte er beschwingt. Gerade als er gehen wollte, hielt sie ihn zurück. „Ernsthaft!“, bläute Clara ihm ein, „pass auf Carlos. Er ist Anwalt und hat eine Menge dreckiger Tricks drauf.“ Es war unglaublich, aber Clara machte sich tatsächlich Sorgen um den kleinen, angeberischen Mexikaner. Doch sein Blick funkelte sie heiter an und er nickte ihr zu. „Gut. Ich bin für heute weg. Die letzte Stunde schafft ihr allein. Wenn was ist, Byron hat das letzte Wort.“ Sie verabschiedeten sich und Clara ging nach Hause.
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