Kapitel Eins: Jemand aus der Vergangenheit
Amelias Sicht
Ich wachte auf und blinzelte gegen das helle Licht über mir. Jemand rieb mir etwas Kühles über den Handrücken, doch die Kühle verwandelte sich schnell in einen stechenden Schmerz.
Ich zuckte zusammen und drehte den Kopf. Eine Krankenschwester legte mir mit einem Wattebausch und Klebeband einen Zugang.
Ein Zugang? Ich war im Krankenhaus? Ein stechender Schmerz schoss mir zwischen die Schläfen, verschleierte meine Gedanken, und der Geruch von Bleichmittel, der von den Laken herüberwehte, drehte mir den Magen um.
Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war, dass ich mit meiner Assistentin Caren eine Liste mit Requisiten für die bevorstehende Mondveranstaltung erstellt hatte. Dann nur noch gedämpfte Geräusche und nichts mehr.
Ich bewegte mich etwas im Bett, meine Muskeln schmerzten, und ich stöhnte auf, was die Aufmerksamkeit der Krankenschwester erregte.
Sie murmelte etwas Unverständliches, während sie mit lässiger Hüftbewegung zum anderen Ende des Zimmers ging.
Ich befeuchtete meine rissigen Lippen und spürte ihre Rauheit.
Mein Hals schmerzte, und ich bekam kaum Luft.
„Wasser“,
hauchte ich mit heiserer Stimme und hoffte, die Krankenschwester, die am Rand des Zimmers einen Blick auf ein Gerät warf, würde mich hören.
Ich bewegte mich erneut, diesmal ungeduldiger, und stieß dabei den Infusionsständer um. Die Krankenschwester wurde aufmerksam und rannte mit großen Augen auf mich zu.
Sie hob den Infusionsständer auf und stellte ihn ungeschickt wieder hin.
„Wasser“, sagte ich noch einmal, woraufhin sie nach Luft schnappte.
„Es tut mir so leid, Mrs. Harlow“, sagte sie und eilte quer durch den Raum, um mir ein Glas Wasser aus dem Wasserspender am anderen Ende des Zimmers zu holen.
Sie kam mit einem halb vollen Glas Wasser zurück an mein Bett; die Hälfte hatte sie auf dem Rückweg verschüttet.
Sie stellte das Glas Wasser auf das Regal neben meinem Bett und entschuldigte sich für ihre Ungeschicklichkeit.
„Tut mir leid, Ma, ich bin zum ersten Mal allein mit einem Patienten beschäftigt.“
Ich winkte ab und deutete dabei immer noch auf das Glas Wasser, das ich nicht erreichen konnte.
Sie kam näher, nachdem sie ihren Fehler bemerkt hatte, und ich sah ihr Namensschild:
„Marie.“
Marie half mir aufzustehen, und ich konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, so sehr schmerzten meine Knochen.
Sie drückte mir das Glas Wasser in meine ausgestreckten, aber schwachen Hände, und ich trank sofort in kleinen Schlucken, während sie aus dem Zimmer eilte.
Minuten später kam Marie mit einem Wischmopp zurück, um die Stelle aufzuwischen, wo sie Wasser verschüttet hatte.
Sie wischte weiter, obwohl kein Tropfen Wasser mehr zu sehen war, was mich dazu brachte, den Boden genauer zu betrachten, um nach weiteren Flecken Ausschau zu halten, die mir entgangen waren.
Da traf es mich wie ein Blitz:
„Meine Eltern kommen heute in die Stadt. Zieh dich ordentlich an. Mach meine Mutter glücklich und lächle.“
Devons Worte hallten in meinem Kopf wider, und mir wurde ganz flau im Magen. Meine ohnehin schon schwachen Glieder zitterten, meine Hände bebten, und ich ließ sofort die Tasse fallen, um sie nicht zu zerbrechen.
Ich presste meine Handfläche gegen meinen Anhänger und betete still, in der Hoffnung, Devons Schlägen und Wutausbrüchen zu entgehen.
Meine Haut war gerade erst von den Schlägen des letzten Mal verheilt, und ich konnte das Zittern und Schaudern nicht unterdrücken, das mir über den Rücken lief, als ich mich daran erinnerte, was die Prügel verursacht hatte.
Mit zitternden Händen zog ich die Infusion aus meinem Arm und verschüttete dabei etwas Blut auf dem Boden.
Der Infusionsständer verlor erneut das Gleichgewicht, und der scharfe Knall weckte in mir nostalgische Erinnerungen an Devon, der seinen Gürtel öffnete.
Die Krankenschwester sollte endlich mit ihrer unnötigen und übertriebenen Reinigung aufhören.
Sie rannte auf mich zu, die Augen vor Entsetzen und Panik geweitet.
„Mrs. Harlow, Sie müssen sich hinlegen! Sie können noch nicht stehen“,
hörte ich sie hinter mir sagen, während ich mich mühsam aufrappelte. Ich ließ mich auf den Boden fallen, um nach meinen Schuhen zu suchen. Als ich aufstand, stieß ich gegen den Wagen mit den Infusionsbeuteln und Spritzen, den Marie neben meinem Bett abgestellt hatte.
Der Knall des Unfalls muss meine Assistentin Caren auf der anderen Seite der Tür erreicht haben, denn sie eilte mit besorgtem Blick zu mir.
„Mein Handy, wir müssen weg, das Auto, Devons Eltern“,
murmelte ich ihr zu und klammerte mich an sie, um nicht umzufallen.
„Mrs. Harlow, Sie müssen sich erst einmal setzen“, sagte sie und half mir auf die Bettkante.
