Der Sommer breitete sich aus wie ein warmer Mantel über dem Nordreich. Die Birken trugen volles Laub, das im Wind raschelte wie tausend kleine Geheimnisse. Der Blackriver floss breit und träge, sein Wasser glitzerte in der Sonne wie geschmolzenes Silber. Blumen sprossen überall, wo der Schnee früher gelegen hatte: violette Glockenblumen, gelbe Sonnenröschen, rote Mohnblüten, die sich wie Blutstropfen über die Wiesen verteilten. Die Luft roch nach Honig, nach frischem Gras, nach dem fernen Rauch der Schmiedefeuer. Die Festung summte vor Leben. Kinder jagten einander über den Hof, Krieger übten mit weniger Ernst und mehr Lachen, Frauen flochten Kränze aus Wildblumen und hängten sie über die Türen. Luna war nun fast drei Jahre alt. Sie war groß für ihr Alter, schlank und schnell. Ihre dunkle

