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1474 Words
Das Taxi hielt vor einem gewaltigen Tor, das von hohen Steinmauern umgeben war. Rose stieg aus und holte tief Luft, während sie auf den imposanten Eingang starrte. Dahinter führte eine lange Auffahrt zu einem abgeschiedenen Anwesen. Zögernd näherte sie sich dem Wachmann. Ein stämmiger Mann mittleren Alters trat aus seinem Häuschen. Seine enge schwarze Uniform spannte sich deutlich über seinem Bauch. Auf seinem Namensschild stand Andy. Sobald er sie sah, zog er die Augenbrauen zusammen. „Ich dachte schon, du kommst nicht zurück! Aber anscheinend hast du wirklich vor, diese Familie bis auf den letzten Cent auszunehmen, was?“, sagte er bitter. Rose musste nicht einmal fragen, ob dies die Residenz der Familie Cavanaugh war – kaum war sie angekommen, wurde sie bereits mit Sarkasmus empfangen. Sie widersprach nicht. Stattdessen blieb sie schweigend stehen, während der Wachmann widerwillig das kleinere Seitentor öffnete und sie hineinließ. Als Rose das Anwesen betrat, wanderten ihre Gedanken zu Romilda. Was hatte sie getan, damit diese Menschen sie so sehr hassten? Romilda war schon immer schwierig gewesen, aber nicht immer so herzlos. Rose erinnerte sich daran, wie ihre Schwester früher diejenige gewesen war, die sich ihrem Vater entgegenstellte. Langsam folgte Rose dem langen Weg zum Herrenhaus. Es waren fast vierhundert Meter bis zur Eingangstür, gesäumt von hohen Bäumen und eleganten schwarzen Laternen. Der gesamte Ort besaß eine klassische, beinahe märchenhafte Schönheit. „Wie ist Romilda nur in diese Familie geraten?“, murmelte Rose vor sich hin. Als das Herrenhaus vollständig in Sicht kam, holte sie tief Luft. Es war eine riesige zweistöckige Villa – alt, aber makellos gepflegt. Dann fiel ihr Blick auf die Auffahrt, wo Reihen luxuriöser Autos auf dem sorgfältig gepflasterten Platz parkten. „So leben also Milliardäre?“, flüsterte sie ehrfürchtig. Als sie den prächtigen Eingang erreichte, drückte sie auf die Klingel und wartete. Mehrere Minuten vergingen, bevor sich die Tür schließlich öffnete. Eine Haushälterin stand vor ihr, die Augen vor Schock geweitet. „Was machst du denn hier?“, zischte die Frau. Noch ein herzlicher Empfang. „Also, ich ...“ Bevor Rose ihren Satz beenden konnte, erklang aus dem Inneren eine tiefe Männerstimme. „Wer ist da?“ Die Tür wurde weiter geöffnet, und ein Mann Anfang dreißig trat ins Blickfeld. Er war groß und breitschultrig, sein athletischer Körper wurde durch ein eng anliegendes schwarzes T-Shirt betont. Seine markanten Gesichtszüge waren unbestreitbar attraktiv: ein scharf geschnittener Kiefer, ausgeprägte Wangenknochen, schmale Lippen mit natürlicher Farbe und eine perfekt gerade Nase. Seine tiefblauen Augen wirkten durchdringend und wurden von welligem dunkelbraunem Haar sowie einem leichten Bartschatten entlang seines Kiefers eingerahmt. Rose stockte der Atem. „Entschuldigung, ich ... ich—“ Der Mann unterbrach sie, bevor sie ihren Satz beenden konnte. „Benutze den Hintereingang. Wir sind schließlich noch nicht offiziell verheiratet.“ Dann schlug er ihr ohne ein weiteres Wort die Tür vor der Nase zu. Rose blieb wie erstarrt stehen, ihr ganzer Körper zitterte. „Das ... das war Matteo Cavanaugh?“, flüsterte sie ungläubig. Rose war noch keine Stunde auf dem Anwesen der Familie Cavanaugh und wollte bereits wieder weglaufen. Die Dienstmädchen betrachteten sie mit unverhohlenem Hass, als hätte Romilda ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Und Matteos Verhalten war genauso grausam. Rose verstand nicht, warum Romilda so entschlossen war, Matteo zu heiraten, obwohl sie sich kaum kannten – besonders, wenn Romilda in diesem Haus so verachtet wurde. Sie musste es nicht erraten. Sie konnte es an der Art erkennen, wie alle sie behandelten. Selbst als sie zu einem der Schlafzimmer gebracht wurde, flüsterten die Dienstmädchen hinter ihrem Rücken laut genug, dass sie es hören konnte. „Lucifer ist zurückgekehrt!“ Wie schlimm musste Romilda sich in diesem Haus verhalten haben? Das Zimmer selbst war offensichtlich erst kürzlich geräumt worden. Weder auf dem Schminktisch noch im Kleiderschrank befanden sich persönliche Gegenstände. Romilda hatte absolut nichts zurückgelassen. Wie sollte Rose sich umziehen, wenn es keine Kleidung gab? Unruhig setzte sie sich auf die Bettkante und begann, Romildas Notizen zu lesen. Vier Personen mit dem Nachnamen Cavanaugh waren aufgeführt; einer davon war Matteo. Die anderen waren Frauen, doch Romilda hatte nicht vermerkt, ob es sich um seine Mutter, seine Schwestern oder andere Verwandte handelte. Die Namen der Angestellten waren ebenfalls nicht aufgeführt. Wie sollte Rose ohne brauchbare Hinweise irgendetwas herausfinden? Plötzlich flog die Tür auf, und Rose fuhr erschrocken zusammen. Zwei Frauen stürmten ins Zimmer. Beide hatten dasselbe braune Haar wie Matteo. Eine wirkte jünger als Rose, die andere älter. „Was denn? Hast du erwartet, dass wir anklopfen?