Kapitel 4 Seite 2

658 Words
Es gab keinen Ausweg! Das konnte nicht das Ende sein, sie hatte sich nicht all die Mühe gemacht, nur um am Tor zu scheitern. Ihr war kalt und es fing an zu regnen, doch sie wollte und konnte auf keinen Fall zurück. Sie musste einfach nur warten - irgendwann würde sich das Tor öffnen, und dann würde sie endlich frei sein. Sie versteckte sich eine Weile in einem Busch, inzwischen regnete es immer heftiger und ihr war kalt. Sie musste eingeschlafen sein, denn sie schrak auf, als sie den Motor des Tores hörte. Es wurde langsam wieder hell und endlich kam einer der Angestellten, der anscheinend die Nacht zuhause verbracht hatte, durch das Tor gefahren. Sie wartete noch etwas, bis das Auto etwas weiter entfernt war und das Tor sich wieder schloss. Im letzten Augenblick huschte sie durch die Öffnung. Sie musste vorsichtig vorgehen, denn am Toreingang war eine Kamera. Sie schlich daran vorbei und ging zu einer Mauer, die an das Anwesen grenzte. An dieser Ecke gab es keine Kamera. Sie atmete durch und lächelte. Sie hatte es geschafft! Sie hatte es endlich geschafft! Sie war frei! Doch wohin ging sie jetzt? Sie kannte ja nur Joshua und seine Schwester. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie sehr vorsichtig sein musste, denn nun wusste die Presse von ihr und die würden sie bestimmt wiedererkennen. Wenn ein Bild in der Presse von ihr wäre, dann würde Joshua sie finden. Auch hatte sie kein Geld, sie war also nun komplett auf sich gestellt. Ihr kamen Zweifel. Hatte sie wirklich weglaufen müssen? Würde sie es allein schaffen? Würde er sie vermissen? Sie wusste nicht, ob sie nun glücklich oder traurig sein sollte, denn nun wartete das Ungewisse auf sie. Sie schlug sich die Zweifel aus dem Kopf und fing an, die Straßen herunter zu laufen. Sie war sich immer noch nicht sicher, wohin ihre Reise sie führen würde, aber sie atmete die Luft ein und freute sich über das Gefühl der Freiheit. Sie genoss es, die Straßen entlang laufen zu können, sie sah sich viele Gebäuden an und ging die Gassen entlang, sah einen Brunnen mitten im Wochenmarkt, sie beobachtet die Menschen und ging in einem Park. „Amy, komm Frühstücken!", rief Joshua als er an ihrer Zimmertür entlanglief. Er ging in ihr Zimmer, da er dachte, dass sie noch schlafen würde. „Amy, wach ...„fing er an. Vor ihm war - ein leeres Bett. Alles war still, nur das Fenster stand weit offen. Er rannte zum Fenster und sah die zusammen geknoteten Bettlaken. „Amy, Amy!", rief Joshua und suchte die Zimmer des Hauses ab. „Wo ist sie? Sucht sie!„ rief er seinen Angestellten zu. Jeder Winkel im Haus und auf den Anwesen wurde abgesucht aber sie war nicht aufzufinden. „Soll ich die Presse informieren, nur falls sie gesehen wird?„ fragte einer der Angestellten. „Nein! Wir wollen keinen Aufruhr. Wir werden sie finden! Ich werde nicht zulassen, dass sie mich verlässt!" Er befahl, dass alle zwei Stunden jemand das Anwesen absuchte und auch, dass der Fahrer mehrmals am Tag eine Rundfahrt durch die Stadt machte um nach ihr Ausschau zu halten. Amy hielt sich währenddessen in einem Park auf. Sie saß auf einer Bank und genoss die Stille. Und doch fühlte sie sich auf einmal einsam und allein. Immerhin war Joshua stets für sie da gewesen! Sie hatte endlich das, was sie haben wollte, aber war ihre Entscheidung auch wirklich richtig? Sie hatte Hunger und wusste nicht mehr wohin. Sie hatte weder Freunde hier noch hatte sie Geld. Verzweiflung stieg in ihr hoch. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, einfach fortzulaufen? Wo würde sie jetzt schlafen, und wo würde sie etwas zu essen bekommen? Sie fühlte sich machtlos, etwas zu tun, genauso wie sie sich bei Joshua gefühlt hatte. Sie hatte sich alles viel einfacher vorgestellt, doch jetzt saß sie auf dieser Parkbank und merkte schnell, dass die Realität sie eingeholt hatte.
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