Eine Entscheidung im Stillen Der Morgen graute langsam, als hätte selbst die Sonne Zweifel, ob sie diesen Tag wirklich begrüßen wollte. Nebel hing schwer zwischen den Bäumen, legte sich auf Haut und Gedanken gleichermaßen. Seraphina saß am Rand des kleinen Lagers, die Knie angezogen, den Blick auf einen Punkt im Nichts gerichtet. Die Nacht lag ihr noch in den Knochen – nicht wegen der Kämpfe, sondern wegen der Nähe. Sie hatte Kael fast verloren. Dieser Gedanke ließ sie nicht los. Seit Jahrhunderten hatte sie gelernt, Distanz zu wahren. Gefühle waren Ablenkung. Bindungen Schwachstellen. Und doch hatte sie in dem Moment, als er zu Boden gegangen war, nicht gezögert. Ihre Magie war geflossen, ungefiltert, kompromisslos – für ihn. Nicht für den Wald. Nicht für das Gleichgewicht. Für Kae