“, höhnte die Jüngere. „Nein ... so ist das nicht.“ Rose schüttelte den Kopf. „Ich war nur überrascht, und ...“ Bevor sie ausreden konnte, stürzte die ältere Frau vor und hob die Hand, um sie zu schlagen. Instinktiv fing Rose ihr Handgelenk mitten in der Bewegung ab. Ihr Griff war so fest, dass beide Frauen erstarrten. „Du Miststück! Lass mich los!“, schrie die Frau. Sofort ließ Rose sie los. Schuldgefühle überkamen sie. Auch wenn sie lange keinen Kampfsport mehr trainiert hatte, waren die grundlegenden Techniken noch immer tief in ihr verankert. „Es tut mir leid“, sagte sie aufrichtig. Die Frau schnaubte verächtlich und wandte sich an ihre jüngere Schwester. „Hast du das gehört, Nicole? Sie entschuldigt sich! Was soll das jetzt sein? Noch ein Trick, um uns hinters Licht zu führen?“ „Du solltest es besser wissen, Letty! Romilda ist nichts weiter als eine schamlose Giftschlange!“, fauchte Nicole. Aus diesem Gespräch setzte Rose die Puzzleteile zusammen. Die Ältere musste Letizia Cavanaugh sein, das älteste Geschwisterkind. Das bedeutete, dass Nicoletta Cavanaugh die Jüngste war. Matteo war das mittlere Kind. „Was ist los, Romilda? Was spielst du diesmal für eine Rolle? Du hast unsere Familie bereits hintergangen, und jetzt müssen wir mit den Folgen deiner Taten leben! Hast du nicht schon genug Schaden angerichtet?“, warf Letty ihr vor. „Es tut mir leid, aber ich weiß wirklich nicht, was hier vor sich geht!“, sagte Rose panisch. „Bitte verzeiht mir. Ich werde alles wiedergutmachen.“ Letty und Nicole wechselten verwirrte Blicke. Die plötzliche Veränderung in Romildas Verhalten schien sie zu überraschen. Nicole verschränkte die Arme und schnaubte. „Du willst es wiedergutmachen? Dann verschwinde aus unserem Haus und komm nie wieder zurück!“, fauchte Nicole. „Wir wollen keine Schwägerin wie dich! Du gehörst nicht in unsere Welt, Romilda. Bleib in deiner eigenen!“ Lettys Geduld war offenbar am Ende. Sie packte Rose am Arm und zerrte sie zur Tür. Nicole schloss sich an, und gemeinsam schleiften sie Rose den Flur entlang, während ein Tumult entstand. Rose hatte keine andere Wahl, als alles zu ertragen. Wegen ihres Deals mit Romilda musste sie durchhalten. Wenn sie ihren Teil der Vereinbarung nicht erfüllte, könnte das Leben ihrer Mutter in Gefahr geraten. Auch wenn die Operation erfolgreich verlaufen war, benötigte ihre Mutter weiterhin intensive Nachsorge. Und diese Behandlung war beinahe genauso teuer wie die Operation selbst. Doch Letty und Nicole gingen zu weit. Als Nicole ihr von hinten an den Haaren zog, reagierte Rose instinktiv. Sie wirbelte herum, packte Nicoles Arm und verdrehte ihn. Nicole schrie vor Schmerz auf. „Aaaahhh!“ „HÖRT AUF!“ Eine tiefe, befehlende Stimme hallte durch den Flur. Rose ließ Nicole sofort los, nur um im nächsten Moment grob am Arm gepackt zu werden. Als sie aufsah, stand sie Matteo direkt gegenüber. „Bist du verrückt geworden?“, fragte Matteo mit kalter Stimme, die ihr einen Schauer über den Rücken jagte. „Ich habe mich nur verteidigt!“, schoss Rose zurück. „Ich weiß nicht, was hier los ist, aber wenn ich ständig angegriffen werde, muss ich mich doch verteidigen!“ „Angegriffen?“ Matteo lachte spöttisch. „Romilda, du hast uns in den Rücken gefallen! Du hast dieser Familie bereits genug Schaden zugefügt, und jetzt willst du auch noch das Opfer spielen?“ „Was genau habe ich euch allen denn angetan?“ „Ich mache dir ein Angebot. Ich bezahle dir jeden Betrag, den du willst, damit du in Ruhe leben kannst.“ Matteo deutete auf das Fenster. „Aber lass uns endlich in Frieden. Hör auf, dich an unsere Familie zu klammern.“ Rose schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht. Ich habe ein Versprechen gegeben.“ Matteo stieß scharf die Luft aus und schloss für einen Moment die Augen. Dann drehte er sich wortlos um. Gemeinsam mit seinen Schwestern ging er die Treppe hinunter. Rose eilte zurück in ihr Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu. Sie lehnte sich mit dem Rücken dagegen und glitt langsam zu Boden. Tränen liefen ihr über die Wangen. „Oh, Romilda ... Warum musste ich nur in dieses Chaos hineingeraten? Was hast du bloß getan?“ Sie vergrub das Gesicht in den Händen und schluchzte leise.
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