Marie, die wohl panisch das Zimmer verlassen hatte, als ich verzweifelt nach meinen Schuhen suchte, kam mit zwei Krankenschwestern und einem Arzt zurück.
„Um Himmels willen, Marie! Du hättest doch den Schwesternrufknopf drücken können!“
„Selbst der Notrufknopf hätte gereicht. Ich wusste, es war keine gute Idee, sie allein mit einem Patienten arbeiten zu lassen.“
Ich hörte, wie die Krankenschwestern Marie ausschimpften, die wie angewurzelt und verwirrt dastand. Ich wollte gerade eingreifen, als ich meinen Namen hörte.
„Amelia.“
Eine plötzliche Kälte durchfuhr mich, als mein Gehirn registrierte, wem die Stimme gehörte.
Was macht Ashton hier? Seit wann ist er aus Neuseeland zurück?
Die Schuldgefühle wegen unseres letzten Gesprächs ließen mich an der trockenen Haut meiner Lippen knabbern.
„Sie können alle wieder an Ihre Posten gehen. Ich kümmere mich darum“,
sprach er erneut zu den Krankenschwestern, die sofort gingen, nachdem sie jede Spritze und Infusion aufgesammelt hatten, die von dem Wagen gefallen war, gegen den ich vorhin gefahren war.
„Mrs. Harlow“,
rief Caren, und ich zuckte innerlich zusammen, als ich Ashtons Anwesenheit spürte.
„Caren, bitte fahren Sie den Wagen vom Parkplatz“, sagte ich zu ihr und vermied Ashtons Blick.
„Ja, Mrs. Harlow“, sagte sie noch einmal, als wolle sie Ashton absichtlich ärgern.
Caren ging hinaus und schloss die Tür hinter sich. Die Stille im Raum wurde erdrückend.
„Ting, ting, ting“, das Geräusch der Maschine in der Ecke des Zimmers wurde lauter, und ich klammerte mich krampfhaft an meinen Rock.
„Wenn du deinen Rock so fest umklammerst, Amelia, fürchte ich, er wird in Kürze in Fetzen gerissen“, sagte Ashton ruhig zu mir und zwang mich, ihm in die Augen zu sehen.
Ich hätte schwören können, dass ich dieses schelmische, jungenhafte Lächeln sah, das er sonst immer trug, als wir jünger waren.
„Amelia, wie geht es dir?“ Ich blinzelte die Tränen weg, die mir bei seiner Frage in die Augen stiegen.
In zwei Jahren hatte mich niemand das gefragt, und ich hatte mich immer gefragt, warum.
Vielleicht, weil ich durch die Heirat mit Devon viele Menschen verletzt hatte, oder weil ich nie als Freundin oder Familienmitglied angesehen worden war?
„Mel?“
Bei dem Namen brachen die Tränen hervor, die ich so lange zurückgehalten hatte.
Meine Augen trafen seine, und ich sah den Schmerz darin.
Ashton streckte mir die Hand entgegen, wohl um meine Tränen abzuwischen, doch ich zuckte unwillkürlich zusammen.
Sofort wich er zurück, als er das bemerkte, und ich konnte den darauf folgenden Zusammenbruch nicht unterdrücken.
Die Tränen strömten in Strömen über meine Wangen, und ich begann zu schluchzen.
„Warum,
warum,
warum, Ash?
Warum leide ich so sehr?
Warum haben mich alle verlassen?
Ist das Karma für all das, was ich getan habe?
Ist es das?
Soll ich so enden?
Gibt es einen Gott, den ich anflehen kann?
Gibt es einen Ort, an dem ich Buße tun kann?
Ich kann nicht mehr!
Ich kann wirklich nicht mehr, Ash!“
Meine Klagen und Schluchzer hallten im Raum wider, während Ashton mich einfach weinen ließ.
Vorsichtig kam er auf mich zu; diesmal blieb er schweigend vor mir stehen, als wollte er um Erlaubnis bitten, mir nahe sein zu dürfen.
Als ich nickte, setzte er sich neben mich und strich mir über das Haar.
„Du mochtest deine Haare immer kurz. Warum hast du sie kurz geschnitten?“, fragte Ashton mit unterdrücktem Schmerz in der Stimme.
Ich biss mir auf die Lippen und überlegte, ob ich die Wahrheit sagen oder lügen sollte.
„Lieber keine Antwort von dir, als dass du mich anlügst“, flüsterte er, als ich zögerte zu reden.
Ich nickte zustimmend, und es wurde wieder still im Raum; nur das Geräusch der Maschine war zu hören.
„Ich weiß, du hast viel durchgemacht, und nur du spürst deinen Schmerz, aber du musst dich ausruhen, Amelia.
Wenn nicht für dich, dann tu es für das Baby, das du trägst.“
Ashton sprach und durchbrach die Stille.
Meine Hand fuhr zu meinem Bauch, und mir wurde eiskalt.
„Nein, nein, nein! Ich kann nicht schwanger sein! Ich kann nicht Devons Kind tragen!“
„Ash, sag mir, dass es nicht wahr ist!“
Ich klammerte mich an Ashtons Hemd.
„Bitte, bitte, oh Gott, bitte! Ich bin nicht schwanger! Bitte sag mir, dass ich nicht schwanger bin, Ash! Bitte, Ash, sieh mich an!“ „Sag mir, dass ich nicht schwanger bin!“
Kalter Schweiß brach mir auf der Stirn aus, und ich ließ Ashtons Hemd los. Ich packte meine Haare und riss daran, in der Hoffnung, so aus diesem Albtraum aufzuwachen.
Erneut liefen mir die Tränen über die Wangen, als ich auf dem Krankenhausboden zusammensackte.