Am nächsten Morgen hatte sie sich vorgenommen netter zu Joshua zu sein und zu versuchen, nicht immer die negativen Seiten an ihm zu sehen. Also stand sie etwas früher auf als sonst, zog sich etwas Hübsches an und ging zum Frühstückstisch. „Guten Morgen, Joshua", lächelte sie ihm zu. Er sah sie etwas verblüfft an. „Guten Morgen, Liebes. Wie ich sehe hast du gute Laune. Ist irgendetwas Besonderes?", fragte er sie. Sie schüttelte nur den Kopf und nahm mit ihm das Frühstück ein.
Plötzlich öffnete sich die Tür und Denise stand im Raum. „Joshua, wir müssen reden!"
„Es gibt nichts weiter zu besprechen, bitte geh!"
„Ich kann es auch vor deiner neuen kleinen Freundin sagen, wenn du nicht mitkommst."
Joshua schaute sie nur an, sprang auf, griff sie am Arm und zog sie vor der Tür.
Amy hörte noch beide flüstern bevor sie in ein anderes Zimmer verschwanden. Was hatten die beide nur zu besprechen? Und warum wollte er anscheinend nicht, dass das vor ihr besprochen wurde?
Nach ein paar Minuten hörte sie nur noch die Tür knallen und kam Joshua wieder zu ihr.
„Es tut mir leid, Amy, das hätte nicht passieren dürfen. Lass und weiter essen."
Sie dachte immer wieder darüber nach, ob sie ihn fragen sollte worüber er und seine Schwester anscheinend gestritten hatten, doch wollte sie ihn nicht verärgern und schwieg.
Der Tag verlief ruhig. Sie fuhr mit ihm ins Studio und danach gingen sie wie üblich in ein Restaurant.
„Joshua, jetzt wo wir wieder aus dem Haus sind und du mit deiner Arbeit fertig bist, warum erzählst du mir nicht etwas mehr über dich?"
Er schaute sie etwas erstaunt an. „Du kennst mich, was soll ich dir noch erzählen was du nicht schon weißt?"
Amy überlegte. Sie wollte ihn ja nicht direkt fragen warum er so ein Tyrann ist, aber irgendwie musste sie herausfinden, warum er so handelt.
„Ich arbeite viel und hart, damit wir ein schönes Leben haben. Ich bin praktisch gesehen mit meiner Arbeit verheiratet, aber das weißt du schon."
„Warum ich, Joshua? Warum hast du mich aus dem Heim geholt? Und warum darf ich das Anwesen nicht ohne dich verlassen?"
„Darum geht es dir also, Amy! Ich liebe dich und ich habe dich schon vom ersten Augenblick an geliebt. Ich habe dich damals gesehen und du sahst so verzweifelt aus. Du hattest etwas an dir was mir gefiel, deswegen habe ich dich zu mir geholt.„ Er schaute sie an und nahm ihre Hand. „Du wirst dich noch an unser Leben gewöhnen, wenn du alt genug bist es zu verstehen. Ich beschütze dich nur, meine Liebe. Es gibt viele Menschen dort draußen, die uns nur schaden wollen - uns zerstören und mich ruinieren wollen. Deswegen sollst du nicht alleine rausgehen!"
Zum ersten Mal, seitdem sie bei ihm war, empfand sie Mitleid für ihn. Es hatte Sinn was er sagte. Jetzt, wo sie sich in den Kopf gesetzt hatte, ihn nicht zu hassen für das was er ihn antat, sah sie ihn an und merkte, dass er sehr verletzlich wirkte hinter seiner harten Schale. Er hatte Angst sie zu verlieren und er liebte sie. Vielleicht war diese Art der Liebe normal und anstatt dagegen anzugehen, sollte sie sich einfach fügen. Immerhin hatte sie ja das, wonach sie sich immer sehnte – jemanden, der sie wirklich liebt.
Sie lächelte ihn an und gab ihm zu verstehen, dass es für sie in Ordnung war.
Plötzlich klingelte sein Handy. „Entschuldige mich bitte", sagte er, stand auf und ging in eine Ecke des Restaurants um das Gespräch entgegenzunehmen. Amy hatte gesehen, dass der Anruf von Denise kam. Was wollte sie? Nach ein paar Minuten kam er wieder.
„Ist etwas passiert?", fragte ihn Amy in der Hoffnung, dass er ihr etwas von dem Gespräch erzählen würde.
„Nein, mach dir keine Sorgen, mein Liebes", sagte er nur aber man sah ihn deutlich an, dass das Gespräch nicht angenehm verlaufen war.
„Warum redest du nie über deiner Schwester?"
„Sie hat ihre eigenen Sorgen, mit denen sie zurechtkommen muss. Und wir haben unser Leben!"
Nach dem Gespräch machten sie sich auf dem Weg nach Hause. Doch vor der Einfahrt des Anwesens wartete schon Denise.
„Du kannst mich nicht einfach ignorieren, Joshua!", schrie sie ihn an.
„Denise, fahr nach Hause. Ich will dich heute hier nicht sehen", sagte er, griff sie am Arm und zog sie zur Seite.
Amy sah die beiden streiten. Was war da los? Sie wollte zu gern erfahren was zwischen den beiden vorgefallen war. Aber Joshua machte ihr schon im Restaurant deutlich, dass sie sich raushalten sollte. Sie versuchte das zu respektieren, obwohl sie doch ziemlich neugierig war.
Nach einiger Zeit sah sie noch, dass Joshua Denise zum Auto zog, sie reinsetze und die Autotür zuknallte. Dann kam er wieder auf Amy zu.
„Geh bitte auf dein Zimmer! Ich möchte etwas allein sein um mich zu beruhigen."
Amy war erstaunt, wie nett er plötzlich sein konnte. Vielleicht hatte sie ja recht gehabt. Vielleicht war er kein schlechter Mensch, sondern es war sie, die alles schlecht geredet hatte.
Sie hörte immer wieder, wie er im anderen Zimmer schrie und etwas an die Wand warf. Ihr war etwas komisch zumute und sie bekam Angst. Deswegen blieb sie in Ihrem Zimmer bis es leise wurde. Als sie nichts mehr hörte, schlief sie ein.